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Konjunkturtendenzen Winter 2016/2017

Die Schweizer Wirtschaft leistete sich im 3. Quartal 2016 nach einem starken ersten Halbjahr einen Ausrutscher. Das moderate Wirtschaftswachstum bei den Handelspartnern setzte sich hingegen weiter fort. Sofern die internationale Konjunktur auf dem moderaten Wachstumspfad verbleibt, dürfte sich die schweizerische Konjunktur bis 2018 leicht beschleunigen.

(Bild: Keystone)

Weltkonjunktur: USA überraschen positiv

Die Weltwirtschaft setzt ihren eingeschlagenen moderaten Wachstumspfad fort und weder die Turbulenzen auf den Finanzmärkten zu Jahresbeginn noch der Brexit-Entscheid im Sommer hatten einen massgeblichen Einfluss. Die Entwicklung der wichtigsten Wirtschaftsräume war im 3. Quartal 2016 jedoch heterogen. Während die USA positiv überraschten und der Euroraum das moderate Wachstum fortsetzte, konnte Japan nicht mehr an die Wachstumszahlen der Vorquartale anschliessen. Die Expertengruppe für Konjunkturprognosen des Bundes geht von einer Fortsetzung und des weltwirtschaftlichen Wachstums in den kommenden zwei Jahren aus.

Schweiz: Ausrutscher im 3. Quartal

Im 3. Quartal 2016 blieb das Wachstum des BIP mit 0,0% unter den Erwartungen. Die Gesamtwirtschaft steht aber weiterhin auf einem soliden Fundament. Der Hauptgrund für das schwache Wachstum ist der Wegfall der üblichen inlandorientierten Impulsgeber (Grundstücks- und Wohnungswesen, übrige wirtschaftliche Dienstleistungen, Öffentliche Verwaltung, Gesundheits- und Sozialwesen). Indikatoren wie der PMI oder das KOF-Barometer haben sich jedoch bereits wieder von ihrer Schwäche über die Sommermonate erholt. Obwohl das Barometer jüngst zwar wieder etwas nachliess, signalisiert es weiterhin ein Wachstum in der Nähe des langfristigen Durchschnitts. Verwendungsseitig fällt die schwache Entwicklung des privaten Konsums auf. Die Investitionen trugen leicht positiv zum BIP bei, während die Handelsbilanz ohne nicht monetäres Gold und Wertsachen leicht negativ ausfiel.
Die aktuellen Konjunkturindikatoren deuten auf eine Wachstumsbeschleunigung im 4. Quartal 2016 hin. Der Zuwachs des Einkaufsmanagerindex für die Schweizer Industrie deutet auf eine starke Expansion hin. Das KOF-Konjunkturbarometer kam zuletzt leicht über dem langfristigen Mittelwert zu liegen und signalisiert damit ebenfalls ein Wachstum. Die Konsumentenstimmung verharrt zwar seit mehreren Quartalen unter dem langjährigen Mittelwert, doch die Erwartungen der Konsumenten bezüglich der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung haben sich in der jüngsten Erhebung deutlich verbessert. Für das Gesamtjahr 2016 erwartet die Expertengruppe daher unverändert ein BIP-Wachstum von 1,5%. Im Zuge der allmählichen konjunkturellen Festigung dürfte sich das Wachstum auf 1,8% im Jahr 2017 und auf 1,9% im Jahr 2018 beschleunigen. Die Schweizer Wirtschaft würde damit nicht sehr stark expandieren, aber zum soliden Wachstumstempo der Jahre vor dem Franken-Schock zurückkehren.
Am Arbeitsmarkt sind die Folgen der letztjährigen Konjunkturabschwächung noch nicht überwunden. Das Beschäftigungswachstum verlief schwach, und die Arbeitslosigkeit lag bis zuletzt auf einem relativ hohen Niveau. In der Summe dürfte für das Gesamtjahr 2016 ein Wachstum von 0,1% bei der Beschäftigung resultieren, und die Arbeitslosenquote sollte im Jahresdurchschnitt bei 3,3% zu liegen kommen. Im Zuge der konjunkturellen Erholung erwartet die Expertengruppe eine graduelle Belebung des Arbeitsmarktes. Die Beschäftigungsentwicklung dürfte sich 2017 auf +0,4% und 2018 auf +0,6% beschleunigen. Gleichzeitig ist mit einem graduellen Abbau der Arbeitslosenquote auf 3,2% (im Jahresmittel 2017) und schliesslich auf 3,1% (im Jahresmittel 2018) zu rechnen. Bei der Teuerung dürfte sich im Prognosezeitraum die bereits eingesetzte Normalisierung vollziehen. Für 2016 wird noch eine deutlich negative Teuerungsrate erwartet (-0,4%), gefolgt von einer Null-Teuerung im Jahr 2017 und einer Teuerung von +0,2% im Jahr 2018.

Politische Unsicherheit birgt Risiken

Zu den grössten Risiken für die internationale Wirtschaftsentwicklung zählt gegenwärtig die gestiegene politische Unsicherheit. Nicht nur der Brexit-Entscheid, sondern auch die Ablehnung des Verfassungsreferendums in Italien können als Ausdruck von zentrifugalen Kräften mit einer potentiell destabilisierenden Wirkung auf die europäischen Institutionen gelesen werden. Sollte es zudem auf den Finanzmärkten zu Verwerfungen kommen, etwa im Zusammenhang mit den kriselnden italienischen Banken oder dem Austritt Grossbritanniens aus der EU, wäre eine Abschwächung der europäischen Konjunktur als auch eine erneute Frankenaufwertung mit entsprechenden Effekten auf die Schweizer Realwirtschaft zu befürchten. Nicht zuletzt herrscht nach der Präsidentschaftswahl in den USA eine grosse Unsicherheit bezüglich der künftigen Ausrichtung der US-amerikanischen Wirtschafts- und Handelspolitik.