Die Volkswirtschaft

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Die Nationalbank investiert in die Bildung

Mit dem Bildungsprogramm Iconomix will die Schweizerische Nationalbank (SNB) das Verständnis für volkswirtschaftliche Zusammenhänge in der Schweiz fördern. Zehn Jahre nach der Lancierung erreicht das Programm 40 Prozent des Zielpublikums.

Das Iconomix-Modul «Allmendegüter» vermittelt die Problematik von frei zugänglichen Ressourcen auf spielerische Art. (Bild: Iconomix)

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Mit dem vor zehn Jahren lancierten Bildungsprogramm Iconomix will die Schweizerische Nationalbank (SNB) das Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge in der Bevölkerung stärken. Das Programm ist auf die Sekundarstufe II ausgerichtet – das heisst auf die berufliche Grundbildung und auf die Mittelschulen –, da auf dieser Stufe bereits Wirtschaft unterrichtet wird. Interessierte Lehrpersonen können die Lehr- und Lernressourcen kostenlos von der Iconomix-Website herunterladen und bestellen. Das fachlich fundierte und didaktisch professionell aufbereitete Unterrichtsmaterial wird regelmässig überarbeitet und aktualisiert. Das Angebot von Iconomix ergänzt die bestehenden Lehrmittel.

Die Entscheidungen von Zentralbanken haben weitreichende Konsequenzen für die Bevölkerung. Aus wirtschaftspolitischer Sicht ist es daher von Vorteil, wenn möglichst viele Menschen die Überlegungen und Entscheidungen der Zentralbanken nachvollziehen können und die grundlegenden wirtschaftlichen Zusammenhänge verstehen. In der Schweiz, wo die Bürger auf allen Staatsebenen regelmässig über komplexe ökonomische Sachfragen abstimmen, ist ein Grundwissen über die wirtschaftlichen Zusammenhänge besonders wichtig.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist bestrebt, einen Beitrag zur Vermittlung dieses Grundwissens zu leisten. Zu diesem Zweck hat sie vor zehn Jahren das Iconomix-Programm ins Leben gerufen. Iconomix steht als Teil eines nachhaltig orientierten Engagements der SNB für die ökonomische Bildung in einer längeren Tradition. Diese nahm bereits 1984 mit der Schaffung des Studienzentrums Gerzensee ihren Anfang.

In erster Linie will Iconomix die Lehrpersonen auf der Sekundarstufe II bei der Vermittlung von Kompetenzen zum Verständnis ökonomischer Vorgänge unterstützen. Darüber hinaus fördert das Programm im Rahmen von Aus- und Weiterbildungsanlässen das Fachwissen der Lehrerschaft. Und nicht zuletzt will es Impulse geben für einen modernen und attraktiven Wirtschaftsunterricht.

Wichtige Ausbildungsinstitutionen auf der Sekundarstufe II sind Gymnasien, Fachmittelschulen, Berufsmaturitätsschulen und Berufsfachschulen. Rund 95 Prozent aller Jugendlichen in der Schweiz – rund 330’000 Lernende – beschreiten einen dieser Wege. Insgesamt unterrichten auf Sekundarstufe II rund 4000 Lehrpersonen Wirtschafts- und Gesellschaftsfächer.

Website im Zentrum

Kernprodukt von Iconomix ist die Website Iconomix.ch mit Unterrichtsmaterial auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch – aufgegliedert in Unterrichtsmodule. Ein Modul besteht zum Beispiel aus einer Fallstudie, einer browsergestützten Simulation, einem Fachtext oder einem Lernspiel. Hinzu kommen Begleitmaterialien wie Hilfestellungen oder Foliensätze für die Lehrperson, ein oder mehrere Aufgabensets samt Lösungshinweisen sowie Videos zum Thema.

Neben dem Unterrichtsmaterial bietet Iconomix eine ausgewählte Linksammlung und einen Wirtschaftsblog. Zudem können Lehrpersonen mit Aus- und Weiterbildungsanlässen im Rahmen von Iconomix ihr Fachwissen auffrischen. Die Anlässe dienen dazu, die Aneignung des Unterrichtsmaterials zu unterstützen und konkrete Einsatzmöglichkeiten aufzuzeigen. Wichtig ist, dass sich die Lehrpersonen mit den Materialien vertraut machen und diese an den eigenen Unterricht und die Bedürfnisse der Lernenden anpassen. Letztlich muss die Lehrperson den Mut aufbringen, die neuen Lehr- und Lernressourcen im Unterricht auch tatsächlich einzusetzen. Die Praxis-Workshops von Iconomix helfen, die damit verbundenen Herausforderungen zu meistern.

Das Iconomix-Angebot für Lehrpersonen im Überblick

Auch zehn Jahre nach seiner Lancierung befindet sich Iconomix in einem stetigen Lernprozess. Der regelmässige Austausch mit den Anwendern bringt dabei wertvolle Erkenntnisse zur Verbesserung und Weiterentwicklung des Angebots. Dieser Ansatz schafft zwei wesentliche Voraussetzungen für qualitativ hochwertige Lehr- und Lernressourcen: Zum einen stellt er die Anpassungs- und Entwicklungsfähigkeit dieser Ressourcen über die Zeit sicher, zum anderen bezieht er die Zielgruppe in die Weiterentwicklung ein.

Über 90 Lernmodule

Die Sekundarstufe II setzt sich aus verschiedenen Schul- und Fächertypen zusammen, welche sich in Bezug auf Methodik, Anforderungsniveau und Stundenaufteilung stark unterscheiden. Hinzu kommen die drei Landesteile mit ihren spezifischen Ansprüchen und Eigenheiten, nicht zuletzt natürlich in sprachlicher Hinsicht. Diese Kontraste verlangen nach einem vielfältigen Angebot. Daher deckt Iconomix ein breites Spektrum an Themen, methodisch-didaktischen Ansätzen und Leistungsniveaus ab.

Auf der einen Seite des Spektrums finden sich Module, für die es nur wenig Vorwissen braucht. So werden beispielsweise im Modul «Leasing» anhand eines Fallbeispiels und eines Aufgabensets die Grundlagen dieser Finanzierungsmethode vermittelt. Auf der anderen Seite behandeln Angebote wie etwa das Modul zur Geldpolitik ein Thema auf einem eher abstrakten, wissenschaftsnahen Niveau. Insgesamt stehen über 90 Unterrichtsmodule in vier Sprachen zur Auswahl.

Professionelle Betreuung

Das Angebot von Iconomix wird durch ein kleines Team von Mitarbeitenden der SNB in Zürich und Lausanne betreut. Das operative Jahresbudget (Sachaufwand) beträgt 0,7 Millionen Franken. Das Team konzentriert sich auf den Betrieb der Website, die Programmleitung, die Kundenbetreuung und die Qualitätssicherung. Für alle anderen Leistungen wird mit qualifizierten externen Fachpersonen wie Autoren, Lehrpersonen, Gestaltern (Print, Web), Informatikern und Lektoren zusammengearbeitet. Im Lauf der Zeit ist so ein eingespieltes, effizient arbeitendes Netzwerk entstanden.

Iconomix pflegt den Kontakt zu Unternehmen, Verlagen und Bildungsinstitutionen, darunter Universitäten, Fachhochschulen, Berufsschulen und Gymnasien. Diese Zusammenarbeit trägt viel zur breiten Akzeptanz und zur Verankerung von Iconomix in der schweizerischen Bildungslandschaft bei.

Zielgruppe erreicht

Von Beginn an war klar, dass Iconomix nur erfolgreich sein kann, wenn das Angebot im Unterricht auch ankommt. Ende 2016 nutzten rund 1500 Lehrpersonen der Sekundarstufe II die Iconomix-Website aktiv.[1] Bezogen auf die Zielgruppe von rund 4000 Lehrpersonen, die auf Sekundarstufe II Wirtschafts- und Gesellschaftsfächer unterrichten, ist dies ein Anteil von knapp 40 Prozent. Verbreitung und Nutzung sind in allen drei Landesteilen ähnlich gut.

Wer über die Jahre in ein Programm investiert, will auch wissen, ob es etwas bringt. Die Erfolgsmessung ist daher zentral. Entsprechend misst Iconomix die Verbreitung, Nutzung und Wirkung der Angebote und erhebt eine Reihe von Leistungskennzahlen (siehe Kasten). Ein Teil davon wird auf der Website und im Angebotskatalog, der jeweils im Juni erscheint, publiziert.

  1. Aktive User sind solche, die ihren Account 2016 mindestens einmal genutzt haben. []

Dr. rer. pol., Leiter Volkswirtschaft, Schweizerische Nationalbank (SNB), Zürich

Dr. rer. oec., stv. Leiter Forschungskoordination und Ökonomische Bildung, Leiter Iconomix.ch, Schweizerische Nationalbank (SNB), Zürich

Fakten zu Iconomix (für das Jahr 2016)

  • 91 Unterrichtsmodule in drei Landessprachen und Englisch
  • 136 publizierte Blogartikel auf Deutsch und Französisch
  • 114’000 einzelne Besuche auf der Website
  • 80’000 Downloads von Unterrichtsmaterial
  • 666 Lehrmaterialien im Klassensatz bestellt
  • 18 Anlässe für Lehrpersonen mit insgesamt rund 400 Teilnehmenden

Mehr Informationen unter Iconomix.ch

Dr. rer. pol., Leiter Volkswirtschaft, Schweizerische Nationalbank (SNB), Zürich

Dr. rer. oec., stv. Leiter Forschungskoordination und Ökonomische Bildung, Leiter Iconomix.ch, Schweizerische Nationalbank (SNB), Zürich