Die Volkswirtschaft

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Die Wettbewerbsfähigkeit eines exportorientierten und rohstoffarmen Hochtechnologielandes wie der Schweiz hängt in erster Linie von dessen Innovationskraft ab. Zur Sicherung unseres Wohlstands ist es daher notwendig, Forschungsergebnisse aus den Labors der Hochschulen und Forschungsinstitutionen konsequent und möglichst rasch in die Schweizer Unternehmen zu transferieren und ihnen dadurch zu einem nachhaltigen Markterfolg zu verhelfen. Die Brücke «from science to business and society» zu schlagen, hat sich auch die Empa als anwendungsorientierte Forschungsinstitution für Materialwissenschaften und Technologieentwicklung auf ihre Fahnen geschrieben – und das mit Erfolg.

Der klassische Technologietransfer, dem sich eine in den letzten Jahren ausgebaute und professionalisierte Stelle annimmt, ist ein wesentliches Standbein in einer Palette von verschiedenen Kanälen des Wissens- und Technologietransfers (WTT) an der Empa (siehe Grafik 1). Die Zahl der Lizenzen, Patentübertragungen und anderer vertraglicher Abkommen zur Klärung der Nutzungs- und Urheberrechte hat enorm zugenommen. 2006 initiierten Wissenschafterinnen und Wissenschafter der Empa knapp 200 neue WTT-Projekte und meldeten 20 nationale und internationale Patente an, unter anderem für folgende Entwicklungen: – ultraleichte Kühlbekleidung für Multiple-Sklerose-Patienten, die seit April von einem Schweizer Unternehmen aus der Textilbranche produziert wird;  – verschiedene, gemeinsam mit Partnern aus der Automobil- und Zulieferindustrie entwickelte Katalysatorkonzepte in Verbrennungsmotoren; – das an der Empa erarbeitete Konzept, Kohlenstoff-Nanoröhrchen als winzige Elektronenquellen zu verwenden, das bereits in neuartigen Röntgenröhren eines Schweizer Unternehmens und in Flachbildschirmen zum Einsatz kommt.  Volkswirtschaftlich nicht minder bedeutend sind Spin-offs, also Firmenneugründungen im Umfeld der Schweizer F&E-Institutionen. Bereits seit einigen Jahren betreibt die Empa in St. Gallen das Technologiezentrum für die Euregio Bodensee (Tebo), das Jungunternehmen in ihrer Startphase durch Coaching, fachspezifische Beratung, administrative Dienstleistungen, Bereitstellen der notwendigen Infrastruktur usw. unterstützt. Es beherbergt 33 Unternehmen mit insgesamt rund 90 Mitarbeitenden. Letztes Jahr musste sogar ein zweiter Standort bezogen werden, nachdem die Empa-Gebäude keine Neumieter mehr aufnehmen konnten. In Thun ist die Empa ebenfalls am dortigen Neuunternehmen-Zentrum beteiligt.

Von Technologiezentren und Industriekooperationen …

Da auch in Dübendorf erfolgreiche Spin-offs – wie die Firma Carbo-Link – bereits mehr Platz benötigen, plant die Empa dort einen weiteren Business-Inkubator. Die Jungfirmen werden zentral auf dem Empa-Areal angesiedelt sein. Zielgruppen sind – neben Spin-offs der Empa – externe Start-ups mit Bezug zur Empa, ausgelagerte Forschungseinheiten grösserer Firmen sowie öffentlich-private Partnerschaften. Als Vorbild für Letztere dient etwa das «Center for Synergetic Structures», das die Empa seit Mitte letzten Jahres gemeinsam mit der Firma Festo betreibt, um neuartige, leichtgewichtige Tragstrukturen zu entwickeln. Auch die Anzahl der Dienstleistungs- und Kooperationsverträge mit den Industriepartnern der Empa steigt stetig an. Alleine letztes Jahr wurden rund 170 derartige Vereinbarungen getroffen, sei es in Form gemeinsamer F&E-Projekte, unabhängiger Expertisen und Untersuchungen oder durch die Nutzung der Empa-«User Labs». Um potenziellen Kunden und Partnern den Zugang zur Empa so einfach wie möglich zu machen und allfällige Hemmschwellen oder Berührungsängste abzubauen, wurde vor einiger Zeit ein Portal eingerichtet. Internet: www.empa.ch , Rubriken «Die Empa im Profil», «Das Empa-Portal». E-Mail: portal@empa.ch. Über diese zentrale Anlaufstelle können interessierte Unternehmen ihre Anfragen und Probleme bequem platzieren, ohne vorher den richtigen Ansprechpartner ausfindig machen zu müssen  Gleichzeitig betreiben die Portal-Mitarbeitenden Technologie-Scouting innerhalb der Empa, um gezielt potenzielle Verwertungspartner angehen zu können. Den direkten Kontakt sucht die Empa auch an Technologie- und Innovations-Messen wie dem 2. Swiss Innovation Forum Mitte Oktober in Basel, an dem sich die Empa der Schweizer Innovationsszene präsentiert und das sie als Knowledge-Partner unterstützt. Oder sie geht gar «on the road», wie in den letzten beiden Jahren, als die von Industriepartnern (u.a. ABB, Ruag und Hilti) gesponserte Wanderausstellung «Empa unterwegs» an acht technisch ausgerichteten Fachhochschulen in allen drei Landesteilen zu Gast war. Dabei ging es darum, mit regionalen Hightech-Unternehmen – vor allem auch KMU – ins Gespräch zu kommen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten. Ebenfalls in diesen Bereich fällt die so genannte Ressortforschung, beispielsweise für Bundesämter und andere Behörden ohne eigene Laboratorien. Dabei liefern Empa-Studien häufig die Entscheidungsgrundlage für gesellschaftlich relevante Fragen, wie z.B. im Fall der Ökobilanzierung von Biotreibstoffen. Oder sie helfen, die Wirksamkeit bestimmter Umweltschutzmassnahmen zu überwachen, etwa durch das nationale Beobachtungsnetz für Luftfremdstoffe (Nabel), das die Empa im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) betreibt.

… über Wissensmarketing und Imagepflege…

Um Wissen und Know-how in die Praxis zu überführen, muss man es zuerst verbreiten, sprich: den Dialog mit den verschiedenen Zielgruppen pflegen. Dies geschieht zum einen durch Tagungen und Kongresse, an denen Empa-Wissenschafter und -Ingenieure ihre neusten Ergebnisse präsentieren, zum anderen durch Veröffentlichungen von Fachbeiträgen in den einschlägigen Journalen. Daneben haben für die Empa in der Wissensverbreitung eine effiziente Öffentlichkeitsarbeit sowie ein zielgerichtetes Technologiemarketing einen hohen Stellenwert. Denn wenn die Empa und ihre Leistungen bei potenziellen Industrie- und Hochschulpartnern bekannt ist und als F&E-Institution eine entsprechende Reputation in der Forschungs- und Innovationsszene geniesst, ist es oft nur ein kleiner Schritt zu einem gemeinsamen Projekt. Beim Anbahnen von Industriekontakten spielt wiederum das Empa-Portal eine entscheidende Rolle. Das Portal-Team organisiert regelmässig Treffen zwischen interessierten Unternehmen und den entsprechenden Empa-Fachleuten.

… bis hin zur Lehre und Aus- und Weiterbildung

Zu guter Letzt wird Wissen natürlich auch in der traditionellen Lehre an den beiden ETH, den Schweizer Universitäten und Fachhochschulen beziehungsweise in der Weiterbildung verbreitet. 2006 haben Empa-Wissenschafter und -Ingenieure an 33 Hochschulen im In- und Ausland unterrichtet. An der Empa-Akademie finden regelmässig spezielle Weiterbildungskurse und -seminare für die Industrie statt, etwa ein Titananwenderseminar oder ein Nanotechnologie-Seminar, welches die Empa in Zusammenarbeit mit dem Verband der Schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Swissmem) organisiert. Bereits heute besuchen jedes Jahr mehr als 4000 Teilnehmende die verschiedenen Veranstaltungen. Dieses Angebot wird in Zukunft ausgebaut. Ziel ist es, die Empa-Akademie zur ersten Adresse im Bereich Aus- und Weiterbildung für die Schweizer Indus-trie zu entwickeln. Einen äusserst effizienten – obgleich häufig vernachlässigten – WTT-Kanal stellt schliesslich der Austausch von «Köpfen» dar, zum Beispiel in Form von Forschungsaufenthalten (Sabbaticals) an Partnerinstitutionen aus Hochschule und Industrie. Die Empa engagiert sich ausserdem stark im Nord-Süd-Dialog, indem sie mit ausgewählten Partnern aus Schwellen- und Entwicklungsländern so genannte «Capacity Building»-Projekte betreibt – etwa auf dem Gebiet des Elektroschrott-Recyclings oder der Lebenszyklusanalysen. Forschende aus den Partnerländern sind dabei regelmässig an der Empa zu Gast, während die Empa-Mitarbeitenden die Projekte immer wieder direkt vor Ort betreuen und so sicherstellen, dass das erlernte Know-how richtig umgesetzt wird.

Grafik 1 «Wissens- und Technologietransfer an der Empa»

CEO, Empa, Dübendorf

CEO, Empa, Dübendorf