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Die Temporärarbeit hat im letzten Jahrzehnt einen massiven Boom erfahren. Ein wichtiger Grund dafür ist das durch die Globalisierung gestiegene Bedürfnis der Firmen nach Flexibilisierung. Aber auch auf Seiten der Arbeitnehmenden ist ein Trend in Richtung mehr Ungebundenheit und Abwechslung auszumachen. Heute arbeiten in der Schweiz über 250000 Personen temporär. In einer breit angelegten Befragung wurde die Rolle der Temporärarbeit am Schweizer Arbeitsmarkt untersucht. Es wurde analysiert, wer temporär arbeitet, welche Motive der Aufnahme eines Temporärjobs zugrunde liegen und wie die Arbeitsmarktperspektiven für temporär Arbeitende sind.

In der Schweiz haben im Jahr 2006 241000 Personen – und damit 5,6% der erwerbstätigen Bevölkerung – während mehrerer Wochen bis Monate temporär gearbeitet (vgl. Kasten 1 Der Begriff der Temporärarbeit steht für alle Arbeitsverhältnisse, an denen die folgenden drei Akteure beteiligt sind:- die temporär arbeitende Person als Arbeitnehmer;- das Temporärarbeitsbüro bzw. Personaldienstleistungsunternehmen als Arbeitgeber, der die temporär arbeitende Person verleiht;- der Einsatzbetrieb, der die temporär arbeitende Person entleiht. Die Temporärarbeit ist von anderen Formen zeitlich befristeter Arbeit – wie z.B. der Arbeit auf Abruf oder von befristeten Anstellungsverträgen – zu unterscheiden, an denen nur zwei Akteure beteiligt sind (der Betrieb als Arbeitgeber sowie der Arbeitnehmer) und bei denen nicht auf die Verleihdienste einer Personaldienstleistungsfirma zurückgegriffen wird. Der Grossteil der temporär Arbeitenden verbleibt weniger als ein Jahr bei dieser Arbeitsform. Dies führt dazu, dass bei der Erhebung eines Jahres deutlich mehr Personen temporär arbeiten als an einem Stichtag. Will man die temporär Arbeitenden mit der regulär arbeitenden Bevölkerung vergleichen, empfiehlt es sich, beide Grössen zu betrachten. Sie beleuchten verschiedene Aspekte desselben Phänomens:- 2006 bezogen 241000 Personen und damit 5,6% der erwerbstätigen Bevölkerung in der Schweiz zumindest einen Teil ihres Einkommens von der Temporärarbeitsbranche;a- von den insgesamt 3,1 Mio. Arbeitsstellen in der Schweiz (in Vollzeitäquivalenten) wurden 61000 und damit 2% von temporär Arbeitenden besetzt.b). Quellen: Erhebung des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) bei den Schweizerischen Verleih- und Vermittlungsbetrieben, Erwerbstätigenstatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS), eigene Berechnungen von Swissstaffing. Im Jahr 2007 sind es gemäss unseren Prognosen über 250000 Personen. Swissstaffing, der Verband der Personaldienstleister der Schweiz, hat im Jahr 2006 1026 temporär Arbeitende und 419 Einsatzbetriebe befragen lassen, Die Befragung wurde von GFS-Zürich im Auftrag von Swissstaffing durchgeführt. Die Ergebnisse liegen in Form zweier Publikationen vor: «Fact-Sheet Temporärarbeit in der Schweiz», herausgegeben von Swissstaffing (2007). «Bericht Temporärarbeit in der Schweiz», herausgegeben von Swissstaffing (2007). um Antworten auf folgende Fragen zu erhalten (vgl. Kasten 2 Befragt wurden 1026 Personen, die im Jahr 2005 temporär gearbeitet haben. Da die Befragung erst Ende 2006 durchgeführt wurde, konnte der berufliche Werdegang der Befragten nach der Temporärarbeitserfahrung des Jahres 2005 nachverfolgt werden. Die ehemaligen temporär Arbeitenden wurden überdies über ihre berufliche Situation vor der Aufnahme des Temporärjobs im Jahr 2005 befragt. Damit wurde es möglich, den mehrjährigen Berufsverlauf der Befragten nachzuvollziehen. Auf Seiten der Einsatzbetriebe richtete sich die Befragung an 419 Firmen, die innerhalb des Jahres 2006 temporäres Personal eingesetzt haben. Mit der Berücksichtigung eines ganzen Jahres (2006) konnten auch die saisonbedingten Schwankungen im Bereich der Temporärarbeit mit einbezogen werden. Die beiden Stichprobenerhebungen sind repräsentativ für den Kundenstamm der fünf grössten Personaldienstleistungsfirmen der Schweiz. Inwiefern sich die Einsatzdauer, die Motive zur Aufnahme eines Temporärjobs und die Arbeitsmarktperspektiven verschiedener (persönlich oder beruflich definierter) Gruppen von temporär Arbeitenden unterscheiden, wurde aufgrund eines Mittelwertvergleiches bestimmt (Z-Test). Inwiefern die Arbeitsmarktperspektiven der temporär Arbeitenden von persönlichen oder beruflichen Merkmalen oder von der beruflichen Vergangenheit abhängen, wurde überdies mittels einer binären logistischen Regressionsanalyse ermittelt. Statistisch signifikante Unterschiede bzw. Zusammenhänge wurden als solche (mit dem Attribut «signifikant») gekennzeichnet. Andere bemerkenswerte Unterschiede, welche aber zu wenig ausgeprägt sind oder auf einer zu kleinen Stichprobe basieren, um zu einem statistisch signifikanten Ergebnis zu führen, wurden in diesem Beitrag ebenfalls berücksichtigt, jedoch ohne das Attribut «signifikant» erwähnt. und Grafik 1): Wer sind die temporär arbeitenden Menschen? Was haben sie vor dem Temporärjob getan? Was hat sie veranlasst, einem solchen nachzugehen? Wie spielt sich ihr Job ab? Was tun sie nach dem Temporäreinsatz?

Temporärarbeit und deren Rolle am Arbeitsmarkt

Die Temporärarbeit hat in den letzten zehn Jahren in der Schweiz wie auch in weiten Teilen der OECD-Länder einen massiven Boom erfahren. Die Entwicklung der vergangenen 15 Jahre zeigt eine deutliche Konjunkturabhängigkeit der Temporärarbeitsbranche. Quellen: Seco-Erhebung, Statistiken der Sammelstelle für die Statistik der Unfallversicherung (SSUV) und der Suva. Nachfrage und Angebot an Temporärarbeit sind aber auch konjunkturunabhängig markant gestiegen. Ein wichtiger Grund dafür sind der verstärkte globale Wettbewerbsdruck und das damit einhergehende wachsende Bedürfnis der Unternehmen nach flexibler Arbeit. Dem Aufwärtstrend dürften jedoch nicht nur veränderte Firmenbedürfnisse zugrunde liegen: Selbst in einem Land wie der Schweiz, das bereits einen vergleichsweise flexiblen Arbeitsmarkt aufweist, wächst das Temporärarbeitsvolumen sehr stark. Dieser Umstand deutet darauf hin, dass ein gewisser Wandel der Arbeitnehmerwünsche in Richtung mehr Ungebundenheit und Abwechslung stattgefunden hat.

Profil der temporär Arbeitenden

Die Gruppe der temporär Arbeitenden ist heterogen zusammengesetzt: Die Ergebnisse variieren je nach Datenquelle leicht (eigene Erhebung aus dem Jahr 2006, Schweizerische Arbeitskräfteerhebung Sake des BFS 2001-2005), weil den Erhebungen unterschiedliche Grundgesamtheiten zugrunde liegen und die Erhebungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten durchgeführt wurden. Die hier genannten Zahlen sind demzufolge gerundet und ergeben sich aus dem Vergleich der beiden Datenquellen. – Rund zwei Drittel der temporär Arbeitenden sind Männer und ein Drittel Frauen. – Knapp 40% der temporär Beschäftigten sind 24-jährig oder jünger und weitere knapp 40% 25- bis 39-jährig. Die restlichen 20% sind 40-jährig oder älter. – Etwa die Hälfte der Temporärarbeitskräfte ist ausländischer Herkunft; die andere Hälfte sind Schweizer. – Rund ein Viertel der temporär Beschäftigten hat keine Berufsbildung. Knapp zwei Drittel verfügen über einen Lehrabschluss oder eine höhere Ausbildung, und rund 10% haben ein Hochschulstudium absolviert. – Die Mehrheit der temporär Arbeitenden wird im Baugewerbe und in der Industrie eingesetzt. Die im Dienstleistungssektor tätigen Temporärarbeitskräfte finden sich insbesondere in den Bereichen Handel, Kommunikation und Informatik sowie im Tourismus. – Gut die Hälfte der temporär Arbeitenden sind Fachkräfte. Ein beachtlicher Teil wird als Hilfskraft eingesetzt, während 2% mit akademischen Aufgaben oder Führungsaufgaben betraut sind.  Junge Menschen, Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit und Menschen mit tiefem Bildungsniveau sind unter den temporär Arbeitenden überrepräsentiert. Sie sind zugleich Arbeitsmarkttypen, die eine überdurchschnittliche Arbeitslosenquote aufweisen. Quellen: Schweizerische Arbeitsmarktstatistik des Seco, Sake. Eine der wichtigen gesellschaftlichen und arbeitsmarktlichen Beiträge, die die Temporärarbeitsbranche leistet, besteht somit darin, Menschen mit schlechten Integrationschancen am regulären Arbeitsmarkt Arbeitsmöglichkeiten zu bieten. Dennoch sind alle Alters-, Bildungs- und Berufsgruppen unter den temporär Arbeitenden vertreten. Die Temporärarbeitsbranche spricht also ein breites Spektrum von Stellensuchenden an – so z.B. auch jährlich 4000 Akademiker und Kaderleute oder 19000 Menschen mit Alter über 50. Gemäss eigenen Hochrechnungen.

Art der Einsätze

Die Mehrheit der Einsätze sind Kurzeinsätze. Ein beachtlicher Teil der temporär Arbeitenden ist aber auch während längerer Zeit – bis über ein Jahr lang – in der Temporärarbeitsbranche beschäftigt. Unter Letzteren befinden sich vor allem Ausländerinnen und Ausländer sowie Männer. Junge Personen verbleiben hingegen vergleichsweise kurze Zeit bei der Temporärarbeit. Nur 2% der Befragten sind während zweier Jahre oder länger als temporär Beschäftigte tätig.

Motive für die Temporärarbeit

Für knapp 40% der temporär Beschäftigten – insbesondere Personen bis 30 Jahre, Personen mit mittlerem und hohem Bildungsgrad sowie Schweizerinnen und Schweizer – stellt die Temporärarbeit nicht eine «zweitbeste» Lösung dar. Sie entscheiden sich ganz bewusst zur Aufnahme eines Temporärjobs – zum Beispiel, um Zeitpunkt und Dauer des Arbeitseinsatzes frei wählen zu können, aus einem Bedürfnis nach Abwechslung oder um berufliche Erfahrungen zu sammeln. Die Übrigen arbeiten vorwiegend temporär, weil sie keine andere Stelle gefunden haben und damit die Chancen auf eine Festanstellung verbessern möchten. Dies gilt insbesondere für ältere Personen, Menschen ohne Berufsbildung, Ausländerinnen und Ausländer sowie in der Vorperiode arbeitslose Personen. Aus Sicht der Einsatzbetriebe – vor allem der Grossbetriebe mit über 200 Mitarbeitenden – hilft das flexible Arbeitsangebot der Temporärarbeitsfirmen in erster Linie, schwankenden Auslastungen zu begegnen und mit der Schnelllebigkeit am Markt Schritt zu halten. Aber auch die Rekrutierungs- und Selektionsdienste der Temporärarbeitsfirmen stossen zunehmend auf Interesse bei den Einsatzbetrieben jeder Grösse und Branche. So stufen deutlich mehr Einsatzbetriebe als noch vor zwei Jahren Swissstaffing hat bereits im Jahr 2004 eine Befragung bei 1007 temporär Arbeitenden und 425 Einsatzbetrieben durchgeführt. die Selektionsarbeit der Temporärarbeitsfirmen als wichtig oder sehr wichtig ein beim Entscheid, temporäres Personal einzustellen. Die Ausgliederung der Rekrutierungs- und Selektionsarbeit ermöglicht es den betroffenen Betrieben, sich aufs Kerngeschäft zu konzentrieren.

Brückenfunktion der Temporärarbeit

Dass sich ein sehr breites Spektrum von Menschen zur Temporärarbeit entschliesst, zeigt sich auch bei der Betrachtung ihrer beruflichen Vergangenheiten: Rund ein Viertel war vor dem Temporäreinsatz fest angestellt. Ein weiterer Viertel war zuvor arbeitslos und knapp ein dritter Viertel in Ausoder Weiterbildung; 10% arbeiteten schon vorher temporär. Die restlichten 15% gingen vor dem Temporäreinsatz einer befristeten oder selbstständigen Beschäftigung nach, waren im Haushalt tätig oder pensioniert. Die temporäre Arbeitsform spricht demzufolge verschiedenste Personentypen an und ist keinesfalls nur eine Lösung für «Outsider» am regulären Arbeitsmarkt. Von allen temporär Arbeitenden suchen 70% im Anschluss an den Temporärjob eine Festanstellung. Innert Jahresfrist gelingt der Übergang vom Temporärjob zur gewünschten Festanstellung in knapp der Hälfte der Fälle (vgl. Grafik 2). Weitere knapp 10% gehen nach einem Jahr einer anderen, nicht temporären beruflichen Beschäftigung nach (befristete Anstellung, berufliche Selbstständigkeit), während 15% weiterhin temporär beschäftigt sind. Rund 20% sind nach einem Jahr arbeitslos und rund 5% beruflich inaktiv (in Aus-/Weiterbildung, Hausfrau/-mann, in Pension).

Arbeitsmarktperspektiven in Abhängigkeit der beruflichen Vergangenheit…

Die Arbeitsmarktperspektiven der temporär Arbeitenden hängen bis zu einem gewissen Grad von ihrer beruflichen Situation vor dem Temporäreinsatz ab (vgl. Grafik 2). Personen, die vor dem Temporäreinsatz festangestellt waren, haben eine signifikant überdurchschnittliche Chance von 58%, innert Jahresfrist nach dem Einsatz eine feste Anstellung zu finden. Personen, die früher befristet angestellt waren, und solche, die bereits in der Vorperiode temporär angestellt waren, haben eine unterdurchschnittliche Feststellenchance von 32% bzw. 36%. Beide Gruppen finden innert Jahresfrist aber signifikant häufiger als die anderen temporär Arbeitenden eine befristete (nicht temporäre) Stelle. Möglicherweise handelt es sich um Menschen, die zwar die Festanstellung suchen, befristete Anstellungsbedingungen aber als Alternative ebenfalls schätzen. Dafür spricht, dass die betroffenen Personen mit der Temporärarbeit als Arbeitsform genauso zufrieden sind wie die übrigen temporär Arbeitenden. Personen, die bereits in der Vorperiode temporär angestellt waren, haben allerdings ein überdurchschnittliches Arbeitslosigkeitsrisiko von 32%. Möglicherweise wirkt die länger andauernde Beschäftigung in temporären Einsätzen – auch wenn nicht unerwünscht – als negatives Signal auf Arbeitgeber, die nach festanzustellendem Personal suchen. Temporär Arbeitende, die zuvor arbeitslos waren, haben kaum geringere Chancen auf eine feste Anstellung als der Durchschnitt der temporär Beschäftigten. Insofern wirkt die Temporärarbeit in ihrem Fall nicht bloss als Zwischenlösung, sondern als Brücke zur Regulärarbeit. Zwar ist ihr Arbeitslosigkeitsrisiko leicht überdurchschnittlich; doch gut 70% der ehemals Arbeitslosen fallen innert Jahresfrist nicht wieder in die Arbeitslosigkeit zurück. Die Beschäftigungsaussichten hängen im Falle ehemals arbeitsloser Personen allerdings stark von der Dauer der Arbeitslosigkeit ab: Kurzzeitarbeitslose haben eine signifikant überdurchschnittliche Feststellenchance von 55% und ein unterdurchschnittliches Arbeitslosigkeitsrisiko im Vergleich mit den anderen ehemals Arbeitslosen. Langzeitarbeitslose haben hingegen eine signifikant unterdurchschnittliche Feststellenchance. Dafür verbleiben Letztere häufiger in der Temporärarbeitsbranche und damit ebenfalls in der Beschäftigung. Frühere Hausfrauen und -männer haben eine deutlich unterdurchschnittliche Feststellenchance. Viele von ihnen kehren nach dem Temporäreinsatz zur Hausarbeit zurück. Immerhin ein Viertel findet aber innert Jahresfrist eine Festanstellung und knappe weitere 20% eine befristete oder weiterhin temporäre Arbeitsstelle. Temporär Arbeitende, die zuvor eine Lehre absolviert haben, haben eine überdurchschnittliche Chance von 53%, innert Jahresfrist eine Festanstellung zu finden. Ihr Arbeitslosigkeitsrisiko ist unterdurchschnittlich: Nur 16% der Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger fallen nach dem Temporäreinsatz in die Arbeitslosigkeit. Besonders hohe Feststellenchancen und ein niedriges Arbeitslosigkeitsrisiko haben Studierende, die temporär arbeiten.

…und in Abhängigkeit persönlicher Merkmale

Ebenso hängen die Arbeitsmarktperspektiven bis zu einem gewissen Grad von persönlichen und beruflichen Merkmalen ab (siehe Grafik 2). Industriearbeitende, Hilfskräfte und insbesondere temporär Arbeitende mit ausländischer Staatsangehörigkeit sowie temporär Beschäftigte ohne Berufsbildung haben eine signifikant unterdurchschnittliche Feststellenchance. Das Arbeitslosigkeitsrisiko ist für die erwähnten Gruppen signifikant überdurchschnittlich – am markantesten wiederum für Personen ohne Berufsbildung. Innert Jahresfrist nach dem Temporäreinsatz werden 35% von ihnen arbeitslos. Dafür verbleiben Letztere häufiger als die übrigen temporär Arbeitenden, nämlich in 22% der Fälle, in der Temporärarbeitsbranche und damit ebenfalls in der Beschäftigung. Dienstleistungsangestellte, Fachkräfte, Schweizer temporär Arbeitende sowie temporär Beschäftigte mit Berufsbildung haben hingegen eine signifikant überdurchschnittliche Feststellenchance von 53%-56% sowie ein signifikant unterdurchschnittliches Arbeitslosigkeitsrisiko von 17%-19%. Die geschlechtsoder altersabhängigen Unterschiede bezüglich der Feststellenchance bzw. des Arbeitslosigkeitsrisikos sind gering und nicht signifikant. Einzig über 50-jährige temporär Arbeitende haben eine merklich unterdurchschnittliche Chance, innert Jahresfrist eine Festanstellung zu finden. Insgesamt wird aus den beobachteten beruflichen Werdegängen deutlich, dass eine grosse Mehrheit der temporär Arbeitenden nur während einer kurzen Phase bei dieser Arbeitsform bleibt. Temporäreinsätze scheinen häufig als Zwischenlösung verstanden und genutzt zu werden. Auch wenn die Temporäreinsätze zeitlich befristet sind, ist in etlichen Fällen berufliche Kontinuität dennoch möglich. So verbleiben 30% der temporär Arbeitenden auch bei wechselnden Anstellungsbedingungen längere Zeit in derselben (Einsatz-)Firma tätig. Dies gilt insbesondere für temporär Arbeitende mit hohem Bildungsgrad, am seltensten hingegen für als Hilfskräfte eingesetzte Personen. Zudem wechselt der Grossteil der temporär Arbeitenden nach dem Temporäreinsatz in ein stabiles Berufsverhältnis. So haben knapp Dreiviertel der Befragten ihr an den Temporäreinsatz anschliessendes Berufsverhältnis bis zum Befragungszeitpunkt ca. ein Jahr später nicht gewechselt. Eine Auswertung der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (Sake) bestätigt die intakten Arbeitsmarktperspektiven von temporär Arbeitenden. Letztere haben eine signifikant höhere Chance als Arbeitslose, ein Jahr später fest angestellt zu sein. Temporär Arbeitende sind ein Jahr später auch signifikant seltener arbeitslos oder beruflich inaktiv als Arbeitslose. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine temporär arbeitende Person ein Jahr später festangestellt ist, beträgt gemäss Auswertungen der Sake 47%; jene arbeitsloser Personen beträgt hingegen 36%. Dieses Ergebnis beruht auf der Annahme, dass sich die zwei untersuchten Gruppen (temporär Arbeitende und Arbeitslose) nicht systematisch hinsichtlich unbeobachtbarer Merkmale, wie beispielsweise der Arbeitsmotivation, unterscheiden.

Fazit

Unter allen Alters-, Bildungs- und Berufsgruppen finden sich Menschen, die temporär arbeiten. Die grosse Mehrheit verbleibt nur kurze Zeit – also weniger als ein Jahr – bei dieser Arbeitsform. Den einen dient die Temporärarbeit als willkommene Lösung zur Deckung ihrer Flexibilitätsbedürfnisse; die anderen verstehen sie als Brücke zur Festanstellung. Innert Jahresfrist gelingt kapp der Hälfte der gewünschte Übertritt in die Festanstellung.

Grafik 1 «Zeitpunkt der Befragung und der erfragten Situationen»

Grafik 2 «Arbeitsmarktperspektiven von temporär Arbeitenden in Abhängigkeit der früheren beruflichen Situation sowie persönlicher und beruflicher Merkmale, 2006 Berufliche Situation von temporär Arbeitenden, die eine Festanstellung suchen, ca. ein Jahr nach der Temporärarbeitserfahrung»

Kasten 1: Definition und Erhebung der Temporärarbeit Der Begriff der Temporärarbeit steht für alle Arbeitsverhältnisse, an denen die folgenden drei Akteure beteiligt sind:- die temporär arbeitende Person als Arbeitnehmer;- das Temporärarbeitsbüro bzw. Personaldienstleistungsunternehmen als Arbeitgeber, der die temporär arbeitende Person verleiht;- der Einsatzbetrieb, der die temporär arbeitende Person entleiht. Die Temporärarbeit ist von anderen Formen zeitlich befristeter Arbeit – wie z.B. der Arbeit auf Abruf oder von befristeten Anstellungsverträgen – zu unterscheiden, an denen nur zwei Akteure beteiligt sind (der Betrieb als Arbeitgeber sowie der Arbeitnehmer) und bei denen nicht auf die Verleihdienste einer Personaldienstleistungsfirma zurückgegriffen wird. Der Grossteil der temporär Arbeitenden verbleibt weniger als ein Jahr bei dieser Arbeitsform. Dies führt dazu, dass bei der Erhebung eines Jahres deutlich mehr Personen temporär arbeiten als an einem Stichtag. Will man die temporär Arbeitenden mit der regulär arbeitenden Bevölkerung vergleichen, empfiehlt es sich, beide Grössen zu betrachten. Sie beleuchten verschiedene Aspekte desselben Phänomens:- 2006 bezogen 241000 Personen und damit 5,6% der erwerbstätigen Bevölkerung in der Schweiz zumindest einen Teil ihres Einkommens von der Temporärarbeitsbranche;a- von den insgesamt 3,1 Mio. Arbeitsstellen in der Schweiz (in Vollzeitäquivalenten) wurden 61000 und damit 2% von temporär Arbeitenden besetzt.b

Kasten 2: Methodische Hinweise Befragt wurden 1026 Personen, die im Jahr 2005 temporär gearbeitet haben. Da die Befragung erst Ende 2006 durchgeführt wurde, konnte der berufliche Werdegang der Befragten nach der Temporärarbeitserfahrung des Jahres 2005 nachverfolgt werden. Die ehemaligen temporär Arbeitenden wurden überdies über ihre berufliche Situation vor der Aufnahme des Temporärjobs im Jahr 2005 befragt. Damit wurde es möglich, den mehrjährigen Berufsverlauf der Befragten nachzuvollziehen. Auf Seiten der Einsatzbetriebe richtete sich die Befragung an 419 Firmen, die innerhalb des Jahres 2006 temporäres Personal eingesetzt haben. Mit der Berücksichtigung eines ganzen Jahres (2006) konnten auch die saisonbedingten Schwankungen im Bereich der Temporärarbeit mit einbezogen werden. Die beiden Stichprobenerhebungen sind repräsentativ für den Kundenstamm der fünf grössten Personaldienstleistungsfirmen der Schweiz.Inwiefern sich die Einsatzdauer, die Motive zur Aufnahme eines Temporärjobs und die Arbeitsmarktperspektiven verschiedener (persönlich oder beruflich definierter) Gruppen von temporär Arbeitenden unterscheiden, wurde aufgrund eines Mittelwertvergleiches bestimmt (Z-Test). Inwiefern die Arbeitsmarktperspektiven der temporär Arbeitenden von persönlichen oder beruflichen Merkmalen oder von der beruflichen Vergangenheit abhängen, wurde überdies mittels einer binären logistischen Regressionsanalyse ermittelt. Statistisch signifikante Unterschiede bzw. Zusammenhänge wurden als solche (mit dem Attribut «signifikant») gekennzeichnet. Andere bemerkenswerte Unterschiede, welche aber zu wenig ausgeprägt sind oder auf einer zu kleinen Stichprobe basieren, um zu einem statistisch signifikanten Ergebnis zu führen, wurden in diesem Beitrag ebenfalls berücksichtigt, jedoch ohne das Attribut «signifikant» erwähnt.

MA UZH, wissenschaftliche Mitarbeiterin swissstaffing, Zürich

Projektmitarbeiterin swissstaffing (heute Wüest und Partner), Zürich

MA UZH, wissenschaftliche Mitarbeiterin swissstaffing, Zürich

Projektmitarbeiterin swissstaffing (heute Wüest und Partner), Zürich