Die Volkswirtschaft

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Die Wirtschaft verlangt wettbewerbsfähige Strompreise, die Klimaveränderung erfordert eine CO2-freie Stromerzeugung und die Gesellschaft will eine sichere Stromversorgung. Nur mit eigenen inländischen Produktionskapazitäten und einer breiten Diversifikation kann ein Stromversorger alle Ansprüche erfüllen.Wie also muss der künftige Strommix aussehen?

Die Energiewirtschaft befindet sich in einer Umbruchphase. Einerseits gilt es, eine ausreichende und wirtschaftliche Stromversorgung sicherzustellen, dies bei der sich ab 2020 abzeichnenden Stromversorgungslücke. Nur eigene bedeutsame Produktionskapazitäten im Inland werden stabile und wettbewerbsfähige Strompreise garantieren können. Anderseits prägt die Klimaveränderung das gesellschaftspolitische Denken und Handeln auch in der Energiefrage. Schliesslich wird sich zeigen, wie sich die Strommarktöffnung in der Schweiz und in der EU auswirkt. In diesem Umfeld müssen die Energieversorgungsunternehmen heute wichtige Entscheide für morgen treffen.

CO2-freie Stromerzeugung ist unumgänglich

Der 4. Klimabericht des zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen ICPP zeigt auf, wie sich das Klima durch den Ausstoss an CO2 stark verändert hat und weiter drastisch verändern wird. Dies erfordert eine Stromversorgung, die möglichst wenig bis kein CO2 emittiert. Die Schweiz steht mit ihren beiden hauptsächlichen Stromproduktionsformen Wasserkraft und Kernenergie im internationalen Vergleich gut da. Durch die altersbedingt vom Netz gehenden Kernkraftwerke Beznau I und II sowie Mühleberg und die ab 2018 gestaffelt auslaufenden Strom-Importverträge mit Frankreich ist bei der Kernenergie mittelfristig ein Wegfall von nahezu 3200 MW elektrischer Leistung zu erwarten – eine gewaltige Menge an Strom, die ersetzt werden muss, und dies möglichst CO2-frei.

Den Erneuerbaren gehört die Zukunft

Es herrschen unterschiedliche Auffassungen, wie sich diese Stromversorgungslücke schliessen lässt. Die einen wollen möglichst schnell neue Kernkraftwerke. Die anderen glauben an die Zukunft der erneuerbaren Energien. Axpo als ein Unternehmen der öffentlichen Hand hat den Auftrag, die Stromversorgung für ihre Kunden zuverlässig, umweltgerecht und wirtschaftlich sicherzustellen. Wie aber bringt man alle Ansprüche unter einen Hut? Indem man das eine tut und das andere nicht lässt. Axpo setzt sich für eine bessere Energieeffizienz und für den Ausbau der erneuerbaren Energien ein. Ihnen gehört die Zukunft; und Axpo wird bis 2030 rund 3 Mrd. Franken für die Energieproduktion aus neuen erneuerbaren Quellen investieren. Es ist das erklärte Ziel, die Marktführerschaft bis zu einem Marktanteil von 40% auszubauen. Trotzdem dürften die neuen erneuerbaren Energien bis 2030 nur etwa 6% des dannzumaligen Stromverbrauchs decken. Das ist bei Weitem zu wenig, um die gesellschaftlichen Ansprüche zu erfüllen. Deshalb braucht es mehr als Energieeffizienz und Erneuerbare. Es braucht – wie es der Bundesrat will – auch neue inländische Grosskraftwerke.

Die Vorteile der Kernenergie

Axpo plant deshalb zusammen mit Partnern, zwei Ersatz-Kernkraftwerke zu bauen (siehe

Kasten 1
Axpo und BKW haben gemeinsam eine Gesellschaft zur Planung von zwei Kernkraftwerken gegründet. Damit sollen die altersbedingt vom Netz gehenden Kernkraftwerke Beznau I, Beznau II und Mühleberg sowie die Kapazitäten der ab 2018 gestaffelt auslaufenden Strom-Importverträge mit Frankreich ersetzt werden. Ziel ist es, bis Ende 2008 zwei Rahmenbewilligungsgesuche für identische Kraftwerkstypen mit einer möglichen elektrischen Leistung von je bis zu 1600 MW einzureichen. Partnerschaften mit Branchen-, Industrieoder Staatsbetrieben sind nicht ausgeschlossen.). Lange war die Kernenergie verpönt – zu Unrecht. Sie hat, wie jede Technologie, Nachteile, aber auch grosse Vorteile, so etwa ihre Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit oder die Tatsache, dass sie CO2-frei Strom produziert. Sollen wir darauf einfach so verzichten? Sollen wir mehr Strom aus dem Ausland importieren? Das wäre die schlechteste Lösung. Stromimporte sind weder zuverlässig noch wirtschaftlich und schon gar nicht umweltfreundlich: Ein grosser Teil des ausländischen Stroms stammt aus CO2-emittierenden Kohle-, Gas- und Ölkraftwerken. Die Forschung ist auch in der Kernenergie nicht stehen geblieben. Bei den Kernbrennstoffen wird an einer grösstmöglichen Ausnutzung geforscht. Auch bei den Reaktoren werden weitere Verbesserungen angestrebt, die das eingesetzte Uran effizienter nutzen und die Menge der Abfälle sowie deren Halbwertszeit markant reduzieren. Weitere Forschung wird ebenso bei den neuen erneuerbaren Energien neue Wege erschliessen. Axpo engagiert sich hier vor allem für die Geothermie, wo wir das grösste Potenzial sehen. Wir sollten uns deshalb heute keine Optionen verbauen, sondern engagiert die neuen erneuerbaren Energien fördern und die stillzulegenden Kernkraftwerke ersetzen. Sowohl als auch – das ist die Lösung.

Kasten 1: Gründung der Planungsgesellschaft Resun AG
Axpo und BKW haben gemeinsam eine Gesellschaft zur Planung von zwei Kernkraftwerken gegründet. Damit sollen die altersbedingt vom Netz gehenden Kernkraftwerke Beznau I, Beznau II und Mühleberg sowie die Kapazitäten der ab 2018 gestaffelt auslaufenden Strom-Importverträge mit Frankreich ersetzt werden. Ziel ist es, bis Ende 2008 zwei Rahmenbewilligungsgesuche für identische Kraftwerkstypen mit einer möglichen elektrischen Leistung von je bis zu 1600 MW einzureichen. Partnerschaften mit Branchen-, Industrieoder Staatsbetrieben sind nicht ausgeschlossen.

CEO Axpo Holding AG, Baden

CEO Axpo Holding AG, Baden