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Entwicklungszusammenarbeit und Aussenwirtschaftspolitik ergänzen sich

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) konzentriert seine Mittel für die bilaterale wirtschaftliche Entwicklungszusammenarbeit künftig auf sieben Schwerpunktländer. Prompt haben die Länderwahl sowie der Fokus auf wirtschafts- und handelspolitische Massnahmen dem Seco den Vorwurf eingebracht, es betreibe damit eine verkappte Exportförderung für die Schweizer Wirtschaft. Dieser Vorwurf verkennt die wirtschaftlichen Realitäten gründlich und verschliesst die Augen davor, dass die Integration in die Weltwirtschaft der zentrale Motor für die Armutsreduktion ist. Die Abstimmung der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit mit der Aussenwirtschaftspolitik in Form von Freihandelsabkommen ist ein erfolgversprechendes Entwicklungsmodell.

 

Wirtschaftswachstum reduziert Armut

Die Globalisierung schafft Wohlstand. Die positiven Auswirkungen der weltweiten Integration der Märkte beschränkt sich nicht nur auf Industrieländer. Viele Entwicklungsländer profitieren von internationalem Handel, Direktinvestitionen und Wettbewerb. Nach einzelnen ostasiatischen Volkswirtschaften partizipieren neuerdings auch immer mehr Länder Lateinamerikas und Afrikas stark am Wachstum der Weltwirtschaft. Diese erfreuliche Entwicklung hat den Anteil an Menschen, die in extremer Armut leben müssen, in allen Regionen wirksam reduziert. Am ausgeprägtesten ist die Entwicklung in Ostasien: Während 1981 mehr als die Hälfte der Menschen mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen musste, sank dieser Anteil bis ins Jahr 2004 auf rund 10%. Dass dies so ist, hat indessen wenig mit westlicher Hilfe, sondern vielmehr mit Reformen im Innern und wirtschaftlicher Öffnung zu tun.  In den Seco-Schwerpunktländern Ägypten, Ghana, Indonesien, Kolumbien, Peru, Südafrika und Vietnam ist Armut immer noch stark verbreitet. Die Schweiz kann durch eine aktive Aussenwirtschaftspolitik und durch die Entwicklungszusammenarbeit einen Beitrag dazu leisten, dass der Wachstumspfad dieser Länder in den nächsten Jahren stabil ist und dadurch die Armut reduziert werden kann.

Trotz gegenseitigem Interesse…

Die Schwerpunktländer sind für die Schweizer Wirtschaft von untergeordneter Bedeutung: Lediglich 1,14% aller Schweizer Exporte gingen 2007 in diese Länder. Trotzdem ist es grundsätzlich zu begrüssen, dass mit einigen dieser Länder im Rahmen der Efta Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen laufen oder ein solches bereits abgeschlossen werden konnte. Solche Abkommen sind im gegenseitigen Interesse und stellen eine Chance für Entwicklungsländer dar, sich erfolgreich in die Weltwirtschaft zu integrieren. Die Schweiz eignet sich aus zwei Gründen besonders: Erstens ist unsere Volkswirtschaft im Vergleich zur EU oder USA klein; eine wirtschaftliche Öffnung überfordert daher die lokale Wirtschaft nicht. Ein Entwicklungsland kann ohne grosse Risiken testen, wie sich ein Abkommen auf die inländische Wirtschaft auswirkt. Zweitens bietet die Schweizer Wirtschaft meist komplementäre Güter an. Die spezialisierten Schweizer Konsum- und Ausrüstungsgüter konkurrenzieren die Produkte der Entwicklungsländer in der Regel kaum. Die Voraussetzungen für gegenseitige Handelsgewinne sind entsprechend gross.

…keine verkappte Exportförderung

Trotz der guten Voraussetzungen für positive Auswirkungen der wirtschaftlichen Öffnung darf nicht verschwiegen werden, dass Entwicklungsländer oft Schwierig-keiten haben, ihre Waren erfolgreich auf den Weltmärkten zu verkaufen. Auch sind die Wirtschaften meist wenig diversifiziert; Finanz- und Kapitalmärkte sind kaum ausgebildet und Infrastrukturen fehlen oder haben eine zu geringe Kapazität. Die Entwicklungszusammenarbeit des Seco kann in den Schwerpunktländern wertvolle Hilfe leisten, damit die Chancen der Globalisierung rascher und erfolgreicher genutzt werden können. In diesen Ländern ist ein gewisses Mass an guter Regierungsführung vorhanden, so dass die wirtschafts- und handelspolitische Unterstützung Erfolg haben kann.  Die Schweizer Wirtschaft hat aber kein unmittelbares Interesse an der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit. Es handelt sich offensichtlich nicht um eine verkappte Exportförderung. Trotzdem ist die Entwicklungszusammenarbeit im wohlverstandenen Eigeninteresse der Schweiz: Wächst der Wohlstand in diesen Ländern in den nächsten Jahren, sollten auch die Exporte in diese Länder in der Zukunft gesteigert werden können. Gelingt dieses Unterfangen, trägt die Entwicklungszusammenarbeit nachhaltig zur Armutsreduktion bei. Der Seco-Ansatz ist erfolgversprechend.

Dr. oec. HSG, Chefökonom und Stv. Vorsitzender der Geschäftsleitung, Economiesuisse, Zürich sowie ständiger Gastprofessor an der Fachhochschule Graubünden (FHGR), Chur

Dr. oec. HSG, Chefökonom und Stv. Vorsitzender der Geschäftsleitung, Economiesuisse, Zürich sowie ständiger Gastprofessor an der Fachhochschule Graubünden (FHGR), Chur