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Ressourcenknappheit und Peak Oil

«Peak Oil» und seine Folgen sind in der Schweiz noch immer zu wenig bekannt, obwohl sie für unser Land existenziell sind. Peak Oil bezeichnet das globale Fördermaximum von Erdöl. Lokal konnte das Phänomen wiederholt beobachtet werden: Nach dem Peak geht die Produktion auf dem Erdölfeld für immer zurück. Der globale Peak Oil ist für die Schweizer Wirtschafts- und Energiepolitik von grösster Bedeutung, weil dann das Angebot die wenig elastische Nachfrage nicht mehr decken kann, die Erdölpreise stark ansteigen sowie Inflations- und Rezessionsgefahren drohen. Mit dem Peak Oil beginnt eine langjährige Energiekrise, für die es keine einfachen und schnellen Lösungen gibt.

 

Die Schweiz verbraucht jeden Tag 38 Mio. Liter Erdöl. Der Anteil von Erdöl am Endenergiebedarf beträgt 57%. Erdöl ist mit Abstand der wichtigste Energieträger unseres Landes. Mit Blick auf die Perspektiven, die Peak Oil bietet, ist es höchste Zeit zum Handeln.

Wo liegt das Fördermaximum?

Wann der globale Peak Oil kommt, ist unter Experten umstritten. Einige glauben, dass wir uns bereits in dieser Phase befinden. Andere hingegen hoffen, dass wir das Fördermaximum erst in zehn oder zwanzig Jahren erreicht haben werden. Zentral ist die Einsicht, dass die Erdölförderung nicht endlos erhöht werden kann. 1914 lag die globale Förderung bei 1 Mio. Fass (à 159 Liter) pro Tag, 1945 bei 6 Mio. Fass. Danach folgte ein regelrechter Erdölrausch. Heute liegt die Tagesförderung bei 87 Mio. Fass pro Tag. Doch wie viel höher kann das noch gehen? Die Erdölfirma Total meint, 100 Mio. Fass werde die Welt wohl nicht hergeben. Vertreter von Saudi Aramco sehen das Fördermaximum schon bei 90 bis 95 Mio. Fass pro Tag. Sicher ist: Der Peak Oil ist ein Naturgesetz und kann weder durch Technik noch durch Geld abgewendet werden.

Förderung bricht ein

In den USA hat die Erdölförderung schon 1970 den Peak Oil erreicht und geht seither zurück. Das gilt auch für Norwegen, Grossbritannien, Rumänien, Ägypten und Mexiko. Wer, so die bange Frage, kann diese Ausfälle kompensieren sowie den Mehrbedarf von China und Indien abdecken? Russland scheint wohl am Limit zu sein. Ob und wie stark Saudi-Arabien, Nigeria und Irak die Förderung noch erhöhen können, ist unklar. Nigeria und Irak sind von Unruhen und Krieg geplagt.

Verfügbare Exportmenge wird kleiner

Indonesien, das ebenfalls den Peak erreicht hat, musste im Mai 2008 sogar aus der Opec austreten, als es zum Netto-Erdölimporteur wurde. Die Zahlen zu Indonesien zeigen ein weiteres Problem: Der stetig wachsende Inlandkonsum hat die Exporte schwer belastet. Ähnlich sind die Zahlen zu Venezuela, Saudi-Arabien und Iran: Dort ist der Treibstoff billig, der Konsum steigt, die verfügbare Exportmenge wird kleiner.

Nicht-konventionelles Erdöl ist langsam

«Gerade jetzt, wo die Energienachfrage stark anzieht, geht die Produktion von vielen konventionellen Erdölfeldern auf der Welt zurück», warnte Shell im Juni 2007. «Wir sollten das Erdöl verlassen, bevor es uns verlässt», riet auch Faith Birol, Chefökonom der IEA. Statt Warnungen ernst zu nehmen, wird immer noch behauptet, es gebe genügend nicht-konventionelles Erdöl – also Ölsande aus Kanada, Schweröl aus Venezuela oder Tiefseeöl aus Brasilien. Es stimmt zwar, dass die nicht-konventionellen Reserven gross sind. Verschwiegen wird aber, dass dieses Erdöl nicht schnell gefördert werden kann, wenn das Angebot knapp ist.

Problem von der Branche negiert

Natürlich ist seit langem bekannt, dass Erdöl und auch Erdgas nur in beschränkten Mengen auf der Erde vorhanden sind und irgendwann eine Krise kommen muss. Das Problem wurde aber von der Branche systematisch negiert. «Ich bin davon überzeugt, dass die nächste Ölkrise, oder genauer die nächste Ölpreis-Krise, in relativ weiter Ferne liegen dürfte», meinte Kurt Streiff, Präsident der Erdöl-Vereinigung, im März 2001. Erdöl sei «noch für Generationen vorhanden», beruhigte Esso Switzerland. «Über kurz oder lang werden die Preise wieder sinken», glaubte Rolf Hartl, Geschäftsführer der Erdöl-Vereinigung, im Mai 2004 bei einem Erdölpreis von 35 Dollar pro Fass. «Ein Szenario mit anhaltend hohen Ölpreisen ist für mich nicht realistisch.» Eine bessere Analyse stammt vom britischen Premier Gordon Brown: «Der Grund, warum die Preise ansteigen, ist klar: Die Nachfrage wächst, doch das Angebot ist zu klein, um die Nachfrage heute – und noch wichtiger in der Zukunft – zu decken», so Brown im Mai 2008. «Die Weltwirtschaft ist jetzt mit dem dritten Erdölschock konfrontiert.»

Kasten 1: Weitere Infos zum Autor
Der Autor ist Historiker und Friedensforscher. Er leitet die Peak-Oil-Forschung am Historischen Seminar der Universität Basel ( www.danieleganser.ch ) und ist Präsident der Association for the Study of Peak Oil (Aspo) Schweiz ( www.peakoil.ch )

Präsident Aspo, Basel

Präsident Aspo, Basel