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Bedeutung der Parahotellerie im Rahmen der Beherbergungsstatistik

Die Bedeutung der Parahotellerie ist bezüglich der Anzahl Logiernächte ähnlich gross wie diejenige der Hotellerie. Die Parahotelleriestatistik (Pasta), die bis 2003 geführt wurde, zeigte, dass rund die Hälfte aller Logiernächte diesem Bereich zuzuschreiben war. Mit der 2005 eingeführten Beherbergungsstatistik (Hesta) für Hotel- und Kurbetriebe ist derzeit ein Teil der Parahotellerie abgedeckt. Im Rahmen der Hesta wird eine monatliche Vollerhebung aller Hotels und Kurbetriebe, Campingplätze und Jugendherbergen durchgeführt. Basis hierfür ist das Betriebs- und Unternehmensregister (BUR). Der Ruf nach einer Wiedereinführung einer umfassenden Parahotelleriestatistik blieb jedoch – auch auf parlamentarischer Ebene – bestehen.

Die Hesta ersetzt die seit 1934 bestehende Statistik der Hotel- und Kurbetriebe, welche Ende 2003 aufgrund von Budgetrestriktionen des Bundesamtes für Statistik (BFS) aufgehoben worden ist. Sie ist seit Anfang 2005 operativ und erfuhr per 2008 in Form einer mit dem Schweizer Tourismus-Verband (STV) ausgehandelten externen Kooperation mit gemeinschaftlicher Finanzierung eine vertragliche Sicherung von 2009–2012. Rund 50 Partner – bestehend aus Verbänden, allen 26 Kantonen, den 13 touristischen Regionen, Schweiz Tourismus und dem BFS – teilen sich die jährlichen Kosten von rund 1,6 Mio. Franken.Welche Bedeutung der Hesta zukommt, manifestiert sich anhand der monatlichen Medienbulletins. Diese geben unter anderem Auskunft über Angebot und Nachfrage nach Kantonen und Tourismusregionen, bemessen an Ankunftszahlen, Betten- und Zimmerauslastungen. Die gemessenen Logiernächte, die Transparenz zur Gästeherkunft und vor allem deren periodische Veränderungen sind fundamental zur Evaluation des Mitteleinsatzes und damit der Marketingeffizienz. Die Hesta ist auch eine der hauptsächlichen Basisstatistiken des Satellitenkontos Tourismus, dessen hauptsächliches Ziel es ist, aus ökonomischer Perspektive Antworten zu Stand und Entwicklung des Tourismus in der Schweiz zu geben.

Herausforderungen einer Parahotelleriestatistik

Die Herausforderung für alle Involvier-ten und Interessierten besteht nun insbesondere darin, die Beherbergungsstatistik für die mittelfristige Zukunft zu sichern und die überfällige Erweiterung in Bereichen der ergänzenden Parahotellerie1 zu schaffen. Hauptschwierigkeiten beim Aufbau der Parahotelleriestatistik sind die Abgrenzung der Grundgesamtheit und die Festlegung des Stichprobenrahmens. Die Parahotellerie nimmt auch aufgrund ihres Inhalts und Aufbaus eine Sonderstellung ein:− Die Grundgesamtheit ist sehr heterogen;− die beobachteten Einheiten sind nicht eindeutig als Betriebe definiert;− die statistischen Einheiten sind nicht immer identifizierbar.

Breites Interesse vorhanden

Anlass zu Optimismus für einen Durchbruch auf dem steinigen Weg zur Parahotelleriestatistik gibt, dass Benutzerbedürfnisse aus unterschiedlichsten Quellen angemeldet werden. Die Daten sind ein wichtiger Bestandteil verschiedener Synthesestatistiken, wie z.B. dem Satellitenkonto Tourismus, der Fremdenverkehrsbilanz oder auch dem Bruttoinlandprodukt (BIP). Neben diesen Statistiken kann eine vollständige Beherbergungsstatistik wichtige Inputs sowohl für die Verkehrs- als auch die Umweltstatistik liefern und dazu beitragen, den Umfang und die Auswirkungen des touristischen Verkehrs besser abzuschätzen.2 Ein weiteres Einsatzgebiet liegt bei der Ermittlung der regionalen Disparitäten. In internationalem Zusammenhang ist es wichtig, dass statistische Daten unter Ländern vergleichbar sind. Neben den touristischen Partnern und Kantonen melden auch Bundesämter Interesse an. Das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) ist an einer Erhebung der Ferienwohnungen interessiert. Aus raumplanerischer Sicht sind vor allem Informationen zu den «kalten Betten» – also den fast immer leer stehenden und nicht vermieteten Zweitwohnungen – wichtig. Die Änderung des Raumplanungsgesetzes im Zuge der geplanten Abschaffung der Lex Koller macht ein Monitoring zum Zweitwohnungsbau nötig. Und das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) benötigt für seine Tourismuspolitik und die Regionalförderung Informationen sowohl über die nationale Situation als auch für kleinräumige Betrachtungen.Die Schweizer Tourismuswirtschaft tappt bezüglich Parahotellerie weitgehend im Dunkeln. Es bleibt zu wünschen, dass sich mit der Anerkennung der volkswirtschaftlichen Relevanz bald Licht am Ende des Tunnels zeigt.

Mario Lütolf

Direktor Schweizer Tourismus-Verband (STV) mario.luetolf@swisstourfed.ch, www.swisstourfed.ch

1 Parahotellerie: Privatquartiere (Ferienhäuser und -wohnungen: Objekte, die an Dritte zur Miete angeboten werden), Zelt- und Wohnwagenplätze, Gruppenunterkünfte und Jugendherbergen.

2 BFS: aus Zwischenbericht zum Grobkonzept Pasta vom 31.8.2007.

Direktor Schweizer ­Tourismus-Verband

Direktor Schweizer ­Tourismus-Verband