Die Volkswirtschaft

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Die Konjunkturperspektiven für die Schweizer Wirtschaft haben sich im ersten Halbjahr 2009 weiter verdüstert. Nach dem massiven Einbruch der Weltwirtschaft seit Herbst 2008 deuten die internationalen Indikatoren seit einigen Monaten zwar vermehrt auf ein Ende der Abwärtsspirale hin. Die Überwindung der Rezession und die anschliessende Erholung dürften jedoch wegen der Nachwirkungen der globalen Finanzkrise nur langsam vorankommen. Vor dem Hintergrund einer auch 2010 voraussichtlich nur schwer Tritt fassenden Konjunktur muss für die Schweiz mit einer fortgesetzten starken Verschlechterung der Arbeitsmarktlage gerechnet werden.

Schweizer Konjunktur im internationalen Abwärtssog

Im Sog der verschärften Finanzkrise gerieten alle grossen Wirtschaftsräume (Nordamerika, Europa, Asien) erstmals seit Jahrzehnten praktisch zugleich in eine starke Rezession. Die weltwirtschaftliche Talfahrt setzte sich auch im Frühjahr 2009 noch ungebremst fort. Zahlreiche OECD-Länder erlitten beim Bruttoinlandprodukt (BIP) im 4. Quartal 2008 und im 1. Quartal 2009 regelrechte Einbrüche (siehe Grafik 1). Besonders massiv waren die BIP-Rückgänge in Japan und Deutschland, obwohl gerade diese beiden Volkswirtschaften – im Gegensatz zu Ländern wie den USA, Grossbritannien oder Spanien – nicht von einer geplatzten Immobilienblase betroffen waren. Dieser positive Aspekt wurde jedoch in Deutschland und in Japan durch den Zusammenbruch des Welthandels und den massiven Rückgang der Exportnachfrage deutlich überkompensiert. Die Schweiz als stark international ausgerichtete Volkswirtschaft und wichtiges Finanzzentrum kann sich den realwirtschaftlichen Konsequenzen der wohl schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise seit den 1930er-Jahren naturgemäss nicht entziehen. Beflügelt vom weltweiten Aufschwung und den durchgeführten Reformen – wie Personenfreizügigkeit, Binnenmarktgesetz, Kartellgesetz etc. – konnte die Schweizer Wirtschaft in den Jahren 2004 bis 2007 noch die längste und stärkste Wachstumsperiode (mit durchschnittlich 3% BIP-Wachstum pro Jahr) seit Anfang der 1980er-Jahre verzeichnen. Im Verlauf des zweiten Halbjahrs 2008 ist sie trotz gesunder binnenwirtschaftlicher Ausgangslage nun auch in eine – gewissermassen «importierte» – Rezession geraten, welche sich seit Anfang 2009 weiter verstärkt und ausgebreitet hat. So schrumpfte die Wirtschaftsleistung im 4. Quartal 2008 um 0,6% und im 1. Quartal 2009 um 0,8% Jeweils Veränderungsraten zum Vorquartal, ohne Hochrechnung auf Jahresbasis.; das Vorjahresniveau wurde um 2,4% unterschritten. Obwohl dies den stärksten Rückgang seit den 1970er-Jahren bedeutet, nehmen sich diese Zahlen – verglichen mit den regelrechten Einbrüchen in anderen Ländern – immer noch relativ milde aus. Es ist eine offene Frage, ob die Schweizer Wirtschaft mit einer Verzögerung noch stärker auf die Krise reagieren wird. Ein Grund für eine Verzögerung des Konjunkturverlaufs in der Schweiz könnte die bis anhin relative Robustheit der Schweizer Binnennachfrage – namentlich des privaten Konsums – sein. Die binnenwirtschaftlich ausgerichteten Sektoren konnten sich – wie etwa Detailhandel und Bauwirtschaft – bis zum Frühjahr 2009 solide behaupten, auch wenn sich die Aussichten klar eingetrübt haben. Starke rezessive Impulse kamen dagegen seit letztem Herbst von den international ausgerichteten Wirtschaftssektoren. Der weltweite Nachfragerückgang traf die Schweizer Exporte im 1. Quartal mit voller Wucht. Nach dem Einbruch im Schlussquartal 2008 schrumpften die gesamten Exporte (Waren und Dienstleistungen) im 1. Quartal 2009 massiv um 5,4% (gegenüber Vorquartal). Die Hoffnungen auf eine Trendwende beim Schweizer Aussenhandel, die sich dank relativ freundlicher Aprilzahlen kurzzeitig eingestellt hatten, wurden von den Ergebnissen im Mai jäh zerschlagen: Der Einbruch der Warenexporte von -19,7% (im Vorjahresvergleich) war sogar der stärkste Monatsrückgang seit Beginn der Zeitreihe (1988). Der Nachfragerückgang war in allen Regionen spürbar. So nahmen die Warenexporte in die EU um 20% (nominell) und in die USA um 18% ab; die asiatischen Schwellenländer fragten fast 30% weniger Schweizer Güter nach als vor einem Jahr. Neben dem traditionellen Aussenhandelskanal via Exportindustrie wird die Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz zusätzlich durch die Rezession im Finanzsektor belastet, dessen Wertschöpfung bereits seit Anfang 2008 jedes Quartal geschrumpft ist.

Ausblick Weltkonjunktur: Vermehrte Anzeichen für nachlassende Rezession…

Tiefe und Dauer der Rezession in der Schweiz werden im Wesentlichen durch die weitere Entwicklung der internationalen Konjunktur bestimmt. Auf den ersten Blick präsentiert sich ein düsteres Bild. Den aktuellen Prognosen zufolge wird die Wirtschaftsleistung in den meisten OECD-Ländern im Jahr 2009 stark schrumpfen, mit negativen Wachstumsraten in Grössenordnungen, wie sie bisher selten beobachtet wurden. Seit einigen Monaten (April/Mai) sind vermehrte Anzeichen für ein Ende der Abwärtsspirale auszumachen. Eine Reihe von Indikatoren deutet inzwischen darauf hin, dass sich der Rückgang der weltwirtschaftlichen Aktivität seit dem Frühjahr merklich verlangsamt hat. Die Geschäftserwartungen der Unternehmen haben sich in vielen Ländern auf tiefem Niveau leicht verbessert. Auch bei den «harten» Indikatoren – wie Industrieproduktion, Auftragseingängen und Exporten – zeigen sich erste Anzeichen einer Bodenbildung. In den Entwicklungs- und Schwellenländern – insbesondere in Asien – ist der Aussenhandel in der Tendenz sogar bereits wieder aufwärts gerichtet. Gleichzeitig haben die Rohstoffpreise begonnen, sich von ihren Tiefs zu erholen.  Allerdings spielen sich all diese ermutigenden Tendenzen bei den meisten Indikatoren auf sehr bescheidenem Niveau ab und lassen vorerst lediglich ein Nachlassen der Rezession, aber noch kein Wachstum erwarten. Auch an den internationalen Finanzmärkten hat sich unter dem Einfluss der wirtschaftspolitischen Stützungsmassnahmen die Lage seit April 2009 etwas entspannt, was sich in gesunkenen Risikoprämien in diversen Marktsegmenten (u.a. Interbankenmärkte, Unternehmensanleihen) manifestiert. Alles in allem erscheint die Gefahr einer fortgesetzten Talfahrt der Weltwirtschaft derzeit geringer als noch vor einigen Monaten. Die Aussichten einer Stabilisierung der internationalen Konjunktur bis Ende dieses Jahres sind intakt, zumal die weltweit stark expansiven Impulse der Geld- und Finanzpolitik erst zu wirken beginnen.

… aber wohl auch im nächsten Jahr noch viel Sand im Getriebe

Die kräftigen wirtschaftspolitischen Impulse und die allmähliche Stabilisierung an den Finanzmärkten sprechen somit dafür, dass sich die Weltkonjunktur bis Ende 2009 langsam fängt. Eine geradlinige und starke Erholung wird sich im nächsten Jahr wohl aber kaum einstellen. Zwar war in der Vergangenheit nach Rezessionen häufig eine kräftige Erholung zu beobachten. Da die derzeitige Rezession mit einer Finanzkrise verbunden ist, muss jedoch damit gerechnet werden, dass ihre Überwindung zäher als gewöhnlich vonstatten geht. Einer starken und selbsttragenden Aufwärtsdynamik stehen die Nachwirkungen der Finanzkrise – Stichwort Schuldenabbau («Deleveraging») – entgegen. Die aktuelle Konjunkturprognose der Expertengruppe des Bundes (vom 17. Juni) für die Schweizer Wirtschaftsentwicklung bis 2010 geht demzufolge vom weltwirtschaftlichen Szenario aus, dass sich das BIP-Wachstum in den USA und der EU auch bis Ende 2010 nur leicht beleben und im Jahresdurchschnitt 2010 annähernd bei null liegen wird (was einige Quartale mit positivem Wachstum nicht ausschliesst). Ein möglicher Verlauf wäre etwa, dass sich in vielen Ländern in einer ersten Phase infolge der Umkehr des Lagerzyklus sowie der Auswirkungen der voluminösen Konjunkturmassnahmen eine spürbare Wachstumsbelebung einstellt, die in der Folge jedoch wieder an Schwung verliert. Eine sogenannte W- oder L-Erholung erscheint somit wahrscheinlicher als die klassische V-Erholung.

Schweiz: Nur zaghafte Überwindung der Rezession bis Ende 2010

In jüngster Zeit waren zwar auch in der Schweiz bei einzelnen Geschäftsklimaindikatoren Insbesondere beim Einkaufsmanagerindex in der Industrie, im Juni erstmals auch beim sektoral breiter abgestützten Konjunkturbarometer der KOF. erste Anzeichen einer Wende auf sehr tiefem Niveau auszumachen. Allerdings dürften nach dem anfänglich hauptbetroffenen Finanzsektor und der Exportindustrie die binnenwirtschaftlichen Sektoren und der bislang noch relativ solide private Konsum in den kommenden Quartalen erst noch stärker vom Abschwung erfasst werden, sodass eine rasche Überwindung der Rezession unwahrscheinlich ist.  Im Vergleich zur Prognose vom vergangenen März präsentieren sich die Konjunkturaussichten für die Schweiz zur Jahresmitte 2009 nochmals ungünstiger. Dies liegt hauptsächlich darin begründet, dass die weltwirtschaftliche Rezession seit Anfang 2009 noch schärfer verlaufen ist als damals angenommen. Positiv ist immerhin, dass mittlerweile deutlichere Signale für ein Ende der Talfahrt in einigen OECD-Ländern erkennbar sind als noch vor wenigen Monaten. Unter der Voraussetzung einer Stabilisierung der Weltwirtschaft und der Finanzmärkte sollte auch in der Schweiz der BIP-Rückgang bis Ende 2009 allmählich nachlassen und im Verlauf von 2010 in eine sehr bescheidene Erholung münden. Die Expertengruppe des Bundes prognostiziert gemäss ihrer Konjunkturbeurteilung vom Juni für 2009 einen BIP-Rückgang für die Schweiz um 2,7% (bisher -2,2%). Auch für 2010 muss angesichts der nur langsam voranschreitenden Verbesserung mit einem geringen BIP-Rückgang um 0,4% gerechnet werden (bisher +0,1%). Die Exporte von Waren und Dienstleistungen dürften nach der massiven Abnahme um über 10% im laufenden Jahr 2010 wieder leicht zunehmen und damit die sehr moderate Konjunkturerholung stützen. Demgegenüber dürfte die private Konsumnachfrage vor dem Hintergrund einer sinkenden Beschäftigung noch stärker als bisher vom Abschwung erfasst werden. Im Vergleich zu den Prognosen, die Ende 2008 und Anfang 2009 erstellt wurden, als die Konjunkturrisiken wegen der Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der Finanzkrise aussergewöhnlich gross und in erster Linie abwärtsgerichtet waren, erscheint die Situation im Frühsommer 2009 differenzierter. Die vorlaufenden Konjunkturindikatoren zeigen eine Verlangsamung der rezessiven Tendenzen. Somit erscheint eine weitere Akzentuierung der Abwärtsspirale in den nächsten Quartalen heute unwahrscheinlicher als noch vor einigen Monaten.

Arbeitsmarkt: Die Krise wirft ihre Schatten voraus

Die Beschäftigungsentwicklung erhärtet das konjunkturelle Bild, welches sich vor einigen Monaten in der realen Wirtschaft abgezeichnet hatte: Die Schwäche der Weltwirtschaft hat sich zuerst auf die Exportwirtschaft übertragen und greift nun auf die konjunkturreagiblen Bereiche der Binnenwirtschaft über. Während das BIP saisonbereinigt im ersten Quartal bereits deutlich rückläufig war, erreichte die vollzeitäquivalente Beschäftigung saisonbereinigt noch knapp den Wert des Vorquartals. Aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage erstaunt es nicht, dass die Beschäftigung in der Industrie deutlich zurückging. Innerhalb des Dienstleistungssektors war die Entwicklung u.a. im Gastgewerbe sowie im Handel negativ – ein Vorzeichen für die Abschwächung im Binnenbereich. Beschäftigungsstützend wirkten dagegen die traditionell robusten Branchen wie das Gesundheits- und Sozialwesen sowie das Unterrichtswesen.  Ein ähnliches Bild ergibt die Entwicklung der Arbeitslosigkeit. Nachdem die Arbeitslosenzahl Mitte 2008 mit rund 100000 ihren Tiefpunkt erreicht hatte, setzte ab September ein Anstieg ein, der sich rasch beschleunigte. Zwischen November 2008 und Mai 2009 stieg die Zahl der Arbeitslosen saisonbereinigt um 5600 oder knapp 5% pro Monat an. Ein ähnlich starker Anstieg war letztmals in den frühen 1990er-Jahren zu beobachten. Saisonbereinigt lag die Arbeitslosenzahl Ende Mai bei 140000, was einer Arbeitslosenquote von 3,6% entspricht. Effektiv waren Ende Mai 135128 Personen arbeitslos (3,4%). 192516 Personen waren als Stellensuchende gemeldet (registrierte Arbeitslose plus registrierte nichtarbeitslose Stellensuchende).

Düstere Arbeitsmarktaussichten für 2009 und 2010

Verschiedene Informationen weisen darauf hin, dass sich die Arbeitsmarktlage in den kommenden Monaten noch deutlich verschlechtern wird. Die vorauslaufenden Indikatoren zeigen ein einheitliches Bild auf:  – Der Index der offenen Stellen bildete sich im 1. Quartal 2009 gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt um 16% zurück und lag damit bereits um 37% unter dem Wert des Vorjahres.  – Einen deutlichen Rückgang verzeichnete auch der «Job-Pilot-Index», der auf der Erhebung von Online-Stellenanzeigen beruht. Saisonbereinigt bildete er sich gegenüber Januar 2009 um 13% zurück und lag im April bereits 26% unter dem Vorjahreswert.  – Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen gemäss Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) lag Ende Mai bei 11739 und damit um 24% unter dem Vorjahresstand.  – In die gleiche Richtung deutet der Index der Beschäftigungsaussichten (siehe Grafik 3). Erstmals seit Beginn seiner Erhebung Anfang 2004 lag der saisonbereinigte Wert unter 1, was im zweiten Quartal 2009 insgesamt einen Beschäftigungsrückgang erwarten lässt. Ein Wert unter 1 bedeutet, dass die Unternehmen, welche im Quartal nach der Befragung einen Beschäftigungsabbau planen, jene mit einem geplanten Beschäftigungsaufbau überwiegen. Die Antworten werden entsprechend der Beschäftigtenzahl des Unternehmens gewichtet. Vor allem in der Industrie ist in den kommenden Monaten vermehrt mit Stellenabbau zu rechnen. Der saisonbereinigte Indikator erreichte mit 0,93 einen neuen Tiefstwert. Im Baugewerbe wie auch im Dienstleistungssektor insgesamt lag der Indikator bei 0,99, was ebenfalls auf einen bevorstehenden leichten Beschäftigungsabbau hindeutet. Mit deutlichen Beschäftigungsrückgängen wäre gemäss diesem Indikator im dritten Sektor in den Branchen Verkehr und Nachrichtenübermittlung, Finanzdienstleistungen und Gastgewerbe zu rechnen. Leicht negativ würde die Entwicklung im Handel ausfallen. Erhärtet wird die Entwicklung dieser Indikatoren durch die zu erwartende gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Es zeigt sich immer klarer, dass die Nachfrageschwäche in den kommenden Monaten kaum überwunden werden dürfte. Im Gegenteil wird sich die Krise auf den Binnensektor ausweiten. Damit werden immer mehr Unternehmen gezwungen sein, ihre Belegschaften anzupassen. Sie werden einerseits mit Neuanstellungen zurückhaltend sein und andererseits Arbeitnehmende entlassen müssen. Die Schweizer Wirtschaft wird 2010 nach einem Rückgang des Bruttoinlandprodukts von 2,7% 2009 eine hohe Unterauslastung aufweisen, wodurch die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften gedämpft wird. Verstärkt wird das Arbeitsmarktungleichgewicht darüber hinaus dadurch, dass die Erwerbsbevölkerung weiter zunehmen dürfte. Somit ist unausweichlich, dass sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit weiter fortsetzen wird. Die (saisonbereinigte) Arbeitslosenquote dürfte von 3,6% im Mai bis Ende Jahr auf deutlich über 4% steigen (3,8% im Jahresdurchschnitt 2009, was 150000 Personen entspricht). Im nächsten Jahr ist mit einer weiteren Zunahme zu rechnen, wobei die 5%-Marke deutlich überschritten werden dürfte. Beim unterstellten Konjunkturszenario wird der Anstieg der Arbeitslosigkeit im ersten Halbjahr 2010 noch relativ stark verlaufen und erst in der Folge langsam nachlassen. Die Expertengruppe rechnet im Jahresdurchschnitt 2010 mit einer Arbeitslosenquote von 5,5%, was 217000 arbeitslos gemeldeten Personen entspricht.  Aus Grafik 4 wird ersichtlich, dass sich die Arbeitslosigkeit auf dem höchsten Niveau der letzten 20 Jahre bewegen wird. Weil die Arbeitslosenquote auf der Basis der Erwerbspersonen gemäss Volkszählung 2000 beruht (Nenner) und die Erwerbsbevölkerung in der Zwischenzeit um kumuliert etwa 10% gewachsen ist, dürfte die Rate 2010 etwas nach oben verzerrt sein. Die im Text gemachten Aussagen behalten aber trotz dieser Datenproblematik ihre Gültigkeit, da die Arbeitslosenquote 1997 auf der Basis der Volkszählung 1990 beruht und in ähnlichem Ausmass nach oben verzerrt ist. Die Steilheit des Anstiegs ist etwa gleich ausgeprägt wie zu Beginn der Neunzigerjahre. Die Arbeitslosenquote von 2008 (2,6%) wird sich bis 2010 mehr als verdoppeln. Nicht alle Kategorien von Arbeitnehmenden werden gleichermassen betroffen sein. Besonders ins Gewicht wird die Jugendarbeitslosigkeit fallen (siehe Tabelle 3). Vor dem Hintergrund einer auch 2010 voraussichtlich nur schwer Tritt fassenden Konjunktur muss für die Schweiz mit einer fortgesetzten starken Verschlechterung der Arbeitsmarktlage gerechnet werden.

Grafik 1 «Reales BIP-Wachstum in ausgewählten Ländern»

Grafik 2 «Geschäftsklima USA, Euroraum, Schweiz»

Grafik 3 «Beschäftigungsaussichten der Schweiz nach Wirtschaftsbereichen»

Grafik 4 «Arbeitslosigkeit: Entwicklung seit 1990 und Prognosen bis 2010»

Tabelle 1 «Weltwirtschaftliche Annahmen»

Tabelle 2 «Prognose Schweiz (Juni 2009)»

Tabelle 3 «Voraussichtliche Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit»

Kasten 1: Verstärkter Einsatz von Kurzarbeit
Im Gegensatz zu den Beschäftigtenzahlen gibt die Kurzarbeit bereits sehr früh Angaben über die Schärfe des wirtschaftlichen Einbruchs. In den letzten Monaten griffen Unternehmen in einem seit vielen Jahren nicht mehr gekannten Ausmass auf das Instrument der Kurzarbeit zurück. Im März bezogen bereits rund 41000 Arbeitnehmende Kurzarbeitsentschädigung. Die Ausfallstunden pro Arbeitnehmenden beliefen sich auf durchschnittlich 64 Stunden, was rund 36% eines Vollzeitpensums entspricht. Das ausgefallene Arbeitsvolumen belief sich im März also auf ein Äquivalent von fast 15000 Vollzeitstellen.Zum Vergleich: Im letzten Abschwung im März 2002 hatten lediglich 18400 Arbeitnehmende Kurzarbeitsentschädigung bezogen. Die heute stärkere Nutzung dürfte u.a. damit zu erklären sein, dass viele Unternehmen vom Zeitpunkt und der Heftigkeit des gegenwärtigen Abschwungs überrascht wurden. Zudem konzentrierte sich der Absatzeinbruch auf die Industrie, wo sich das Instrument der Kurzarbeit besonders gut einsetzen lässt. Schliesslich dürfte auch die befristete Verlängerung der maximalen Bezugsdauer auf 18 Monate sowie die Reduktion des Selbstbehaltes für die Unternehmen den Rückgriff auf die Kurzarbeit begünstigt haben.

Leiter Ressort Arbeitsmarktanalyse und Sozialpolitik, Staatssekretariat für Wirtschaft (seco), Bern

Ökonom, Ökonomische Analyse und Beratung, Eidgenössische Finanzverwaltung (EFV), Bern

Leiter Ressort Arbeitsmarktanalyse und Sozialpolitik, Staatssekretariat für Wirtschaft (seco), Bern

Ökonom, Ökonomische Analyse und Beratung, Eidgenössische Finanzverwaltung (EFV), Bern