Die Volkswirtschaft

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Die Finanzplatzstrategie muss aus einer Gesamtsicht beurteilt werden. Der Finanzplatz Schweiz ist eine der tragenden Säulen unseres Wirtschaftsstandortes mit einer hohen Wertschöpfung. Davon profitiert auch die übrige Wirtschaft. Diese Leistungskraft gilt es in einem zunehmend härteren Umfeld konsequent zu wahren und auszubauen. Neben der Ausrichtung auf die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Finanzsektors und der Verbesserung des internationalen Marktzugangs sind auch eine wettbewerbsorientierte liberale Wirtschaftspolitik, das Hochhalten der Rechtssicherheit sowie eine solide Finanz- und Steuerpolitik unentbehrliche Voraussetzungen.

Der Bundesrat weist in seinem Bericht darauf hin, dass der Finanzsektor eine tragende Säule der Schweizer Wirtschaft ist und einen sehr hohen Wertschöpfungsanteil aufweist. Sein Beitrag zum Bruttoinlandprodukt (BIP) stieg auf rund 11% des BIP im Jahre 2008 an, trotz des Einbruchs in der Finanzkrise. Der Anstieg seit 1990 ist zum Grossteil auf den Bankensektor (Kreditgewerbe) zurückzuführen, der sich in dieser Zeit mehr als verdoppelt hat, während der Anteil des Versicherungssektors um rund 25% angestiegen ist. Der Finanzsektor trägt auch mit seinem direkten wie indirekten Steueraufkommen entscheidend zur Finanzierung unseres Staates bei. Die Ausstrahlungswirkung eines leistungsfähigen Finanzsektors geht über diese nackten Zahlen hinaus. Sie ist auch ein Anziehungspunkt für die Ansiedelung von Konzernzentralen und für weltweit führende Handelsfirmen mit globalen Finanzierungsbedürfnissen. Davon profitieren wieder zahlreiche weitere Unternehmen, vor allem auch die KMU. Zwischen Werk- und Finanzplatz besteht eine enge wechselweise Beziehung; am Erfolg hat die gesamte Wirtschaft ein grosses Interesse. Daher engagiert sich Economiesuisse für diese Fragen aus einer übergeordneten Warte.

Fundamentale Herausforderungen für den Standort Schweiz

Das wirtschaftliche wie das regulatorische Umfeld für den Finanzplatz hat sich entscheidend verändert. Dies betrifft beispielsweise höhere Eigenmittel im Sinne einer Stärkung der Systemstabilität, die Erweiterung von Rechts- und Amtshilfe in Steuerfragen oder auch die Ausdehnung der Bestimmungen gegen die Geldwäscherei. Die Unternehmen müssen sich darauf einstellen bzw. ihre eigenen Strategien anpassen und proaktive, zukunftsgerichtete Geschäftsfelder im internationalen Wettbewerb besetzen. Dies ist die Aufgabe der Wirtschaftsakteure und nicht des Staates. Der Staat muss hingegen die Rahmenbedingungen für eine leistungsfähige und wertschöpfungsstarke Finanzbranche verbessern. Dies will der Bundesrat richtigerweise mit den strategischen Stossrichtungen Wettbewerbsfähigkeit, Sicherung des Marktzugangs, Verbesserung der Krisenresistenz und Wahrung der Integrität tun. Diese Stossrichtungen sind aus Sicht der Wirtschaft gleichrangig und komplementär. Gerade für den Finanzplatz sind aber ordnungspolitische Kernfragen – wie eine auf Stabilität ausgerichtete Geld- und Währungspolitik, eine ausgeglichene Finanz- und eine zurückhaltende Steuerpolitik – ebenso fundamental. Sie haben dazu beigetragen, dass unser Land von der Finanz- und Wirtschaftskrise letztlich weniger betroffen war als andere Konkurrenten.

Aktive Mitwirkung in internationalen Gremien gefordert

Es ist zu erwarten, dass die protektionistischen Tendenzen – speziell im Finanzsektor – und die regulatorischen Auflagen mittelfristig zunehmen. Dieser Entwicklung werden sich unsere Finanzinstitute nicht entziehen können. Sie sind aber gut gerüstet und bieten hochwertige, innovative Leistungen an. Entscheidend ist, dass die Schweiz in den internationalen Gremien, welche die globalen Rahmenbedingungen bestimmen, aktiv mitwirkt und überschiessenden Trends entgegentreten kann. In der Schweiz muss darauf hingearbeitet werden, dass die Leistungskraft der Unternehmen etwa dank besser ausgebildeten Mitarbeitern oder einer effizienteren Infrastruktur auf einer internen Stärke – und nicht nur auf einer Regulierungsdifferenz – beruht. Die Voraussetzungen sind gut, doch holen die Konkurrenzstandorte auf. Ausbildung, Zugang zu internationalen Fachkräften zu kompetitiven Bedingungen oder modernste Infrastrukturen (z.B. zuverlässige, sichere und leistungsfähige Kommunikationsnetze) sind Schlüsselfaktoren ebenso wie die steuerlichen Belastungen.Gerade die jüngsten Entwicklungen haben zusätzliche Eingriffe veranlasst, wie z.B. die Erhöhung von Eigenmittelanforderungen, einen Ausbau der Bankeinlagensicherung, Eingriffe in die Vergütungspolitik der Finanzinstitute oder auch der Ausbau der Amts- und Rechtshilfe in Steuerfragen. Weitere Regulierungen sind national wie international in Abklärung. Bei dieser Vielfalt an Eingriffen muss die Gesamtschau gewahrt und sorgfältig auf Auswirkungen geachtet werden.

Vorsitzender der Geschäftsleitung, economiesuisse, Zürich

Vorsitzender der Geschäftsleitung, economiesuisse, Zürich