Die Volkswirtschaft

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In Zeiten schwacher Arbeitsmarktentwicklung sind junge Menschen besonders häufig von Arbeitslosigkeit betroffen, weil viele von ihnen den Übergang von der Ausbildung ins reguläre Beschäftigungssystem bestehen müssen. Dem Lehrstellenmarkt sowie der Nahtstelle vom Ausbildungs- in das reguläre Beschäftigungssystem kommt in diesem Zusammenhang eine besonders hohe Bedeutung zu. Der folgende Beitrag geht der Frage nach, wie sich die jüngste Rezession auf die Arbeitsmarktsituation von Jugendlichen ausgewirkt hat und was im weiteren Verlauf zu erwarten ist.

Im Jahr 2009 durchlief die Schweizer Volkswirtschaft die schärfste Rezession seit den 1970er-Jahren. Das Bruttoinlandprodukt schrumpfte real um 1,9%, wobei Finanzdienstleistungs- und Industrieunternehmen besonders stark vom Einbruch der Nachfrage betroffen waren. Ein wirtschaftlicher Rückschlag dieses Ausmasses konnte denn auch nicht ohne Folgen für den Arbeitsmarkt bleiben: Die Arbeitslosenquote stieg von 2,6% im Herbst 2008 auf 4,2% bis Ende 2009 (saisonbereinigte Werte). Hätten nicht viele Industrieunternehmen Kurzarbeit eingesetzt, wäre der Anstieg noch deutlich stärker ausgefallen. Relativ überraschend bildete sich die Arbeitslosenquote ab Anfang 2010 leicht zurück. Die wirtschaftliche Erholung kam nach dem starken Einbruch im letzten Jahr in diesem Jahr deutlich rascher und kräftiger, als man erwartet hatte. Der Aufschwung war stark durch die geld- und fiskalpolitischen Massnahmen geprägt, welche weltweit massiv zum Einsatz kamen. Bis im Herbst 2009 hatten die meisten Schweizer Konjunkturexperten für 2010 noch mit einer sehr zögerlichen wirtschaftlichen Erholung und einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf deutlich über 5% gerechnet. Tatsächlich dürfte die Arbeitslosenquote 2010 im Jahresdurchschnitt nun 3,9% betragen.

Die Jugendarbeitslosigkeit reagiert stark auf die Konjunktur

Die Jugendarbeitslosigkeit reagiert erfahrungsgemäss besonders sensibel auf konjunkturelle Schwankungen. Für die Zeitspanne von Anfang 2000 bis September 2010 schlug sich ein Anstieg oder ein Rückgang der Gesamtarbeitslosenzahl von 10% im Durchschnitt in einem Anstieg bzw. Rückgang von 12,6% der Jugendarbeitslosenzahl nieder. Dieser längerfristige statistische Zusammenhang galt auch in der jüngsten Krise (vgl. Grafik 1). Die erhöhte Konjunktursensitivität der Jugendarbeitslosigkeit hat hauptsächlich drei Ursachen: − Viele Jugendliche befinden sich in einer Übergangssituation zwischen der Ausbildung und dem Arbeitsmarkt. Da viele Unternehmen bei schwacher Auftragslage mit Einstellungsstopps reagieren, bevor sie Personal abbauen, leiden stellensuchende Neueinsteiger als erste und am stärksten unter konjunkturellen Einbrüchen. − Überdurchschnittlich viele junge Erwerbstätige stehen in befristeten Anstellungsverhältnissen oder arbeiten für Personalverleihfirmen. Solche Arbeitsverhältnisse werden in aller Regel als erste aufgelöst oder nicht weiter verlängert.− Personen mit den höchsten Qualifikationen treten in der Regel nicht vor 25 Jahren, sondern erst nach Abschluss einer Ausbildung auf der Tertiärstufe, in den Arbeitsmarkt ein.Wegen der hohen Konjunktursensitivität der Jugendarbeitslosigkeit hatte man vor rund einem Jahr für 2010 noch mit einem Anstieg der Jugendarbeitslosenquote auf deutlich über 7% gerechnet. Mittlerweile darf man davon ausgehen, dass die Arbeitslosenquote der 15- bis 24-Jährigen im Jahresdurchschnitt etwa 4,5% erreichen wird. In den letzten Monaten bestätigte sich die Erfahrung, wonach die Jugendarbeitslosigkeit in Aufschwungphasen deutlich stärker sinkt als die Gesamtarbeitslosigkeit. Zwischen September 2009 und September 2010 sank die Arbeitslosenzahl der 15- bis 24-Jährigen um 20% – und damit sogar doppelt so stark wie die Gesamtarbeitslosigkeit. Ende September 2010 lag die Arbeitslosenquote der 15- bis 24-Jährigen saison- und zufallsbereinigt noch bei 4,1%, gegenüber der Gesamtarbeitslosenquote von 3,7%. Ein Jahr zuvor hatte sie noch bei 5,1% bei einer Gesamtarbeitslosenquote von 4,1% gelegen. Die effektive Zahl der 15- bis 24-jährigen Arbeitslosen lag Ende September bei 24 035.Ein weiteres Charakteristikum für die Jugendarbeitslosigkeit ist, dass zwar das Risiko, arbeitslos zu werden, stark überdurchschnittlich ist, die individuelle Arbeitslosendauer hingegen stark unterdurchschnittlich. Über den Zeitraum 2004 bis 2010 blieben 15- bis 24-jährige Arbeitslose im Schnitt 4,3 Monate arbeitslos, während diese Dauer bei Arbeitslosen im Alter zwischen 25 und 54 Jahren 6,7 Monate betrug.

Verschiedene Übergänge bis zur Integration in den Arbeitsmarkt

Jugendliche müssen bis zur Integration in den regulären Arbeitsmarkt – je nach gewähltem Ausbildungsweg – verschiedene Übergänge meistern. Ein erster Übergang erfolgt nach der obligatorischen Schule. Im Jahr 2008 traten knapp 49% der Jugendlichen direkt danach eine berufliche Grundbildung an. Knapp 15% besuchten zuerst eine Übergangsausbildung wie etwa ein zehntes Schuljahr oder ein Brückenangebot. 26% der Jugendlichen besuchten direkt eine allgemein bildende Schule. Für die Mehrzahl der verbleibenden rund 10% der Jugendlichen stand nach der obligatorischen Schule potenziell ein Übertritt in den regulären Arbeitsmarkt an.
Quelle: Statistik der Schüler und Studierenden BFS. In bildungs- und arbeitsmarktpolitischer Hinsicht besteht die Herausforderung in dieser ersten Übergangsphase darin, dass möglichst viele Jugendliche, welche eine weiterführende Ausbildung besuchen möchten, eine entsprechende Lehrstelle bzw. einen geeigneten Ausbildungsplatz finden können.Nach Abschluss der Ausbildung auf Sekundarstufe II erfolgt ein zweiter Übergang. Während ein Teil der Absolventen unmittelbar ein Studium auf der Tertiärstufe anstreben, möchten andere auf dem Arbeitsmarkt Fuss fassen. Vor allem Abgängerinnen und Abgänger der beruflichen Grundbildung begeben sich in dieser Phase sehr häufig auf Stellensuche. Im langfristigen Durchschnitt verbleiben etwa 40% der Lernenden nach ihrem Abschluss im Lehrbetrieb.
Vgl. Stellenmarkt-Monitor Schweiz der Universität Zürich (2010), Berufseinsteiger-Barometer 2010, Kurzfassung des Reports im Auftrag des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT). Die übrigen gehen auf Stellensuche, treten eine weiterführende Ausbildung an oder ziehen sich aus dem Erwerbsleben zurück. Dieser Übergang ist bekanntermassen mit einem besonders hohen Arbeitslosigkeitsrisiko verbunden, wobei die Dauer der Arbeitslosigkeit in den meisten Fällen relativ kurz ist. Auch Personen, welche ein Studium auf der Tertiärstufe abgeschlossen haben, müssen danach den Einstieg in den Arbeitsmarkt bewältigen. Während Personen mit beruflicher Ausbildung in der Regel bereits mehrere Jahre Berufserfahrung aufweisen, vollziehen jene, welche allgemein bildende Schulen durchlaufen haben, nach dem Studium unter Umständen ihren ersten «richtigen» Übergang in den Arbeitsmarkt.
Vom gymnasialen Maturitätsjahrgang 2006 traten 92% später an eine Hochschule über. Bei den Übertritten von der gymnasialen Maturität an eine universitäre Hochschule erfolgten 94% der Übergänge im Jahr der Maturität selber oder im Jahr darauf. Quelle: BFS (2010), Maturitäten und Übertritte an Hochschulen 2009, Neuenburg, 2010.

Situation auf dem Lehrstellenmarkt 2010

Nachdem die Zahl der Schulabgängerinnen und -abgänger der obligatorischen Schule (Sekundarstufe I) in den letzten Jahren noch stetig zugenommen hat, erfolgt zurzeit ein Rückgang (vgl. Grafik 2). Gemäss Prognosen des Bundesamts für Statistik (BFS) wird bis 2018 ein Rückgang von 18% erwartet, womit auch die Zahl der Lehrstellensuchenden sinken dürfte. Aus Sicht der Jugendlichen könnte diese Entwicklung die Situation auf dem Lehrstellenmarkt etwas entspannen, während es für die Unternehmen tendenziell schwieriger werden könnte, geeignete Bewerber zu finden.Seit 2004 hat das Lehrstellenangebot um 18% zugenommen. Der positive Trend wurde durch den jüngste Wirtschaftseinbruch, wie es scheint, nur vorübergehend gebrochen. Nach einem leichten Rückgang des Lehrstellenangebots im Jahr 2009 prognostiziert das Lehrstellenbarometer für dieses Jahr wieder eine Zuname auf 90 000 zu vergebende Lehrstellen (2004: 74 000). Die Anzahl abgeschlossener Lehrverträge hat im Zeitraum seit 2003 ebenfalls zugenommen, wobei sich vor allem im Hochkonjunkturjahr 2008 das Lehrstellenangebot stärker ausgedehnt hat als die Zahl der vergebenen Lehrstellen. Im letzten Jahr sank die Zahl der vergebenen Lehrstellen praktisch parallel zur 16-jährigen Wohnbevölkerung in der Schweiz. Die Berufsbildung ist arbeitsmarktorientiert und dadurch stärker konjunkturellen Entwicklungen ausgesetzt als allgemein bildende Schulen der Sekundarstufe II. Konjunkturelle Einbrüche haben jedoch nur einen beschränkten negativen Einfluss auf die Anzahl der vergebenen Lehrstellen, wie es sich auch in der jüngsten Rezession zeigte. Stärker als auf die konjunkturelle Entwicklung reagieren Lehrbetriebe auf demografische Gegebenheiten. Gemäss einer Studie der Universität Bern nimmt jedoch bei rückläufigen Schülerzahlen das Lehrstellenangebot nicht im gleichen Umfang ab. Dies hat zur Folge, dass es auch in Zeiten konjunktureller Einbrüche zu einer Entspannung auf dem Lehrstellenmarkt kommen kann.
Vgl. Mühlemann, Samuel; Wolter, Stefan C., Wüest, Adrian (2009), Apprenticeship Training and the Business Cycle, in: Empirical Research in Vocational Education and Training 1(2), 173–186.Für das laufende Jahr zeichnet sich eine weitere Entspannung des Lehrstellenmarktes ab. Während das Lehrstellenangebot um gut 3% zunehmen dürfte, ist bei den Lehrstellensuchenden ein leichter Rückgang absehbar. Angesichts der gegenläufigen Tendenzen ist zu erwarten, dass die Zahl von abgeschlossenen Lehrverträgen in etwa konstant bleiben wird. Die öffentliche Hand hat auf dem Lehrstellenmarkt eine Mittlerrolle. Die kantonalen Berufsbildungsämter sind mit den Verhältnissen vor Ort vertraut und pflegen den Kontakt mit den Unternehmungen vor Ort. Sie können dadurch die Entwicklung des Lehrstellenangebots am besten abschätzen, rechtzeitig geeignete Massnahmen ergreifen und die Jugendlichen bei der Lehrstellensuche individuell unterstützen. Der Bund bietet den Kantonen Unterstützung. Ausserdem beschliesst die jährliche nationale Lehrstellenkonferenz auf Regierungs- und Dachverbandsebene gegebenenfalls gemeinsame strategische Massnahmen.Für die Integration der Jugendlichen in die Berufsbildung stehen bewährte Massnahmen zur Verfügung, so etwa der Einsatz von Lehrstellenförderinnen und Lehrstellenförderern, Lehrbetriebsverbünde, Coaching und Mentoring, Brückenangebote und Case Management Berufsbildung. Ist die Lehrstellensituation angespannt, können diese Massnahmen rasch intensiviert werden. Um eine drohende Lehrstellenknappheit frühzeitig zu erkennen, stehen das Lehrstellenbarometer (siehe Kasten 1

Lehrstellenbarometer bleibt stabil

Die Situation auf dem Lehrstellenmarkt ist trotz angespannter Wirtschaftslage weitgehend stabil geblieben. Die am 25. Oktober 2010 an der Lehrstellenkonferenz in Biel veröffentlichten Zahlen des Lehrstellenbarometers, welches das Link-Institut seit 1997 im Auftrag des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT) erhebt, bestätigen: Das gemeinsame Engagement von Bund, Kantonen und Wirtschaft zur Lehrstellenförderung hat Früchte getragen. Die Zahl der angebotenen Lehrstellen hat sich positiv entwickelt. Per August 2010 vergaben die Unternehmen 83 000 Lehrstellen (2009: 82 000). Weitere 7000 Ausbildungsplätze waren am Stichtag, dem 31. August 2010, noch offen. Die Betriebe hoffen, davon 2500 noch besetzen zu können. Das gesamte Angebot hat mit 90 000 Lehrstellen im Vergleich zum Vorjahr um 3000 Stellen zugenommen. Damit ist es noch vor dem Höchstangebot von 88 000 Ausbildungsplätzen im Jahr 2008 das umfangreichste seit dem Jahr 2000 (79 500).Von den 149 000 Jugendlichen, die 2010 vor der Ausbildungswahl standen, sind rund 73 500 (2009: 75 000) in eine berufliche Grundbildung eingetreten. Die Mehrheit gibt an, eine zumindest vorübergehende Lösung gefunden zu haben. 5% (2009: 6%) bezeichnen sich als arbeitslos bzw. ohne Beschäftigung. Dies sind hochgerechnet rund 7500 Personen (2009: 9000).Die «Warteschlange» – Jugendliche, die für 2011 eine Lehrstelle suchen – ist im Vergleich zum Vorjahr von 14% auf 13% gesunken. Hochgerechnet sind dies 20 500 Jugendliche. Damit sind zum dritten Mal in Folge leicht weniger Jugendliche in der Warteschlange vertreten. (2009: 21 000, 2008: 21 500).Durch die Intensivierung bewährter Massnahmen wie Lehrstellenförderung, Coaching und Mentoring sowie Case Management Berufsbildung konnte verhindert werden, dass sich die angespannte Wirtschaftslage auf das Lehrstellenangebot niederschlägt. Entscheidend ist dabei die aktive Rolle der Wirtschaft, die auch in konjunkturell schwierigen Zeiten in die Berufsbildung investiert und zusätzliche Lehrstellen geschaffen hat. Um den Lehrstellenmarkt auch 2011 stabil zu halten, hat die diesjährige Lehrstellenkonferenz festgehalten, dass die bestehenden Massnahmen weiterverfolgt und bei Bedarf zusätzlich intensiviert werden.Die detaillierten Ergebnisse des Lehrstellenbarometers vom August 2010 sind auf http://www.bbt.admin.ch publiziert.

) und die monatlichen Trendanalysen der Kantone zur Situation auf dem Lehrstellenmarkt zur Verfügung.

Arbeitsmarktintegration nach der beruflichen Grundbildung

Der Übergang nach der beruflichen Grundbildung in den regulären Stellenmarkt ist für die jungen Erwachsenen mit einem stark erhöhten Arbeitslosenrisiko verbunden. Ein unfreiwilliger und längerer Erwerbsunterbruch nach der Ausbildung kann zu einem Verlust des beruflichen Fachwissens führen und sich damit negativ auf den weiteren Erwerbsverlauf auswirken. Auf Grund der hohen Bedeutung und angesichts der sich abzeichnenden Krise auf dem Arbeitsmarkt wurde an der Lehrstellenkonferenz 2009 beschlossen, den Einsteigerstellenmarkt von Berufsbildungsabgängern näher zu analysieren. Eine solche Analyse wurde erstmals vom Stellenmarkt-Monitor Schweiz der Universität Zürich für 2010 erstellt; die folgenden Passagen basieren auf den Auswertungen dieses Berufseinstiegsbarometers.
Stellenmarkt-Monitor Schweiz der Universität Zürich (2010), Berufseinsteiger-Barometer 2010, Kurzfassung des Reports im Auftrag des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie (BBT).In Grafik 3 ist die Entwicklung der Arbeitslosenquote von Personen mit beruflicher Grundbildung im frühen Erwerbsverlauf (18–25 Jahre) im Vergleich zu zwei Referenzgruppen wiedergegeben. Gut zu erkennen ist dabei, dass Fachkräfte im frühen Erwerbsverlauf gegenüber länger integrierten Berufsleuten eine rund doppelt so hohe Arbeitslosenquote aufweisen. Hierin spiegelt sich die Übergangsproblematik am Ende der beruflichen Grundbildung. Gleichzeitig geht aus den Zahlen klar hervor, dass Personen mit beruflicher Grundbildung im frühen Erwerbsverlauf eine deutlich tiefere Arbeitslosenquote haben als gleichaltrige Personen ohne nachobligatorische Ausbildung. Seit 2004 lag letztere um durchschnittlich 90% über jener von jungen Personen mit einer beruflichen Grundbildung. Dies illustriert wiederum sehr deutlich, dass die Berufsausbildung einen sehr hohen Schutz vor Arbeitslosigkeit bietet. In den letzten drei Jahren erkennt man bei den Personen mit beruflicher Grundbildung im frühen Erwerbsverlauf die typische hohe Konjunktursensitivität. In relativer Hinsicht scheint sich die Situation von unqualifizierten Arbeitskräften gegenüber Berufsleuten etwas verbessert zu haben. So erreichte die Arbeitslosenquote in der letzten Rezession nicht mehr ganz das Niveau von 2004 und liegt heute sogar um rund einen Viertel tiefer. Eine Erklärung könnte darin liegen, dass die Industrie, welche sehr viele Berufsleute beschäftigt, von der Krise sehr stark betroffen war, während Branchen wie das Bau- und das Gastgewerbe oder auch der Detailhandel, die einen grossen Anteil an tief qualifiziertem Personal aufweisen, bislang verhältnismässig glimpflich durch die Krise kamen.

Übergang nach einem Studium auf der Tertiärstufe

Über die Arbeitsmarktsituation von Studienabgängerinnen und -abgängern liegt uns keine detaillierte Analyse vor. Berechnet man jedoch – analog zur Analyse der Berufseinsteigerinnen und -einsteiger – die Arbeitslosenquote von Personen mit tertiärem Bildungsabschluss im frühen Erwerbsalter (hier 25- bis 34-Jährige), so stellt man fest, dass diese im Januar 2004 bei 2,5% und im Januar 2010 bei 2,0% lag.
Bei der Berechnung dieser Arbeitslosenquoten ist die starke Zunahme der Erwerbsbevölkerung mit tertiärem Bildungsabschluss berücksichtigt. Als Basis für die Arbeitslosenquoten wurden die Daten der Sake 2004 und 2009 für die Erwerbsbevölkerung beigezogen. Die Zahl der 25- bis 34-jährigen Arbeitslosen mit tertiärem Bildungsabschluss stieg zwischen 2004 und 2010 um gut 20% an. Die entsprechende Erwerbsbevölkerung stieg jedoch um einen Drittel, womit die Arbeitslosenquote sank. Auf dem Höhepunkt der jüngsten Rezession lag die Quote damit tiefer als in der Rezession zuvor. Ende September 2010 lag die entsprechende Quote bei schätzungsweise 1,8%. Insgesamt darf man also feststellen, dass sich die Situation für Studienabgänger in der Schweiz vorderhand nicht dramatisch präsentiert. Eher deuten die ausgesprochen tiefen Arbeitslosenquoten darauf hin, dass im Falle eines Wirtschaftsaufschwungs rasch wieder Fachkräftemangel entstehen könnte. In den letzten Jahren konnte dieser vor allem durch Zuwanderung entschärft werden.

Fazit

Die Erfahrungen der Schweiz mit der Jugendarbeitslosigkeit haben sich in der letzten Rezession grossmehrheitlich bestätigt. Einmal mehr wurde deutlich, dass die Jugendarbeitslosigkeit sensibler auf die Konjunktur reagiert als die Gesamtarbeitslosigkeit. Es war daher richtig, sofort die bekannten Massnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zu aktivieren und diese bedarfsgerecht durch zusätzliche Massnahmen im Rahmen der konjunkturellen Stabilisierungsmassnahmen zu ergänzen. Glücklicherweise nahm die Krise auf dem Arbeitsmarkt nicht das Ausmass an, welches Mitte 2009 noch hatte befürchtet werden müssen. Für das laufende Jahr hat sich die Situation sowohl für Berufseinsteiger wie auch für Lehrstellensuchende deutlich verbessert. In beiden Fällen ist davon auszugehen, dass die ergriffenen Massnahmen zur Stabilisierung des Lehrstellenangebots (z.B. Lehrstellenförderung), zur Integration der Jugendlichen (z.B. individuelle Begleitung, Case Management Berufsbildung) sowie zu Gunsten von arbeitslosen Bildungsabgängern (z.B. Motivationssemester, Berufspraktika) eine positive Wirkung entfalten. Nach wie vor kann allerdings nicht von einer völligen Entspannung der Situation gesprochen werden. Hinzu kommt, dass die konjunkturellen Aussichten auf eine deutliche Abschwächung der Wirtschaftsentwicklung hindeuten, womit sich die Rückbildung der Arbeitslosigkeit wie auch der Jugendarbeitslosigkeit wieder verlangsamen würde. Vor diesem Hintergrund sollten die Massnahmen gegen die Jugendarbeitslosigkeit auch im kommenden Jahr fortgeführt werden, und es gilt die Entwicklung weiterhin genau zu beobachten.

Grafik 1: «Arbeitslosenquote nach Altersklassen, saison- und zufallsbereinigt, Januar 2000–September 2010»

Grafik 2: «Lehrstellenangebot, vergebene Lehrstellen und Bestand der 16-jährigen Bevölkerung, 2000–2010»

Grafik 3: «Arbeitslosigkeit von Personen mit Beruflicher Grundbildung im frühen Erwerbsverlauf im Quervergleich, Januar 2004–September 2010»

Grafik 4: «Erwerbslosenquote nach Altersklasse, aktueller Arbeitsmarktsituation und Situation unmittelbar vor Aufnahme der Arbeitssuche, 2. Quartal 2009»

Kasten 1: Lehrstellenbarometer bleibt stabil

Lehrstellenbarometer bleibt stabil

Die Situation auf dem Lehrstellenmarkt ist trotz angespannter Wirtschaftslage weitgehend stabil geblieben. Die am 25. Oktober 2010 an der Lehrstellenkonferenz in Biel veröffentlichten Zahlen des Lehrstellenbarometers, welches das Link-Institut seit 1997 im Auftrag des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT) erhebt, bestätigen: Das gemeinsame Engagement von Bund, Kantonen und Wirtschaft zur Lehrstellenförderung hat Früchte getragen. Die Zahl der angebotenen Lehrstellen hat sich positiv entwickelt. Per August 2010 vergaben die Unternehmen 83 000 Lehrstellen (2009: 82 000). Weitere 7000 Ausbildungsplätze waren am Stichtag, dem 31. August 2010, noch offen. Die Betriebe hoffen, davon 2500 noch besetzen zu können. Das gesamte Angebot hat mit 90 000 Lehrstellen im Vergleich zum Vorjahr um 3000 Stellen zugenommen. Damit ist es noch vor dem Höchstangebot von 88 000 Ausbildungsplätzen im Jahr 2008 das umfangreichste seit dem Jahr 2000 (79 500).Von den 149 000 Jugendlichen, die 2010 vor der Ausbildungswahl standen, sind rund 73 500 (2009: 75 000) in eine berufliche Grundbildung eingetreten. Die Mehrheit gibt an, eine zumindest vorübergehende Lösung gefunden zu haben. 5% (2009: 6%) bezeichnen sich als arbeitslos bzw. ohne Beschäftigung. Dies sind hochgerechnet rund 7500 Personen (2009: 9000).Die «Warteschlange» – Jugendliche, die für 2011 eine Lehrstelle suchen – ist im Vergleich zum Vorjahr von 14% auf 13% gesunken. Hochgerechnet sind dies 20 500 Jugendliche. Damit sind zum dritten Mal in Folge leicht weniger Jugendliche in der Warteschlange vertreten. (2009: 21 000, 2008: 21 500).Durch die Intensivierung bewährter Massnahmen wie Lehrstellenförderung, Coaching und Mentoring sowie Case Management Berufsbildung konnte verhindert werden, dass sich die angespannte Wirtschaftslage auf das Lehrstellenangebot niederschlägt. Entscheidend ist dabei die aktive Rolle der Wirtschaft, die auch in konjunkturell schwierigen Zeiten in die Berufsbildung investiert und zusätzliche Lehrstellen geschaffen hat. Um den Lehrstellenmarkt auch 2011 stabil zu halten, hat die diesjährige Lehrstellenkonferenz festgehalten, dass die bestehenden Massnahmen weiterverfolgt und bei Bedarf zusätzlich intensiviert werden.Die detaillierten Ergebnisse des Lehrstellenbarometers vom August 2010 sind auf http://www.bbt.admin.ch publiziert.

Kasten 2: Statistische Erfassung der Jugendarbeitslosigkeit

Statistische Erfassung der Jugendarbeitslosigkeit

Zur Bezifferung der Arbeitslosigkeit bzw. der Erwerbslosigkeit gibt es in der Schweiz zwei unterschiedliche Datenquellen. Sie weisen hinsichtlich der Analyse der Arbeitsmarktsituation der jugendlichen Bevölkerung jeweils spezifische Vorzüge und Nachteile auf: In der Arbeitslosenstatistik des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) sind alle arbeitslosen Personen erfasst, welche sich bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Stellensuche anmelden. Die Stärke dieser Statistik liegt in der monatlichen Verfügbarkeit sowie im hohen Detaillierungsgrad der möglichen Auswertungen. Eine Schwäche liegt darin, dass die Höhe der Arbeitslosenquote wesentlich von der Meldeneigung von erwerbslosen Personen abhängt. Besonders bei Jugendlichen ist der Anteil der Erwerbslosen, welche sich nicht bei einem RAV melden, relativ hoch. In der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (Sake) des Bundesamtes für Statistik (BFS) werden Erwerbslose konsequent nach internationalen Normen erhoben, womit sie sich als einzige für direkte internationale Vergleiche eignet. Die Definition der Erwerbslosigkeit ist hierbei insofern weit gefasst, als auch Personen enthalten sind, welche sich nicht oder nicht mehr bei einem RAV zur Stellensuche melden. Ein Nachteil der weit gefassten Definition ist, dass sie sehr viele verschiedene Formen und Grade von Erwerbslosigkeit vereint und die Kriterien der Arbeitslosigkeit (aktive Stellensuche, unmittelbare Verfügbarkeit, keine Erwerbstätigkeit) keiner objektiven Prüfung unterzogen werden können. Dieser Umstand ist bei der Interpretation von Jugenderwerbslosenquoten von besonderer Bedeutung, wie die folgende Auswertung veranschaulicht.In Grafik 4 ist die Erwerbslosenquote gemäss BFS (Sake) für drei Altersgruppen wiedergegeben. Im zweiten Quartal 2009 lag die Jugenderwerbslosenquote bei 8,2%, d.h. um 3,5 Prozentpunkte über der entsprechenden Quote von 25- bis 39-Jährigen. Zählt man von den Erwerbslosen jene Personen ab, welche sich gleichzeitig in einer Ausbildung befinden, läge die Quote für 15- bis 24-Jährige noch bei 5,6% und damit nur noch um 1,3 Prozentpunkte über dem Wert für die 25- bis 39-Jährigen. Ebenfalls deutlich wird aus den Zahlen, wie bedeutend die Übergangsproblematik bei der Jugenderwerbslosigkeit ist. Fast ein Drittel der jugendlichen Erwerbslosen gaben an, vor Aufnahme der Arbeitssuche in Ausbildung gewesen zu sein. Der hohe Anteil ist ein Indiz dafür, dass die Übergangsproblematik eine wichtige Ursache der erhöhten Jugendarbeitslosigkeit ist.

Leiter Ressort BB / Grundsatzfragen und Politik, Bundesamt für Berufsbildung und Technologie BBT, Bern

Stv. Ressortleiter Arbeitsmarktanalyse und Sozialpolitik, Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), Bern

Leiter Ressort BB / Grundsatzfragen und Politik, Bundesamt für Berufsbildung und Technologie BBT, Bern

Stv. Ressortleiter Arbeitsmarktanalyse und Sozialpolitik, Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), Bern