Die Volkswirtschaft

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Ein stabiles Finanzsystem ist ein wichtiges Fundament für Prosperität und Erfolg der Schweiz. UBS und die Schweiz haben ein gemeinsames Interesse, dieses nicht zu gefährden. UBS nimmt diese Verantwortung sehr ernst und unterstützt in diesem Sinne die Empfehlungen der Expertenkommission. Diese gehen indessen ans Limit dessen, was tragbar ist. Weitere Verschärfungen würden die langfristige Positionierung und Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes und die Verfügbarkeit von Finanzdienstleistungen für die Schweizer Wirtschaft gefährden. Letztlich ist es an der Politik zu bestimmen, wie die gewünschte Balance zwischen akzeptablem Restrisiko und Nutzen der Grossbanken für die Schweiz aussehen soll.

Finanzsektor überaus wichtig für die Schweiz

Der Finanzsektor mit den beiden Grossbanken ist ein wichtiger Bestandteil der Schweizer Volkswirtschaft. Er stellt zurzeit rund 200 000 Arbeitsplätze in der Schweiz, und mindestens noch einmal so viele hängen von diesem ab. Die jährliche Steuerleistung des Finanzsektors (inkl. Mitarbeitende und Aktionäre) beträgt ca. 14–18 Mrd. Franken, was ungefähr 12%–15% aller Steuereinnahmen ausmacht. UBS kauft für rund 2,5 Mrd. Franken Güter und Dienstleistungen bei Schweizer Unternehmen ein. Sie ist der drittgrösste einheimische Arbeitgeber im Privatsektor und bietet rund 1800 Ausbildungsplätze. Als integrierte Bank erbringt UBS ausserdem wesentliche Dienstleistungen für die Schweizer Wirtschaft, die nicht ohne weiteres von anderen Banken im gleichen Ausmass erbracht werden können. Dazu gehören z.B. die Vergabe ungedeckter Kredite, die Syndizierung von Krediten sowie Handels- und Exportfinanzierungen, wobei bei letzteren der Marktanteil der Grossbanken bei über 70% liegt.Die Grossbanken sind zudem ein Pfeiler des Schweizer Finanzplatzes: Einheimische Banken rekrutieren viele ihrer Spitzenkräfte von den Grossbanken. Das umfassende Dienstleistungsangebot der Grossbanken wird von anderen Banken und anspruchsvollen Privatkunden in Anspruch genommen und verhilft dem Finanzplatz zu seiner internationalen Bedeutung. Diese Stärke gilt es besonders angesichts des Drucks auf das grenzüberschreitende Vermögensverwaltungsgeschäft zu erhalten.

Die Schweiz und UBS haben früh und umfassend reagiert

UBS hat seit Ausbruch der Krise ihr Risikoprofil substanziell verbessert und einschneidende Korrekturen umgesetzt: So wurden u.a. Bilanzsumme und risikogewichtete Aktiven etwa halbiert sowie die Strategie konsequent auf nachhaltigen Erfolg ausgerichtet. Konzernleitung und Verwaltungsrat wurden fast völlig ausgetauscht und mit ausgewiesenen Experten neu besetzt. Zudem wurden die Kapital- und Liquiditätsanforderungen für die Schweizer Grossbanken bereits ab 2008 drastisch verschärft.Über diesen verschärften Regulierungsrahmen hinaus unterstreicht der Schlussbericht der Expertenkommission die Vorreiterrolle der Schweiz in der Regulierung von grossen Banken. Die dort gestellten Kapitalanforderungen gehen weit über die Mitte September vorgestellten Minimalstandards des Basler Komitees (Basel III) hinaus. Bereits Basel III stellt aber viele Banken vor grosse Herausforderungen, da sie schliesslich ein Mehrfaches an Kapital höchster Qualität halten müssen.Ferner wird der regulatorische Rahmen für systemrelevante Banken in vielen Ländern diskutiert. Es zeichnet sich ab, dass z.B. Deutschland und die USA zurückhaltend sind, noch strengere Regeln für ihre Banken einzuführen. Nach dem G20-Gipfel in Korea ist ausserdem klar, dass auf absehbare Zeit kein international harmonisiertes Vorgehen in diesem Bereich zu erwarten ist. Dies kann international zu Wettbewerbsnachteilen für die grossen Schweizer Banken führen und wirft die Frage auf, ob im Falle eines faktischen Alleingangs der Schweiz nicht eine Anpassung nötig ist.

Regulierung: Eine Risiko-Rendite-Abwägung

Die endgültigen Entscheide liegen beim Schweizer Parlament. Es ist zu wünschen, dass mit Blick auf Systemstabilität und die Zukunft des Finanzplatzes Schweiz Chancen und Risiken sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Der Nutzen der Grossbanken für die Schweiz ist erheblich, und allfällige Restrisiken sind durch bereits unternommene und geplante Anpassungen stark reduziert. Gleichzeitig gehen die Empfehlungen der Expertenkommission bereits sehr weit, weshalb weitere Verschärfungen oder Vorschriften nicht tragbar wären.Nicht zuletzt im Interesse unserer Schweizer Kunden und Investoren muss sich UBS dem globalen regulatorischen Umfeld so anpassen, dass die gewählte Unternehmens-strategie möglichst effizient umgesetzt werden kann.

Group Chief Operating Officer und CEO Corporate Center, UBS AG

Group Chief Operating Officer und CEO Corporate Center, UBS AG