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Ausschreibung von volkswirtschaftlichen Studien: Wie aus Finanzkapital Sachkapital wird

In der Schweiz erwirtschaftet der Finanzsektor einen bedeutenden Teil des Bruttoinlandproduktes. Seine Kernfunktion besteht darin, Anlagemöglichkeiten selber anzubieten oder zu vermitteln, die zur Bindung von anfänglich frei investierbarem Finanzkapital in dauerhafte Sachkapitalanlagen führen. Die Wachstumstheorie geht davon aus, dass wirksame Finanzintermediation zu Wachstumsimpulsen führt, die über die von den Finanzintermediären eingenommenen Zinsmargen und Kommissionen hinausgehen. Die Studien sollen diesen Mehrwert der Finanzintermediation in der Schweiz herausarbeiten. Über alle Teilfragen hinweg soll darauf eingegangen werden, welche Rolle der global tätige Finanzsektor in der Schweiz für die inländische Finanzintermediation spielt, inwiefern die zukünftige Regulierung des Finanzsektors sich auf die Finanzierungsbedingungen und den gesamtwirtschaftlichen Risikoausgleich auswirkt und wie die Schweiz von neuen Entwicklungen im Finanzbereich sowie von globalen Entwicklungen (u. a. hohes Wachstum in Schwellenländern) profitieren kann.

Die Fragen sollen bewusst nicht aus der Optik des Finanzsektors, sondern aus Sicht der Ersparnisbildung im Inland und der Kapitalverwendung angegangen werden. Weiter soll berücksichtigt werden, dass die Verknüpfung von Finanz- und Sachkapital auch in den Unternehmen ausserhalb des Finanzsektors geschieht (z.B. konzernintern), wobei diese Intermediationsleistung wieder in vielfältiger Weise vom Dienstleistungsangebot des Finanzsektors abhängt.

Fragestellungen

Die folgenden Teilfragen sollen primär untersucht werden. Es steht den Bewerbern offen, Offerten für eine oder mehrere Teilfragen oder für eine Kombination von Teilfragen einzureichen.

a) Wie gut vermag die nationale Ersparnisbildung noch zu rentieren? Wie verhält sich die Ersparnisbildung in der Schweiz im Vergleich zum Investitionsbedarf? Welche Möglichkeiten zu einer volkswirtschaftlich rentablen Kapitalanlage gibt es in einer mittleren bis längeren Frist in Anbetracht der Kapitalbedürfnisse der Unternehmungen, des Staates und des Immobiliensektors? Welche Rolle spielen Auslandanlagen für die möglichen Renditen von Finanzkapital, welche die Intermediation durch den Finanzsektor? Wie beeinflusst die Struktur der Ersparnisbildung den Aufbau verschiedener Arten von Kapital (inländische/ausländische Anlagen, Immobilieninvestitionen)?

b) Wie wird der Aufbau immaterieller Vermögenswerte in der Schweiz finanziert? Welche Finanzierungsmöglichkeiten – neben der Eigenfinanzierung – bieten sich einer Schweizer Unternehmung zur Finanzierung von immateriellen Vermögenswerten (bspw. F&E)? Inwiefern unterscheiden sich diese «unsicheren» Finanzierungsprojekte von der Finanzierung von Projekten, die in belehnbare Aktiva wie Immobilien münden? Gibt es hierbei Unterschiede zum Ausland? Inwiefern wird die zukünftige Finanzmarktregulierung Investitionen in riskante, immaterielle Werte tangieren?

c) Was leisten Konzernzentralen und Holdings zur Verknüpfung von Finanz- und Sachkapital? Profitiert die Schweizer Wirtschaft von der Funktion von Konzernzentralen und Holdings im Hinblick auf die Kapitalanlage über Direktinvestitionen? Bieten sich Investoren, die auf Direktinvestitionen zielen, besondere Chancen angesichts volatiler Entwicklungen des Finanzsektors oder von Unsicherheiten in schnell wachsenden Schwellenländern? Welche Standortfaktoren begünstigen solche Konzernstrukturen?

Offerten und Selektionskriterien

Die Offerte muss eine genaue Umschreibung der zu bearbeitenden Fragestellung, eine Beschreibung der Methodik und der zu Grunde liegenden Daten sowie die Qualifikation der Beteiligten (Forschungsleitung, Forschende), die Planung der Forschungsschritte und eine Kostenzusammenstellung nach Projektphase und Art des Aufwandes (Honorare, administrative Arbeiten, Reise- und andere Spesen sowie die MWSt) enthalten. Die Studien sollen im 1. Quartal 2013 abgeschlossen werden. Für die vier bis sechs Studien steht insgesamt ein Budget von 500 000 Franken zur Verfügung. Massgebend für die Vergabe ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. Leistungsseitig werden folgende Selektionskriterien berücksichtigt:

− Relevanz und Qualität des vorgeschlagenen Forschungsansatzes;

− Eignung der gewählten Methodik;

− Eignung der für die Untersuchung vorgesehenen Daten;

− Qualifikation des vorgeschlagenen Forschungsteams.

Der Auftraggeber behält sich vor, nach Eingang der Offerten zwecks inhaltlicher Klärung und Abstimmung der Angebote mit den Offertstellern Gespräche zu führen. Offerten zur Ausschreibung sind bis 5.3.2012 an folgende Adresse einzureichen:

Staatssekretariat für Wirtschaft SECO

Direktion für Wirtschaftspolitik, DPWW

Holzikofenweg 36

3003 Bern

Die Projektvergabe erfolgt vor dem 8. April 2012. Falls Sie inhaltliche Fragen zur Ausschreibung haben, stehen Ihnen Christian Busch (christian.busch@seco.admin.ch) oder Aline Müller (aline.mueller@seco.admin.ch) gerne zur Verfügung.

Ressort Wachstum und Wettbewerbspolitik, Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, Bern

Dr. rer. publ., wissenschaftlicher Berater, Ressort Innovation, Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), Bern

Ressort Wachstum und Wettbewerbspolitik, Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, Bern

Dr. rer. publ., wissenschaftlicher Berater, Ressort Innovation, Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), Bern