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Die Eidgenössische Koordinationskommission für Arbeitssicherheit (Ekas) hat neue Präventionsinstrumente geschaffen: den persönlichen Sicherheitspass und eine DVD mit Gefahrensituationen. Im Sicherheitspass werden Ausbildungen und Instruktionen eingetragen. Er ermöglicht den Verantwortlichen im Betrieb, schnell einen Überblick zu erhalten, ob ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin über die erforderlichen Qualifikationen und das nötige Fachwissen verfügt. Die DVD Gefahrensituationen dient zu Ausbildungszwecken und zeigt mit einfachen Illustrationen, wie sich Unfälle vermeiden lassen.

Reduziertes Unfallrisiko dank Information

Der persönliche Sicherheitspass der Ekas richtet sich an alle Arbeitnehmenden. Er ist ursprünglich entwickelt worden, um das Unfallrisiko im Personalverleih zu reduzieren. Dort hat sich gezeigt, dass der mangelnde Informationsfluss im Dreiecksverhältnis Verleihbetrieb, Einsatzbetrieb und Arbeitnehmer/-in (temporär verliehene Arbeitskraft) wesentlich zum erhöhten Unfallrisiko beiträgt. Die vor drei Jahren lancierte Aktion ist bisher sehr erfolgreich verlaufen. Die Reaktionen der Personalverleiher sowie der Einsatzbetriebe sind ermutigend. Was besonders erfreulich ist: Die Unfallzahlen sind rückläufig. Inzwischen sind im Personalverleih weit über 50 000 Sicherheitspässe im Einsatz. Aufgrund dieser positiven Ausgangslage hat die Ekas beschlossen, ihre Aktivitäten auszuweiten und den persönlichen Sicherheitspass allen Arbeitnehmenden anzubieten. Er ist heute in den Sprachen Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch erhältlich und kann kostenlos auf der Ekas-Webseite bestellt werden (siehe Kasten 1

Persönlicher Sicherheitspass der Ekas

Der persönliche Sicherheitspass kann online auf der Ekas-Webseite bestellt werden. Er ist kostenlos: http://www.ekas.ch, Persönlicher Sicherheitspass, Bestellservice.− Sicherheitspass für Arbeitskräfte im Personalverleih: Bestellnummer 6060.d (erhältlich in Deutsch, Französisch und Italienisch).− Sicherheitspass für alle Arbeitnehmenden: Bestellnummer 6090.d (erhältlich in Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch).

). Der Pass ist Eigentum der jeweiligen Arbeitnehmerin bzw. des jeweiligen Arbeitnehmers.Im Ekas-Sicherheitspass werden Ausbildungen und Instruktionen eingetragen, die im Zusammenhang mit Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz stehen. Er ermöglicht einen raschen Überblick, ob Arbeitskräfte in den relevanten Fragen auf dem Gebiet von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz genügend vorbereitet sind. Damit lässt sich das Risiko, einen Berufsunfall zu erleiden, erheblich reduzieren. Der Sicherheitspass entbindet den Betrieb jedoch nicht davon, die Umsetzung der aufgeführten Kenntnisse während des Arbeitseinsatzes regelmässig zu überprüfen.

Höhere Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Der Sicherheitspass erhöht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Er dokumentiert den Ausbildungsstand und gezielte Weiterbildungen. Diese Transparenz erhöht die Qualifikation des Arbeitnehmers und erleichtert die Selektion für den Arbeitgeber. Fehlt für einen bestimmten Einsatz das nötige Grundwissen, kann der Arbeitgeber die entsprechenden Instruktionen oder Weiterbildungskurse veranlassen. Nicht nur bei temporären Stellenbewerbern, auch bei festangestellten Mitarbeitenden ist dies immer wichtiger, denn die heutigen Erfordernisse des Arbeitsmarkts gehen zunehmend in Richtung grösstmöglicher Flexibilität bei der Ausübung der beruflichen Tätigkeit. Immer häufiger müssen Mitarbeitende mehrere Berufsfelder abdecken und zudem bereit sein, sich schnell in neue Gebiete einzuarbeiten. Auch Standortwechsel und ortsunabhängige Tätigkeiten sind keine Seltenheit.

Einträge für Ausbildungen in Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz

Der Sicherheitspass enthält die Personalien, die AHV-Nummer und die Berufsabschlüsse des jeweiligen Arbeitnehmers bzw. der Arbeitnehmerin. Auf rund dreissig Seiten hat es Platz für die Einträge von Ausbildungen und Instruktionen auf den Gebieten Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz. Im Sicherheitspass können Kurse und Instruktionen eingetragen werden, die mit einer bestimmten Arbeit, mit einer bestimmten Baustelle oder mit einem bestimmten Betrieb in Verbindung stehen; aber auch solche, die nicht unmittelbar mit einem Einsatz und allenfalls auch nicht mit dem Arbeitgeber im Zusammenhang stehen. Träger der Kurse können beispielsweise Hochschulen, die Ekas, die Suva, Verbände sowie Hersteller von Geräten und Materialien sein.Aufzuführen sind die Bezeichnung oder der Name des Kurses, der Instruktion bzw. der Einführung sowie die wichtigsten Kurs- oder Instruktionsinhalte. Wichtig sind auch die Dauer der Ausbildung, Ort, Datum, Betrieb/Firma oder Bildungsanbieter bzw. Ausbildungsstätte und eine nachvollziehbare Unterschrift. Diese Angaben ermöglichen, falls nötig, allfällige spätere Abklärungen. Zur Eintragung berechtigte Arbeitgeber können namentlich Betriebsinhaber, Vorgesetzte oder Linienverantwortliche sein.

Rechtliche Grundlagen

In der ausführlichen Einleitung des Sicherheitspasses sind die Rechtsgrundlagen aufgeführt. Die Arbeitgeber sind gemäss Artikel 82 des Unfallversicherungsgesetzes für die Arbeitssicherheit und gestützt auf Artikel 6 des Arbeitsgesetzes für den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz verantwortlich. Eine analoge Vorschrift findet sich ausserdem in Artikel 328 des Obligationenrechtes. Der Gesetzgeber überträgt den Arbeitgebern aufgrund der Artikel 3 und folgende der Verordnung über die Unfallverhütung (VUV) eine Reihe von Pflichten. Sie sind verpflichtet, zur Verhütung von Berufsunfällen und Berufskrankheiten bzw. zum Schutz der Gesundheit der Arbeitnehmenden, alle Massnahmen zu treffen, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik anwendbar und den gegebenen Verhältnissen angepasst sind.Die Arbeitnehmenden ihrerseits sind gemäss Artikel 11 VUV verpflichtet, ihre Arbeitgeber in der Durchführung der Vorschriften über die Verhütung von Berufsunfällen und Berufskrankheiten bzw. des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz zu unterstützen. Sie müssen insbesondere persönliche Schutzausrüstungen benützen, die Sicherheitseinrichtungen richtig gebrauchen und dürfen diese ohne Erlaubnis des Arbeitgebers weder entfernen noch ändern. Generell müssen sie die Weisungen des Arbeitgebers befolgen, allfällige Mängel beheben oder melden. Die Arbeitnehmenden dürfen sich nicht in einen Zustand versetzen, in dem sie sich selbst oder andere gefährden. Dies gilt insbesondere für den Genuss von Alkohol oder anderen berauschenden Mitteln.

Erleichterter Nachweis von erfolgten Ausbildungen

Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz bedingen eine enge Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmenden. Mit den Eintragungen im Ekas-Sicherheitspass wird den Arbeitgebern der Nachweis der notwendigen Instruktion, der Einführung bzw. der notwendigen Ausbildung ihrer Angestellten auf den Gebieten Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz erleichtert. Im Sinne einer Win-Win-Situation stellt er einen echten Mehrwert für alle dar. Die Führung des Sicherheitspasses wird deshalb sehr empfohlen.

Schulung und Weiterbildung als Schlüssel zur Unfallverhütung

Das Beispiel Sicherheitspass zeigt, dass Instrumente, die den Informationsfluss vereinfachen, einen hohen Stellenwert in der Unfallverhütung einnehmen. Genauso verhält es sich mit der Instruktion und Weiterbildung. Auf den Gebieten Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz ist dies eine Daueraufgabe. In den Unfallstatistiken treten gewisse Unfallursachen immer wieder am häufigsten auf. Zudem kommen Jahr für Jahr neue Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt, die erneut mit diesen Gefährdungen vertraut gemacht werden müssen. Dies hat die Ekas dazu veranlasst, die wichtigsten Unfallursachen, die möglichen Schutzmassnahmen und vor allem die wichtigsten Gefahrensituationen und richtigen Verhaltensregeln in Form von leicht verständlichen Schulungsunterlagen einem breiten Zielpublikum zugänglich zu machen.Falsches Verhalten führt leider oft zu gefährlichen Situationen. Nicht selten entstehen Unfälle, weil Schutzeinrichtungen entfernt oder nötige Schutzausrüstungen nicht getragen werden. Auch der falsche Umgang mit Maschinen und Geräten zählt zu den häufigsten Unfallursachen. Um diese elementaren Regeln auf einfache und allgemein verständliche Art und Weise zu kommunizieren, hat die Ekas ein neues Instrument vorbereitet. Es ist – wie der Sicherheitspass – ursprünglich für den Personalverleih entwickelt worden, weil dort die Unfallquote besonders hoch ist. Die Instrumente eignen sich aber genauso für den Einsatz in allen Branchen, für temporär wie auch festangestellte Arbeitskräfte.

Gefahrensituationen mit DVD spielerisch erkennen lernen

Das neu entwickelt Tool gründet auf der Erkenntnis, dass digital einsetzbare Instrumente die meisten Zielgruppen heute besser erreichen als klassische Präventionsbroschüren in gedruckter Form. Das Medienverhalten hat sich im Laufe der letzten Jahre so rasant verändert, dass kaum ein Bereich unserer Gesellschaft nicht davon tangiert wäre. Gefahrensituationen bildlich dargestellt, und zwar als richtig und falsch gegenübergestellt, sind für alle zugänglich. Auch Arbeitskräfte, die unsere Landessprachen nur wenig oder kaum verstehen, können damit erreicht werden. Die Zeichnungen sind in sachlichem Stil gehalten und vermitteln die dargestellten Arbeitssituationen realistisch und glaubhaft. Eine Darstellung in der Art eines Comics würde vom Thema ablenken und dazu führen, die Botschaft nicht ernst zu nehmen. Ziel ist es jedoch, durch die Gegenüberstellung von richtigem und falschem Verhalten, auf die Gefahren aufmerksam zu machen und korrekte Verhaltensweisen in den Köpfen zu verankern. Bewusst sind dafür nicht Vorschriften in schulmeisterlichem Ton, sondern lockere, fast spielerische Ansätze gewählt worden. Die illustrierten Gefahrensituationen können als einfache Slideshow für alle Branchen oder nach Branchen in thematischen Gruppen angeschaut werden. Eine Fülle weiterführender Links und Texteinblendungen erlaubt eine Vertiefung des jeweiligen Themas; die Situationen sind aber auch so blitzschnell erfassbar. Da Bilder erwiesenermassen schneller als Worte wirken, wird in Sekundenschnelle klar, was richtig und was falsch ist. Die Botschaft bleibt nachhaltig im Gedächtnis haften. Als zusätzliche Optionen können auch gesprochene Texte in drei Landessprachen eingestellt werden. Da die Slideshow modular aufgebaut ist, kann sie bei Bedarf um zusätzliche Sprachen erweitert werden. Die Ekas hat auch eine Reihe von Spielen – wie «Schütze dich richtig», «Memo» und «10 Unterschiede» – entwickelt, mit denen Gefahrensituationen auf spielerische Art und Weise erlernt werden können. Für Referenten und Schulungsleiter sind ergänzende Informationen auf der DVD gespeichert, die sich für den Einsatz bei Kursen oder Instruktionen eignen. Damit stellt die DVD ein eigentliches Instrument für das Basiswissen zum Thema Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz dar.

DVD und Online-Version erhältlich

Die neuen Schulungsunterlagen der Ekas sind seit Frühjahr 2012 erhältlich und können entweder als DVD oder direkt online über die Webseite der Ekas genutzt werden (siehe Kasten 2

Präventions-DVD der Ekas: Gefahrensituationen

Die neue Präventions-DVD kann online auf der Ekas-Webseite bestellt werden. Sie ist kostenlos: http://www.ekas.ch, Dokumentation, Bestellservice, Bestellnummer 6066.Eine Online-Version ist ebenfalls direkt auf der Ekas-Webseite verfügbar und wird laufend aktualisiert: http://www.ekas.ch, Slideshow Gefahrensituationen.

). Je nach Konfiguration und Verbindungsgeschwindigkeit empfiehlt sich der Einsatz der DVD, welche generell kürzere Ladezeiten und einen schnelleren Zugriff auf die Daten erlaubt. Die neuen Präventionsinstrumente wurden von der Ekas in enger Zusammenarbeit mit den Durchführungsorganen für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz entwickelt. Mitgewirkt haben der Branchenverband für den Personalverleih Swissstaffing, das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), die kantonalen Arbeitsinspektorate (vertreten durch den Interkantonalen Verband für Arbeitnehmerschutz IVA), die Suva, die Sozialpartner und natürlich die Ekas-Geschäftsstelle.
Kasten 1: Persönlicher Sicherheitspass der Ekas

Persönlicher Sicherheitspass der Ekas

Der persönliche Sicherheitspass kann online auf der Ekas-Webseite bestellt werden. Er ist kostenlos: http://www.ekas.ch, Persönlicher Sicherheitspass, Bestellservice.− Sicherheitspass für Arbeitskräfte im Personalverleih: Bestellnummer 6060.d (erhältlich in Deutsch, Französisch und Italienisch).− Sicherheitspass für alle Arbeitnehmenden: Bestellnummer 6090.d (erhältlich in Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch).

Kasten 2: Präventions-DVD der Ekas: Gefahrensituationen

Präventions-DVD der Ekas: Gefahrensituationen

Die neue Präventions-DVD kann online auf der Ekas-Webseite bestellt werden. Sie ist kostenlos: http://www.ekas.ch, Dokumentation, Bestellservice, Bestellnummer 6066.Eine Online-Version ist ebenfalls direkt auf der Ekas-Webseite verfügbar und wird laufend aktualisiert: http://www.ekas.ch, Slideshow Gefahrensituationen.

Stv. Geschäftsführer der Eidgenössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit EKAS, Luzern

Stv. Geschäftsführer der Eidgenössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit EKAS, Luzern