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Die Energiewende hat Vorteile für alle

Die Energiewende kommt – mindestens wenn es nach der Mehrheit in Bundesrat und Parlament, den Vertretern einer nachhaltigen Energieversorgung und immer grösseren Teilen der Bevölkerung geht. Mit der Energiestrategie 2050 hat der Bundesrat die Marschrichtung für den Umbau unseres Energiesystems vor­gelegt. Aber werden deswegen auch die notwendigen Investitionen getätigt? Wie werden sich die Energiepreise entwickeln, wenn sich erneuerbare Energien weiter durchsetzen? Was bedeutet das für die Wirtschaft? Wie werden sich die Bürger entscheiden?

Energie kostet. Das gilt für erneuerbare Energien genauso wie für fossile und nukleare Energieträger. Während aber Atom- und Gaskraftwerke ständig mit teuer importierten Brennstoffen befeuert werden müssen, fallen bei Erneuerbare-Energie-Anlagen nur Kosten für die Errichtung und den Betrieb an. Doch 2011 stieg der Anteil der aus dem Ausland bezogenen Energie auf 79,3%, während nur 19% aus heimischen erneuerbaren Quellen stammten. Der Umbau unseres Energiesystems wird gewaltige Investitionen erfordern. Zwar ist die Bandbreite der Schätzungen gross, wie viele Milliarden in den nächsten Jahrzehnten in neue Kraftwerke, leistungsfähige Netze und flexible Speicher investiert werden müssen. Doch die Bereitschaft privater Inves­toren, dieses Kapital bereitzustellen, ist ­vorhanden. 2011 wurden weltweit 257 Mrd. US-Dollar in erneuerbare Energien investiert, mehrheitlich von Banken, Anlagefonds und privaten Investoren. Privates Kapital fliesst aber nur dort, wo angemessene (nicht überrissene) Renditen zu erwarten sind und verlässliche Rahmenbedingungen bestehen. Die Energiestrategie 2050 setzt diesen Rahmen. Das Vorhaben, unser Energiesystem innert knapp 35 Jahren grundlegend umzubauen, braucht gezielte Impulse. Mit der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) steht das wirksamste Instrument bereit, diese Investitionen auszulösen, ohne das Gemeinwesen zu überfordern. Die KEV ist anderen Fördersystemen überlegen, weil sie kein Fass ohne Boden ist, sondern die Vergütungen für neue Anlagen von Jahr zu Jahr sinken. Sie ist keine staatliche Subvention, sondern ein verursachergerechter Zuschlag auf den effektiven Stromverbrauch. Schliesslich garantieren die Mehrkosten von heute tiefere Energiekos­ten und mehr Versorgungssicherheit in der Zukunft. Es ist zu hoffen, dass die Energiestrategie 2050 die tausenden baureifen Projekte, die auf der KEV-Warteliste blockiert sind, endlich freigibt.

Wie entwickeln sich die Energiepreise?

Die Preise für konventionelle Energien werden steigen. In welchen Mass, darüber orakelt die Internationale Energie Agentur (IEA) seit Jahren an der Realität vorbei. Anders als für Öl, Uran, Kohle oder Gas werden die Preise für erneuerbare Energien jedoch nicht aus dem Ausland diktiert. Einmal am Netz, liefern Sonne, Wind, Wasser, Umweltwärme, Holz und sonstige Biomasse wenn auch nicht umsonst, so doch zu langfristig stabilen Preisen saubere Energie. Der Merit-Order-Effekt sorgt dafür, dass die noch vor Kurzem von den Stromgiganten belächelten erneuerbaren Energien zunehmend den teureren Atom- und Kohlestrom aus den Netzen verdrängen. Neben den technischen Kosten von Produktion und Bereitstellung sind auch die politischen Kosten zu berücksichtigen. Abgaben auf Strom, Brenn- und Treibstoffe lassen sich so gestalten, dass sie eine Lenkungswirkung für den Umbau des Energiesystems entfalten, ohne die Wirtschaft abzuwürgen oder sozial Schwache weiter zu belasten.

Was bedeutet die Energiewende für die Wirtschaft?

Die Energiewende wird strukturelle Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort haben. Zwar werden die volkswirtschaftlichen Effekte je nach Perspektive und Interesse unterschiedlich bewertet; es überwiegen aber positive Erwartungen für Einkommen und Beschäftigung. Diese werden umso kräftiger ausfallen, je schneller und entschlossener die Umstellung auf mehr erneuerbare Energien und Energieeffizienz angegangen wird.

Was wollen die Bürger?

Die Bürger wollen eine zuverlässige Versorgung mit bezahlbarer umweltverträglicher Energie, die unseren Wohlstand und Lebensstil sichert. Wie diese aussehen soll, darüber entscheiden sie selbst, indem sie zertifizierten Ökostrom oder Biogas beziehen, selbst Strom und Wärme produzieren oder sich an Energiegenossenschaften beteiligen. Die Nagelprobe für die Energiewende wird jedoch voraussichtlich 2014/15 anstehen, wenn es erwartungsgemäss zum Referendum für oder gegen den Atomausstieg kommen wird. Bis dahin gilt es zu beweisen, dass erneuerbare Energien und mehr Energieeffizienz nicht nur die sicherere und ökologischere, sondern auch die verlässlichere und wirtschaftlichere Alternative sind.

Geschäftsführer der A EE Agentur für Erneuerbare Energien und Energie­effizienz, www.aee.ch

Geschäftsführer der A EE Agentur für Erneuerbare Energien und Energie­effizienz, www.aee.ch