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Die Entwicklungen am Hypothekar- und Immobilienmarkt sind von zentraler Bedeutung für die Gesamtwirtschaft und die Stabilität des Finanzsystems. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) kann in erster Linie über die Höhe des Referenzzinssatzes und in zweiter Linie über makroprudenzielle Instrumente wie den antizyklischen Kapitalpuffer auf diese Märkte einwirken. Letzterer wurde zu Beginn dieses Jahres vom Bundesrat auf Antrag der SNB aktiviert, um die Risiken am Hypothekar- und Immobilienmarkt einzudämmen.

Foto: Keystone

Die Immobilienkrise Ende der 1980er-Jahre ist in der Schweiz noch immer im kollektiven Gedächtnis präsent. Die in letzter Zeit beobachteten Entwicklungen in Irland, in Spanien oder in den USA lassen diese Erinnerung wieder vermehrt aufleben. In einem Umfeld, das durch weltweit ausserordentlich tiefe Zinsen sowie eine starke Dynamik an den Schweizer Hypothekar- und Immobilienmärkten geprägt ist, stellt sich zu Recht die Frage, ob die Schweiz nicht Gefahr läuft erneut in eine Immobilienkrise zu geraten.

Zusammenhänge von Kreditschöpfung und Zinssteuerung

Die SNB vergibt selber keine Kredite an Privatpersonen oder Unternehmen. Da sie jedoch das Emissionsmonopol für Schweizer Franken innehat, beeinflusst sie in direkter Weise die Entwicklung der Bankkredite. Um zu verstehen, wie die SNB die Kreditvergabebedingungen beeinflusst, sind die folgenden drei Aspekte von Bedeutung:

Makroökonomische Effekte einer Kreditexpansion

Eine Expansion der Bankkredite hat makroökonomisch vielschichtige Auswirkungen, namentlich auf die Gesamtnachfrage, auf die Preise sowie auf die – und stabilität.

Risikoprävention mit makroprudenziellen Instrumenten

Solche Zusammenhänge haben auch in der jüngsten Finanzkrise eine wesentliche Rolle gespielt. Dabei wurde insbesondere deutlich, dass die via Zinssteuerung erreichte Preisstabilität alleine keine ausreichende Voraussetzung für Finanzstabilität ist. Es ist daher denkbar, dass ein für die Preisstabilität notwendiges Zinsniveau eine nicht nachhaltige Kreditexpansion zur Folge hat. So entwickelten sich die massiven Ungleichgewichte im US-Kredit- und Immobilienmarkt vor dem Hintergrund einer weitherum erfolgreich tief gehaltenen Inflation. Es kann also sein, dass in gewissen Situationen das Zinsinstrument nicht ausreicht, um gleichzeitig für stabile Preise zu sorgen und Kreditexzesse zu verhindern. Dies ist ein Beispiel des wohlbekannten Tinbergen-Prinzips: Es besagt, dass pro wirtschaftspolitischem Ziel ein Instrument vorhanden sein muss, um jedes Ziel nachhaltig zu erreichen.

Der Bundesrat aktiviert den antizyklischen Kapitalpuffer

In der Schweiz wurde dieses Instrument vom Bundesrat bereits 2012 im Rahmen eines Massnahmenpakets zur Eindämmung der Risiken am Hypothekar- und Immobilienmarkt eingeführt; im Februar 2013 beschloss der Bundesrat auf Antrag der SNB, den CCB zu aktivieren. Der CCB wurde dabei auf die Hypothekarkredite zur Finanzierung von Wohnliegenschaften in der Schweiz ausgerichtet. Die Banken wurden verpflichtet ab 30. September dieses Jahres ein zusätzliches Kapitalpolster in der Höhe von 1% der entsprechenden risikogewichteten Positionen zu halten.
Nach Art. 72 ERV direkt oder indirekt grundpfandgesicherte risikogewichtete Positionen, bei denen eine Wohnliegenschaft im Inland als Grundpfand fungiert.

Erwartungen an den Kapitalpuffer müssen realistisch bleiben

Die Entwicklungen am Hypothekar- und Immobilienmarkt sind von zentraler Bedeutung für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und die Stabilität des Finanzsystems. Entsprechend grosse Beachtung schenkt die SNB diesen Märkten im Allgemeinen und ganz besonders in der aktuellen Situation, die von sich aufbauenden Ungleichgewichten geprägt ist.

Kasten 1: Danksagung

Danksagung

Der Autor dankt Romain Baeriswyl und Till Ebner für die wertvolle Unterstützung bei der Vorbereitung dieses Artikels.

Vizepräsident des Direktoriums, Schweizerische Nationalbank (SNB), Bern

Vizepräsident des Direktoriums, Schweizerische Nationalbank (SNB), Bern