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Mobilitätsmanagement: Gleich viel Mobilität mit weniger Verkehr

Der Verkehr ist für gut einen Drittel des Energieverbrauchs und 40% des CO2-Ausstosses der Schweiz verantwortlich. Mobilitätsmanagement kann einen relevanten Beitrag zur Senkung des Treibstoffverbrauchs leisten bei gleichzeitiger Reduktion der Schadstoffemissionen und des Bodenverbrauchs. Mobilitätsmanagement hilft, gleich viel Mobilität mit weniger Verkehr zu bewältigen und vermindert so den Druck zum kontinuierlichen Weiterausbau kostspieliger Verkehrsinfrastrukturen. Das Bundesamt für Energie (BFE) unterstützt im Rahmen des Programms EnergieSchweiz seit 10 Jahren verschiedene Mobilitätsmanagementprojekte.

Mobilitätsmanagement setzt bei der bewussten Wahl und einer besseren Auslastung der Transportmittel an. Es verkürzt über Logistiklösungen die Fahrdistanzen (City Logistik) und ermöglicht mit dem Einsatz von Informationstechnologien flexible Arbeitsformen. Zum Mobilitätsmanagement gehören auch eine optimale Fahrzeugwartung, eine energieeffizientere Fahrweise und die Berücksichtigung ökologischer Kriterien bei der Fahrzeugbeschaffung.

Ein Förderprogramm in Unternehmen und Gemeinden

Gemeinden und Unternehmen können das Angebot des öffentlichen Verkehrs vor Ort und die Ausgestaltung der lokalen Verkehrsinfrastruktur mitbeeinflussen. Sie haben insbesondere einen Einfluss auf Parkplatzangebot und -bewirtschaftung und können Pendlern und Geschäftsreisenden Alternativen zum Auto und Flugzeug oder Lösungen für eine bessere Fahrzeugauslastung anbieten. EnergieSchweiz wählte für seine Förderprogramme den Lösungsweg über die Gemeinden, damit diese die ortsansässigen Unternehmen zum Aufbau von Mobilitätsmanagement ermuntern und sie dabei aktiv unterstützen. Die meisten Gemeinden arbeiten dazu mit ausgewiesenen Mobilitätsberatenden zusammen. Die Gemeinde profitiert bei einem gleichzeitigen und systematischen Ansatz davon, dass sie die Bedürfnisse mehrerer Firmen am gleichen Standort bündeln kann, was ihr das Entwickeln von attraktiven Lösungen erleichtert.

Das im März 2013 abgelaufene Mehrjahresprogramm « Mobilitätsmanagement im Unternehmen» orientierte sich an der Philosophie der in der Wirtschaft seit Jahren verankerten ISO-Normen für Qualitäts- und Umweltmanagement. Im Wesentlichen geht es um die bewusste Planung und Abwicklung aller unternehmensbezogenen Mobilitätsbedürfnisse – inklusive Mitarbeitende und Kundschaft – und um die Integration des Mobilitätsaspektes in die Führungsprozesse des Unternehmens.

Per Ende des Vierjahresprogrammes partizipierten 43 Projektträger (v.a. Gemeinden) am Programm, und 164 Unternehmen hatten die erste Phase des Programms abgeschlossen. 82 Unternehmen hatten bereits den ganzen Programmzyklus absolviert und über die Ergebnisse Bericht erstattet. In den beteiligten Betrieben arbeiteten bei Programmschluss insgesamt rund 34 000 Mitarbeitende. 45% der Betriebe sind dem zweiten Sektor zuzurechnen und 55% dem dritten Sektor. Die teilnehmenden Gemeinden und Unternehmen befinden sich zwar in allen Sprachregionen, sind jedoch sehr ungleich über die Schweiz verteilt: 30% der Gemeinden und 47% der Unternehmen liegen in Tessin. Der Erfolg im Tessin ist einerseits auf den hohen Problemdruck und andererseits auf ein eigenes, mit dem Bundesprogramm abgestimmtes kantonales Förderprogramm zurückzuführen. Das Beispiel Tessin zeigt auf, welches Potenzial gesamtschweizerisch bei optimaler Zusammenarbeit zwischen den drei Verwaltungsebenen vorhanden ist. Eine externe Evaluation mit einer Befragung bei den beteiligten Gemeinden, Unternehmen und Beratenden bestätigt, dass die Ziele des Programms von allen Akteuren als richtig beurteilt werden. Auf der konzeptionellen Ebene wird insbesondere die Ansprache der Unternehmen via Gemeinden begrüsst.

Verbesserungen im Hinblick auf das Folgeprogramm

Für die Zukunft wünschen sich die Programmakteure verstärkte Anreize für die Unternehmen; den Gemeinden fehle hierfür teilweise der Handlungsspielraum. Es stellt sich z.B. die Frage, ob neben weiteren Pull- auch vermehrt Push-Massnahmen eingesetzt werden sollen, so zum Beispiel die Integration von Mobilitätsplänen in Baubewilligungsprozesse oder Agglomerationsprogramme. Die Evaluation empfiehlt dem BFE unter anderem eine breitere Abstützung des Folgeprogramms in einem allgemeinen verkehrs- und umweltpolitischen Kontext. Verbesserungsbedarf besteht beim Reporting und der Kommunikation.

Das BFE hat inzwischen die Planung eines Folgeprogrammes beschlossen. Zuerst gilt es, die veralteten und zu wenig anwenderfreundlichen Hilfsmittel zu aktualisieren. Ziel ist es, die Grundlagen für das Folgeprogramm bis Mai 2014 zu erarbeiten und das Programm anlässlich des Mobilitätssalons vom 22. Mai 2014 in St. Gallen zu lancieren.

Stv. Chef Sektion Mobilität, Bundesamt für Energie BFE, Ittigen b. Bern

Stv. Chef Sektion Mobilität, Bundesamt für Energie BFE, Ittigen b. Bern