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KMU sind ein bedeutender Bestandteil der Schweizer Aussenwirtschaft

In den letzten beiden Jahrzehnten hat die aussenwirtschaftliche Verflechtung der Schweiz fast in jedem Jahr zugenommen. Das Land zählt zu den offensten Volkswirtschaften der Welt, und seine starke Position im inter­nationalen Wettbewerb ist ein ­bedeutender Faktor für die ­wirtschaftliche Entwicklung. Die zunehmende Liberalisierung der internationalen Märkte ­eröffnet auch kleinen und ­mittleren Unternehmen immer grössere Spielräume für ­grenzüberschreitende ­Aktivitäten.

In der breiten Öffentlichkeit wird die ­Internationalisierung von unternehmerischen Aktivitäten in erster Linie mit Grossunternehmen in Verbindung gebracht. Gleichwohl stellt die Erschliessung von ausländischen Märkten auch für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) eine strategische Option dar, um ihre Absatzmärkte zu diversifizieren und zu wachsen. Vor diesem Hintergrund ist es nützlich, zu analysieren, in welchem Ausmass Schweizer KMU im Ausland tätig sind.

Als Datenbasis für die Analyse der ­in­ternationalen Aktivitäten der Schweizer Unternehmen kommen verschiedene amtliche Statistiken in Betracht. Die Aussenhandelsstatistik der Eidgenössischen Zollver­waltung (EZV) gibt Auskunft über den grenzüberschreitenden Warenverkehr (Import, Export, Transit) nach Warengruppen, Industriezweigen, Ursprungs- bzw. Bestimmungsland, Kantonen und Verkehrszweigen. Sie umfasst jedoch keine Informationen zum grenzüberschreitenden Handel mit Dienstleistungen. Diese werden in der Zahlungs­bilanz der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ausgewiesen. Darüber hinaus veröffentlicht die SNB Daten zu den grenz­überschreitenden Beteiligungen, also den Schweizer Direktinvestitionen im Ausland sowie den ausländischen Direktinvestitionen in der Schweiz. Die Statistik der Direktinvestitionen beinhaltet die Kapitalbestände, die Finanzbewegungen auf dem Beteiligungs­kapital und den Konzernkrediten, die re­investierten Erträge sowie die beschäftigten Personen.

Lebhafter Aussenhandel der Schweizer Wirtschaft

Die Grafik 1 zeigt die Entwicklung der schweizerischen Importe und Exporte von Waren und Dienstleistungen im Zeitraum von 1993 bis 2012. Sowohl die Einfuhren als auch die Ausfuhren haben sich in diesen Jahren mehr als verdoppelt. 2012 wurden von Schweizer Unternehmen Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 286 Mrd. Franken ins Ausland geliefert. Gleichzeitig lag der Wert der importierten Waren und Dienstleistungen bei rund 221 Mrd. Franken. Nach dem markanten Rückgang im Jahr 2009 im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich der grenzüberschreitende Handel somit wieder erholt. Der Wert der Exporte liegt jedoch noch immer unter dem des Jahres 2008. Dies deutet darauf hin, dass für Teile der Schweizer Exportwirtschaft das aussenwirtschaftliche Umfeld nach der deutlichen Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro und dem US-Dollar weiterhin schwierig ist.

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Die Direktinvestitionen von Schweizer Unternehmen im Ausland entwickelten sich im Betrachtungszeitraum noch wesentlich dynamischer als der grenzüberschreitende Handel. Von 1993 bis 2012 hat sich der im Ausland investierte Kapitalbestand nahezu verachtfacht und lag 2012 bei einem Wert von über 1000 Mrd. Franken. Gleichzeitig hat sich der Personalbestand in den ausländischen Unternehmensteilen mehr als verdoppelt. 2012 waren im Ausland rund 2,9 Mio. Beschäftigte für Schweizer Unternehmen tätig. Ein Vergleich zwischen den Entwicklungen von Direktinvestitionen und grenzüberschreitendem Handel lässt erkennen, dass die globale Finanz- und Wirtschaftskrise auf den Entwicklungsverlauf der Direktinvestitionstätigkeit der Schweizer Unternehmen im Ausland kaum Auswirkungen hatte.

Problematik: Fehlende Daten zu KMU

Auf der Basis der einschlägigen amtlichen Statistiken kann die Frage nach dem Ausmass der aussenwirtschaftlichen Aktivitäten der Schweizer KMU jedoch nicht beantwortet werden. Weder die Aussenhandelsstatistik der EZV noch die Zahlungsbilanz und die Statistik der Direktinvestitionen der SNB ermöglichen eine Differenzierung nach Unternehmensgrössenklassen. Demgegenüber liefert die neue Statistik der Unternehmensstruktur (Statent) des Bundesamts für Statistik (BFS) Basisinformationen zur Struktur der in der Schweiz ansässigen Unternehmen, darunter auch zur Grösse nach Anzahl Beschäftigten. Statent beinhaltet jedoch keine Angaben zu den aussenwirtschaftlichen Aktivitäten der Unternehmen. Um diese Datenlücke, die auch in anderen Ländern besteht, zu schliessen, wurde in den letzten Jahren auf europäischer Ebene eine Reihe von empirischen Studien durchgeführt.[1] Diese Veröffentlichungen weisen jedoch keine Zahlen für die Schweiz aus.

Wie für die anderen europäischen Länder lässt sich auch für die Schweiz die bestehende Erkenntnislücke nur mittels einer repräsentativen Umfrage bei den KMU beheben. Diese erlaubt, in Verbindung mit Statent Rückschlüsse auf die auslandaktiven Schweizer KMU zu ziehen.

Umsatzstärkere KMU sind vermehrt ­international orientiert

Wie aus der Tabelle 1 hervorgeht, sind über das gesamte Unternehmenssegment betrachtet 18,3% aller Schweizer KMU ­international orientiert; d. h., sie erwirtschaften einen Teil ihres Umsatzes auch im Ausland. Dies entspricht in absoluten Werten hochgerechnet 97 777 Unternehmen. Der Anteil der KMU, die mehr als 10% ihres Umsatzes im Ausland erwirtschaften, beläuft sich auf 10,5%. Hochgerechnet sind dies 55 941 Unternehmen.

201403_15D_Tabelle01.eps[1]

Bezogen auf alle KMU, beträgt der durchschnittliche Anteil des Auslandumsatzes am Gesamtumsatz 6,2%. Diese Auslandumsatzquote lässt eine insgesamt klare Ausrichtung der Schweizer KMU auf den inländischen Markt erkennen. Werden in die Untersuchung jedoch nur die international tätigen KMU einbezogen, zeigt sich, dass diese Unternehmen einen beachtlichen Anteil ihrer Umsätze ausserhalb der Schweiz erwirtschaften: Durchschnittlich erzielt jedes international aktive KMU gut einen Drittel seines Gesamtumsatzes im Ausland (34,0%).

Die grössenspezifische Analyse in der Tabelle 2 ergibt, dass eine deutliche Beziehung zwischen der Auslandorientierung und der Unternehmensgrösse besteht: Mit zunehmendem Umsatz nimmt der Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz beständig zu. Während KMU mit einem Jahresumsatz bis unter 175 000 Franken im Durchschnitt lediglich 2,8% ihres Umsatzes ausserhalb der Schweiz erwirtschaften, liegt dieser Anteil in der Gruppe mit einem Umsatz von 50 Mio. Franken und mehr durchschnittlich bei 54,0%. Der Zusammenhang von Auslandumsatzquote und Unternehmensgrösse deutet darauf hin, dass die Konzentration der Schweizer KMU auf den inländischen Markt auf grössenspezifische Einflüsse zurückzuführen ist. Hierzu gehört die in der Regel geringe Ressourcenausstattung, z. B. mit Personal, Kapital und Wissen über ausländische Märkte.[2]

201403_15D_Tabelle02.eps[1]

Anzahl Beschäftigte im Ausland

Die vorherrschende Orientierung der KMU auf den Inlandmarkt zeigt sich auch in Bezug auf die Struktur der Mitarbeitenden. Die Tabelle 3 gibt die Anzahl der KMU mit Beschäftigten im Ausland wieder. Im betrachteten Unternehmenssegment beschäftigen 7,2% der Unternehmen auch Mitarbeitende ausserhalb der Schweiz. Dies entspricht absolut 38 778 Schweizer KMU mit insgesamt 744 256 Beschäftigten im Ausland. Im Durchschnitt der betrachteten KMU kommt auf 4,4 Beschäftigte in der Schweiz ein Beschäftigter im Ausland. Für die Gesamtwirtschaft bei 1,7 Mitarbeitenden.[3]

Betrachtet man die Anzahl der von Schweizer KMU im Ausland Beschäftigen differenziert nach Beschäftigtengrössenklassen, zeigt sich, dass 70,8% dieser KMU weniger als 10 Beschäftigte im Ausland aufweisen. Dies entspricht 27 453 Unternehmen. 25,3% oder 9816 Schweizer KMU beschäftigen zwischen 10 und 99 Auslandmitarbeitende, und 3,9% der KMU mit Beschäftigten im Ausland haben dort 100 oder mehr Beschäftigte. Dies entspricht 1509 Unternehmen.

Auch bezüglich der Beschäftigten im Ausland zeigt sich ein positiver Zusammenhang mit der Unternehmensgrösse. Mit steigender Grössenklasse wächst auch der Anteil der KMU mit Auslandmitarbeitenden. Bei KMU mit weniger als 10 Beschäftigten liegt der Anteil der Unternehmen, die auch Beschäftigte im Ausland aufweisen, bei 7,1% oder 33 800 Unternehmen. Bei grossen KMU mit 100 bis 499 Beschäftigten dagegen liegt der Anteil der Unternehmen mit Beschäftigten im Ausland bei 18,0% oder 769 Unternehmen.

Verfeinerung der amtlichen Statistik wünschenswert

Die wirtschaftlichen Aktivitäten der Mehrheit der Schweizer KMU sind auf den inländischen Markt ausgerichtet. Gleichwohl gibt es absolut betrachtet eine grosse Anzahl von international aktiven KMU. Diese sind somit ein wichtiger Bestandteil der Schweizer Exportwirtschaft. Bislang liefern die einschlägigen amtlichen Statistiken keine Daten, die eine grössenspezifische Analyse der aussenwirtschaftlichen Aktivitäten ermöglichen. Aufgrund der besonderen Bedeutung sowohl der Aussenwirtschaft als auch der KMU für die Schweizer Volkswirtschaft erscheint es wünschenswert, dass inskünftig derartige ­Informationen zur Verfügung stehen. Der dadurch verursachte zusätzliche Aufwand für Unternehmen und Institutionen sollte aber möglichst gering gehalten werden.

  1. European Commission (2007; 2010). []
  2. Hauser, Werner (2009). []
  3. BFS (2013); SNB (2013a). []

Senior Researcher am Schweizerischen Institut für Entrepreneurship der Hochschule für Wirtschaft HTW Chur

Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Internationales Management, Schweizerisches Institut für Entrepreneurship, Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), Chur

Resident Research Affiliate am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA)

Untersuchungsdesign

Um das Ausmass der aussenwirtschaftlichen Aktivitäten der Schweizer KMU zu untersuchen, wurde eine repräsentative Befragung im B2B-Online-Panel des Marktforschungsinstituts amPuls durchgeführt. Die Grundgesamtheit der Untersuchung besteht aus Unternehmen der Deutsch- und der Westschweiz mit weniger als 500 Mitarbeitenden (KMU). Gemäss den provisorischen Ergebnissen der Statistik der Unternehmensstruktur (Statent) des Bundesamts für Statistik (BFS) für das Jahr 2011 umfasst diese Gruppe 534 300 ­Unternehmen. Statent ersetzt die Betriebszählung, die 2008 zum letzten Mal durch­geführt wurde. Die Stichprobenbildung ­erfolgte mittels Random-Quota-Verfahren, wobei die ­Unternehmen nach dem Zufalls­verfahren und dem Quotenmerkmal Sprach­region gezogen wurden. Diese Vorgehens­weise wurde angewendet, da aufgrund des hohen Anteils an Kleinstunternehmen und Unternehmen aus der Deutschschweiz in der betrachteten Grundgesamtheit eine propor­tionale Zufallsstichprobe keine ausreichende Anzahl an kleinen und mittleren Unter­nehmen sowie Westschweizer Unternehmen zugelassen hätte. Von den 3400 Unter­nehmen der Ausgangsstichprobe beteiligten sich 552 KMU an der Befragung, was einer Rücklaufquote von 16% entspricht. Somit liegt das Konfidenzintervall bei einem Konfidenzniveau von 95% bei ±4,17. Die Resultate wurden nach Unternehmensgrösse und Sprachregion repräsentativ (gemäss Statent) gewichtet und auf die Basis hochgerechnet. Sofern nicht anders angegeben, basieren alle dargestellten Ergebnisse auf den gewichteten und hochgerechneten Werten.

Charakteristika der befragten ­Unternehmen

Im Folgenden werden die Strukturmerkmale des für die Grundgesamtheit (534 300 KMU) gewichteten und hochgerechneten Datensatzes dargestellt. Es befinden sich 75,4% Deutschschweizer und 24,6% Westschweizer Unternehmen im Datensatz, womit die regionale Verteilung der Unternehmen in der Schweiz gut wiedergegeben ist. Die hier betrachteten KMU beschäftigen in der Schweiz gemäss Statent rund 3,3 Mio. Mitarbeitende. Mit 89,1% hat der Grossteil der Unternehmen weniger als 10 Beschäftigte; weitere 10,1% haben zwischen 10 und 99 Mitarbeitende. Die restlichen Unternehmen mit 100 bis 499 ­Beschäftigten machen im untersuchten ­Unternehmenssegment einen Anteil von 0,8% aus. In 59,5% der Fälle handelte es sich bei der befragten Zielperson um den Eigentümer, den Inhaber oder einenTeilhaber des Unternehmens. Bei 15,8% wurden die Angaben von ­einem angestellten Geschäftsführer gemacht, in den übrigen 24,7% der Fälle von einem ­anderen Entscheidungsträger mit Führungsfunktion. In 58,6% der Fälle war die ant­wortende Zielperson ein Mann und in 41,4% eine Frau, wobei das Durchschnittsalter der Zielpersonen bei 50 Jahren lag.

Literatur

  • Bundesamt für Statistik (2013): Statistik der Unternehmensstruktur (Statent) 2011.
  • Eidgenössische Zollverwaltung (2014): Schweizerische Aussenhandelsstatistik.
  • European Commission (2007): Observatory of European SMEs.
  • European Commission (2010): Internationalisation of European SMEs.
  • Hauser, C., Werner, A. (2009): The Impact of Foreign Trade Promotion on the Foreign Sales Intensity of SMEs, in: Journal of Business Economics (ZfB), Vol. 79, SI 6.
  • Schweizerische Nationalbank (2013a): Direktinvestitionen 2012.
  • Schweizerische Nationalbank (2013b): Zahlungsbilanz der Schweiz 2012.

Senior Researcher am Schweizerischen Institut für Entrepreneurship der Hochschule für Wirtschaft HTW Chur

Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Internationales Management, Schweizerisches Institut für Entrepreneurship, Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), Chur

Resident Research Affiliate am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA)