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Die Bedeutung des asiatischen Beschaffungsmarktes für die Schweiz nimmt zu

Die Internationalisierung der ­Produktion von Gütern und die Bedeutung des Zugriffs auf ausländische Vorleistungen gewinnen auch in der Schweiz zunehmend an Bedeutung. Ein Blick in die Aussenhandelsstatistik zeigt, dass allen voran die Importe aus Asien zugenommen haben. Der Wert an Importen, welche die Schweiz aus Asien bezieht, hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Dies hat Auswirkungen auf die Anfälligkeit der Schweizer Wirtschaft auf Schocks in diesem Raum.

Gut die Hälfte der Importgüter sind Rohstoffe, Halbfabrikate, Energieträger oder Investitionsgüter, welche weiteren Wertschöpfungsprozessen in der Schweiz dienen. Asien hat sich dabei insbesondere auf die Exporte von Einzelteilen und Komponenten spezialisiert. Entsprechend gehören elektrische und elektronische Bauteile, Uhrenbestandteile sowie Maschinen und Apparate zu den wichtigsten Importgütern der Schweiz aus Asien. Diese Güter stammen mehrheitlich aus China, Japan, Taiwan und Thailand.[1] Die Volksrepublik China hat ihrerseits eine Nabenrolle innerhalb der Region übernommen, indem sie Halbfabrikate aus asiatischen Staaten importiert, verarbeitet und re-exportiert.

Unsichere Transportwege

Die Importe aus Asien gelangen je nach Warenart über den See-, Luft-, Strassen- oder Schienenverkehr in die Schweiz. Für grossvolumige und weniger eilige Güter wird zumeist der Seeweg gewählt. Die beliebteste Wasserroute von Asien nach Europa führt durch den Suezkanal an die Nordsee- und Mittelmeerhäfen. Von dort aus wird die Fracht auf Lastwagen, Züge oder Binnenschiffe umgeschlagen und in die Schweiz transportiert. Hochwertige, kleinvolumige Waren gelangen häufig per Luftfrachtverkehr zu uns.[2]

Heikle Stellen auf den Importkorridoren der Schweiz bilden – neben der somalischen Küste – insbesondere Verkehrsknotenpunkte, an denen mehrere Transportprozesse zusammentreffen. Der gestiegene Welthandel und die zunehmend vernetzten Transportprozesse treiben die Infrastrukturen an ihre Leistungsgrenzen. Am Hafen in Rotterdam wurden im letzten Jahr 442 Mio. Tonnen Waren umgeschlagen. Aufgrund der hohen Umschlagsmengen ist bei einem Ausfall ein Auffangen der gesamten Menge durch einen anderen Hafen nicht möglich.[3]

Diversifizierung der Aussenwirtschaft

Auch wenig vorhersehbare Ereignisse in den Beschaffungsmärkten – wie Naturkatastrophen, politische Unruhen oder Pandemien – können die Schweizer Wirtschaft tangieren. So war beispielsweise die Schweizer Maschinenindustrie nach der Dreifachkatastrophe in Japan 2011 mit Lieferausfällen von Teilen aus Drittlandfertigung konfrontiert, welche japanische Komponenten beinhalteten. Die Verteilung der Produktionsketten über Landesgrenzen hinweg schafft komplexe Wertschöpfungsketten. Bereits kleine Produtions- oder Lieferausfälle können zu gravierenden wirtschaftlichen Einbussen führen.

Diese Risiken hat der letzte Strategie­bericht des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) zur Schweizer Aussenwirtschaftspolitik gegenüber Asien identifiziert. Um die ­Widerstandsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft gegen Schocks im asiatischen Beschaffungsmarkt zu erhöhen, wurde eine geografische Diversifizierung der Handelspartner ins Auge gefasst. Die Erweiterung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen eröffnet der Schweizer Wirtschaft alternative Bezugsquellen und reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Partnern. Das Netz an Freihandelsabkommen wird laufend ausgebaut. Auf Unternehmensebene gewinnt die Entwicklung nachhaltiger Beschaffungsstrategien zunehmend an Bedeutung. Es liegt in der Verantwortung jedes Unternehmens, seine speziellen Risiken und Chancen in der Lieferkette zu identifizieren und entsprechend angepasste Ansätze zu verfolgen. In einigen grösseren ­Industrieunternehmen gehört das Lieferkettenmanagement bereits zur strategischen Führung. Es stellt sich jedoch die Frage, inwiefern sich auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) den Risiken in den eigenen Lieferketten bewusst sind und ihre Beschaffungsbeziehungen entsprechend zu steuern vermögen. Aus diesem Grund wurde im Strategie­bericht beschlossen, die Abhängigkeit der Schweizer Wirtschaft vom asiatischen Wirtschaftsraum im Rahmen einer Studie zu evaluieren. Im folgenden Artikel werden die Resultate vorgestellt.

  1. EZV (2014): Aussenhandelsstatistik 2013. []
  2. Lampe, K., Stölzle, W. (2012): Transportwege für den Handel zwischen Asien und Europa: Für die Zukunft ­gerüstet? In: Die Volkswirtschaft 9-2012, S. 31–35. []
  3. Stölzle, W., Hofmann, E., Lampe, K. (2014): Logistikmarktstudie Schweiz 2014, Kapitel 3: Verkehrsträgerspezifische Betrachtung des Schweizer Logistikmarktes und seiner Infrastruktur, Punkt 3.7 Exkurs Verwundbarkeitsanalyse der Schweizer Importkorridore. []

Ressort Asien/­Ozeanien, Staatssekre­tariat für Wirtschaft SECO, Bern

Logistikmarktstudie Schweiz

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Ressort Asien/­Ozeanien, Staatssekre­tariat für Wirtschaft SECO, Bern