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Berufsbildung Schweiz – praxisnah und zukunftssicher?

Das Schweizer Bildungssystem gehört zu den besten der Welt. Wir verfügen nicht nur über ausgezeichnete Hochschulen, sondern auch über eine hervorragende Berufsbildung. Dieser so erfolgreiche Bildungsmix gerät dennoch immer wieder ins politische Spannungsfeld. Zweifel werden geäussert, ob die Berufsbildung angesichts gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen, der Internationalisierung von Arbeits- und Bildungswelten und anderer Herausforderungen fit für die Zukunft ist. Die einen sehen die (höhere) Berufsbildung wegen der zunehmenden «Akademisierung» gefährdet, die anderen möchten sie eben gerade näher ans Hochschulsystem heranführen. Wo steht die Berufsbildung wirklich? Welches sind die Herausforderungen, und mit welchen Rezepten bleibt die Berufsbildung zukunftstauglich?

Für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit schweizerischer Unternehmen sind nicht nur Akademikerinnen und Akademiker, sondern auch berufliche Fachkräfte mit tertiärem Berufsbildungsabschluss entscheidend. (Bild: Keystone)

Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht über den (vermeintlichen) Konkurrenzkampf zwischen Gymnasien und Berufsbildung Kontroverses hören. So rufen gewisse Bildungspolitiker und -experten nach mehr Hochschulabgängerinnen und -abgängern und somit nach mehr Maturandinnen und Maturanden. Dagegen warnen Hochschulrektoren, Gewerbe- und Industrievertretende vor einer höheren Maturandenquote und vor der abnehmenden Qualität der Hochschuleintretenden. So oder so: Beide Bildungswege sind aus unserem Land nicht wegzudenken. Und ganz bestimmt falsch ist es, berufliche und akademische Bildung gegeneinander auszuspielen.

Forschungsergebnisse des Leading House für Bildungsökonomie der Universitäten Zürich und Bern zeigen: Für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit schweizerischer Unternehmen sind nicht nur Akademikerinnen und Akademiker, sondern auch berufliche Fachkräfte mit Berufslehre und tertiärem Berufsbildungsabschluss (höhere Berufsbildung) entscheidend. Sie sind es, welche Innovationen markttauglich machen und umsetzen können. Wohl nicht zuletzt deshalb belegt die Schweiz – die traditionell auf einen Mix von unterschiedlichen Bildungswegen setzt – in verschiedenen internationalen Rankings immer wieder absolute Spitzenplätze.widmer_gra1_de[1]

 

Auf Stärken bauen

Überhaupt verdankt unser Land seine Erfolge unter anderem seinem hochstehenden Bildungssystem, das durch eine hohe Durchlässigkeit der Bildungswege gekennzeichnet ist. Man kann hierzulande mit einer Berufslehre anfangen und mit entsprechender Motivation und Leistungsbereitschaft einige Jahre später an der ETH doktorieren. Oder man kann eine gymnasiale Matura absolvieren, studieren, und anschliessend eine höhere Fachprüfung als eidgenössisch diplomierter Wirtschaftsprüfer absolvieren. Für Leute, die die Voraussetzungen mitbringen und motiviert sind, ist (fast) alles möglich. Kurzum: Ein hoch differenziertes Bildungssystem stellt der Wirtschaft eine Vielzahl von Fach- und Führungskräften zur Verfügung, die exakt die am Markt gefragten Kompetenzen und Qualifikationen mitbringen.

Volkswirtschaftlich betrachtet, lässt die vergleichsweise tiefe (Jugend-)Arbeitslosigkeit überdies vermuten, dass eine arbeitsmarktorientierte Ausbildung ein zentraler Schlüssel zur Integration Jugendlicher in die Arbeitswelt ist. Was geschieht, wenn keine praxisorientierten Berufslehren existieren, erkennt man gut an Beispielen aus dem Süden Europas. Spanien hat beispielsweise eine Akademikerquote von 38% und eine Jugendarbeitslosigkeit von 53%. Demgegenüber weisen Länder wie Österreich, Deutschland oder die Schweiz, deren Akademikerquoten vergleichsweise tief sind, zurzeit Jugendarbeitslosenquoten von unter 10% auf. Offenbar gelingt es in dualen Berufsbildungssystemen wesentlich besser, Jugendliche in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Aktuelle Trends verschärfen den Rekrutierungsbedarf

Ein komplexes Umfeld mit sich rasch ändernden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Anforderungen stellt die Berufsbildung jedoch permanent vor neue Herausforderungen und verlangt laufende Anpassungen.

Ein Thema, das nach Annahme der Masseneinwanderungsinitiative am 9. Februar 2014 zusätzlich an Brisanz gewonnen hat, ist die demografische Entwicklung und der damit drohende Fachkräftemangel. Das Wachstum der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter schwindet. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung nimmt ab. Laut statistischen Szenarien ist in einigen Jahren sogar mit einem Rückgang der absoluten Zahl der Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren zu rechnen. Bei den Schulabgängerinnen und -abgängern rechnet das Bundesamt für Statistik (BFS) bis 2018 mit einem Rückgang um gut 7%, von 82 000 auf 76 000. Aufgrund dieser Entwicklung und dank dem vereinten Engagement der Verbundpartner übersteigt das Lehrstellenangebot die Nachfrage bereits heute deutlich. Eine Trendwende mit wieder steigenden Abgängerzahlen ist erst nach 2020 zu erwarten. Die Schwierigkeiten bei der Rekrutierung qualifizierter Personen für Ausbildungs- und Arbeitsplätze (War of Talents) werden sich also weiter verschärfen.

Hinzu kommt, dass die technologische Entwicklung in allen Wirtschaftsbereichen zu höheren Anforderungen führt. Bei der 25- bis 64-jährigen Wohnbevölkerung der Schweiz prognostiziert das Bundesamt für Statistik ein weiterhin steigendes Qualifikationsniveau. Der Anteil der tertiär Gebildeten (Hochschulen und höhere Berufsbildung) dürfte von heute 36% bis ins Jahr 2030 auf über 50% zunehmen. Im Vergleich dazu lag der Anteil der Personen mit Tertiärabschluss vor 1980 bei lediglich gut 10%.

Wir erleben heute eine dynamische Arbeitswelt, welche die ständige Weiterentwicklung sozusagen zum Programm macht. Vor diesem Hintergrund ist das heutige Modell der Berufslehre gerade für Erwachsene, die ihren Beruf wechseln wollen oder müssen, noch zu wenig flexibel. Kommt dazu, dass die Berufsbildung nach wie vor stark gewerblich verankert und in den Dienstleistungs- und Technologiebereichen eher unterrepräsentiert ist. Die Berufe in diesem Bereich stellen teilweise andere Anforderungen an die Lernenden und haben andere Bedürfnisse bezüglich Lernorganisation und -form. Dem wird in der dualen Ausbildung heute noch zu wenig Rechnung getragen.

Gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse sicherstellen

Eine weitere Herausforderung, der sich die Berufsbildung stellen muss, ist die steigende Internationalisierung im Arbeitsmarkt und der damit verbundene Bedarf nach internationaler Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen. Das zeigt sich zurzeit insbesondere bei der höheren Berufsbildung. Sie ist sehr arbeitsmarktnah und auf die Bedürfnisse der Wirtschaft ausgerichtet. Ihre jährlich rund 27 000 Absolventinnen und Absolventen (die Hochschulen verzeichnen vergleichsweise jährlich 44 000 Abschlüsse) sind für die Übernahme anspruchsvoller Fach- und Führungsfunktionen in der Wirtschaft hervorragend qualifiziert. Viele Länder ohne ausgebaute Berufsbildung kennen den Wert dieser anspruchsvollen praxisorientierten Abschlüsse jedoch nicht.

Nehmen wir das Beispiel der Pflegefachpersonen: In England oder Holland werden diese ausschliesslich an Universitäten ausgebildet, in der Schweiz an höheren Fachschulen und Fachhochschulen. Die mit diesen Abschlüssen erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen sind in den drei Ländern ähnlich, die Bildungsstufen und Titel jedoch verschieden. Das gleiche gilt unter anderem für Wirtschaftsprüfer, Personalfachleute oder Marketingplaner, deren Abschlüsse in der Schweiz zur höheren Berufsbildung zählen. Oder auch für Polymechaniker, die zwar in der Schweiz «nur» eine Berufslehre absolvieren, mit ihren Fähigkeiten in manchen Ländern jedoch gar als Ingenieure durchgehen würden.

Die Beispiele zeigen, dass die internationale Vergleichbarkeit und Anerkennung von Berufsbildungsabschlüssen ein schwieriges Unterfangen ist. Effektiv vergleichbar machen kann man so unterschiedliche Bildungssysteme wie diejenigen von England und der Schweiz kaum. Vielmehr geht es darum, die gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen sicherzustellen, ohne das eigene (sehr gute) Bildungssystem zu stark anpassen zu müssen oder eine Nivellierung nach unten zu riskieren (siehe Kasten 2).

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Dem Fachkräftemangel begegnen

Wie lassen sich nun all diese Herausforderungen meistern? Zugegeben: Nicht überall ist die Lösung einfach zu finden. Aber die Lösungsansätze sind da, viele Massnahmen bereits eingeleitet und andere in Planung.

Um dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen, hat der Bund bereits 2011 die Fachkräfteinitiative lanciert. Bis Ende 2013 wurden dabei vier Handlungsfelder identifiziert (Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ältere Arbeitnehmende, Steigerung der Produktivität, Qualifizierungsmassnahmen) und ein auf die Jahre 2015 bis 2018 angelegtes Massnahmenpaket verabschiedet. Im Handlungsfeld «(Re-)Qualifizierung der Arbeitnehmenden», für welches das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) zuständig ist, laufen schon heute vielfältige Projekte. In der beruflichen Grundbildung versuchen wir zum Beispiel, den Übergang zwischen obligatorischer Schule und Berufsbildung weiter zu optimieren. Heute absolvieren mehr als ein Viertel aller Jugendlichen ein oder mehrere «Brückenjahre», bevor sie in einen Beruf einsteigen – und dies in einer Zeit, in der jährlich mehr als 8000 Lehrstellen nicht besetzt werden können. Offensichtlich bestehen hier Fehlanreize im System, die es zu durchbrechen gilt. Um Abhilfe zu schaffen, hat das SBFI letzten Frühling das Projekt Match-Prof ins Leben gerufen. In Absprache mit den Verbundpartnern soll das «Matching» (also die Übereinstimmung) zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Lehrstellenmarkt nachhaltig verbessert werden. Ziel ist es, Jugendliche und junge Erwachsene ohne Umwege früher in eine Berufslehre oder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Einen Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels leistet auch die Nach- und Höherqualifizierung von Erwachsenen. Sie ist aus wirtschafts-, gesellschafts- und sozialpolitischer Sicht von grösster Bedeutung. Denn Erwachsene ohne nachobligatorischen Bildungsabschluss sind weniger gut in den Arbeitsmarkt integriert. Sie sind häufiger arbeitslos, und überdurchschnittlich viele arbeiten in Tieflohnstellen. Rund 400 000 Personen in der Schweiz im Alter von 25 bis 54 Jahren verfügen über keinen nachobligatorischen Abschluss. Und lediglich 6000 Erwachsene pro Jahr holen einen Berufsabschluss nach. Offensichtlich besteht hier noch ein beträchtliches Qualifizierungspotenzial. Dieses besser auszuschöpfen, ist eine der Zielsetzungen, welche das SBFI gemeinsam mit den Verbundpartnern verfolgt.[1]

Talente im Fokus der Berufsbildung

Die Berufsbildung muss so attraktiv sein, dass sie auch leistungsstarke Jugendliche gewinnen kann. Nur so lässt sich verhindern, dass die Berufsbildung als Ausbildung zweiter Klasse wahrgenommen wird. Den Blickwinkel verstärkt auf die Förderung von Jugendlichen mit hohem Leistungspotenzial zu richten, ist auch dem Bundesrat ein Anliegen. In einem Ende 2013 verabschiedeten Bericht[2] plädiert er für ein umfassenderes Begabungs- und Leistungsverständnis. Dementsprechend ist die Talentförderung eines der Leitthemen im laufenden Jahr der Berufsbildung 2014 (siehe Kasten 1 ).

Der Entscheid, eine Berufslehre zu beginnen, hängt heute mehr denn je von den Perspektiven ab, welche sich mit einer Grundausbildung ergeben. Für leistungsstarke junge Leute bietet die Berufsmatura mit dem anschliessenden direkten Zugang zur Fachhochschule beste Aussichten. Oft sind diese Vorteile noch zu wenig bekannt. Ein moderner Rahmenlehrplan und intensivierte Kommunikationsanstrengungen des Bundes, der Kantone, der Berufsverbände und der Schulen sollen hier Abhilfe schaffen. Eine weitere Möglichkeit im Anschluss an eine berufliche Grundbildung einen eidgenössisch anerkannten Abschluss auf der Tertiärstufe zu erlangen, bietet die höhere Berufsbildung. Deren Stärkung ist ein erklärtes Ziel des SBFI. Sie erfolgt durch eine verbesserte Finanzierung, die klarere Positionierung auf nationalem und internationalem Parkett[3] und eine intensivierte Kommunikation.

Flexibilisierung und Modernisierung

Gesellschaft, Wirtschaft und Arbeitswelt verändern sich immer rascher. Gewisse Berufe sind heute so anspruchsvoll geworden, dass die Ausbildungsmodelle teilweise an ihre Grenzen stossen. In enger Zusammenarbeit mit den Verbänden prüft das SBFI laufend, wo es flexiblere Modelle für besonders anspruchsvolle Berufe braucht. Die aktuelle Berufsbildungsgesetzgebung lässt viel mehr Variation und Flexibilität zu, als sie tatsächlich von den Organisationen der Arbeitswelt genutzt wird. Spielräume gibt es beispielsweise bei der Festlegung der Anteile schulischer und praktischer Bildung über die verschiedenen Lehrjahre, bei der Dotation der überbetrieblichen Kurse oder bei der Gestaltung der Übergänge. Wichtig ist, dass auf allen Stufen Fachkräfte mit den richtigen Qualifikationen aus- und weitergebildet werden.

Der lebenslangen Weiterqualifizierung kommt im Übrigen eine immer höhere Bedeutung zu. Die Berufsbildung ist dabei gleich doppelt gefordert: Einerseits soll sie die Menschen befähigen, aktiv und erfolgreich am gesellschaftlichen und beruflichen Leben teilzunehmen, sich zu entfalten und ihre Aufgaben zu erfüllen; andererseits muss sie sich stetig, rasch und offen auf Veränderungen einstellen und einen wesentlichen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und Volkswirtschaften leisten. Mit neuen interessanten Berufsbildern, flexibleren Ausbildungsmodellen, Massnahmen zur Steigerung der beruflichen Mobilität und einem attraktiven Berufsmaturitätsangebot kann dies gelingen. Die feststellbare Individualisierung der Bildungsbiografien lässt dabei klassische Bildungs- und Berufsverläufe zunehmend in den Hintergrund treten. Vor dem Hintergrund des im Juni 2014 vom Parlament verabschiedeten Weiterbildungsgesetzes muss dieser Tatsache vermehrt Rechnung getragen werden. Aus dem klassischen Berufsbildungssystem muss ein dynamisches Aus- und Weiterbildungssystem mit verschiedenen Ein- und Ausgängen werden.

Modernisierung der Berufsbildung als Daueraufgabe

Die Berufsbildung hat dank der Reformen der letzten zehn Jahre viel erreicht. Bildungserlasse wurden modernisiert, neue Berufe entwickelt und das (Berufs-)Bildungssystem unter dem Motto «kein Abschluss ohne Anschluss» durchlässig gestaltet. Gemeinsam mit den Kantonen und Sozialpartnern ist es gelungen, die Berufsbildung für die Zukunft fit zu trimmen. Abgeschlossen ist die Modernisierung der Schweizer Berufsbildung keineswegs. Angesichts der skizzierten nationalen und internationalen Herausforderungen ist und bleibt sie eine Daueraufgabe, die es mit dem nötigen Respekt, aber auch mit viel Selbstbewusstsein, anzupacken gilt.

  1. Berufsabschluss und Berufswechsel für Erwachsene. Bestehende Angebote und Empfehlungen für die Weiterentwicklung. Bericht des SBFI. Bern, Juni 2014. []
  2. Gezielte Förderung und Unterstützung von Jugendlichen mit unterschiedlichen Begabungspotentialen an der Nahtstelle I und in der Berufsbildung. Bericht des Bundesrates. Bern, September 2013. []
  3. Unter anderem via den Nationalen Qualifikationsrahmen, siehe dazu den Beitrag von Laura Antonelli auf S. 26 in dieser Ausgabe. []

Stellvertretender Direktor Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI

Das Jahr der Berufsbildung 2014

2014 wurde von Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann zum Jahr der Berufsbildung erklärt. Zahlreiche Veranstaltungen rücken die Berufsbildung und ihre Vorzüge in den Fokus der Öffentlichkeit und tragen dazu bei, die Bekanntheit des dualen Berufsbildungssystems national und international zu fördern. Zwei Höhepunkte dominieren das Jahr: Vom 15. bis 18. September 2014 findet erstmals ein internationaler Berufsbildungskongress in Winterthur statt, der sich der dualen Berufsbildung widmet. Die offizielle Kongresseröffnung erfolgt durch Bundesrat Schneider-Ammann am 16. September. Erwartet werden 300 bis 400 Personen aus Ministerien, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft aus aller Welt. Am 17. September gibt der Schweizer Bildungsminister den Startschuss für die SwissSkills 2014 in Bern, die ersten an einem gemeinsamen Standort ausgetragenen Schweizer Berufsmeisterschaften. Bis am 21. September kämpfen junge Berufsleute in über 130 Berufen um den Schweizermeistertitel. Erwartet werden rund 200 000 Besucherinnen und Besucher, darunter viele Schulklassen (www.berufsbildung2014.ch; www.swissskillsbern2014.ch; www.vpet-congress.ch).

Einfluss der Internationalisierung auf die Schweizer Berufsbildung

Die Internationalisierung wird im Bildungsbereich zu einem immer wichtigeren Thema. Während im Hochschulbereich mit der Bologna-Reform die Transparenz der Hochschulabschlüsse international verbessert wurde, fehlen für die Abschlüsse der beruflichen Grundbildung und der höheren Berufsbildung solche Instrumente der Transparenz und der gegenseitigen Anerkennung. Als Folge des vermeintlich höheren Sozialprestiges, das Hochschulabschlüsse in der Bevölkerung erfahren, und der Tatsache, dass manche Schweizer Bildungsabschlüsse international zu wenig bekannt sind, hat der Akademisierungsdruck auf die Berufsbildung deutlich zugenommen. Eine stärkere Akademisierung der höheren Berufsbildung ist für das SBFI jedoch der falsche Weg. Zielführender ist es, die eigentlichen Stärken der höheren Berufsbildung besser zum Tragen zu bringen: die Praxisorientierung, die konsequente Selektion, die klar definierten Kompetenzprofile und die hohe Reputation der Abschlüsse im Arbeitsmarkt. Um die höhere Berufsbildung zu stärken und ihre Anerkennung national und international zu optimieren, läuft im SBFI ein Strategieprojekt (www.hbb.admin.ch). Dieses umfasst eine bessere Finanzierung der Vorbereitungskurse auf Berufs- und höhere Fachprüfungen sowie Massnahmen zur besseren Positionierung der höheren Berufsbildung. Der besseren Vergleichbarkeit der Bildungssysteme dient die Einführung eines Nationalen Qualifikationsrahmens für Abschlüsse der Berufsbildung (www.nqr-berufsbildung.ch). Das als Folge der europäischen Wirtschaftskrise gestiegene Interesse ausländischer Staaten am schweizerischen Berufsbildungssystem fordert die Schweiz ebenfalls heraus. Um klare Rahmenbedingungen für die internationale Berufsbildungszusammenarbeit zu definieren, hat das SBFI die Internationale BFI-Strategie der Schweiz für den Bereich der Berufsbildung konkretisiert (www.sbfi.admin.ch/ibbz).

Stellvertretender Direktor Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI