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Ungleiche Arbeitsmarktchancen in den Ausbildungsberufen

Der längerfristige Erfolg auf dem Arbeitsmarkt hängt nicht zuletzt vom erlernten Beruf ab. Generell haben Absolventen einer beruflichen Grundbildung deutlich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als ungelernte Arbeitskräfte. Aber nicht jede Berufslehre bietet dieselbe Garantie für einen erfolgreichen Erwerbsverlauf. Eine neue Studie des Stellenmarktmonitors Schweiz liefert dazu erstmals informative Kennzahlen. Es lassen sich Berufsfelder mit über- und unterdurchschnittlichen Perspektiven unterscheiden, aber auch solche mit konjunkturell stark schwankenden oder ausgesprochen uneinheitlichen Aussichten auf dem Arbeitsmarkt.

Die Arbeitsmarktchancen von Fachkräften lassen sich anhand unterschiedlicher Grössen miteinander vergleichen. Zentral ist zunächst das Risiko, arbeitslos zu werden. Weitere Indikatoren für den längerfristigen Erfolg im Berufsleben sind die Qualität der Erwerbssituation, die Einkommenschancen, die Aussichten bezüglich beruflicher Mobilität, die Weiterbildungsbeteiligung oder die Breite des Stellenangebots im entsprechenden Beruf.

In der folgenden Zusammenfassung des Reports des Stellenmarktmonitors (siehe Kasten 1) Der vollständige Report Arbeitsmarktperspektiven von Fachkräften aus unterschiedlichen Berufen ist auf der Webseite des SBFI verfügbar (www.sbfi.admin.ch > Dokumentation > Publikationen > Berufsbildung > Berufliche Grundbildung). Dort finden sich detaillierte Auswertungen zu den einzelnen Indikatoren und methodische Angaben. Zusätzlich zu den hier gezeigten Auswertungen untersucht der Report auch die Unterschiede zwischen Berufseinsteigern und erfahrenen Fachkräften. Die verwendeten Berufskategorien wurden analog zum Lehrstellenbarometer gebildet. Für die Auswertungen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (Sake) poolen wir die Daten für das 2. Quartal aus den Jahren 2004 bis 2013, was die Schätzung eines langfristigen Durchschnittswerts über den gesamten Konjunkturzyklus ermöglicht. Die Sake-Daten liefern auch die Populationsschätzer für die Arbeitslosenquoten, während die Arbeitslosenzahlen der amtlichen Statistik entnommen werden (Avam). Für die Einschätzung der Lohnchancen nutzen wir die Sake-Jahresdaten 2010 bis 2012. Auf dieser Grundlage ist für sieben von zehn Berufskategorien eine statistisch ausreichende Datenbasis vorhanden. Die Berufe in den Bereichen Druck und Design, Landwirtschaft sowie Informatik sind in den Sake-Daten aber unzureichend besetzt, weshalb sie hier unberücksichtigt bleiben müssen. konzentrieren wir uns auf die Unterschiede zwischen den verschiedenen Berufsgruppen. Im Zentrum steht dabei die Frage nach über- und unterdurchschnittlichen Chancen von Erwerbstätigen mit einer beruflichen Grundbildung im Alter von 26 bis 54 Jahren. Die Gesamtsicht der letzten zehn Jahre (siehe Grafik 1) zeigt, dass sich die Arbeitsmarktperspektiven je nach der Art des erlernten Berufs beträchtlich unterscheiden. Negativwerte verweisen dabei auf Nachteile und positive Werte auf Vorteile im Vergleich mit dem Durchschnitt über alle Berufsgruppen.
Der Indikator für Beschäftigungssicherheit ergibt sich aus der Arbeitslosenquote (registrierte Arbeitslosigkeit gemäss Avam) mit umgekehrtem Vorzeichen, die Anstellungsbedingungen aus dem Anteil prekärer Beschäftigungsverhältnisse in der Berufskategorie (dazu gehören v. a. marginale Arbeitspensen und Befristungen). In den Indikator für die Lohnchancen fliessen der Medianlohn und der Anteil Tieflohnbezüger (mit einem standardisierten Lohn von weniger als zwei Dritteln des Medianlohns aller Beschäftigten) ein. Die Weiterbildungsbeteiligung fasst den Anteil Fachkräfte in einer Weiterbildung und solche in Ausbildung auf Tertiärstufe zusammen.

Getrübte Perspektiven in den Dienstleistungs- und Verkaufsberufen

In allen Indikatoren deutlich unterdurchschnittlich präsentiert sich die Situation in den Berufen der persönlichen Dienstleistungen (wie Koch, Coiffeuse oder Restaurationsfachleute) und den Verkaufsberufen (wie Logistiker oder Detailhandelsfachleute). Am stärksten im Negativbereich liegen die Werte für die Erwerbssicherheit und die Lohnchancen. Letzteres ist insbesondere eine Folge davon, dass sich in beiden Gruppen mit rund 23% auffallend viele Tieflohnbezüger finden. Doch auch das Risiko einer prekären Beschäftigung ist deutlich erhöht. Zudem sind die für die Verbesserung der längerfristigen Beschäftigungschancen wichtigen Weiterbildungsaktivitäten vergleichsweise selten. Unverkennbar ist, wie sich die Nachteile über die verschiedenen Dimensionen hinweg kumulieren. Von diesen im Quervergleich wenig attraktiven Aussichten darf allerdings nicht auf – im absoluten Sinne – klägliche Berufschancen in den Dienstleistungs- und Verkaufsberufen geschlossen werden. So liegt etwa die Arbeitslosenquote im Mittel der letzten zehn Jahre zwar deutlich höher als in anderen Bereichen, hält sich aber mit 4,2% respektive 3,3% in Grenzen. Dies verweist auf die alles in allem gute Verfassung des Arbeitsmarktes für Fachkräfte in der Schweiz.

Attraktive Bedingungen in technischen und sozialen Berufen

Im Gegensatz zu den unterdurchschnittlichen Erwerbsperspektiven bei den benachteiligteren Berufsgruppen ist die Situation für die anderen Kategorien von beruflichen Grundbildungen weniger einheitlich. Die Bauberufe (wie Maurer, Zimmermann oder Hochbauzeichner), die technischen Berufe (wie Elektroinstallateur, Polymechaniker oder Automobil-Mechatroniker) sowie die medizinischen und sozialen Berufe (wie Fachfrau Gesundheit/Betreuung oder medizinische Praxisassistentin) zeigen alle eine überdurchschnittliche Beschäftigungssicherheit. In den Bereichen Bau und Technik finden wir zudem selten prekäre Beschäftigungsverhältnisse und sehr gute Lohnchancen. Sie zeigen sich etwa darin, dass der Anteil Tieflohnbezüger in beiden Bereichen unter 7% liegt.In den weiblich dominierten medizinischen und sozialen Berufen sind prekäre Beschäftigungen dagegen sehr viel häufiger; sie sind allerdings oft freiwillig gewählt.
In diesen Berufen ist aber auch die Unterbeschäftigung (Teilzeitangestellte, die gerne mehr arbeiten würden) deutlich überdurchschnittlich.
Auch das Lohnniveau liegt im Gegensatz zu den Berufen in Bau und Technik nicht signifikant über dem Durchschnitt (rund 13% Tieflohnbezüger). Dafür ist in diesem Bereich die Weiterbildungsbeteiligung mit Abstand am grössten, was die individuellen Karrierechancen befördern dürfte. Dagegen spielt Weiterbildung im technischen Bereich offenbar nur eine durchschnittliche Rolle und zeigt in den Bauberufen sogar den tiefsten Wert aller Berufskategorien.

Polarisierung in den Büroberufen

Im mittleren Bereich unserer «Rangliste» stehen die traditionellen gewerblichen Berufe (wie Schreiner, Bäcker oder Fleischfachmann) sowie die Büroberufe (vor allem Kaufleute). Diese unterscheiden sich bezüglich der Arbeitsmarktchancen allerdings stark voneinander. Der gewerbliche Bereich bietet einerseits eine auffallend grosse Beschäftigungssicherheit. Andererseits liegen Anstellungsbedingungen, Lohnchancen und Weiterbildungsbeteiligung im negativen Bereich, sind aber immer noch deutlich besser als im Verkauf und bei den persönlichen Dienstleistungen. Bei den Büroberufen fällt die vergleichsweise geringe Beschäftigungssicherheit auf, der auf der anderen Seite gute Lohnchancen und eine deutlich erhöhte Weiterbildungsbeteiligung gegenüberstehen. Dies verweist auf eine gewisse Polarisierung innerhalb des Berufsfeldes zwischen Arbeitnehmern, die in durchaus attraktiven Positionen erwerbstätig sind, und solchen, die überdurchschnittlich häufig erwerbslos sind.

Ungleichgewichte auf dem Arbeitsmarkt

Wie hat sich im Arbeitsmarkt für Fachkräfte das Verhältnis zwischen den von der Wirtschaft nachgefragten und den von den Erwerbspersonen absolvierten Berufsausbildungen seit 2004 entwickelt? Dazu betrachten wir die Nachfrage-Angebots-Relationen in den einzelnen Berufskategorien (siehe Grafik 2). Als Indikator dient das Verhältnis zwischen dem Anteil der Kategorien am Stellenangebot (v) und ihrem Anteil an der Arbeitslosigkeit (u).
Die Angaben zu den Vakanzen beruhen auf den Daten des Stellenmarktmonitors Schweiz (SMM), die Zahlen zu den registrierten Arbeitslosen (18- bis 54-jährig mit beruflicher Grundbildung) sind der amtlichen Statistik (Avam) entnommen.
Wenn der Anteil vakanter Stellen in einer Kategorie grösser ist als der Anteil an den Arbeitslosen, resultiert ein Verhältnis grösser als 1:1. Wenn umgekehrt ein Übergewicht der Arbeitslosigkeit besteht, liegen die Werte unter dieser Gleichgewichtslinie.

Bei den Berufen im Bereich persönliche Dienstleistungen haben wir unterdurchschnittliche Arbeitsmarktperspektiven festgestellt. Ein wichtiger Grund dafür dürfte das Überangebot an Arbeitskräften sein. Die entsprechenden v/u-Werte in Grafik 2 liegen durchwegs unter dem ausgeglichenen Verhältnis von 1:1; der Anteil an den Arbeitslosen übertrifft den Anteil an Vakanzen in allen Jahren um mindestens das Doppelte. Dass dieses Verhältnis über die letzten zehn Jahre einen insgesamt negativen Trend aufweist, kann als Hinweis auf eine sich verschärfende Problematik gedeutet werden.

In den technischen Berufen finden die Fachkräfte demgegenüber sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dies dürfte auch darin begründet sein, dass hier fast durchgehend ein deutliches Übergewicht des Stellenangebots herrscht. In diesen Tätigkeiten wird intensiv nach geeignetem Personal gesucht. Dem umworbenen Personal werden entsprechend attraktive Stellen geboten. Der konjunkturelle Rückgang 2009/2010 bringt nur eine kurzfristige Entspannung von geringem Ausmass.

Konjunkturanfällige gewerbliche Berufe

In der Gesamtsicht über die letzten zehn Jahre, wie sie in Grafik 1 zusammengefasst ist, zeigen die gewerblichen Berufe – ausser bei der Arbeitslosigkeit – leicht unterdurchschnittliche Werte. Die Entwicklung der Nachfrage-Angebots-Relation seit 2004 in Grafik 2 offenbart nun grosse Schwankungen in Abhängigkeit zur Konjunkturlage: In günstigen Zeiten ist das Verhältnis mehr oder weniger ausgeglichen; bei Konjunktureinbrüchen schlägt es stark auf die Seite der Arbeitslosigkeit aus. Die insgesamt durchschnittlichen Arbeitsmarktchancen in den gewerblichen Berufen sind also vor dem Hintergrund einer ausgesprochenen Konjunkturanfälligkeit zu relativieren. Dass die v/u-Werte trotz der insgesamt sehr tiefen Arbeitslosigkeit in den meisten Jahren unter der Gleichgewichtslinie liegen, verweist auf einen Arbeitsmarkt von geringer Dynamik, in dem verhältnismässig wenige Stellen ausgeschrieben werden.

Büroberufe mit erhöhter Weiterbildungsnotwendigkeit

Besonders interessant ist die Situation in den Büroberufen. Die Nachfrage-Angebots-Relation zeigt ein deutliches Übergewicht der vakanten Stellen. Dass trotzdem die Arbeitslosigkeit überdurchschnittlich gross ist (siehe Grafik 1), weist darauf hin, dass in diesem Bereich zwar viel Personal gesucht wird, die arbeitslosen Berufsleute oft aber den von den Betrieben geforderten Qualifikationsprofilen nur ungenügend entsprechen. Die festgestellte grosse Weiterbildungsbeteiligung kann demnach als Ausdruck einer Weiterbildungsnotwendigkeit gelesen werden: Die attraktive Arbeitsmarktsituation kann nur nutzen, wer die entsprechenden, über die berufliche Grundbildung hinausgehenden Qualifikationen vorweisen kann.

Personalengpässe hier, Überangebot dort

Zusammenfassend zeigt unsere Untersuchung über die letzten zehn Jahre überdurchschnittliche Arbeitsmarktperspektiven in den technischen und Bauberufen sowie in den medizinischen und sozialen Berufen. Aus Sicht der Arbeitgeber herrscht hier ein mehr oder weniger ausgeprägter Fachkräftemangel, sodass in einigen Berufen Personalengpässe zu beobachten sind. Unterdurchschnittliche Perspektiven für die Arbeitnehmenden finden wir in den persönlichen Dienstleistungen und dem Verkauf. Hier scheint eher ein Überangebot an Arbeitskräften zu bestehen. Mittlere Aussichten bieten die traditionellen gewerblichen Berufe. Dieses Stellenangebot reagiert besonders stark auf konjunkturelle Schwankungen. Die unterdurchschnittlichen Verdienst- und Weiterbildungsaussichten werfen die Frage nach der längerfristigen Attraktivität von Ausbildungen in diesem Berufsfeld auf. Uneinheitliche Perspektiven bieten die Büroberufe. Dabei ist die Qualität der Nachfrage von besonderem Interesse. So erscheint die kaufmännische Ausbildung als ein besonders gutes Sprungbrett für die weitere Karriere, bietet allein aber nur beschränkte Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt.

Offene Fragen: Bildungsniveau, Konkurrenz oder Betriebsstruktur?

Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu beachten, dass eine stärkere Aufschlüsselung der Analysen sowohl in zeitlicher Hinsicht als auch in Bezug auf die recht groben Berufskategorien mit den derzeit verfügbaren Daten nur begrenzt möglich ist. Gerade in Bereichen, wo Indizien für eine Verschlechterung der Situation (etwa Dienstleistungsberufe) oder für eine interne Polarisierung vorliegen (Büroberufe, aber auch medizinische und soziale Berufe), wären detailliertere Analysen von grossem Interesse. Trotz dieser Einschränkungen möchten wir einige Überlegungen zu möglichen Gründen der beobachteten Unterschiede zwischen den Berufskategorien anstellen. Dabei verweisen wir gleichzeitig auf offene Forschungsfragen.

Erstens schneiden einige der Berufe mit weniger anspruchsvollen Ausbildungen bezüglich Arbeitsmarktperspektiven unterdurchschnittlich ab. Dies könnte einerseits daran liegen, dass die schulischen Anforderungen in manchen Feldern gemessen an den hohen Ansprüchen der heutigen Arbeitswelt tendenziell zu klein sind. Damit sind die Entwicklungsperspektiven für die Absolventen solcher Berufsbildungen beschränkt, und es stellt sich die genauer zu klärende Frage, ob die hohe Integrationskraft des Berufsbildungssystems für Jugendliche mit kleinerem Schulrucksack nach und nach erodiert. Andererseits sind weniger anspruchsvolle Tätigkeitsbereiche auch am ehesten einer Konkurrenz durch ungelernte Arbeitskräfte ausgesetzt. Zwar ist unter anderem durch das Berufseinstiegsbarometer
Vgl. Sacchi, Stefan, und Alexander Salvisberg: Entwicklung des Arbeitsmarkts für Berufseinsteiger. In: Die Volkswirtschaft, 4-2011, S. 31–34.
gut belegt, dass Arbeitnehmende ohne nachobligatorische Ausbildung im Vergleich zu Fachkräften insgesamt schlechtere Beschäftigungsperspektiven besitzen. Wenig ist jedoch über die Lage innerhalb einzelner Tätigkeitsfelder bekannt. So könnte man zum Beispiel der Frage nachgehen, inwieweit ein Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ) die längerfristigen Arbeitsmarktchancen einer Restaurationsfachfrau im Vergleich zu einer ungelernten Servicemitarbeitenden verbessert.

Zweitens verweisen die Auswertungen zu den Nachfrage-Angebots-Relationen auf einen Zusammenhang zwischen arbeitsmarktlichen Ungleichgewichten und Beschäftigungsperspektiven. Ein permanentes, auch bei guter Konjunktur zu beobachtendes Überangebot an Fachkräften in einem spezifischen Berufsfeld würde dabei auf einen zu grossen «Output» des Berufsbildungssystems hinweisen. Die Folge der damit verschärften Konkurrenz um die vorhandenen Arbeitsplätze sind getrübte Arbeitsmarktchancen im Vergleich zu Absolventen einer Ausbildung in einem Berufsfeld mit Nachfrageüberhang. Wie gross effektiv die Auswirkungen des Überangebots an identisch ausgebildeten Mitbewerbern im Vergleich etwa mit der Konkurrenz über Ausbildungsgrenzen hinweg tatsächlich ist, ist eine empirisch zu klärende Frage.

Drittens ist aber auch bekannt, dass sich die Arbeitsmarktbedingungen generell stark zwischen den einzelnen Unternehmen unterscheiden (wobei etwa die Branche, die Unternehmensgrösse oder die Region eine Rolle spielen), ohne dass immer klar wäre, worauf diese Unterschiede im Einzelnen beruhen. Auch ohne Rückgriff auf die beiden obigen Erklärungen ist daher mit strukturell bedingten Unterschieden in den Erfolgsaussichten verschiedener Berufe zu rechnen. Welchen Einfluss die Unternehmensstruktur auf die Perspektiven in den einzelnen Lehrberufen tatsächlich hat, wäre wiederum zu klären.

Wie reagieren die Arbeitnehmenden?

Eine über diese möglichen Erklärungen hinausgehende Fragestellung stellt die Entwicklungsdynamik ins Zentrum und geht den möglichen Reaktionen der Fachkräfte auf eine eventuell als unbefriedigend empfundene arbeitsmarktliche Situation nach. Weiterbildungen und Berufswechsel können hier neue Chancen eröffnen. In welchen Bereichen dies in welchem Ausmass geschieht, kann Anhaltspunkte für die Einschätzung der Nachhaltigkeit einzelner Ausbildungen geben – aber auch zeigen, wo und für wen das Berufsbildungssystem durchlässig ist. Schliesslich werden in der sich rasch wandelnden Arbeitswelt Fragen der beruflichen Neuorientierung immer relevanter.

Angaben zum Report

Der vollständige Report Arbeitsmarktperspektiven von Fachkräften aus unterschiedlichen Berufen ist auf der Webseite des SBFI verfügbar (www.sbfi.admin.ch > Dokumentation > Publikationen > Berufsbildung > Berufliche Grundbildung). Dort finden sich detaillierte Auswertungen zu den einzelnen Indikatoren und methodische Angaben. Zusätzlich zu den hier gezeigten Auswertungen untersucht der Report auch die Unterschiede zwischen Berufseinsteigern und erfahrenen Fachkräften. Die verwendeten Berufskategorien wurden analog zum Lehrstellenbarometer gebildet. Für die Auswertungen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (Sake) poolen wir die Daten für das 2. Quartal aus den Jahren 2004 bis 2013, was die Schätzung eines langfristigen Durchschnittswerts über den gesamten Konjunkturzyklus ermöglicht. Die Sake-Daten liefern auch die Populationsschätzer für die Arbeitslosenquoten, während die Arbeitslosenzahlen der amtlichen Statistik entnommen werden (Avam). Für die Einschätzung der Lohnchancen nutzen wir die Sake-Jahresdaten 2010 bis 2012. Auf dieser Grundlage ist für sieben von zehn Berufskategorien eine statistisch ausreichende Datenbasis vorhanden. Die Berufe in den Bereichen Druck und Design, Landwirtschaft sowie Informatik sind in den Sake-Daten aber unzureichend besetzt, weshalb sie hier unberücksichtigt bleiben müssen.

Dr. Alexander Salvisberg Stellenmarkt-Monitor Schweiz, Soziologisches Institut der Universität Zürich

Dr. Stefan Sacchi Stellenmarkt-Monitor Schweiz, Soziologisches Institut der Universität Zürich

Unterdurchschnittlich zeigen sich die beruflichen Perspektiven in den Dienstleistungs- und Verkaufsberufen. Es wäre allerdings falsch, von diesem Quervergleich auf schlechte Berufschancen im absoluten Sinne zu schliessen.

Foto: Keystone

Soziologisches Institut der Universität Zürich

Dr. phil., Senior Researcher, Transitions from Eduction to Employment (TREE), Soziologisches Institut der Universität Bern

Soziologisches Institut der Universität Zürich

Dr. phil., Senior Researcher, Transitions from Eduction to Employment (TREE), Soziologisches Institut der Universität Bern