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Konjunkturtendenzen Frühling 2015

Die Schweizer Konjunktur blieb 2014 solide aufwärtsgerichtet. Seit Januar 2015 wird die Wirtschaftsentwicklung aber durch die Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro belastet. Sofern der Euroraum seine Erholung fortsetzen kann, schätzt die Expertengruppe des Bundes die schweizerischen Konjunkturperspektiven für 2015/16 als verhalten aber immerhin noch positiv ein.

(Bild: shutterstock)

Konjunkturtendenzen in Kürze

Weltkonjunktur

Das weltwirtschaftliche Konjunkturumfeld stellt sich grundsätzlich freundlich aber sehr heterogen dar. Gute Nachrichten kommen aus den USA, wo der Aufschwung gefestigt scheint. Im Euroraum gewann die wirtschaftliche Erholung in der zweiten Jahreshälfte 2014 ebenfalls etwas an Fahrt. Deutschland konnte eine temporäre Schwächephase überwinden und dürfte in den kommenden Quartalen dank dem tiefen Aussenwert des Euro von einer Belebung des Exportgeschäfts profitieren. In den Schwellenländern entwickelt sich die Konjunktur uneinheitlich, bei insgesamt eher mässiger Wachstumsdynamik. China und Indien erweisen sich als konjunkturell relativ robust, Russland rutscht hingegen in eine starke Rezession. Die tiefen Erdölpreise dürften der Konjunktur in vielen ölimportierenden Ländern willkommene Impulse geben. Allerdings könnte der damit einhergehende Teuerungsrückgang auch die latenten Deflationsrisiken im Euroraum verstärken.

Schweizer Wirtschaft

Nach einem schwächeren 2. Quartal 2014 konnte sich die Dynamik der Schweizer Wirtschaft im zweiten Halbjahr wieder verstärken. Für das Gesamtjahr 2014 wurde ein BIP-Wachstum von 2,0% erreicht, womit die Schweiz im europäischen Quervergleich abermals gut abschneidet. Allerdings geht vom Wechselkursschock (Aufhebung der Untergrenze zum Euro) eine massive Unsicherheit aus, was sich zum Jahresbeginn 2015 in den Konjunkturumfragen bei Unternehmen und privaten Haushalten widerspiegelte.
Unter der Voraussetzung, dass der Euroraum seine Erholung fortsetzt und der Franken keine weiteren, starken Aufwertungsschübe erfährt, schätzt die Expertengruppe die schweizerischen Konjunkturperspektiven 2015/16 als nur noch verhalten positiv ein. Es wird keine Exporterholung eintreffen, wie noch bei der letzten Prognose erwartet. Von der inländischen Nachfrage, die in den letzten Jahren die wesentliche Konjunkturstütze gebildet hatte, gehen aber weiterhin positive Impulse aus. Kurzfristig könnte der private Konsum durch die Frankenaufwertung zusätzlich an Dynamik gewinnen, da Konsumgüter durch gesunkene Importpreise tendenziell erschwinglicher werden. Die Bauinvestitionen haben ihren Zenit hingegen überschritten. Die Ausrüstungsinvestitionen dürften durch die insgesamt gesunkene preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz ebenfalls gebremst werden.
Insgesamt prognostiziert die Expertengruppe eine Abschwächung des BIP-Wachstums von 2,0% im vergangenen Jahr auf 0,9% im Jahr 2015 und 1,8% im Jahr 2016. Der Franken-Schock dürfte sich nach und nach auch auf den Arbeitsmarkt übertragen und die Arbeitslosenquote von 3,2% im Jahresdurchschnitt 2014 auf 3,3% im Jahr 2015 und 3,4% im Jahr 2016 erhöhen.

Risiken

Der Konjunkturausblick bleibt mit erheblichen Risiken behaftet, die sowohl vom Ausland als auch vom Inland und neu auch von der Wechselkursfront herrühren. Die Abschwächung der schweizerischen Wirtschaft könnte durch konjunkturelle Rückschläge im Euroraum verstärkt werden. Aber auch die Entwicklung in den Schwellenländern, die in den vergangenen Jahren eine immer wichtigere Rolle für die Schweizer Exporteure gespielt haben, beeinflusst die Schweizer Konjunktur. Zudem hätte es – vor allem für Teile der Exportindustrie und der Tourismuswirtschaft – schwerwiegende Folgen, wenn der Schweizer Franken neuerliche Aufwertungsschübe auf deutlich unter die Parität erfahren würde. Diese Faktoren könnten sich aber auch positiver als erwartet entwickeln. So könnte etwa eine deutlich schwungvollere Erholung der Eurozone die negativen Effekte des Frankens auf die Wirtschaft teilweise kompensieren.
Die unsicheren politischen Rahmenbedingungen (v.a. bezüglich Verhältnis zur EU) bleiben ebenfalls ein wesentlicher Risikopol für die Schweizer Wirtschaft. Am Immobilienmarkt haben sich die Beruhigungstendenzen immerhin fortgesetzt. Entwarnung in Bezug auf mögliche Überhitzungsgefahren kann aber noch keine gegeben werden.
Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses ging mit einem Rückgang des Dreimonats-Libor auf -0,75% einher. Dieser Entscheid hatte Auswirkungen auf die gesamte Zinskurve; die meisten Zinssätze, die bereits einen historischen Tiefststand erreicht hatten, näherten sich dem Null-Zins an oder fielen (zumindest zeitweise) unter null. Diese veränderten monetären Bedingungen stellen ein neues Umfeld dar, dessen Folgen vorerst schwierig abzuschätzen sind.

 

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