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Entwicklungsfonds des Bundes unterstützt KMU

In Afrika, Asien und Lateinamerika fehlt es Unternehmern oft an Risikokapital. Der Entwicklungsfonds des Bundes Sifem investiert deshalb gezielt in kleine und mittlere Unternehmen vor Ort – und schafft dadurch sichere Arbeitsplätze.

Der Schweizer Sifem-Fonds unterstützt nur regionale Fondsgesellschaften mit international anerkannten Standards. Eine Frau bei der Arbeit in einem Reisunternehmen in Kambodscha. (Bild: Obviam)

Mit den Fondsgeldern werden hauptsächlich Projekte in den Prioritätsländern der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit finanziert. Tomatenverkäufer in Guatemala. (Bild: Keystone)

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Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bilden nicht nur in der Schweiz das Rückgrat der Wirtschaft. Weltweit sind sogar über 90 Prozent aller Firmen KMU, welche die Hälfte aller Arbeitsplätze stellen. Somit sind sie der wichtigste Treiber für nachhaltiges Wachstum in Entwicklungs- und Transitionsländern. Der Entwicklungsfonds des Bundes, der Swiss Investment Fund for Emerging Markets (Sifem), unterstützt solche Unternehmen in Ländern des Südens und des Ostens bei ihrem Wachstum und hilft dadurch, Arbeitsplätze zu schaffen und die Armut zu reduzieren. Sifem besteht seit zehn Jahren und hat in dieser Zeit rund 645 Millionen Franken investiert, wodurch – zusammen mit anderen Partnern – 342’000 Arbeitsplätze erhalten oder geschaffen wurden. Das Vorgehen des Fonds ist effizient, denn die Investitionsrückflüsse werden für die Finanzierung neuer Projekte verwendet.

Weitverbreitete Arbeitslosigkeit und das Unvermögen, genügend neue Arbeitsplätze für die wachsende junge Bevölkerung zu generieren, gelten als eine der Ursachen des Arabischen Frühlings. Diese Problematik findet sich auch in vielen anderen Entwicklungs- und Transitionsländern. Vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie schnell wachsenden Unternehmen mangelt es an Wachstumskapital, um weiter zu expandieren. Gerade für KMU ist es oft eine Herausforderung, die für ihr Wachstum nötigen Finanzmittel zu beschaffen. Lokale Banken vergeben Kredite nur in beschränktem Masse und verlangen meist persönliche Garantien.

Hier setzt der Entwicklungsfonds des Bundes, der Swiss Investment Fund for Emerging Markets (Sifem), an. Verwaltet werden die Bundesgelder von der privaten Investmentberatungsfirma Obviam (siehe Kasten 2). Der Fonds besteht seit zehn Jahren und investiert entweder in lokale und regionale Risikokapitalfonds oder stellt lokalen Banken, Leasingfirmen, Mikrofinanzgesellschaften und sonstigen Finanzinstitutionen langfristiges Kapital zur Verfügung. Diese lokalen Fonds und Finanzinstitutionen stellen ihrerseits kommerziell existenzfähigen KMU in Entwicklungs- und Transitionsländern Wachstumskapital zur Verfügung und erlauben ihnen damit, sichere und formelle Arbeitsstellen zu schaffen.

Im vergangenen Jahr wurden rund 100 Millionen Dollar in 13 Fonds oder Finanzinstitutionen investiert. Typischerweise stellt der Sifem-Fonds zwischen 5 und 15 Millionen Franken pro Investition zur Verfügung. Die Fonds sind unter anderem in den Sektoren erneuerbare Energien, Bau- und Produktionsgewerbe, Land- und Forstwirtschaft, Bildung oder Gesundheit tätig. Der Sifem-Fonds investiert fast ausschliesslich in den Prioritätsländern der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit: in Lateinamerika, Afrika, Asien und Osteuropa.

Im Gegensatz zu Instrumenten der klassischen Entwicklungszusammenarbeit sollen die Investitionen angemessene Renditen generieren. Dieses haushälterische Geschäftsmodell erlaubt die mehrfache Verwendung von Bundesmitteln für Entwicklungszwecke, da die Investitionsrückflüsse für die Finanzierung neuer Projekte verwendet werden.

Auswahl der Partner nach strengen Kriterien

Die Fonds und Finanzinstitutionen, in welche investiert wird, werden sorgfältig ausgewählt. Die Gelder fliessen nur in Fondsgesellschaften, die sich verpflichten, international anerkannte Sozial-, Umwelt- und Gouvernanzstandards anzuwenden und die ihre Portfoliofirmen in die Pflicht nehmen, diese Standards umzusetzen.

Wichtig ist zudem, dass die Unternehmen Umweltschutzrichtlinien einhalten und die Ressourcen nachhaltig nutzen. Auch die Beachtung von sozialen Grundsätzen ist unabdingbar. So müssen alle Betriebe gesetzlich geregelte Arbeitszeiten einhalten, die Mitarbeitenden angemessen entlöhnen sowie gesundheitsverträgliche und unfallsichere Arbeitsbedingungen sicherstellen (für eine Fallstudie siehe Kasten 3).

Ausgeschlossen sind gemäss der Sifem-Ausschlussliste beispielsweise Investitionen in Firmen, die Waffen oder anderes Kriegsmaterial produzieren oder auf Zwangs- oder Kinderarbeit setzen. Der Fonds stellt Finanzierungen nur dann zur Verfügung, wenn diese am Markt nicht oder nicht zu angemessenen Bedingungen (bzw. nicht in genügender Höhe oder mit genügend langen Laufzeiten) erhältlich sind. In vielen Fällen mobilisiert der Sifem-Fonds mit seinen Investitionen zusätzliches Kapital von institutionellen und privaten Anlegern.

Beratung vor Ort

Der Sifem-Fonds stellt nicht nur Finanzierungen zur Verfügung, sondern berät und unterstützt die lokalen Fondsgesellschaften auch aktiv: Die Schweizer Manager stehen deshalb in ständigem Kontakt mit ihren Partnern und machen sich regelmässig ein genaues Bild mit Besuchen vor Ort. Dabei gestalten sie die Investitionsstrategie mit, durchleuchten den Investitionsprozess und machen auf Schwachstellen aufmerksam. Zudem geben die Schweizer Fondsmanager Empfehlungen bezüglich des Profils von neuen Teammitgliedern ab. Meist verfügt der Sifem-Fonds zudem über einen Sitz im Beirat der Gesellschaften und kann damit bei strategischen Fragen mitreden.

Eine unabhängige Wirkungsevaluation gab dem Sifem-Fonds im Jahr 2013 gute Noten.[1] Die befragten Fondsmanager in den Entwicklungsländern lobten die Arbeit ihrer Schweizer Kollegen; die Beratungen hätten zu einem Wachstum der Fondsgelder beigetragen.

Der Sifem-Fonds und die lokalen Fondsmanager unterstützen die Kleinunternehmen in ihrem Portfolio nicht nur mit Wachstumskapital, sondern beraten sie auch bei der Einführung neuer Technologien, bei Verbesserungen der Produktion, beim Marketing, Vertrieb und Kundendienst oder bei der Umsetzung von ökologischen, sozialen und Gouvernanzstandards. So erarbeitete eine Fondsgesellschaft in Kambodscha mithilfe von externen Experten ein Sicherheitsmanagementsystem inklusive Evakuationsplan im Brandfall für eine Schule.

Viele der unterstützten KMU nehmen ihrerseits ihre soziale Verantwortung ernst. So vergibt beispielsweise ein Pharmaunternehmen in Uganda mehrere Stipendien an Pharmastudenten, um die Ausbildung von spezialisierten Fachkräften zu fördern. Eine Kautschukfarm in der Côte d’Ivoire bietet Bauern wiederum Kurse an, wo sie lernen, wie Pflanzen auf nachhaltige Weise angebaut werden können.

Indirekte Investitionen bewähren sich

Wie die meisten Entwicklungsfinanzierungsgesellschaften wendet auch der Sifem-Fonds das indirekte Investitionsmodell an, indem man sich auf Fondsgesellschaften vor Ort abstützt, welche regional verankert sind und über gute Kenntnisse des wirtschaftlichen, des regulatorischen und des kulturellen Umfeldes verfügen. Dies erleichtert die Identifizierung von geeigneten Investitionsmöglichkeiten in KMU und die Betreuung der laufenden Investitionen. Eine direkte lokale Präsenz durch den Sifem-Fonds würde demgegenüber für den Bund bedeutende Mehrkosten verursachen. Zudem gelingt es so auch besser, das Portefeuille optimal zu diversifizieren.

Der Entwicklungsfonds möchte mit seinen Investitionen nicht nur eine akzeptable Rendite erwirtschaften, sondern gleichzeitig auch nachhaltige, langfristige Entwicklungseffekte generieren. Seit 2006 nutzt der Sifem-Fonds ein professionelles Projektrating[2] für die Beurteilung und Messung der Entwicklungseffekte: Gemessen werden unter anderem die Anzahl der geförderten und geschaffenen Stellen, die Höhe der Steuern, welche die Fondsgesellschaften und die Portfolio-Unternehmen an den Staat abgeben, das Angebot an Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, welches den Mitarbeitenden zur Verfügung steht, die Entwicklung der lokalen Portfolio-Unternehmen oder die Mobilisierung von zusätzlichen Geldern für die Fonds.

Vor einer Investition wird erhoben, welche Entwicklungseffekte erwartet werden können. Während der Investition wird anschliessend alle zwei Jahre die tatsächliche Wirkung gemessen und mit den vorgängig erstellten Zielsetzungen verglichen. Dadurch wissen die Verantwortlichen, was die Investitionen bewirken und ob die erwarteten Entwicklungseffekte eintreffen. Im Fokus steht immer die Frage, ob und wie sich die Investition auf die lokale Wirtschaft und die Lebensqualität der Bevölkerung ausgewirkt hat.

Die eingetretenen Entwicklungseffekte bestätigen: Der Entwicklungsfonds Sifem ist ein bewährtes und wirksames Instrument der Entwicklungsförderung. Aufgrund der angespannten Lage vieler Staatshaushalte wird dem Privatsektor in Zukunft eine entscheidende Rolle bei der nachhaltigen Entwicklung ihrer Länder zukommen.

  1. Dalberg Global Development Advisors (2013), The Development Effects of SIFEM’s Investment Interventions

     

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  2. Das Sifem-Rating basiert auf dem Geschäftspolitischen Projektrating (GPR), welches von der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft entwickelt wurde. []

Kommunikationsverantwortliche bei der Investmentberatungsfirma Obviam, Bern

Kasten 1: Zahlen zum Sifem-Fonds

342’000

Zahl der insgesamt durch Sifem und Partner erhaltenen und geschaffenen Stellen

645

Summe (in Mio. Franken) der Investitionen in über 60 Ländern

417

Zahl der Gesellschaften (Fonds, Finanzinstitutionen und deren Investitionen) im Portfolio per Ende 2014

Kasten 2: Privates Investmentunternehmen verwaltet Bundesgelder

Der Bund ist alleiniger Eigentümer des Entwicklungsfonds Swiss Investment Fund for Emerging Markets (Sifem). Die Aktionärsrechte der privatrechtlichen Gesellschaft nimmt der Bundesrat wahr; er legt die strategischen Ziele für eine Vierjahresperiode fest. Der siebenköpfige Verwaltungsrat ist für deren Umsetzung und die Berichterstattung an die parlamentarischen Aufsichtsgremien verantwortlich. Er trifft auch die Investitionsentscheide, die auf öffentlich einsehbaren Richtlinien und Vorgaben basieren.

Die Geschäftsführung und das Portfoliomanagement wurden mit Zustimmung des Bundesrats an die Berner Investmentberatungsfirma Obviam ausgelagert. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) steht im Auftrag des Bundes in engem Kontakt mit dem Sifem-Verwaltungsrat und Obviam. Es führt regelmässige Controllinggespräche und Portfolio-Review-Meetings durch. Mit Richtlinien zum Controlling und Risikomanagement sowie einer mehrstufigen Aufsicht wird gewährleistet, dass der Fonds seinem Auftrag vollständig nachkommt und die Bundesmittel zielgerichtet eingesetzt werden.

Kasten 3: Café-Kette in Laos wächst dank Risikofonds

Die «Joma Café and Bakery»-Kette in Laos beschäftigt marginalisierte Menschen. Flüchtlinge, alleinerziehende Mütter und Opfer häuslicher Gewalt erhalten so die Möglichkeit, ein anständiges Leben zu führen, und profitieren von Weiterbildungen.

Die Joma-Kette führt in Laos, Kambodscha und Vietnam inzwischen zehn Cafés und beschäftigt über 500 Mitarbeitende. Möglich wurde diese Expansion unter anderem dank dem Schweizer Entwicklungsfonds Sifem, welcher in den wachstumsorientierten Risikokapitalfonds «Cambodia-Laos Development Fund» investiert. Die Gelder ermöglichen es Joma, weiter zu wachsen.

Das südostasiatische Land Laos ist eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Der Staat kontrolliert die Wirtschaft in hohem Mass; die Infrastruktur ist ungenügend, und die Arbeiter sind weitgehend ungelernt. Die Landwirtschaft dominiert die Wirtschaft und beschäftigt rund drei Viertel der Bevölkerung. Das Wachstum und die Ausbreitung von KMU werden durch regulatorische Hindernisse sowie fehlendes Kapital und Managementerfahrung behindert.

Kommunikationsverantwortliche bei der Investmentberatungsfirma Obviam, Bern