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Dieser Artikel ist Teil des Schwerpunkts «Nachhaltige Finanzdienstleistungen als Chance für die Schweiz»

Nachhaltige Finanzierungen als Kernaufgabe von Banken

Die Bewältigung der sozialen und ökologischen Herausforderungen setzt umfangreiche Finanzmittel voraus, welche die Möglichkeiten von Staaten übersteigen. Die Banken als bedeutendste Verwalter der globalen Vermögen sind gefordert, Verantwortung zu übernehmen. Sie tun dies durch die Allokation vorhandener Mittel und durch die Mobilisierung zusätzlicher Ressourcen.

Die Dienstleistungen des Finanzsektors sind unverzichtbar für das Funktionieren des globalen Wirtschaftssystems. Dass heute die Unternehmensverantwortung auch die Nachhaltigkeitsdimension umfasst, ist mittlerweile auch in der Finanzbranche breit akzeptiert.

Banken fokussieren einerseits darauf, die Allokation vorhandener Mittel verstärkt auf die Bedürfnisse einer nachhaltigen Wirtschaft auszurichten und andererseits neue Mittel für zukunftsträchtige Projekte zu mobilisieren. So werden heute jährlich rund 320 Milliarden Dollar aufgewendet, um den Klimawandel zu mildern – wobei gut zwei Drittel davon von privaten Investoren stammen.

Das reicht jedoch nicht: Schätzungen zufolge wären zur Erreichung der Klimaziele rund 500 Milliarden Dollar nötig, was die Finanzmittel von Staaten deutlich übersteigt. Mit guten Rahmenbedingungen müssen diese nun Anreize bieten, dass die privaten Investitionen erhöht werden.

Der heutige Dialog der Finanzbranche mit der Öffentlichkeit geht auf die «Guiding Principles on Business and Human Rights» der UNO aus dem Jahr 2011 zurück. In der Folge wurden national wie international zahlreiche Initiativen für ein nachhaltiges Finanzsystem ins Leben gerufen. Diesbezüglich unterstützen Schweizer Finanzinstitute multilaterale Arbeiten wie diejenigen des Umweltprogramms der UNO[1] oder schliessen sich auf rein privatwirtschaftlicher Basis in Gremien wie der Thun Group of Banks zusammen, um den Worten Taten folgen zu lassen.

Angesichts der über 50 freiwilligen Initiativen und Regulierungsbestrebungen zu Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung stehen Schweizer Banken bei der Umsetzung der Kriterien zur Umwelt, zu Sozialem und zur Gouvernanz vor einer Herkulesarbeit. Zudem zeigt sich exemplarisch anhand der Energiedebatte: Volatile Rahmenbedingungen führen zu unsicheren Cashflows und damit zu Finanzierungrisiken. Gerade die Verschärfung der Bankenregulierung bestraft aber diejenigen, die Risiken eingehen, und erhöht somit die Finanzierungskosten von innovativen Projekten. Zu Problemen führen auch die langwierigen Bewilligungsprozesse, da potenzielle Investoren ihr Kapital nicht beliebig lang vorhalten können.

Guter Nährboden in der Schweiz

Dennoch ist die Schweiz in der Nachhaltigkeitsdebatte gut positioniert. Die Symbiose aus globalem Finanzplatz, ökologischem Effizienzdenken und ungebrochenem Innovationsgeist bildet einen optimalen Nährboden zur Bildung eines nachhaltigen Finanzsystems. Staat und Privatsektor ergänzen sich gut, und die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz ist Grundlage für zukunftsfähige Marktlösungen.

Der Staat muss aber stabile Rahmenbedingungen sicherstellen. Nur in einem vorhersehbaren Umfeld werden Kapitalgeber bereit sein, zu günstigen Konditionen Investitionen für den langfristigen Anlagehorizont zu tätigen. Anreizkompatible Rahmenbedingungen tragen seit je mehr zur Zielerreichung bei als übermässige Steuern oder das Instaurieren einer staatlichen Verbotskultur.

In Bezug auf die nachhaltige privatwirtschaftliche Finanzierung besteht Grund zu Optimismus. Die Banken sind sich bewusst, dass es sich für sie auszahlt, aktiv Umwelt- und soziale Risiken zu minimieren und ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen. So können sie die entsprechenden Kundenbedürfnisse bedienen und ein grosses Ertragspotenzial ausschöpfen. Gleichzeitig unterstreichen sie dadurch ihre Anstrengungen im Bereich der Integrität und stärken ihre Reputation.

Einzelne Institute haben sich im Markt durch nachhaltige Dienstleistungen einen Wettbewerbsvorteil erarbeitet. Schliesslich bedeutet aktives Handeln auch einem Gesetzeskorsett vorbeugen, das den unternehmerischen Gestaltungsraum mit erheblichem volkswirtschaftlichem Schaden einschränken würde.

  1. United Nations Environment Programme (Unep), Inquiry into the Design of a Sustainable Financial System. []

Dr. rer. pol., Leiter Wirtschaftspolitik, Schweizerische Bankiervereinigung, Basel

Dr. rer. pol., Leiter Wirtschaftspolitik, Schweizerische Bankiervereinigung, Basel