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Konjunkturtendenzen Sommer 2016

Verschiedene Konjunkturindikatoren deuten für dieses und nächstes Jahr auf eine verhalten positive Entwicklung der Weltwirtschaft hin. Die Gefahr einer anhaltend negativen Preisentwicklung hat sich in den letzten Monaten in verschiedenen Ländern leicht reduziert. Die Schweizer Wirtschaft dürfte in dieser positiven, aber noch fragilen Umgebung 2016 im Jahresdurchschnitt um 1,4% wachsen; für 2017 wird ein reales Wachstum von 1,8% erwartet.

(Bild: Keystone)

Weltkonjunktur

Das durchwachsene internationale Konjunkturbild schlägt sich in den Wachstumszahlen für das 1. Quartal 2016 nieder. Während das BIP im Euroraum gegenüber dem Vorquartal um 0,6% gewachsen ist und somit eine leichte Beschleunigung der Erholung bestätigte, hat sich die Wachstumsdynamik in den USA zum dritten Mal in Folge abgeschwächt und ist in Japan in den negativen Bereich gerutscht. Die trotz des jüngsten Anstiegs der Erdölpreise nach wie vor tiefen Rohstoffpreise begünstigen zwar einerseits die Konjunktur in vielen rohstoffimportierenden Volkswirtschaften, drücken anderseits aber auf die wirtschaftliche Entwicklung wichtiger rohstoffexportierender Schwellenländer, was dann wiederum das Wirtschaftswachstum in den Industrienationen hemmt.
Verschiedene Konjunkturindikatoren deuten für dieses und nächstes Jahr auf eine verhalten positive Entwicklung der Weltwirtschaft hin. Die Gefahr einer anhaltend negativen Preisentwicklung hat sich in den letzten Monaten in verschiedenen Ländern leicht reduziert.

Schweizer Wirtschaft

Die Schweizer Konjunktur steht seit einigen Monaten unter verschiedenen teils entgegengesetzten Einflüssen. Auf der einen Seite zeichnet sich in verschiedenen europäischen Ländern eine Erholung des Wachstums ab, was positive Auswirkungen auf den Schweizer Aussenhandel hat. Auf der anderen Seite verhindert die vor allem aufgrund des geringeren Wachstums in den Schwellenländern abgeschwächte Dynamik des Welthandels, dass die Schweizer Handelsbilanz stärkere Wachstumsimpulse liefert.

Positiv ist gleichwohl zu vermerken, dass die aktuellen Stimmungsindikatoren wie der Einkaufsmanagerindex (PMI) und das KOF-Konjunkturbarometer ihre Erholungstendenz in den ersten fünf Monaten dieses Jahres weiter festigen konnten. Diese Aufhellung deutet darauf hin, dass die Schweizer Wirtschaft die Bremseffekte des starken Frankens mittlerweile einigermassen verdaut hat und die weiteren Wachstumsaussichten moderat zuversichtlich einzustufen sind.

Vor dem Hintergrund eines noch wenig dynamischen weltweiten Wachstums hält die Expertengruppe des Bundes an ihrer bisherigen Wachstumsprognose für das Schweizer BIP fest und erwartet sowohl für 2016 als auch für 2017 eine moderate Verbesserung der Wirtschaftslage. Die Expertengruppe rechnet mit einem realen BIP-Wachstum von 1,4% für 2016 und 1,8% für 2017 (gleiche Prognosen wie im März 2016). In den kommenden Monaten dürfte die Arbeitslosigkeit weiterhin leicht ansteigen, ehe die konjunkturelle Erholung im nächsten Jahr allmählich auch auf den Arbeitsmarkt übergreift. Die Expertengruppe erwartet für 2016 eine durchschnittliche Jahresarbeitslosenquote von 3,6% und für 2017 eine leichte Abnahme auf 3,5% im Jahresmittel.

Angesichts der etwas höheren Erdölpreise sowie der abklingenden Effekte der letztjährigen Frankenaufwertung auf die Importpreise ist davon auszugehen, dass die Phase negativer Teuerungsraten in den kommenden Monaten zu Ende gehen wird. Im Jahresdurchschnitt 2016 dürfte die Konsumteuerung nochmals im negativen Bereich bei -0,4% liegen und sich 2017 knapp in den positiven Bereich bewegen (+0,3%).

Risiken

Das Resultat der Abstimmung vom 23. Juni 2016 zur Zukunft des Vereinigten Königreichs in der EU (Brexit) ist ein erheblicher Risikofaktor. Ein Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU mit noch unklaren Modalitäten hätte Auswirkungen sowohl auf verschiedene Wechselkurse und andere Finanzmarktvariablen, als auch auf die Unternehmensinvestitionen und möglicherweise auf den Welthandel.
Neben den Risiken im Zusammenhang mit dem Brexit ist auf den Finanzmärkten auch eine latente Nervosität in Bezug auf die finanzielle Situation vieler chinesischer Unternehmen spürbar, da diese nicht klar offengelegt wird. Die insbesondere in den USA erwartete währungspolitische Kursänderung trägt ebenfalls zur Verunsicherung bei. Risiken bestehen zudem hinsichtlich massiver Kapitalbewegungen und deren Auswirkungen auf die Wechselkurse, vor allem zwischen Asien und den USA.

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