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Glaubwürdig handeln – dank Leadership

Verantwortungsvolle Unternehmensführung hängt stark vom persönlichen Engagement des Managements und des Verwaltungsrats ab. Aber auch Mitarbeitende, Kunden und Investoren sind in der Pflicht. Unterstützung bietet das UNO-Netzwerk Global Compact Schweiz.

Glaubwürdig handeln – dank Leadership

Hat den niederländisch-britischen Konsumgüterkonzern auf mehr Nachhaltigkeit getrimmt: Unilever-Chef Paul Polman. (Bild: Keystone)

Nach der Abstimmungsniederlage zur Unternehmenssteuerreform III vom Februar hat der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse selbstkritisch auf seiner Webseite geschrieben: «Die Wirtschaft muss Vorbilder haben, die hinstehen und glaubwürdig kommunizieren.»[1] Nur: Glaubwürdige Kommunikation setzt glaubwürdiges wirtschaftliches Handeln voraus. Und glaubwürdig ist die Wirtschaft, wenn sie nicht nur aus Eigeninteresse handelt, sondern im Dienste der Menschen und des Gemeinwohls. Dabei nutzt sie die ökologischen und ökonomischen Ressourcen langfristig und schafft nachhaltig sozialen und wirtschaftlichen Mehrwert. Die Frage lautet deshalb: Handelt die Wirtschaft glaubwürdig?

Unternehmen, welche ökonomische, soziale und ökologische Verantwortung  – Corporate Social Responsibility (CSR) – wahrnehmen, sorgen dafür, dass ihre Wertschöpfungsketten entsprechend nachhaltig sind. Verantwortung tragen Firmeninhaber, Investoren, Verwaltungsräte, Geschäftsleitungen und Fachleute aller Stufen. Zusätzlich zu den gängigen Führungsaufgaben müssen sie sich auch für die Nachhaltigkeitsfragen zuständig fühlen. Dazu braucht es wache, weitsichtige, sensible und selbstkritische Geister. Business as usual ist angesichts der Herausforderungen keine Option mehr.

CSR-Leaderhip als Kernaufgabe


Die Kurzfristigkeit im Geschäft setzt falsche Anreize, wie Studien bestätigen.[2] Demgegenüber sind nachhaltig wirtschaftende Firmen langfristig erfolgreich, indem sie motivierte und integre Mitarbeitende anziehen. Dadurch sind sie innovativer und für Investoren interessanter. Gleichzeitig steigt die Reputation bei Kunden, Zulieferern und in der Öffentlichkeit.

Es liegt somit im Firmeninteresse, CSR-Ansätze wie die 10 Prinzipien des United Nations Global Compact (siehe Kasten), die OECD-Leitlinien[3] und weitere Nachhaltigkeitsstandards in Strategie und Wertschöpfungskette zu implementieren.

Wichtig ist dabei die Eigenverantwortung der Entscheidungsträger. Am schnellsten werden umfassende CSR-Strategien umgesetzt, wenn die Firmeninhaber, der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung davon überzeugt sind. Es gibt herausragende Persönlichkeiten wie Unilever-Chef Paul Polman und Danone-Chef Emmanuel Faber, die mit ihrem persönlichen Charisma innert kurzer Zeit ganze Unternehmen auf umfassende Nachhaltigkeit getrimmt haben. Auch in Schweizer Grossunternehmen, KMU und Start-ups hat sich in den letzten zwanzig Jahren viel bewegt. Angesichts der globalen ökologischen und sozialen Herausforderungen ist jedoch ein Engagement aller Firmen nötig – weltweit.

Einflussreiche Aktionäre und Verwaltungsräte


Ideen wirken langfristig, wenn sie in der ganzen Unternehmung gehört, verinnerlicht und umgesetzt werden. Ernsthafte Bemühungen für umfassende Corporate Responsibility führen zu einem Kulturwandel, der aber nicht nur Zeit, sondern auch Investitionen in Schulung, Coaching und Kulturentwicklung erfordert. Da sich zugleich Anforderungen, Zulieferketten und Absatzmärkte permanent verändern, muss CSR konsequent in die Unternehmensstrategie und in Prozesse eingeführt und ständig weiterentwickelt werden.

Damit dies gelingt, braucht es die Mithilfe von Investoren und Aktionären. Wenn Investitionen und Kredite an Nachhaltigkeitskriterien gebunden sind, verändern sich ganze Branchen. Ein Schritt in diese Richtung ist etwa ein an die G-20-Staaten gerichteter Brief von über 200 Grossinvestoren, indem diese ultimativ die Umsetzung der Klimaziele fordern.[4]

Entscheidend – aber in der Praxis noch viel zu wenig einbezogen – sind die Mitglieder der Verwaltungsräte. Aus zeitlichen Gründen beschäftigten sie sich wenig systematisch mit Nachhaltigkeitsthemen. Angesichts der Risiken sollte sich aber jeder Verwaltungsrat mindestens einmal pro Jahr, zum Beispiel im Rahmen einer CSR-Berichterstattung, intensiv mit den damit verbundenen Chancen und Risiken beschäftigen. Aus diesem Grund empfiehlt das Global Compact Netzwerk Schweiz den Verwaltungsräten, den jährlichen CSR-Report jeweils genau zu prüfen. Wir bieten zudem CSR-Weiterbildungsmodule für Verwaltungsräte an.

In der Regel sind Geschäftsleitung und Führungsverantwortliche auf allen Stufen die eigentlichen Treiber der CSR-Themen. Idealerweise übernimmt die Geschäftsleitung dafür die Verantwortung. Aus meiner Erfahrung braucht es entweder Überzeugung und Charisma in der Führung, oder aber einen handfesten Skandal, der zum Umdenken zwingt. Wenn die Kaderleute überzeugt führen und kommunizieren, wandelt sich die Firmenkultur rasch.

Oft kommen entscheidende Impulse auch von Fachmitarbeitenden und aus der mittleren Managementstufe. Allerdings ist in diesem Fall das Risiko grösser, dass die CSR-Praktiken wieder aufgeweicht werden, sobald ökonomische Schwierigkeiten auftreten.

Innovation gefragt


Bei der Corporate Social Responsibility geht es in erster Linie darum, die Menschenrechte zu respektieren, die internationalen Arbeitsnormen einzuhalten, die natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen und die Korruption auszumerzen. Diese vier Aspekte bilden denn auch das Fundament der Global-Compact-Prinzipien. Ergänzend kommen die siebzehn Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der UNO hinzu.[5] Erstmals in der Geschichte hat sich die Weltgemeinschaft im Herbst 2015 auf solch umfassende Nachhaltigkeitsziele geeinigt, die eine menschenwürdige Zukunft unter Wahrung der ökologischen Stabilität für alle Menschen ermöglichen soll.

Die ambitiöse Agenda kann jedoch nur umgesetzt werden, wenn auch die wirtschaftlichen Akteure Verantwortung übernehmen. Um die Ziele zu erreichen, sind nun aus der Privatwirtschaft Innovation, Unternehmergeist und neue Ansätze gefragt. Für Schweizer Start-ups, KMU und Grossunternehmen ist das Marktpotenzial gross, um neue Dienstleistungen, Produkte und alternative Formen der Wertschöpfung zu entwickeln.[6]

  1. Economiesuisse (2017). []
  2. Vgl. Global Impact Investing Network (2016) sowie weitere Publikationen auf der Webseite Sustainablefinance.ch []
  3. Vgl. Seco und Global Compact Network Schweiz (2017). []
  4. PRI (2017). []
  5. Vgl. Unglobalcompact.org/sdgs, Sdgcompass.org und Eda.admin.ch/post2015 []
  6. Vgl. Unglobalcompact.org/sdgs und Globalopportunityexplorer.org []

Bibliographie

Zitiervorschlag: Antonio Hautle (2017). Glaubwürdig handeln – dank Leadership. Die Volkswirtschaft, 22. Juni.

Das Global Compact Netzwerk

Der «United Nations Global Compact» ist eine Initiative für nachhaltiges Wirtschaften, welche von der UNO-Vollversammlung im Jahr 2000 aufgegleist wurde. Das Netzwerk hat seinen Sitz in New York und umfasst rund 10’000 Mitgliedsfirmen in mehr als 90 lokalen Netzwerken. Ziel ist es, Unternehmen zu Corporate Social Responsibility (CSR) und nachhaltigem Wirtschaften zu verpflichten. Dazu dienen die zehn Global-Compact-Prinzipien und die Sustainable Development Goals (SDGs) der UNO.

Das Schweizer Netzwerk (Global Compact Netzwerk Schweiz) existiert seit 2006. Es zählt rund 80 aktive Mitglieder: KMU, Grossunternehmen wie Nestlé, UBS und Novartis sowie diverse private Organisationen und NGOs. Das Netzwerk mit Sitz in Zürich pflegt mit dem Bund eine Partnerschaft zur Förderung einer verantwortlichen und nachhaltigen Wirtschaft. Es begleitet einerseits die Unternehmen in ihren Nachhaltigkeitsbemühungen und vermittelt die dafür erforderlichen Arbeitsinstrumente. Andererseits vernetzt es die Mitglieder lokal und international, organisiert Arbeitsgruppen, Weiterbildungen und Konferenzen mit Teilnehmenden aus Wirtschaft, Verwaltung, Gesellschaft und Wissenschaft.