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Der Zugang der KMU zu Bankkrediten ist gewährleistet

Eine Mehrheit der KMU in der Schweiz erachtet den Zugang zu Bankkrediten als gut. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage. Allerdings gibt es viele Kleinstunternehmen, die den Weg zur Bank scheuen.

In der Schweiz greift jedes dritte KMU auf Bankkredite zurück – im Vergleich mit den Nachbarländern ist dies ein tiefer Wert. (Bild: Colourbox)

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Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) untersuchte im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) die Situation der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der Schweiz bezüglich Zugang zu Bankkrediten und der Entwicklung ihrer Finanzierungsbedürfnisse. Die repräsentative Umfrage zeigt, dass nur wenige Kreditanträge abgelehnt werden. Es gibt jedoch überraschend viele Mikrounternehmen, welche trotz eines Finanzierungsbedarfs auf einen Kreditantrag verzichten. Häufige Gründe dafür sind eine erwartete Ablehnung des Antrags, administrative Hürden und ein Mangel an verfügbaren Sicherheiten.

In der Schweiz sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wichtige Arbeitgeber: Rund 70 Prozent der insgesamt 4,5 Millionen Beschäftigten von marktwirtschaftlichen Unternehmen arbeiten in Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten.[1] Über ein Viertel aller Angestellten sind dabei in einem Mikrounternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitenden tätig.

Angesichts der volkswirtschaftlichen Bedeutung der KMU ist deren finanzielle Situation von Interesse. Wie eine Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) zur finanziellen Situation von KMU zeigt, sind Bankkredite weiterhin die zentrale Finanzierungsform.[2]

Valable Alternativen zu Bankkrediten sind für KMU nur in einem beschränkten Mass verfügbar. Beispielsweise haben lediglich eine Handvoll Firmen angegeben, auf Crowdfunding, Factoring (Übertragung von Geldforderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen) oder Private Equity zurückgegriffen zu haben. Dasselbe gilt auch für Anleihen, da nur die wenigsten KMU die kritische Grösse für die Emission von Anleihen aufweisen. Demgegenüber scheinen grössere Firmen nach Ausbruch der Finanzkrise von dieser Finanzierungsquelle rege Gebrauch gemacht zu haben. Seit 2009 belief sich die Nettobeanspruchung von inländischen Emittenten (nicht nur KMU) im Franken-Anleihenmarkt kumuliert auf mehr als 33 Milliarden Franken.[3] Zum Vergleich: Der Markt für Bankkredite an KMU in der Schweiz hatte per Ende 2016 insgesamt ein Volumen von 295 Milliarden Franken.

Bankkredite in Nachbarländern verbreiteter

Beinahe zwei Drittel der befragten KMU sind ausschliesslich über Eigenkapital finanziert. Die wichtigsten Finanzierungsformen für KMU mit Fremdkapital sind Hypotheken und Kontokorrentkredite. Des Weiteren haben auch private Darlehen von Familien, Freunden, Aktionären oder Partnerunternehmen eine gewisse Bedeutung.

Im umliegenden Ausland sind Bankfinanzierungen unter KMU deutlich verbreiteter, wie ein Vergleich mit einer Umfrage der Europäischen Zentralbank zeigt.[4] Während in der Schweiz lediglich 32 Prozent der KMU davon Gebrauch machen, sind es in Deutschland 45 Prozent, in Österreich 48 Prozent und in Italien 52 Prozent. Auffallend ist, dass Mikrounternehmen im Durchschnitt deutlich weniger häufig über eine Bankfinanzierung verfügen als KMU mit 10 oder mehr Mitarbeitern.

In der Schweiz hatten nur rund 28 Prozent aller Mikrounternehmen einen Bankkredit – dies sind rund 14 Prozentpunkte weniger als bei den übrigen KMU. In der Eurozone liegt der Wert für Mikrounternehmen mit 40 Prozent zwar höher. Es zeigt sich jedoch auch dort ein deutlicher Unterschied gegenüber KMU mit mehr als 10 Beschäftigten, von denen mehr als die Hälfte einen Bankkredit hat.

Jungunternehmen mit Finanzierungsschwierigkeiten

Doch nicht nur bei der Grösse, sondern auch beim Firmenalter gibt es deutliche Zusammenhänge mit der Finanzierungsstruktur (siehe Abbildung). Tendenziell steigt die Häufigkeit von Bankfinanzierungen mit zunehmendem Firmenalter. Ein Grund dafür ist, dass KMU mit der Zeit wachsen. Zudem kann, unabhängig von der Unternehmensgrösse, ein potenzieller Kreditgeber die finanzielle Situation von älteren Unternehmen besser einschätzen – entsprechend gaben KMU mit einem Gründungsjahr vor dem Jahr 2000 in der Befragung doppelt so häufig an, über einen Bankkredit zu verfügen, wie jene, welche danach gegründet wurden.

Am deutlichsten ist der Trend bei den Mikrounternehmen, während er bei den kleinen und mittleren Unternehmen nicht eindeutig ist.[5] Dies lässt vermuten, dass insbesondere bei KMU mit weniger als 10 Mitarbeitern der Altersfaktor für Finanzierungsschwierigkeiten verantwortlich ist.

Anteil KMU mit Bankfinanzierung nach Grösse und Gründungsjahr

Quelle: Dietrich, Wernli, Duss (2017) / Die Volkswirtschaft

Um die aktuelle Lage des Kreditmarktes besser beurteilen zu können, wurden die KMU nach ihren Finanzierungsbedürfnissen in den vergangenen zwölf Monaten befragt. Jedes fünfte KMU wies dabei einen Finanzierungsbedarf in Form von Verlängerungen bestehender Kreditlinien oder in Form von Neubeantragungen auf. Wer in diesem Zeitraum einen Kreditantrag stellte, erhielt in der Regel einen positiven Bescheid von der Bank. Abgelehnt wurden lediglich 6 Prozent aller Anträge – was knapp 1 Prozent aller KMU entspricht. Diese Werte sind im internationalen Vergleich tief und decken sich entsprechend nicht mit Vermutungen, dass Banken äusserst restriktiv in ihrer Kreditvergabepolitik sind.

Wenn man die Herausforderungen der KMU in einem grösseren Kontext betrachtet, wird ersichtlich, dass der «Zugang zu externen Finanzmittel» für die meisten Unternehmen in der Schweiz derzeit keine zentrale Bedeutung hat. Mit einem Durchschnittswert von 2,85 von maximal 10 Punkten ist die externe Finanzierung die unbedeutendste Herausforderung aus Sicht der Unternehmen (siehe Tabelle). Lediglich 7 Prozent der Befragten bezeichnen dies als eine grosse Herausforderung (Werte 8–10). Viel wichtiger sind die Aspekte «Wettbewerb» und «Kundschaft generieren».

Die wichtigsten Herausforderungen von KMU

Rang Herausforderung Durchschnittswert (1–10 Punkte)
1. Wettbewerb             4,69
2. Kundschaft generieren             4,57
3. Kosten/Löhne             4,04
4. Qualifiziertes Personal             3,87
5. Regulierung             3,51
6. Zugang zu externen Finanzmitteln             2,85
7. Andere             2,69
Gesamtdurchschnitt             3,75

Quelle: Dietrich, Wernli, Duss (2017).

«Entmutigte» Kleinstfirmen

Eine genauere Betrachtung zeigt allerdings, dass überraschend viele KMU gar nicht erst einen Kreditantrag stellten, obwohl sie in den vergangenen zwölf Monaten einen Finanzierungsbedarf aufwiesen. Diese «entmutigten» KMU entsprechen 6 Prozent aller KMU beziehungsweise 29 Prozent der KMU mit Finanzierungsbedarf. Auch hier gibt es deutliche Unterschiede in Bezug auf die Unternehmensgrösse: Während von den mittelgrossen Unternehmen dieser Kategorie lediglich 5 Prozent als entmutigt eingestuft werden, gehört jedes dritte Mikrounternehmen in diese Kategorie.

Viele KMU scheuen den Gang zur Bank, da sie mit zu hohen Kreditkosten rechnen. Weitere Gründe sind der «mühsame» Kreditprozess sowie eine erwartete Ablehnung des Kreditantrags. Klar am häufigsten scheint jedoch der Kreditantrag an einem Mangel an verfügbaren Sicherheiten zu scheitern. Hier könnte möglicherweise eine bessere Bekanntheit des vom Bund aktiv unterstützten Bürgschaftswesens teilweise Abhilfe leisten. Derzeit ist diese Option nur wenigen KMU bekannt: Über alle Branchen haben lediglich 14 Prozent davon gehört. Am grössten ist der Bekanntheitsgrad mit 21 Prozent in der Industrie.

Es lässt sich zudem vermuten: Viele der entmutigten KMU hätten vermutlich einen Bankkredit erhalten, wenn sie einen solchen beantragt hätten. Eine Studie dazu über KMU aus den USA schätzte diesen Anteil auf zwischen 21 und 55 Prozent. Da die Gruppe der Entmutigten in der Schweiz bis anhin nur am Rande untersucht wurde, sollte in künftigen Untersuchungen ein grösseres Augenmerk auf sie gelegt werden.

  1. Als KMU werden Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern gezählt; BFS (2017). Die Studie konzentrierte sich auf jene KMU mit mehr als 2 Beschäftigten (in Vollzeitäquivalenten). []
  2. Dietrich, Wernli, Duss (2017). []
  3. Versorgungsunternehmen, übrige Emittenten, Industrie und übrige Dienstleistungen; SNB (2017). []
  4. EZB (2016). []
  5. Bei den mittleren Unternehmen sind die Aussagen nur beschränkt aussagekräftig, da die Standardabweichung der Schätzung aufgrund des kleineren Stichprobenumfangs höher liegt. []

Professor für Banking und Finance, Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ), Hochschule Luzern

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ), Hochschule Luzern

Literatur

Professor für Banking und Finance, Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ), Hochschule Luzern

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ), Hochschule Luzern