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Breitbandinternet: Verpassen die ländlichen Regionen den Anschluss?

Firmen in peripheren Gebieten der Schweiz verfügen oft über einen unzureichenden Internetanschluss. In einzelnen Tälern haben regionale Akteure aber den Ausbau des Glasfasernetzes vorangetrieben.

Eine Seltenheit in den Randgebieten der Schweiz: Die Bündner Gemeinde Arosa surft ultraschnell. (Bild: Keystone)

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Ein Breitband-Internetanschluss ist für Betriebe in der Schweiz wichtig. In einer vom Staatssekretariat für Wirtschaft initiierten Studie wurde die Internet-Erschliessung in der Schweiz und insbesondere in den Zielgebieten der Neuen Regionalpolitik (NRP) untersucht. Unternehmen in grossstädtischen Gebieten sind häufiger mit leistungsstarken Technologien (Glasfaser) ausgestattet als jene in den NRP-Zielgebieten – allerdings gibt es auch periphere Gebiete mit hoher Erschliessungsqualität. Die Hälfte der NRP-Zielgebiete weist aber mittlere Download-Raten von unter 100 Mbit/s aus, was für verschiedene digitale Anwendungen nicht ausreicht.

Für Unternehmen in der Schweiz ist die Digitalisierung zu einem Faktor im internationalen Wettbewerb geworden. Damit sie die neuen Geschäftsmöglichkeiten nutzen können, wird nebst technologischen Kompetenzen vor allem auch eine leistungsfähige Infrastruktur benötigt. Dabei spielt ein leistungsfähiger Internetanschluss eine wichtige Rolle.

Eine unzureichende Breitbanderschliessung hat potenzielle Produktivitätsverluste zur Folge und kann die Kundenakquise erschweren.[1] Die Nachfrage nach Breitbandanbindung wird von verschiedenen Faktoren wie der Anzahl Mitarbeitenden, den digitalen Applikationen oder der standortübergreifenden Vernetzung beeinflusst. Allerdings variieren die Bedürfnisse sogar innerhalb einer Branche stark, und aus dem Grad der Digitalisierung kann nicht direkt auf die erforderliche Leistungsfähigkeit des Breitbandanschlusses geschlossen werden, denn es gibt zahlreiche (auch hochwertige) digitale Anwendungen, die nicht zu grossen zu übertragenden Datenmengen führen.

Besonders datenintensiv sind bewegte Bilder. Dies zeigt sich etwa in der Hotellerie: Dort hängt die Wahl des Internetanschlusses in erster Linie vom Bedarf der Gäste ab – beispielsweise für das Streaming von Filmen oder die TV-Nutzung – und nicht davon, ob das Hotel moderne Buchungsplattformen verwendet. Auch der Digitalisierungsgrad der Haustechnik ist zweitrangig. Surfen die Gäste eines mittelgrossen Hotels gleichzeitig auf dem Netz, dann werden rasch Download-Kapazitäten von mehreren Hundert Megabits pro Sekunde (Mbit/s) benötigt.

Unterschiedliches Tempo

Um allfällige Erschliessungslücken in der Schweiz zu erkennen, haben wir im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) untersucht, wie gut die Zielgebiete der Neuen Regionalpolitik (NRP) mit Breitband erschlossen sind.[2] Folgende Bezeichnungen klassifizieren die Breitbandinfrastruktur: Breitband (1 Mbit/s bis 30 Mbit/s), Hochbreitband (30 Mbit/s bis 100 Mbit/s) und Ultrahochbreitband (über 100 Mbit/s). Zur Einordnung: Für das Streaming eines Films in Ultra-HD sind mindestens 15 Mbit/s nötig. Für die Einrichtung eines Videokonferenzsystems im Unternehmen können ebenso schnell über 20 Mbit/s anfallen. Im Vergleich hierzu benötigt das Versenden einer E-Mail mindestens 1 Mbit/s mit Anhängen.

Aufgrund der heterogenen Bedürfnisse der einzelnen Unternehmen haben wir verschiedene Nachfrageszenarien erstellt. Diese reichen von einer geforderten Übertragungsleistung von 10 Mbit/s bis hin zu 1000 Mbit/s. Das Angebot an Breitbandinfrastruktur wurde anhand der physischen Internetanschlüsse eines Betriebs analysiert – Mobilfunktechnologien wie 5G wurden nicht berücksichtigt.

Entscheidend für die Internetkapazität ist, ob das Glasfasernetz bis in die Büros reicht oder ob die letzte Meile mit Kupferleitungen erschlossen ist. Während durchgängige Glasfaseranschlüsse symmetrische Download- und Upload-Datenraten von 1000 Mbit/s ermöglichen, variiert die Bandbreite bei Mischformen von Glasfaser und Kupfer stark. So reduziert neben der Limitation der Kupferleitung beispielsweise auch eine längere Distanz zum Anschlusspunkt der Glasfaser die Kapazität.

Glasfaser bietet Stabilität

Auffallend sind die Unterschiede zwischen Download- und Upload-Geschwindigkeit. So sind bei der kupferbasierten ADSL-Technologie Downloads von 7,9 Megabits pro Sekunde möglich – die Upload-Geschwindigkeit ist jedoch auf 0,6 Mbit/s beschränkt. Wenn das Gebäude ans Glasfasernetz angeschlossen ist – die Büros aber weiterhin mit Kupferleitungen verbunden sind (Fibre to the Building) –, betragen die Download- und die Upload-Geschwindigkeit 285 Mbit/s und 66,9 Mbit/s. Nur Betriebe mit einer Glasfasererschliessung bis in die Betriebsräumlichkeiten (Fibre to the Home) verfügen über symmetrische Download- und Upload-Kapazitäten von je bis zu 1000 Mbit/s, was für verschiedene digitale Anwendungen wie etwa Cloud-Applikationen wichtig ist.

Im Jahr 2018 waren noch 2 Prozent der Betriebe mit ADSL erschlossen. Nach wie vor weitverbreitet ist der Kupferanschluss im primären Wirtschaftssektor: 17 Prozent der Forst- und Landwirtschaftsbetriebe gehen über ADSL ins Internet. Demgegenüber verfügt im tertiären Sektor lediglich 1 Prozent der Firmen noch über einen solchen Anschluss.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Glasfasertechnologie: Nur 4 Prozent der Betriebe des primären Sektors sind ans Glasfasernetz angeschlossen – gegenüber 36 Prozent im tertiären Sektor. Diese markanten Unterschiede sind vor allem darauf zurückzuführen, dass sich viele Landwirtschaftsbetriebe in einer ländlichen Region befinden, die nicht mit Breitbandinternet erschlossen ist.

Stadt-Land-Graben

Den prozentualen Anteil der Betriebe in einer Region, deren Breitbandanbindung nicht genügt, um ein bestimmtes Nachfrageniveau nach Down- und Upload-Kapazitäten zu befriedigen, bezeichnet man als Erschliessungslücke. Beim Nachfrageszenario mit einer Download-Kapazität von 80 Mbit/s beträgt diese beispielsweise 36 Prozent (siehe Abbildung 1). Dabei zeigt sich ein Stadt-Land-Graben: Während in peripheren Gemeinden über die Hälfte der Unternehmen ungenügend erschlossen ist, ist dies in grossstädtischen Gemeinden nur bei rund einem Viertel der Fall. Die grösste Erschliessungslücke findet sich mit 63 Prozent im Nachfrageszenario mit einer Upload-Kapazität von 80 Mbit/s – wobei auch hier der Unterschied zwischen Stadt und Land markant ist. Die Wettbewerbsfähigkeit der suboptimal erschlossenen Räume als Unternehmensstandorte kann dadurch beeinträchtigt werden.

Abb. 1: Erschliessungslücken nach Nachfrageszenarien und Gemeindetypen (2018)

Quelle: FHNW und Hanser Consulting / Die Volkswirtschaft

Die meisten NRP-Regionen sind relativ schlecht erschlossen, wie die Studie zeigt.[3] Beim Nachfrageszenario mit einer Download-Kapazität von 80 Mbit/s weisen beispielsweise die Regionen Urserental (UR), Stoos-Muotathal (SZ), Oberes Reusstal (UR), Hinteres Schächental (UR), Thal (SO), Prättigau/Davos (GR), Région La Gruyère (FR) und Äussere Seegemeinden (UR) eine Erschliessungslücke von mindestens 80 Prozent auf (siehe Abbildung 2).

Eine periphere Lage bedeutet aber nicht automatisch eine schlechte Erschliessung. So sind die Bündner Regionen Poschiavo und Schanfigg ähnlich gut erschlossen wie grossstädtische Regionen. Das Gleiche gilt für die Leventina im Tessin. Diese Regionen haben den Glasfaserausbau in Eigeninitiative mit Netzanbietern vorangetrieben und zum Teil finanziell unterstützt. Umgekehrt gibt es auch im Mittelland verschiedene Regionen, die nicht optimal erschlossen sind – beispielsweise das freiburgische Greyerzerland oder das Luzerner Seetal.

Abb. 2: Regionale Erschliessungslücken gemäss Nachfrageszenario 80 Mbit/s Download-Kapazität (2018, in %)

Mögliche Massnahmen des Bundes

Was kann der Bund beziehungsweise die Regionalpolitik tun, um die Erschliessungslücken dort, wo sinnvoll, zu schliessen? Wichtig ist es, die nationalen und regionalen Infrastrukturanbieter auf bestehende Versorgungslücken aufmerksam zu machen. Deshalb sind regelmässige Datenerhebungen sinnvoll.

Bei der Erweiterung des Glasfasernetzes sollten die Infrastrukturanbieter und die Gemeinden prüfen, ob sie bestehende Leitungen – wie etwa Stromleitungen als Leerrohre – nutzen können. Dadurch könnte man die Tiefbaukosten wesentlich verringern. Eine Möglichkeit wäre es, die Eigentümer bestehender Leitungsnetze per Gesetz dazu zu verpflichten.

Ausserdem könnte die öffentliche Hand den Breitbandausbau mit finanziellen Beiträgen an die nicht amortisierbaren Ausbaukosten in dünn besiedelten Regionen unterstützen. Denkbar wäre etwa ein Impulsprogramm «Breitband». Ebenso scheint es wichtig, dem digitalen Wandel durch die Schaffung und Nutzung digitaler Kompetenzen in den Betrieben zusätzlichen Schub zu geben.

5G für Randgebiete?

Eine Alternative zum Glasfasernetz ist der leistungsstarke Mobilfunkstandard 5G. Derzeit bauen die Telekomanbieter schweizweit ein 5G-Netz auf (siehe Abbildung 3). Die neue Technologie ermöglicht beispielsweise mobile und flächendeckende Anwendungen für betriebs- und branchenübergreifende Wertschöpfungsketten. Solche innovativen Anwendungsfelder gilt es zu beobachten und im Austausch mit Akteuren der Wirtschaft, der Politik und der Wissenschaft zu entwickeln.

Auch für das NRP-Gebiet stellt 5G eine Chance dar. Allerdings stellen sich aufgrund der vielen Täler und Berge und der grossen Zahl an weit auseinanderliegenden Gebäuden noch eine Reihe von Fragen zum flächendeckenden Einsatz von 5G – zum Beispiel zum bestehenden wie auch zum notwendigen Ausbau an 5G-Antennen.

Abb. 3: Abdeckung der Betriebsgebäude in der Schweiz mit 5G-Antennen (2020)

Anmerkung: Dargestellt ist die Abdeckung respektive die Erreichbarkeit der Betriebsgebäude in der Schweiz durch 5G-Antennen. Blau eingefärbte Gebäude werden von 0 bis 3 Antennen erreicht. Sie sind schlecht erschlossen. Kommt hinzu: Die Topografie ist in der Grafik nicht berücksichtigt, und die Erschliessung mit 5G ist nur anhand der Distanz zur Antenne und deren Sendeleistung abgebildet. Zudem kann ein Nutzer in einem Betriebsgebäude aufgrund der blossen Erreichbarkeit mit 5G-Antennen nicht sicher sein, dass «sein» Anbieter eine dieser Antennen betreibt.

  1. Bösch et al. (2019). []
  2. Bösch et al. (2019). []
  3. Die Auswertung basiert auf Daten der Swisscom. Einzelne Regionen sind womöglich mit anderen Anbietern besser abgedeckt als dargestellt. []

Ingenieur, Partner Hanser Consulting, Zürich

Prof. Dr., Dozent für Statistik und Business Analytics, Fachhochschule Nordwestschweiz, Olten

Dr. phil. nat., Projektleiter Hanser Consulting, Zürich

Dozent für Marketing, Fachhochschule Nordwestschweiz, Olten

Literatur

Lorenz Bösch, Fabian Heimsch, Jürg Kuster und Markus Rach (2019). Breitbanderschliessung in den Zielgebieten der Neuen Regionalpolitik, Studie im Auftrag des Seco, 19.12.2019. Begleitung seitens Seco: Jacqueline Hofer, Ressort Regional- und Raumordnungspolitik.

Ingenieur, Partner Hanser Consulting, Zürich

Prof. Dr., Dozent für Statistik und Business Analytics, Fachhochschule Nordwestschweiz, Olten

Dr. phil. nat., Projektleiter Hanser Consulting, Zürich

Dozent für Marketing, Fachhochschule Nordwestschweiz, Olten