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Dieser Artikel ist Teil des Schwerpunkts «Entwicklungszusammenarbeit ab 2021»

Mehr Arbeitsplätze dank florierenden KMU

Die Entwicklungsfinanzierungsgesellschaft des Bundes Sifem unterstützt KMU in Entwicklungs- und Schwellenländern. Dadurch sollen nicht nur Arbeitsplätze entstehen, sondern auch innovative Produkte unter anderem gegen den Klimawandel.

Wachstumskapital für exportorientierte KMU: Bis 2018 wurde der costa-ricanische Reinigungsmittelhersteller Industrial Equilab von Sifem unterstützt. (Bild: Obviam)

Arbeitsplätze sind zentral, um Armut zu bekämpfen. Ein nachhaltiges Wachstum und die Integration von Schwellen- und Entwicklungsländern in das Weltwirtschaftssystem sind deshalb wichtige Ziele der internationalen Zusammenarbeit des Bundes. So unterstützt das Seco zahlreiche Massnahmen zur Entwicklung des Privatsektors in Entwicklungsländern, insbesondere zur Verbesserung des Investitionsklimas. Ergänzt werden diese Massnahmen durch Sifem, die unabhängige Entwicklungsfinanzierungsinstitution des Bundes.

Sifem steht für Swiss Investment Fund for Emerging Markets. Der Fonds gewährt hauptsächlich langfristige Finanzierungen an KMU und andere schnell wachsende Firmen. Hierzu gewährt er Darlehen an lokale und regionale Risikokapitalfonds und Banken oder andere Finanzinstitutionen. Sifem arbeitet eng mit den lokalen Fondsmanagern und Finanzinstitutionen zusammen – nicht nur um die richtige Finanzierungslösung bereitzustellen, sondern auch um ihre Kompetenzen zu stärken. Dadurch können die lokalen Fondsverwalter beispielsweise die Umwelt-, Sozial- und Gouvernanzrisiken ihrer Portfoliofirmen besser handhaben. Die operative Leitung von Sifem wurde Obviam, einer privaten Investitionsberatungsfirma, anvertraut. Sifem investiert direkt und indirekt in rund 470 Firmen in 73 Ländern. Das Portfolio von Sifem umfasste per Jahresende 2019 mehr als 812 Millionen Franken an aktiven Verpflichtungen.

Der Fokus der Investitionstätigkeit von Sifem liegt auf den Prioritätsländern der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit. In der neuen Botschaft[1] zur Internationalen Zusammenarbeit 2021–2024 soll der Entwicklungsfonds vor allem auf zwei Ziele fokussieren: Arbeitsplätze schaffen und den Klimawandel bekämpfen.

Sicheres Arbeitsumfeld schaffen

Sifem gilt als sogenannter Impact-Investor, da alle Investitionen mit dem Ziel getätigt werden, messbare Entwicklungseffekte zu erzielen. Ein zentraler Aspekt der Investitionstätigkeit ist es etwa, mehr und bessere Arbeitsstellen zu schaffen. Denn: Ein Job ist zwar der beste Ausweg aus der Armut, er muss aber auch korrekte Anstellungsbedingungen und angemessene, menschenwürdige Arbeitsbedingungen gewähren. Dazu müssen die Arbeitgeber die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) einhalten, ein sicheres Arbeitsumfeld gewährleisten und den Beschäftigten Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung bieten. Da Sifem ausschliesslich in Entwicklungs- und Schwellenländern investiert, von denen einige prekäre Beschäftigungsbedingungen aufweisen, stellen diese Anforderungen oft eine Herausforderung dar und erfordern aktive Unterstützung, insbesondere für KMU.

Doppelter Nutzen von Klimainvestitionen

Sifem engagiert sich auch in sektorspezifischen Fonds, die in Projekte für erneuerbare Energien, Energieeffizienz und -speicherung, Ressourcenmanagement, Abfallbewirtschaftung oder nachhaltige Forstwirtschaft investieren. In den vergangenen zehn Jahren hat Sifem so insgesamt rund 116 Millionen Franken[2] in klimarelevante Projekte investiert. Dabei entfielen 86 Prozent auf erneuerbare Energien sowie Energieeffizienz und 14 Prozent auf nachhaltige Forstwirtschaft.

Ein Beispiel: In mehreren ostafrikanischen Ländern wie Kenia, Äthiopien oder Tansania investierte Sifem in ein Unternehmen, welches Solarleuchten und Solarstromprodukte verkauft, die unabhängig vom Stromnetz funktionieren. Abnehmer dieser Produkte sind insbesondere Haushalte in ländlichen Gebieten und mit niedrigem Einkommen, welche nicht ans Stromnetz angeschlossen sind. Die Solarprodukte verbessern die Lebensverhältnisse auf vielfältige Weise: Wer Kerosinlampen durch Solarleuchten ersetzt, spart nicht nur Geld, sondern trägt auch zur Gesundheit und Sicherheit zu Hause und am Arbeitsplatz bei. Ausserdem können Schülerinnen und Schüler dank den Leuchten auch nach Einbruch der Dunkelheit lernen. Und nicht zuletzt erhält man dank eines solarbetriebenen Radios oder Fernsehers auch Zugang zu Nachrichten und Informationen.

Die Investitionen tragen also nicht nur dazu bei, den Klimawandel zu bekämpfen, sondern sind auch mit einem Entwicklungsnutzen für die lokale Bevölkerung verbunden. Diese profitiert etwa von einem besseren Zugang zu sauberem Wasser, zur Energieversorgung oder zu zusätzlicher Infrastruktur.

  1. Siehe Medienmitteilung des Bundesrates vom 19.2.2020: Bundesrat verabschiedet Strategie zur internationalen Zusammenarbeit 2021–2024[]
  2. Siehe Sifem (2019) Investitionen in eine nachhaltige Entwicklung. Ausgabe 2019. Bern. []

Dr. rer. pol., Verwaltungsratspräsident Swiss Investment Fund for Emerging Markets (Sifem), Bern und ehemaliger Schweizer Exekutivdirektor bei der Weltbank (2011 bis 2016)

Dr. rer. pol., Verwaltungsratspräsident Swiss Investment Fund for Emerging Markets (Sifem), Bern und ehemaliger Schweizer Exekutivdirektor bei der Weltbank (2011 bis 2016)