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Schnelles Internet: Hohe Verfügbarkeit – geringe Nachfrage

Soll der Staat für Randregionen schnelles Internet bereitstellen? Der Handlungsbedarf in der Schweiz scheint derzeit gering – der Wettbewerb unter den Anbietern spielt und schafft positive Investitionsanreize.

Arbeiter installieren eine 5G-Mobilfunkantenne im Kanton Genf. (Bild: Keystone)

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Das Angebot an schnellem Internet in der Schweiz entspricht grösstenteils der Nachfrage. Mithilfe des Breitbandatlasses des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom) lässt sich zeigen, dass auf Gemeindeebene faktisch keine «White Areas» im Hinblick auf die Verfügbarkeit von Hochbreitbandanschlüssen bestehen. Können Kunden im Einzelfall ihren Nutzungsbedarf nicht festnetzbasiert abdecken, kann man auf den Mobilfunk ausweichen. Für verbleibende Einzelfälle mit Nachholbedarf sind aus ordnungspolitischer Sicht Subjekthilfen empfehlenswert.

Der Kanton Tessin hat den Bund vor vier Jahren aufgefordert, das Hochbreitbandnetz in der Schweiz voranzutreiben.[1] Laut der Standesinitiative, die sich derzeit noch immer im Nationalrat zur Vorprüfung befindet, soll der Bund aktiv in jenen Regionen einschreiten, in denen das Hochbreitbandnetz mit festnetzgebundenen Anschlüssen von den Fernmeldedienstanbieterinnen aus Profitabilitätsgründen nicht realisiert wird.

In Anlehnung an die «Digitale Agenda» der EU werden im Folgenden unter Hochbreitbandinternet Übertragungsgeschwindigkeiten von über 30 Megabit pro Sekunde verstanden. Diese können beispielsweise mit Telekommunikationsnetzen, Kabelnetzen, Glaserfasernetzen oder mit der Mobilfunktechnologie 4G und Nachfolgende abgedeckt werden.

Gemäss dem Bundesamt für Kommunikation (Bakom) ist die Schweiz sehr gut mit schnellen Internetanschlüssen abgedeckt. Zudem werde das Netz laufend ausgebaut, schrieb das Amt 2018 in einer Stellungnahme zur erwähnten Standesinitiative.[2] Da drängt sich die Frage auf, wie es auf Bezirks- und Gemeindeebene wirklich aussieht. Gibt es lokale Abdeckungslücken – sogenannte White Areas? Dieser Frage sind wir im Auftrag von Swisscom nachgegangen.[3]

Gut erschlossen

Mit ihrem überwiegend hybriden Ausbau der Glasfasernetze[4] hat die Schweiz im Ländervergleich eine hervorragende Abdeckung mit Hochbreitbandanschlüssen erzeugt. Dies gilt sowohl für Bandbreiten von rund 30 Megabit pro Sekunde (Hochbreitband), wie sie in der «Digitalen Agenda» der EU für 2020 gefordert wurden, als auch für Bandbreiten ab 100 Megabit pro Sekunde (Ultrahochbreitband), wie es die «EU-Gigabit-Strategie» für 2025 vorsieht.

Auch in ländlichen Gebieten der Schweiz sind eine vergleichsweise hohe Verbreitung von Hochbreitbanddiensten und eine hohe Innovationsdynamik und Produktvielfalt zu beobachten. So bietet beispielsweise die Netzbetreiberin UPC seit Herbst 2019 für mehr als 75 Prozent der Schweizer Haushalte, unabhängig davon, ob in der Stadt oder auf dem Land, dank hochleistungsfähiger Kabelnetzinfrastruktur Downloadgeschwindigkeiten von 1 Gigabit pro Sekunde an. Die landesweit tätige Swisscom setzt in ihrer Ausbaustrategie auf einen Glasfasertechnologiemix sowie auf die leistungsfähigen Mobilfunknetzstandards LTE+ und 5G. Laut Swisscom sollen bis Ende 2021 alle Gemeinden grossflächig mit Hochbreitband versorgt werden. Im Schweizer Schnitt werden dann 90 Prozent der Wohn- und Geschäftseinheiten eine Bandbreite zwischen 80 und 1000 Megabit pro Sekunde in Anspruch nehmen können; und auch kleinere innovative Anbieter wie etwa das Deutschschweizer Unternehmen GGA Maur bewerben ihre Kunden mit «immer und überall passendem Internet».

Nachfrage entscheidend

Aus ökonomischer Sicht spielt letztlich die Nachfrage nach Hochbreitbandanschlüssen das Zünglein an der Waage. Eine landesweite Abdeckung erhöht die Wohlfahrt erst, wenn das Angebot auch genutzt wird. Unsere Analyse zeigt: Die Haushalte fragen das ihnen zur Verfügung stehende Angebot nur zu einem geringen Teil nach. Derzeit nutzt nur einer von fünf mit Glasfaser erschlossenen Haushalten die netzseitig zur Verfügung gestellte Kapazität.[5] Zu einem grossen Teil fragen die Haushalte nur mittlere Bandbreiten nach, weil die Zahlungsbereitschaft für höhere Qualität und Dienste nicht vorhanden ist. So sind derzeit noch keine «Killerapplikationen» verbreitet, die höhere Bandbreiten benötigen.

Die Analyse der georeferenzierten Informationen aus dem Breitbandatlas[6] und der Statistik der Bevölkerung und der Haushalte[7] zeigt faktisch für sämtliche Gemeinden der Schweiz, dass die Haushalte ihren durchschnittlichen Nutzungsbedarf abdecken können. Beim Einpersonenhaushalt liegt die benötigte Downloadgeschwindigkeit zwischen 15 und 20 Megabit pro Sekunde, bei Vierpersonenhaushalten sind es zwischen 20 und 50 Megabit. Mit diesen Geschwindigkeiten sind hochauflösendes Fernsehen (HD-TV), Streaming von Filmen, Videoanrufe, Onlinegames und Surfen im Web problemlos möglich (siehe Tabelle).

Download-Bedarf eines durchschnittlichen Vierpersonenhaushaltes (2019)

Anwendungskategorien Mbit/s
Audioanrufe 0,05
Konsolenbasierte Onlinespiele 0,1
HD-Streaming über Internetplattformen 0,5
Internetbasiertes Fernsehen 6
Websurfen 8
HD-Fernsehen 10
Total 25

Anmerkung: Aufgelistet ist der im Alltag effektiv relevante Bedarf. Dabei ist berücksichtigt, dass nie alle Dienste gleichzeitig genutzt werden.

Quelle: Expertengespräche mit Swisscom, Berechnungen Polynomics.

Geografisch betrachtet, ergibt sich ein ähnliches Bild: In 111 von insgesamt 148 Bezirken konnten die Haushalte ihren Breitbandbedarf im Jahr 2019 zu mehr als 90 Prozent befriedigen (siehe Abbildung). Beinahe in allen Bezirken war der Nachfragebedarf zu 80 Prozent abgedeckt. Lediglich in drei Bezirken lag der Wert damals unter dieser Schwelle. Zusammenfassend lässt sich festhalten: Der effektive Nutzungsbedarf, für den auch eine entsprechende Zahlungsbereitschaft der Kunden vorliegt, kann mit den aktuellen Netztechnologien abgedeckt werden.

«Abdeckungsgrad Nachfrage» der Haushalte nach Bezirken (2019)

Anmerkung: Der «Abdeckungsgrad Nachfrage» ist die Relation zwischen Bandbreitenbedarf der Haushalte und lokal verfügbarem Breitbandangebot gemäss Breitbandatlas. Lesebeispiel: In den dunkelgrün eingefärbten Bezirken können die Haushalte ihre Nachfrage mit dem vorhandenen Angebot zu mehr als 90 Prozent abdecken.

Unternehmen gut bedient

Wie sieht es bei den Unternehmen aus? Im Gegensatz zu den Haushalten haben sie einen grösseren Bandbreitenbedarf – insbesondere, wenn sie Cloud-Dienste, Videokommunikation und VPN-Verbindungen nutzen. Letztere spielen insbesondere für Homeoffice eine wichtige Rolle.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) benötigen normalerweise eine Downloadgeschwindigkeit von etwas über 80 Megabit pro Sekunde. Einzelne haben jedoch einen Bedarf von rund 300 Megabit pro Sekunde. Fast ebenso wichtig wie die Downloadgeschwindigkeit ist für Unternehmen eine ausreichende Uploadgeschwindigkeit. Bei Haushalten sind solche Symmetrieanforderungen weniger wichtig.

Systematische Auswertungen der georeferenzierten Informationen aus dem Breitbandatlas und der Statistik der Arbeitsstätten nach Grössenklasse und Branchen[8] zeigen ebenfalls für faktisch sämtliche Gemeinden, dass KMU ihren Nutzungsbedarf abdecken können, also bedarfsgerecht mit Hochbreitband erschlossen sind. Bei den grossen Unternehmen sind keine Engpässe beobachtbar, da sie sich meist in gut erschlossenen Agglomerationen befinden.

Mobilfunk als Ergänzung

Allerdings gibt es auch in den mit Glasfaseranschlüssen erschlossenen Gemeinden einzelne unterversorgte Haushalte oder KMU. Die Nachfrage von KMU, die sich im Einzelfall eine bessere Versorgung wünschen, als diese festnetzbasiert zur Verfügung steht, kann dabei im Regelfall über eine mobilfunkbasierte Technologie wie insbesondere LTE oder sogenannte Bonding-Lösungen gedeckt werden, bei denen die Ressourcen mehrerer Internetdiensteanbieter genutzt werden, um höhere Geschwindigkeiten für eine einzelne Verbindung zu erreichen. In schwer erschliessbaren Gebieten sind mobile Hochbreitbandlösungen oftmals günstiger als ein Glasfaseranschluss. Unter Berücksichtigung aller relevanten Technologien wäre damit faktisch schon eine volle Grundversorgung für alle typischen Internetanwendungen für Haushalte und KMU gewährleistet.

Darüber hinaus noch verbleibende individuelle Versorgungslücken (sogenannte White Spots) sind landesweit verstreut. Aus ordnungspolitischer Optik sind zur kosteneffizienten und gezielten Versorgung Subjekthilfen heranzuziehen. Diese sollen zum einen technologieneutral ausgestaltet sein, das heisst grundsätzlich alle Hochbreitband- und Mobilfunktechnologien berücksichtigen, und zum anderen in Abhängigkeit von Effizienz- und Effektivitätsüberlegungen auf die Angebots- oder Nachfrageseite fokussieren. Während pauschale und kostspielige Ausbauförderungen einzelner Ausbautechnologien für bestimmte Gebiete (Objekthilfen) im Ländervergleich fast nur auf Angebotsseite fokussierten, wurden in den letzten Jahren zunehmend auch nachfrageseitige Fördermodelle, etwa in Form kleiner öffentlich finanzierter Gutscheine («Vouchers») für Hochbreitbandanschlüsse, auf internationaler Ebene diskutiert.[9]

  1. Standesinitiative 16.306 (2016). []
  2. Bakom (2018). []
  3. Vaterlaus et al. (2020). Der vorliegende Beitrag gibt ausschliesslich die Meinung der Autoren wieder. []
  4. Sogenannte Fiber-to-the-x-Netztechnologien (FTTx), wobei x für unterschiedliche Varianten im glasfaserbasierten Netzausbau steht. []
  5. Berechnungen der Autoren auf Basis von Daten des FTTH Council Europe. []
  6. Bakom (2020). []
  7. BFS (2017). []
  8. BFS (2016). []
  9. Für die aktuelle Diskussion in Deutschland siehe Briglauer und Schmitz (2019). []

Dr. rer. pol., Geschäftsführer Polynomics, Olten

Dr. rer. soc. oec, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institute for Regulatory Economics, Wirtschaftsuniversität Wien (WU)

Ökonom, Bereichsleiter, Polynomics, Olten

Literatur

Dr. rer. pol., Geschäftsführer Polynomics, Olten

Dr. rer. soc. oec, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institute for Regulatory Economics, Wirtschaftsuniversität Wien (WU)

Ökonom, Bereichsleiter, Polynomics, Olten