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Pharmaindustrie garantiert Wachstum

«Mit einer Produktivität, die fünfmal höher ist als der nationale Durchschnitt, trägt der Pharmasektor entscheidend zum Wohlstand der Schweiz bei.» (Bild: Alamy)

Die offene Volkswirtschaft Schweiz hängt stark vom globalen Handel ab. Dies gilt insbesondere für die Pharmabranche – einen der wichtigsten Wachstumstreiber in der Schweiz. Pharmazeutische Produkte machen inzwischen 40 Prozent der Schweizer Ausfuhren aus – Tendenz steigend. Hierzulande beschäftigt die Pharmaindustrie 46’000 Mitarbeitende, und mehr als 207’000 Arbeitsplätze hängen indirekt von ihr ab. Mit einer Produktivität, die fünfmal höher ist als der nationale Durchschnitt, trägt der Pharmasektor entscheidend zum Wohlstand der Schweiz bei.

Auch der Erfolg von Novartis beruht auf der Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche, die es zu erhalten gilt. Weltweit investiert Novartis jedes Jahr über 9 Milliarden Franken in innovative Technologien zur Behandlung von Krankheiten, die verheerende Folgen haben. Gemäss einem neuen Index, der in diesem Jahr erstmals von BAK Economics veröffentlicht wurde, rangiert die Schweizer Pharmaindustrie bei der weltweiten Wettbewerbsfähigkeit hinter der US-Pharmabranche auf Platz zwei. Der Index nennt als Erfolgspfeiler die hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung, die hervorragende Geschäftsperformance, das unternehmensfreundliche Umfeld sowie den Zugang zu Fachkräften.

Doch dieser Erfolg ist nicht in Stein gemeisselt – sondern hängt davon ab, ob die Schweizer Pharmaindustrie ihre Vorteile bewahren kann. Im September errangen wir mit unserem Engagement gegen die SVP-Begrenzungsinitiative diesbezüglich einen wichtigen Sieg. Die Initiative hätte den Zugang zu den Arbeitskräften und Märkten der EU eingeschränkt. Die Ablehnung an der Urne ebnet nun den Weg für einen Abschluss des Rahmenabkommens mit der Europäischen Union, was uns den Zugang zu diesem wichtigen Markt langfristig sichert.

Wichtige Freihandelsabkommen

Zum Schutz unserer Handelsinteressen fordern wir vom Bundesrat Freihandelsabkommen (FHA), welche geopolitische Entwicklungen wie den Brexit, den angeschlagenen Multilateralismus aufgrund der geschwächten Welthandelsorganisation (WTO) und den Unilateralismus in Ländern wie den USA kompensieren. Zentral ist die «Mind the Gap»-Strategie der Schweiz zum Abschluss bilateraler Abkommen mit Grossbritannien, damit die bisherigen Handelsbeziehungen ausserhalb der EU weitergeführt werden können. Wir begrüssen auch weitere bilaterale Handelsabkommen mit den USA sowie das jüngst unterzeichnete Abkommen mit Indonesien und das Abkommen mit den Mercosur-Staaten, bei dem die Verhandlungen abgeschlossen sind. Die WTO-Reform verspricht ebenfalls Impulse für den multilateralen Handel, genauso wie die Aktualisierung der Liste der zollfreien Medikamente in der entsprechenden WTO-Vereinbarung. All diese Initiativen schaffen die Voraussetzungen, dass die Pharmabranche den Handel ausweiten und für die Schweizer Wirtschaft mehr Wachstum und Wohlstand schaffen kann.

Die Corona-Krise hat sich 2020 auf das Geschäft von Novartis ausgewirkt. Pandemiebedingte Ausschläge bei der Nachfrage nach Medikamenten und persönlichen Schutzausrüstungen führten zu Engpässen und irrationalen politischen Forderungen nach Produktionsrückverlagerungen. Die Angst vor einer Ansteckung hielt manche Menschen davon ab, Spitalbehandlungen in Anspruch zu nehmen, was die Nachfrage nach gewissen Pharmaprodukten von Novartis schmälerte. All diese Herausforderungen werden uns in nächster Zeit auf Trab halten.

Ökonom, Novartis, Basel

Ökonom, Novartis, Basel