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Dieser Artikel ist Teil des Schwerpunkts «Wohnen im Ausland - arbeiten in der Schweiz»

Genfer Wirtschaft sprengt Grenzen

In der Agglomeration Genf verflechten sich die schweizerischen und französischen Gebiete wirtschaftlich zusehends. Grenzgänger unterstützen die wirtschaftliche Dynamik des Kantons.

Die Genfer Wirtschaft ist stark auf Grenzgängerinnen und Grenzgänger angewiesen, denn der Kanton zählt mehr Arbeitsplätze als berufstätige Einwohner: Auf 100 im Kanton wohnhafte Erwerbstätige kamen in den Jahren 2013 bis 2017 durchschnittlich 190 Stellen. Zum Vergleich: Die grossen französischen Metropolen Lyon oder Toulouse zählen 120 respektive 135 Arbeitsplätze pro 100 erwerbstätige Einwohner. In der Schweiz sind die Werte ebenfalls tiefer. In Lausanne liegt dieser Wert bei 133, in Basel bei 142, in Bern bei 151 und in Zürich bei 137.

Überdurchschnittlich hoch ist der Bedarf an Grenzgängern im Kanton Genf bei hoch qualifizierten Tätigkeiten sowie bei Kaderfunktionen. An Fachkräften mangelt es insbesondere im Gesundheits- und Sozialwesen: Im vergangenen Jahr lebten mehr als 60 Prozent der 11’537 Beschäftigten dieser Branchen in Frankreich. Ähnlich ist die Situation bei den in Genf ansässigen internationalen Organisationen: Von den insgesamt über 34’000 Beschäftigten wohnten rund 7000 im grenznahen Frankreich.

In den Bereichen Verwaltung, Rechnungswesen und Finanzen arbeiteten im Jahr 2016 zwei Drittel der über 7000 im französischen Grenzgebiet ansässigen Führungskräfte in der Schweiz. Bei den Informatikern waren es gar vier von fünf. Von den Berufen mit geringeren Qualifikationsanforderungen ist der Bedarf an Grenzgängern bei den Bürokräften, kaufmännischen Angestellten, im Gastgewerbe und im Touristentransport besonders hoch.

Immer jünger

In der Grossagglomeration Genf nimmt die grenzüberschreitende Abhängigkeit fortlaufend zu. Angetrieben durch die dynamische Genfer Wirtschaft, stieg die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte mit Wohnsitz in Frankreich seit Ende 2000 von 28’700 auf mittlerweile über 91’000. Besonders wachstumsstark ist der Dienstleistungssektor: Zwischen 2000 und 2017 hat sich die Zahl der in Dienstleistungsberufen tätigen Grenzgänger verdreifacht. Heute sind in diesem Sektor mehr als 72’000 Grenzgänger beschäftigt; 7000 von ihnen arbeiten im Detailhandel, und bei rund 9000 handelt es sich um wissenschaftliche und technische Fachpersonen wie Juristinnen und Buchhalter. Im Vergleich dazu umfasst der Industriesektor in Genf rund 18’000 ausländische Grenzgänger, wobei 11’000 auf das verarbeitende Gewerbe und die Uhrenindustrie entfallen.

Die Grenzgänger in Genf werden dabei immer jünger. Während ihr Medianalter im Zeitraum 1999 bis 2001 zwischen 40 und 44 Jahren lag, betrug dieses zwischen 2015 und 2017 noch 35 bis 39 Jahre. Um die Jahrtausendwende war zudem jeder vierte Grenzgänger über 50 Jahre alt – 15 Jahre später war dies nur noch jeder fünfte.

Da das Stellenangebot die lokal verfügbare Erwerbsbevölkerung deutlich übersteigt, ist die Genfer Wirtschaft auf Grenzgänger angewiesen.

Regierungsrätin, Vorsteherin des Finanz- und Personaldepartements sowie des Wirtschaftsdepartements, Genf

Regierungsrätin, Vorsteherin des Finanz- und Personaldepartements sowie des Wirtschaftsdepartements, Genf