Die Volkswirtschaft

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Dieser Artikel ist Teil des Schwerpunkts «Wohnen im Ausland - arbeiten in der Schweiz»

Zahl der Grenzgänger wächst seit der Jahrtausendwende stetig

Ende 2020 arbeiteten rund 340’000 Grenzgänger in der Schweiz. Vor 25 Jahren waren es noch halb so viele. Während der Corona-Krise flachte das Wachstum jedoch ab.

In der trinationalen Agglomeration Basel leben über 850’000 Menschen. Kernstadt Basel mit dem Euro-Airport Basel-Mülhausen-Freiburg oben links. (Bild: Alamy)

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Ausländische Staatsangehörige mit Wohnsitz im Ausland, die in der Schweiz erwerbstätig sind, machen insbesondere in den Grenzregionen einen beträchtlichen Anteil der Erwerbstätigen aus. Ende 2020 waren 344’000 Personen mit einer Grenzgängerbewilligung in der Schweiz erwerbstätig, mehr als doppelt so viele wie 1996, im ersten verfügbaren Jahr der Grenzgängerstatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS). Die meisten Grenzgänger stammen aus Frankreich, Italien und Deutschland – wobei sie mehrheitlich in den Kantonen Genf, Tessin sowie Basel-Stadt und Basel-Landschaft arbeiten. Grenzgänger sind im Vergleich zu inländischen Erwerbstätigen häufiger im sekundären Sektor tätig. Insgesamt ist jedoch auch bei Grenzgängern der Dienstleistungssektor am wichtigsten.

Seit Mitte der Neunzigerjahre hat sich die Zahl der Grenzgängerinnen und Grenzgänger in der Schweiz mehr als verdoppelt: Während vor 25 Jahren 146’000 Personen mit einer Grenzgängerbewilligung in der Schweiz arbeiteten, waren es Ende vergangenes Jahr 344’000.

Seit der Jahrtausendwende stieg die Zahl der Grenzgänger jährlich um rund 4 Prozent (siehe Abbildung). In den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl der Grenzgänger nur noch um durchschnittlich 2,6 Prozent pro Jahr. Aufgeschlüsselt nach Herkunftsländern, gibt es Unterschiede: Am stärksten stieg die Zahl der Grenzgänger zwischen 2015 und 2020 bei den französischen Grenzgängern mit einer jährlichen Zunahme von 3 Prozent. Demgegenüber stieg die Zahl der deutschen Grenzgänger um lediglich 1 Prozent pro Jahr.

Grenzgänger in der Schweiz (1996 bis 2020)

Quelle: BFS / Die Volkswirtschaft

Im Jahr 2020 hat sich das Wachstum verlangsamt – wobei die Corona-Pandemie wohl eine Rolle spielte. Zwischen Ende 2019 und Ende 2020 stieg die Zahl der Grenzgänger um 1,4 Prozent. Allerdings sind in diesen Zahlen gewisse registrierte Grenzgänger enthalten, die ihre Erwerbstätigkeit aufgrund der Corona-Pandemie beenden mussten (siehe Kasten). Die Zahl der aktiven Grenzgänger könnte 2020 somit etwas tiefer sein.

Frankreich an der Spitze

Fast alle Grenzgänger stammen aus einem Nachbarstaat. Über die Hälfte (55%) hatte ihren Wohnsitz 2020 in Frankreich, dahinter folgen Italien (23%) und Deutschland (18%). Aus Österreich und Liechtenstein stammten insgesamt weniger als 3 Prozent aller Grenzgänger, die übrigen Staaten stellten zusammen 0,7 Prozent.

Die meisten Grenzgänger arbeiten in einem Grenzkanton. An der Spitze steht Genf, wo im vergangenen Jahr 27 Prozent aller Grenzgänger beschäftigt waren. Dahinter folgen die Kantone Tessin (20%), Basel-Stadt und Basel-Landschaft (insgesamt 17%) sowie Waadt (10%).

Die grosse Mehrheit der Grenzgänger arbeitet in einem Kanton, in dem man dieselbe Sprache wie im Wohnsitzland spricht. Eine Ausnahme bilden die beiden Basel. Dort stammten 55 Prozent aus Deutschland und 45 Prozent aus Frankreich.

Während die absolute Anzahl im Kanton Genf mit über 90’000 Grenzgängern am höchsten ist, ergibt sich ein etwas anderes Bild, wenn man den Anteil der Grenzgänger an den Erwerbstätigen betrachtet: Am höchsten ist der Anteil mit 29 Prozent im Kanton Tessin. Im Kanton Genf machen Grenzgänger 27 Prozent aller Erwerbstätigen aus, im Kanton Basel-Stadt sind es 26 Prozent. Anteile über 10 Prozent haben auch die Kantone Jura, Basel-Landschaft, Neuenburg und Schaffhausen. Gesamtschweizerisch liegt der Durchschnitt bei 7 Prozent.[1]

Viele Industriearbeiter

Verglichen mit den Erwerbstätigen mit Wohnsitz in der Schweiz sind Grenzgänger überdurchschnittlich häufig in der Industrie tätig. Während von den inländischen Erwerbstätigen etwa ein Fünftel im sogenannten sekundären Sektor tätig ist, ist es bei den Grenzgängern ein Drittel. Der Grossteil von ihnen verteilt sich auf die Branchen «Verarbeitendes Gewerbe / Herstellung von Waren» (24%) sowie das Baugewerbe (8%).

Welche Waren hergestellt werden, hängt dabei stark von den regionalen Industrien ab. Während im Kanton Basel-Stadt ein beträchtlicher Teil der Grenzgänger in der Pharma- und Chemiebranche arbeitet (insgesamt 18%), sind viele Grenzgänger in den französischsprachigen Kantonen in der Uhrenindustrie tätig. Im Kanton Jura arbeitet beispielsweise jeder fünfte Grenzgänger in der Uhrenindustrie.

Umgekehrt verhält es sich im tertiären Sektor: Während 76 Prozent aller inländischen Erwerbstätigen im Dienstleistungsbereich arbeiten, sind es bei den Grenzgängern nur 67 Prozent. Dabei arbeiten Grenzgänger häufig im Gross- und Detailhandel (13%), im Gesundheits- und Sozialwesen (10%) sowie in den «freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen» (10%). In der Landwirtschaft arbeitet mit unter 1 Prozent nur ein kleiner Teil der Grenzgänger – gegenüber 4 Prozent der inländischen Erwerbstätigen.

Insgesamt sind 65 Prozent aller Grenzgänger männlich, die Frauen sind mit 35 Prozent deutlich in der Minderheit. Das Geschlecht hat dabei einen Einfluss auf die Tätigkeit: Männliche Grenzgänger arbeiten beispielsweise deutlich häufiger im Baugewerbe (12%) als Frauen (1,2%). Demgegenüber sind Grenzgängerinnen (20%) häufiger im Gesundheits- und Sozialwesen tätig als Grenzgänger (4,5%).

  1. Jahresdurchschnittswerte 2018 aufgrund Verfügbarkeit der Erwerbstätigenzahlen nach Kantonen. []

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Sektion Arbeit und Erwerbsleben, Bundesamt für Statistik (BFS), Neuenburg

Was ist die Grenzgängerstatistik?

Seit 1996 erhebt das Bundesamt für Statistik (BFS) Zahlen zu Grenzgängerinnen und Grenzgängern in der Schweiz. Die Grenzgängerstatistik basiert auf Daten des Zentralen Migrationsinformationssystems (Zemis) sowie aus den AHV-Daten der Ausgleichskassen. Weil nicht alle Grenzgänger unmittelbar nach Beenden ihrer beruflichen Tätigkeit in der Schweiz abgemeldet werden, überschätzt das Zemis die Anzahl aktiver Grenzgänger. Insbesondere, da die Bewilligungen fünf Jahre gültig sind. Deshalb werden für die Grenzgängerstatistik die Zahlen anhand der effektiven AHV-Beiträge korrigiert. Zuletzt lag die Anzahl erwerbstätiger Grenzgänger etwa 20 Prozent unter der Anzahl noch gültiger Bewilligungen. Aktuell sind AHV-Daten nur bis 2018 verfügbar, für die Quartale danach wird diese Korrektur extrapoliert.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Sektion Arbeit und Erwerbsleben, Bundesamt für Statistik (BFS), Neuenburg