Die Volkswirtschaft

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Dieser Artikel ist Teil des Schwerpunkts «Wie geht nachhaltiges Investieren?»

Impact-Investing: Die Pionierrolle der Schweiz

Nachhaltige Anlagen sind aus der Entwicklungszusammenarbeit nicht mehr wegzudenken. Dass die Schweiz inzwischen führend beim Impact-Investing ist, verdankt sie auch dem Staatssekretariat für Wirtschaft.

Waldaufforstungsprojekt in Uganda. Damit soll die lokale Wasserversorgung gesichert werden. (Bild: Responsability)

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Impact-Investing leistet einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der UNO-Nachhaltigkeitsziele. Die Anfänge reichen in die Neunzigerjahre zurück, als sich das damalige Bundesamt für Aussenwirtschaft an ersten Impact-Investment-Fonds beteiligte. Inzwischen ist die Schweiz beim Impact-Investing weltweit führend. Um die UNO-Nachhaltigkeitsziele bis 2030 zu erreichen, muss die Sparte aber aus der Nische finden. Das Staatssekretariat für Wirtschaft und seine internationalen Partner mobilisieren daher private Geldgeber für neue Impact-Investment-Fonds, um Arbeitsplätze, Infrastruktur und Dienstleistungen in Entwicklungsländern zu schaffen.

Impact-Investing liegt im Trend: Der Bund steht im Austausch mit den Akteuren in der Schweiz, die NZZ organisiert Ende September ein «Impact Finance Forum», und im November findet die zweite Ausgabe von «Building Bridges» in Genf statt – einer Konferenz mit dem Ziel, eine Bewegung zu etablieren und Investitionen zur Erreichung der UNO-Nachhaltigkeitsziele voranzutreiben. Das ist wenig erstaunlich, ist die Schweiz doch weltweit führend beim Impact-Investing: Gemäss dem Fondsanbieter Symbiotics wird ein Drittel aller Impact-Investitionen hierzulande verwaltet. Impact-Investitionen sind Anlagen, die neben einer finanziellen Rendite auch eine positive und messbare Wirkung auf die Umwelt und die Gesellschaft erzielen wollen. Um die 17 Nachhaltigkeitsziele der UNO (SDG) bis 2030 zu erreichen, spielen Impact-Investitionen eine Schlüsselrolle. Derzeit fokussieren die Investoren vor allem auf die Armutsbekämpfung, auf das Wirtschaftswachstum, auf die Geschlechtergleichstellung und auf die Bekämpfung des Klimawandels.

Mit dem Fokus auf die Wirkung geht Impact-Investing einen Schritt weiter als «Sustainable Finance» (nachhaltige Anlagen), das Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) allgemein in die Geschäfts- oder Investitionsentscheidungen mit einbezieht. Anteilsmässig fristet Impact-Investing auch in der Schweiz noch ein Nischendasein: Nur 1,3 Prozent aller verwalteten Anlagen sind Impact-Investitionen (siehe Abbildung). Allerdings ist der Bereich besonders wachstumsstark. So haben sich die Impact-Investitionen im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr verdreifacht.

Nachhaltige Anlagen in der Schweiz (2019)

Anmerkung: Ende 2019 betrug das gesamte Anlagevolumen in der Schweiz 3,9 Billionen Franken.

Quelle: Swiss Sustainable Finance / Die Volkswirtschaft

Von Anfang an dabei

Die Anfänge des Impact-Investing in der Schweiz finden sich in den Neunzigerjahren: Im Jahr 1995 beteiligte sich das damalige Bundesamt für Aussenwirtschaft (Bawi) – das Vorgängeramt des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) – an vorderster Front gemeinsam mit bilateralen, regionalen und multilateralen Institutionen sowie Stiftungen (inklusive der vom Schweizer Stephan Schmidheiny gegründeten Fundes-Stiftung) am ersten kommerziell orientierten Mikroinvestitionsfonds in Lateinamerika. Der zeitlich befristete Profund-Fonds beteiligte sich an zwölf Mikrofinanzierungsinstitutionen, die fast eine Million Mikro- und Kleinunternehmen mit Kapital versorgten. Über seine insgesamt zehnjährige Laufzeit erwirtschaftete der 22-Millionen-Dollar-Fonds eine Rendite von 7 Prozent.

Damit war der Beweis erbracht, dass Wirkung – in diesem Fall Armutsreduktion durch Unternehmertum – und Rendite Hand in Hand gehen. Der Profund-Fonds legte den Grundstein für eine weitere Investition, diesmal mit rein schweizerischen Akteuren: Im Jahr 2003 zahlte das Seco 3 Millionen Dollar Startkapital in den vom Zürcher Vermögensverwalter Responsability gegründeten Mikrofinanz-Fonds ein, der auf Entwicklungsländer ausgerichtet ist. Weitere 3 Millionen Franken steuerte die Privatwirtschaft bei. Mit der öffentlichen Vertriebsbewilligung wurde am Schweizer Kreditmarkt erstmals ein Impact-Investing-Produkt einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Vier Jahre später konnte der vom Seco investierte Betrag vollumfänglich zurückbezahlt werden. Inzwischen verwaltet der Fonds über 1 Milliarde Dollar und ist in mehr als 90 Ländern investiert. Die Hebelwirkung war somit riesig.

Expansion mit Sifem

In den folgenden Jahren tätigte das Seco weitere Fondsinvestitionen in Entwicklungs- und Transitionsländern. Um geeignetere Strukturen für kommerzielles Impact-Investing zu schaffen, wurde das Portfolio im Jahr 2011 in die bundeseigene Aktiengesellschaft Swiss Investment Fund for Emerging Markets (Sifem) übertragen. Die Sifem AG – unter Aufsicht des Seco mit Zielvorgaben des Bundesrates – hat sich seither stark weiterentwickelt: Die Portfoliogrösse beträgt inzwischen knapp 900 Millionen Dollar.

Ergänzend zur Sifem AG, die eine Renditevorgabe von mindestens 3 Prozent hat, setzt das Seco weiterhin punktuell Anschubfinanzierungen und Darlehen in der Entwicklungszusammenarbeit ein.[1] So finanziert das Seco beispielsweise Aktivitäten von Investoren oder Stiftungen, welche die Risiken zur Resultaterreichung tragen. Im Jahr 2017 lancierte das Seco zusammen mit der kolumbianischen Regierung und der Interamerikanischen Entwicklungsbank in Rekordzeit den ersten Social-Impact-Bond in einem Entwicklungsland. Im Vordergrund steht die Integration von armen Bevölkerungsschichten in den formellen Arbeitsmarkt – wobei das Seco und die kolumbianische Regierung nur für erreichte Resultate zahlen. Werden die Resultate übertroffen, erhalten die Investoren einen Bonus.

Plattform gegründet

Mit den für Impact-Investing eingesetzten Entwicklungsgeldern will das Seco einen Demonstrationseffekt erzielen und private Investitionen für die UNO-Nachhaltigkeitsziele mobilisieren. Da letztlich die Rahmenbedingungen entscheidend sind, engagiert sich das Seco auf übergeordneter und internationaler Ebene dafür. Wichtige Foren sind die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die multilateralen Entwicklungsbanken sowie gezielte Initiativen wie die «Climate Bonds Initiative» und Gebernetzwerke wie das «Aspen Network of Development Entrepreneurs». In der Schweiz hat das Seco zudem den Verein Swiss Sustainable Finance im Jahr 2014 mit einer Anschubfinanzierung unterstützt. Der Verband koordiniert die Anstrengungen der Branche in Bezug auf nachhaltige Finanzen, wobei sich eine Arbeitsgruppe – unter Mitwirkung des Seco – spezifisch mit dem Impact-Investing in Schwellen- und Entwicklungsländern befasst.[2]

Inzwischen existiert in der Schweiz ein lebendiges Ökosystem für Impact-Investing. Auch traditionelle Finanzinstitute drängen zunehmend auf den stark wachsenden Markt, da die Nachfrage bei der Kundschaft nach nachhaltigen Finanzprodukten steigt. So übernahm beispielsweise der britische Investmentriese Schroders vor zwei Jahren den Schweizer Impact-Spezialisten Blue Orchard.

Mehr Wettbewerb

Während sich Impact-Investing im Bereich der Mikrofinanzierung etabliert hat und auch erneuerbare Energien immer marktfähiger werden, muss der Beweis in anderen Sektoren und in den ärmsten Ländern noch besser erbracht werden. Hier kann eine temporäre, öffentliche Unterstützung gerechtfertigt sein. Im Jahr 2017 lancierte das Seco daher erstmals ein Projekteingabeverfahren namens «Seco 17» in der Entwicklungszusammenarbeit. Ziel war es, die geeignetsten Fonds zu eruieren, um die UNO-Nachhaltigkeitsziele zur menschenwürdigen Arbeit (SDG 8) und zur Bekämpfung des Klimawandels (SDG 13) anzugehen. Statt auf einer Ad-hoc-Unterstützung beruhte das Eingabeverfahren auf dem Wettbewerb, wodurch die Kosteneffizienz optimiert werden konnte. Insgesamt erhielten dadurch drei Fonds eine nicht rückzahlbare Unterstützung des Seco in der Höhe von insgesamt 4 Millionen Franken. Einer dieser innovativen Fonds ist der Meloy Fund, der sich auf Investitionen in KMU konzentriert, die in der nachhaltigen Fischerei und der Wiederherstellung von Küstengebieten in Indonesien und auf den Philippinen tätig sind.

Basierend auf den Erfahrungen von «Seco 17», beabsichtigt das Seco mit der «Swiss Impact Investing Initiative» das Projekteingabeverfahren zu skalieren. Bis Ende Jahr sollen innovative, erfolgversprechende, aber noch riskante neue Initiativen in einem Wettbewerbsverfahren mit einer Anschubfinanzierung unterstützet werden.

Aus der Nische raus

Der Privatsektor spielt bei der Bewältigung von Entwicklungsherausforderungen eine zentrale Rolle – was sich auch in der Strategie zur internationalen Zusammenarbeit für 2021 bis 2024 der Schweiz widerspiegelt. Ohne Kapital, Innovation und Expertise des Privatsektors können die Nachhaltigkeitsziele der UNO unmöglich erreicht werden. Die Corona-Pandemie hat die Situation dramatisch verschärft, da Millionen Menschen in die Armut zurückzufallen drohen. Beim rasch wachsenden Impact-Investing betrachtet es das Seco als seine Aufgabe, Pilotversuche durchzuführen und Anschubfinanzierungen zu sprechen. Im Vordergrund stehen dabei die UNO-Nachhaltigkeitsziele, die bis 2030 umgesetzt werden sollen, sowie das Pariser Klimaabkommen.

Um die 17 Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, muss das Impact-Investing aus seiner Nische herauswachsen. Der Zusammenarbeit mit institutionellen Investoren wie Pensionskassen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Auf den Stärken des Finanzplatzes aufbauend, hat die Schweiz das Potenzial, beim Impact-Investing weiterhin tonangebend zu sein. Darauf zielt auch die neu gegründete öffentlich-private Plattform Finance.swiss ab, mit welcher sich die Schweiz im Bereich nachhaltige Finanzen und Fintech international positionieren will. Die Schweiz muss dafür auch die Digitalisierung schnell vorantreiben. Diese bietet neue Lösungen in verschiedensten Bereichen an, inklusive bei der Wirkungsmessung von Impact-Investing.

  1. Siehe Beitrag von Massimo Bloch, Diana Celotto und Safeya Zeitoun in dieser Ausgabe. []
  2. Vgl. Standpunkt von Sabine Döbeli in dieser Ausgabe. []

Ressortleiterin Privatsektorförderung, Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), Bern

Ressortleiterin Privatsektorförderung, Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), Bern