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Dieser Artikel ist Teil des Schwerpunkts «Regulieren: Ist weniger mehr?»

Gesetze modernisieren

Die Regulierung im Umweltbereich begünstigt die Nutzung veralteter Technologien. Um den Klimawandel zu stoppen, müssen wir die Gesetzgebung erneuern.

Wer mehr Nachhaltigkeit fordert, muss auf technologischen Fortschritt setzen: Moderne Technologien erlauben es uns, unseren Lebensstandard zu erhöhen und gleichzeitig die Umweltverschmutzung zu reduzieren. In den letzten Jahren wurden in dieser Hinsicht immense Fortschritte erzielt. So ist der Wirkungsgrad von Solarpanels – bei kontinuierlich sinkenden Kosten – stetig gestiegen. Die Speicherkapazität von Batterien und die Reichweite von Elektroautos nehmen zu. Zudem sind neue Werkstoffe auf den Markt gekommen, und das Recycling boomt.

Wir verfügen also im Grunde über die für den Wandel nötigen Technologien, haben aber nach wie vor ein Problem: Die Lösungen werden zu langsam umgesetzt. Dies liegt zum einen an der Schwierigkeit, die Menschen zu Verhaltensänderungen zu bewegen. Und zum anderen an Gesetzen und Verordnungen, die auf Grundlage veralteter, ineffizienter Technologien verfasst wurden. So ist es in vielen Fällen noch immer möglich, die Umwelt ganz legal zu verschmutzen. Weil die Regulierungen der exponentiellen technologischen Entwicklung hinterherhinken, bewegen wir uns heute in einem archaischen Rechtsrahmen.

Viele Umweltgesetze und -verordnungen stammen noch aus dem letzten Jahrhundert – also aus einer Zeit, in der natürliche Ressourcen als unerschöpflich galten und Kohle- und Erdölverbrennung die Norm waren. Die Technologie hat sich seitdem aber kontinuierlich weiterentwickelt. Somit zementiert eine veraltete Regulierung die Nutzung der Technik von gestern, anstatt die Verwendung der effizienteren, saubereren Technologien von heute zu fördern.

Vorschriften, die sich auszahlen

Um die Wirtschaft schnell genug zu transformieren und so den Klimanotstand abzuwenden, ist eine Modernisierung der Umweltnormen unabdingbar. Wichtig ist es, die Wirtschaftsakteure davon zu überzeugen, die zur Verfügung stehenden sauberen, effizienten und rentablen Technologien zu nutzen. Empfehlungen allein genügen dabei nicht: Die Nutzung dieser Technologien muss verbindlich vorgeschrieben werden.

Strengere Umweltnormen erhöhen die Nachfrage nach sauberen, effizienten Lösungen. Damit verhelfen sie neuen Technologien zu einem Marktdurchbruch und begünstigen das Entstehen von neuen Start-ups. Schärfere Vorschriften bei Einwegprodukten aus Kunststoff haben beispielsweise bereits viele Konsumentinnen und Konsumenten zu einem Umdenken bewogen.

Die Stiftung Solar Impulse hat die Rentabilität von mehr als 1000 Umweltschutztechnologien ermittelt. Damit möchte sie zeigen, dass die Modernisierung der Gesetzgebung keine Zusatzkosten für die Bürger und Unternehmen erzeugt, sondern im Gegenteil Firmengewinne steigert und Arbeitsplätze schafft.

Präsident der Stiftung Solar Impulse, Lausanne

Präsident der Stiftung Solar Impulse, Lausanne