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Stellensuche: Was führt zum Erfolg?

Erfolge bei der Stellensuche stellen sich am häufigsten über das persönliche Netzwerk ein. Je nach Bevölkerungsgruppe sind jedoch unterschiedliche Suchkanäle zu empfehlen.
Bei der Stellensuche kommt es auch auf die richtige Strategie an. (Bild: Alamy)

Die Digitalisierung hat die Stellensuche grundlegend verändert: Wer einen neuen Job sucht, dem stehen heute viele digitale Möglichkeiten zur Verfügung. Insbesondere werden umfangreiche Onlineplattformen angeboten wie beispielsweise Jobscout24.ch, Jobagent.ch oder Jobs.ch sowie soziale Netzwerke wie Linkedin oder Xing. Auch der Bund stellt mit Job-Room.ch eine Stellenplattform zur Verfügung.

Inzwischen nutzen 99 Prozent aller Stellensuchenden das Internet, wie wir in einer neuen Studie im Auftrag des Bundes zeigen.[1] Gleichzeitig existieren nach wie vor traditionelle Suchkanäle wie beispielsweise Stellenanzeigen in Tageszeitungen oder das persönliche Netzwerk.

In der Studie haben wir untersucht, über welche Kanäle Stellen heute gesucht werden und welche Kanäle zum Erfolg führen. Zu diesem Zweck befragten wir rund 6400 Stellensuchende, die sich 2019 oder 2021 bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) angemeldet hatten.[2] Die Befragungen führten wir online und per Post durch.

19 Stunden pro Woche

Eine stellensuchende Person setzt in einer typischen Woche knapp neun Stunden für das Suchen und Identifizieren von passenden Stellen ein; hinzu kommen zehn Stunden für Bewerbungsschreiben. Die grosse Mehrheit der Stellensuchenden sucht dabei auf vielen Kanälen gleichzeitig.

Am beliebtesten sind allgemeine – das heisst nicht branchenspezifische – Jobbörsen und Internetsuchmaschinen: Fast 9 von 10 Befragten nutzen mehrmals monatlich Job-Plattformen wie Jobagent.ch, bei Suchmaschinen wie Google sind es 84 Prozent (siehe Abbildung 1). Knapp drei Viertel der Befragten halten auf den Websites von potenziellen Arbeitgebern nach offenen Stellen Ausschau. Zwei Drittel der Befragten suchen auf branchenspezifischen Jobbörsen wie zum Beispiel Jobs-im-Gastro.ch, Baustellenanzeiger.ch oder Pflege-berufe.ch. 62 Prozent suchen mehrmals pro Monat auf Job-Room.ch, der Plattform der öffentlichen Arbeitsvermittlung.

Abb. 1: Suchkanäle von Stellensuchenden in der Schweiz (2019)

Quelle: Liechti et al. (2021); N=2771–2775 / Die Volkswirtschaft

 

95 Prozent der Befragten nutzen gleichzeitig mit den Onlinekanälen auch «klassische» Kanäle. Bei diesen steht das persönliche Netzwerk an der Spitze: Über 60 Prozent der Befragten kontaktieren mehrmals pro Monat Familienangehörige, Freunde, ehemalige Arbeitskolleginnen oder andere Bekannte. 60 Prozent verfassen eine Spontanbewerbung, rufen auf gut Glück bei einer Firma an oder gehen persönlich vorbei. Stelleninserate in Zeitungen spielen dagegen eine untergeordnete Rolle: Rund ein Drittel der Befragten setzt auf diesen Kanal.

Linkedin/Xing bei Akademikern beliebt

Je nach Personengruppe zeigen sich Unterschiede bei der Nutzung der Suchkanäle. So konsultieren Stellensuchende ab 45 Jahren häufiger als jüngere Stellensuchende Zeitungsinserate. Dafür sind sie weniger auf den Business-Netzwerken Linkedin und Xing präsent.[3] Stellensuchende, die sich als ungewohnt im Umgang mit Computern bezeichnen, nutzen Linkedin/Xing ebenfalls seltener als der Durchschnitt, auch wenn sie ansonsten regelmässig Jobbörsen im Internet besuchen. Überdurchschnittlich beliebt sind Linkedin/Xing hingegen bei Personen mit Tertiärabschluss.

Auch nach den zuletzt ausgeübten Berufen von Stellensuchenden zeigen sich Unterschiede. Stellensuchende aus akademischen Berufen betreiben eine stärker fokussierte Suche: Sie greifen seltener auf allgemeinere Kanäle wie Suchmaschinen, allgemeine Jobbörsen oder Zeitungen zurück. Führungskräfte nutzen überdurchschnittlich oft branchenspezifische Jobbörsen. Stellensuchende aus Dienstleistungs- und Verkaufsberufen setzen ebenfalls häufiger auf branchenspezifische Jobbörsen, aber weniger häufig auf Linkedin/Xing oder Personalvermittlungsfirmen (Temporärbüros oder Headhunter). Handwerkerinnen und Handwerker sowie Hilfsarbeitskräfte setzen schliesslich relativ oft auf Initiativbewerbungen.

Im Verlauf einer Stellensuche wechseln die Stellensuchenden die Kanäle kaum: Die genutzten Suchkanäle bleiben in den ersten vier Monaten relativ stabil. Hingegen öffnen die Befragten tendenziell den Suchbereich: Je länger eine Suche dauert, desto eher ziehen sie andere Branchen oder andere Jobprofile in Betracht, oder sie gehen Kompromisse bezüglich möglicher Anstellungsbedingungen (tieferer Lohn, längerer Arbeitsweg, befristete Anstellungen) ein.

Persönliches Netzwerk an erster Stelle

Am häufigsten führt das persönliche Netzwerk zum Erfolg: 17 Prozent aller Befragten, die eine neue Beschäftigung fanden, gelangten auf diesem «klassischen» Suchkanal zum Ziel (siehe Abbildung 2). An zweiter Stelle folgen die allgemeinen Jobbörsen im Internet mit einem Anteil von 16 Prozent. 10 Prozent wurden direkt durch einen Arbeitgeber oder eine Personalvermittlungsfirma kontaktiert und fanden so eine Stelle – wobei es sich hier um keinen eigentlichen Suchkanal handelt.

Abb. 2: Erfolgsquote von Stellensuchenden nach Kanal (2019)

Anmerkung: Die Frage an die Stellensuchenden lautete: «Im Anschluss an die Phase der Stellensuche, welche im Monat X 2019 begann, haben Sie eine Stelle gefunden: Woher kam der entscheidende Hinweis auf diese Stelle?» Quelle: Liechti et al (2021); N=1247 / Die Volkswirtschaft

 

Die Erfolgsquote der Suchkanäle unterscheidet sich je nach Gruppe von Stellensuchenden stark. So führt beispielsweise die Stellensuche von Personen, die keine guten Kenntnisse einer Landessprache aufweisen, auf Jobbörsen nur selten zum Erfolg. Dennoch sucht diese Gruppe häufig auf Jobbörsen nach einer neuen Stelle. Das Hindernis ist in diesem Fall vermutlich nachgelagert: Jobbörsen im Internet sind hoch frequentiert, weshalb bei den Arbeitgebern oft viele Bewerbungen pro Stelleninserat eingehen. Entsprechend muss das Bewerbungsdossier den Unterschied machen. Dies scheint den Stellensuchenden mit fehlenden Kenntnissen in den Landessprachen deutlich schlechter zu gelingen. Auch bei dieser Personengruppe stellt das persönliche Netzwerk den erfolgreichsten Kanal dar. Über diesen Bewerbungsweg fallen die sprachlichen Hürden offenbar weniger ins Gewicht.

Demgegenüber weisen Akademikerinnen und Akademiker bei der Suche auf branchenspezifischen Jobbörsen und auf Websites von potenziellen künftigen Arbeitgebern eine höhere Erfolgsquote als der Durchschnitt auf. Weiter sind Stellensuchende in Dienstleistungsberufen sowie Hilfsarbeitskräfte mit Initiativbewerbungen erfolgreicher als der Durchschnitt. Für Hilfsarbeitskräfte und Handwerkerinnen und Handwerker ist schliesslich die Erfolgsquote bei Nutzung von Personalvermittlungsfirmen relativ hoch.

Strategie personalisieren

Erstaunlich ist: Obwohl einzelne Kanäle je nach Gruppe überdurchschnittlich erfolgversprechend sind, zeigt sich nur selten auch eine damit einhergehende überdurchschnittliche Nutzung dieser Kanäle. Zu den wenigen Ausnahmen, wo hohe Nutzung und hohe Erfolgsraten einhergehen, zählen das persönliche Netzwerk für Stellensuchende, die als Anlagen- und Maschinenbediener tätig sind, sowie Initiativbewerbungen bei Hilfsarbeitskräften.

Somit besteht bei der Stellensuche noch Optimierungspotenzial. Das Wissen, für welche Personen welche Kanäle besonders erfolgreich sind, kann für die personalisierte Beratung der Stellensuchenden auf den RAV eingesetzt werden. Dadurch könnten Stellensuchende gezielter bestimmte Suchkanäle nutzen sowie zusätzliche Zeit dort investieren, wo die Erfolgsaussichten besonders gross sind.

Eine Herausforderung, welche jenseits der Möglichkeiten dieser Studie liegt, stellt die Frage nach der Kausalität zwischen der Nutzung eines Stellensuchkanals und dem Sucherfolg dar. So bleibt beispielsweise unklar, ob Hochqualifizierte auf Linkedin/Xing erfolgreicher sind als andere Gruppen, weil sie häufiger über diesen Kanal nach offenen Stellen suchen, weil Stellen häufiger über diesen Kanal ausgeschrieben werden oder aber weil sie sich tatsächlich über diesen Kanal erfolgreicher bewerben können. Dies bleibt offen für künftige Forschung.

  1. Liechti et al. (2021). []
  2. Für Details siehe Liechti et al. (2021). []
  3. Die beiden Kanäle wurden gemeinsam abgefragt. []

Bibliographie

David Liechti, Mirjam Suri, Thomas Möhr, Patrick Arni und Michael Siegenthaler (2021). Methoden der Stellensuche und Stellensucherfolg. Grundlagen für die Wirtschaftspolitik Nr. 33.  Studie im Auftrag des Seco, mandatiert von der Aufsichtskommission für den Ausgleichsfonds der Arbeitslosenversicherung.

Zitiervorschlag: Patrick Arni ; David Liechti ; Mirjam Suri (2022). Stellensuche: Was führt zum Erfolg. Die Volkswirtschaft, 09. März.