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Fachhochschulen stimulieren regionale Wirtschaft

Auf Mint-Fächer ausgerichtete Fachhochschulen wirken sich positiv auf die Gewinne der Unternehmen in ihrem regionalen Umfeld aus. Insbesondere forschungsintensive Firmen der IT-, der Elektrotechnik- und der Pharmabranche profitieren.
Eingangshalle der Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz BL. (Bild: Keystone)

Technische Fachhochschulen sind regionale Innovationstreiber. Dies zeigen Studien des Swiss Leading House VPET-ECON der Universitäten Zürich und Bern. So bringen Absolvierende mit Abschlüssen in Mint-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) beispielsweise ihr erlerntes Wissen in die lokalen Unternehmen ein. Gleichzeitig gelangen neuste Erkenntnisse aus der angewandten Forschung über Kooperationen und Wissenstransfers in die regionale Wirtschaft. Dadurch steigen die Zahl an Patentanmeldungen und die Qualität der patentierten Innovationen in diesen Unternehmen.[1]

Unklar bleibt indes, ob diese quantitativen und qualitativen Innovationsimpulse auch den Profit der Unternehmen im Umkreis von Fachhochschulen zu steigern vermögen. In einer weiteren Studie des Swiss Leading House VPET-ECON sind wir dieser Frage nachgegangen.[2] Dazu verglichen wir Gemeinden, die maximal 25 Kilometer von einer Fachhochschule entfernt sind, mit Gemeinden, die sich nicht im Umfeld einer Fachhochschule befinden (Kontrollgruppe). Für die Studie betrachteten wir 22 Fachhochschulstandorte in der Schweiz, die zwischen 1997 und 2003 entstanden sind und an denen Mint-Fächer angeboten werden.

Um zu quantifizieren, wie sich die Fachhochschulgründung auf die durchschnittliche Geschäftsentwicklung der ansässigen Unternehmen ausgewirkt hat, verwendeten wir Informationen zu den durchschnittlichen Gewinnen pro Unternehmen und Gemeinde.[3] Die Studie deckt den Zeitraum von 1971 bis 2008 ab und enthält somit die Zeit vor und nach der Gründung der Fachhochschulen ab dem Jahr 1997. Wir beschränkten unsere Analyse auf den Zeitraum bis 2008, da sich das Wesen der Fachhochschulen ab 2008 mit Einführung der Masterstudiengänge noch einmal verändert hat.

Deutlicher Gewinnanstieg

Allgemein lässt sich sagen: In Fachhochschulregionen sind die durchschnittlichen Unternehmensgewinne in den fünf bis zehn Jahren nach der Fachhochschulgründung um ein Fünftel stärker angestiegen als in Gemeinden der Kontrollgruppe. Auf eine jährliche Wachstumsrate heruntergebrochen, führte die Fachhochschulgründung in den betroffenen Regionen zu einem zusätzlichen jährlichen Wachstum der Unternehmensgewinne von 0,7 Prozent.

Gemäss einer Analyse der Effekte für jedes Jahr vor und nach der Fachhochschulgründung stiegen die Unternehmensgewinne unmittelbar nach Gründung einer Fachhochschule stark an. Zudem legten die Gewinne drei Jahre nach der Gründung einer Fachhochschule erneut zu, also zum Zeitpunkt, an dem die ersten Absolvierenden in den Arbeitsmarkt eintraten. Danach blieben die Effekte bis zu zehn Jahre nach der Fachhochschulgründung auf diesem hohen Niveau stabil.

Dieses Muster in der Entwicklung der durchschnittlichen Unternehmensgewinne in den Fachhochschulregionen illustriert zwei Dinge: Erstens spricht der unmittelbare Anstieg der Unternehmensgewinne dafür, dass die Unternehmen in den Fachhochschulregionen von einem kurzfristigen Nachfrageeffekt profitierten. Die Gründung der Fachhochschulen führte im Umkreis von 25 Kilometern zu einer erhöhten Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen, weil Investitionen für die Fachhochschulgründung an sich getätigt wurden oder neu zugezogene Studierende den Konsum in Fachhochschulregionen ankurbelten.

Zweitens deutet der erneute Gewinnanstieg drei Jahre nach der Gründung einer Fachhochschule darauf hin, dass die Absolvierenden mit ihrem Eintritt in den Arbeitsmarkt die Unternehmensgewinne abermals positiv beeinflussten. Die in früheren Studien nachgewiesenen Innovationsimpulse, zu welchen Absolvierende beitragen, scheinen sich also auch positiv auf die Unternehmensgewinne ausgewirkt zu haben.

Innovationsimpulse als Ursache

Tatsächlich stiegen die Unternehmensgewinne nur in denjenigen Gemeinden, die besonders starke Innovationseffekte nach der Fachhochschulgründung aufgewiesen haben (siehe Abbildung): Hier wuchsen die Unternehmensgewinne sechs Jahre nach einer Fachhochschulgründung um bis zu 40 Prozent stärker als in Gemeinden der Kontrollgruppe. Demgegenüber sind in den Gemeinden in Fachhochschulnähe, die mit Blick auf die Innovationsimpulse nicht von Fachhochschulen profitieren konnten, auch keine Effekte auf die durchschnittlichen Unternehmensgewinne erkennbar.

Innovationsimpulse und Unternehmensgewinne

Anmerkung: Die Gemeinden im Umkreis einer Fachhochschule teilten wir hier gemäss ihrem geschätzten Innovationseffekt in fünf gleich grosse Gruppen ein. Gemeinden der Gruppe 5 weisen besonders starke Innovationsimpulse nach der Gründung der Fachhochschulen auf, während die Gruppe 1 bezüglich Innovation nicht von einer Fachhochschule profitieren konnte. Quelle: Schlegel, Pfister und Backes-Gellner (2022).

 

In einer weiterführenden Analyse schauten wir uns an, ob die ansässigen Unternehmen, insbesondere jene in innovativen Industrien wie beispielsweise Elektrotechnik, Optik, Pharma, Informatik sowie Forschung und Entwicklung, einen Einfluss auf die Höhe der Effekte auf Unternehmensgewinne hatten. Dabei zeigte sich, dass die Unternehmensgewinne in jenen Gemeinden im Vergleich zur Kontrollgruppe am stärksten anstiegen, die bereits vor der Fachhochschulgründung über Unternehmen in innovativen Industrien verfügten. Dieses Muster deutet ebenfalls darauf hin, dass die durch Fachhochschulen ausgelösten Innovationsimpulse die Ursache für den Anstieg in regionalen Unternenehmsgewinnen waren.

 

Praxisnähe als Trumpf

Unsere Analysen verdeutlichen die zentrale Rolle, welche die Fachhochschulen im Schweizer Innovationsökosystem spielen. Die neu gegründeten Fachhochschulen mit Mint-Fächern förderten Innovationen, welche direkt und indirekt wiederum lukrative Wachstumsimpulse für die ansässigen Unternehmen auslösten.

Für diese positiven Effekte auf Unternehmensgewinne war insbesondere der klar definierte Leistungsauftrag der Fachhochschulen bei ihrer Gründung bedeutsam – dies verdeutlichen auch unsere früheren Studien zur Fachhochschulgründung.[4] Es war dieser Leistungsauftrag, der zum Fokus auf die anwendungsorientierte Forschung, den neuartigen Humankapital-Mix der Absolvierenden – also die Verbindung von Berufslehrabschlüssen mit einem Tertiärabschluss – und die daraus resultierende neuartige Verbindung von berufsspezifischer Erfahrung mit anwendungsbezogener Forschung führte. Diesem Leistungsauftrag ist aus unserer Sicht auch künftig Sorge zu tragen, um sicherzustellen, dass die anwendungsorientierte Forschung der Fachhochschulen auch in Zukunft positive Innovations- und Wachstumsimpulse für die regionale Wirtschaft anzustossen vermag.

  1. Siehe Pfister, Koomen, et al. (2021) sowie Lehnert, Pfister, and Backes-Gellner (2020). []
  2. Siehe Schlegel, Pfister und Backes-Gellner (2022). []
  3. Siehe ESTV (2016). []
  4. Siehe Pfister, Lehnert und Backes-Gellner (2021). []

Bibliographie

Zitiervorschlag: Tobias Schlegel ; Curdin Pfister ; Uschi Backes-Gellner (2022). Fachhochschulen stimulieren regionale Wirtschaft. Die Volkswirtschaft, 05. Mai.