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Vielfältige Handelspartner für die Schweiz

Die Schweiz ist eines der am stärksten globalisierten Länder der Welt. Seit der Jahrtausendwende diversifiziert sie ihren Aussenhandel. Die EU bleibt aber mit Abstand die wichtigste Partnerin.
Der Handel mit China hat in den letzten 20 Jahren stark zugenommen. Chinesische Arbeiterinnen überprüfen Plüschtiere für den Export. (Bild: Keystone)

Das Welthandelsvolumen hat sich seit der Jahrtausendwende trotz mehrerer Wirtschaftskrisen von 8 Billionen Dollar auf rund 28 Billionen Dollar mehr als verdreifacht.[1] Die Schweiz profitierte als aussenhandelsorientierte Volkswirtschaft in den vergangenen Jahren stark davon. So hat der Anteil der Schweizer Exporte am Bruttoinlandprodukt (BIP) in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Während die Exporte von Gütern und Dienstleistungen im Jahr 2000 51 Prozent des BIP ausmachten, betrug ihr Anteil 2021 70 Prozent.[2]

Viele Exporte beinhalten allerdings importierte Vorleistungen aus dem Ausland. Die Schweiz importiert beispielsweise chemische und pharmazeutische Erzeugnisse aus China. Diese werden im Anschluss von der Schweizer Industrie weiterverarbeitet und zu einem grossen Teil wieder exportiert. Auch handelt es sich bei vielen Exporten der Schweiz um Vorleistungen, die im Ausland weiterverarbeitet werden. Die Schweizer Industrie ist beispielsweise ein wichtiger Zulieferer der europäischen Autoindustrie. Wird der Importanteil an unseren Exporten mitberücksichtigt, so trägt der Aussenhandel mit Waren und Dienstleistungen rund 40 Prozent zum Schweizer BIP bei.

Die Schweiz verdient also mehr als jeden dritten Franken im Ausland. Doch mit welchen Partnern? Anhand von Kartogrammen lässt sich die relative Bedeutung einzelner Handelspartner gut darstellen und vergleichen (siehe Video 1)[3]. Dabei werden die Flächen der einzelnen Länder proportional zu einer statistischen Zielgrösse dargestellt. Je grösser ein Land, desto bedeutender ist dieser Handelspartner für die Schweiz, gemessen am Handelsvolumen.

Nachbarländer als wichtigste Handelspartner

Auf den ersten Blick sticht die Bedeutung Europas und insbesondere der Nachbarländer ins Auge. Im Jahr 2021 wickelte die Schweiz rund 58 Prozent ihres gesamten Güterhandels mit der Europäischen Union (EU) ab, davon rund drei Viertel mit den Nachbarstaaten Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien. Grundlage für die engen Handelsbeziehungen ist neben der geografischen Nähe ein möglichst reibungsloser grenzüberschreitender Handel. Die bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz und der EU machen es möglich: Neben Zöllen haben sie auch viele technische Handelshürden abgebaut. Dazu gehören unterschiedliche Zertifizierungen und Produktzulassungen, Veterinärkontrollen oder phytosanitärische Kontrollen sowie Voranmeldefristen und Sicherheitskontrollen beim Import in die EU, die den internationalen Handel teurer und umständlicher machen würden. Die Schweiz ist mittlerweile so eng in die europäischen Wertschöpfungsketten eingebunden, dass über die Hälfte der Schweizer Exporte und Importe in und aus der EU Vorleistungen sind.[4]

Doch auch die Bedeutung der USA und Chinas ist nicht zu übersehen. Als zweit- und drittwichtigster Handelspartner waren die beiden Staaten im Jahr 2021 für rund 20 Prozent des gesamten Schweizer Güterhandels verantwortlich. Hingegen fallen die Handelsbeziehungen mit den afrikanischen und lateinamerikanischen Staaten kaum ins Gewicht. Trotz vielversprechendem Potenzial[5] entfielen im Jahr 2021 lediglich 3 Prozent des Schweizer Warenhandels auf die beiden Regionen, wovon ein Drittel ausschliesslich auf den Güterhandel mit Brasilien und Mexiko zurückzuführen ist.

Video 1: Die Weltkarte aus Sicht des Schweizer Aussenhandels

Quelle: Aussenhandelsstatistik, BAZG / Dienstleistungsstatistik
im Rahmen der Zahlungsbilanz, SNB / Die Volkswirtschaft
Anmerkung: Die Weltkarte verzerrt sich je nach Bedeutung der jeweiligen Länder für den Schweizer Handel. Je grösser ein Land, desto bedeutender ist dieser Handelspartner für die Schweiz, gemessen am Handelsvolumen.

Bedeutung von USA und China

Wird zusätzlich der Dienstleistungshandel in die Analyse mit einbezogen, ändert sich das Bild kaum. Die USA gewinnen leicht an Bedeutung, während die EU und China ein wenig einbüssen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass im Handel mit der EU der Güterhandel mit rund 72 Prozent und mit China sogar mit 82 Prozent den Dienstleistungshandel überwiegt. Mit den USA ist der Dienstleistungshandel etwa gleich hoch wie der Güterhandel, und das Vereinigte Königreich ist mit einem Dienstleistungsanteil von 65 Prozent einer der wichtigsten Schweizer Handelspartner für Dienstleistungen.[6]

Seit der Jahrtausendwende zeichnet sich eine Verlagerung der Handlungsströme zu den asiatischen Schwellenländern und insbesondere nach China ab. So hat sich der relative Anteil der Schwellen- und Entwicklungsländer Asiens am gesamten Schweizer Warenhandel in den letzten 20 Jahren von 4,5 Prozent auf über 11 Prozent im Jahr 2021 erhöht. Während die Schweiz im Jahr 2000 etwa 1,5 Prozent ihres Güterhandels mit China abwickelte, ist dieser relative Anteil auf über 7,3 Prozent angewachsen. Dazu beigetragen hat sicherlich auch das 2014 in Kraft getretene bilaterale Freihandelsabkommen Schweiz – China. Neben China ist jedoch auch der Warenverkehr mit anderen asiatischen Schwellenländern wie Indien, Vietnam, Malaysia oder Bangladesch deutlich schneller gewachsen als der Gesamthandel der Schweiz. So hat sich beispielsweise der Warenhandel mit Vietnam seit dem Jahr 2000 beinahe verzehnfacht.

Nebst dieser erkennbaren Verlagerung der Handelsströme hin zu den asiatischen Schwellenländern lässt sich auch eine relative Zunahme der Warenströme mit Osteuropa feststellen. Massgeblich dazu beigetragen haben wohl die EU-Osterweiterungen, von denen auch die Schweiz dank den bilateralen Abkommen mit der EU profitierte. So hat sich beispielsweise der Warenhandel mit Polen seit dem Jahr 2000 fast vervierfacht und jener mit Rumänien mehr als versiebenfacht.

Wenn wir die Entwicklung des absoluten Güterhandelsvolumens mit den jeweils zehn wichtigsten Handelspartnern der Schweiz seit der Jahrtausendwende betrachten, belegt die EU mit Abstand Platz eins (siehe Video 2)[7]. Auch wenn der Schweizer Aussenhandel vielfältiger wird und Schweizer Firmen vermehrt Handel mit Asien betreiben, bleibt die EU also die mit Abstand wichtigste Handelspartnerin.

Video 2: Die zehn wichtigsten Handelspartner der Schweiz (nur Güterhandel, in Milliarden Franken)

Quelle: Aussenhandelsstatistik, BAZG / Die Volkswirtschaft
  1. Siehe Weltbank (2021a). []
  2. Siehe Weltbank (2021b). []
  3. Siehe Gastner et al. (2018). []
  4. Siehe OECD (2018). []
  5. Die Regionen erwirtschaften rund 8 Prozent der globalen Wertschöpfung (Weltbank (2021c)). []
  6. Siehe Seco (2021). []
  7. Video kreiert mit app.flourish.studio basierend auf der Aussenhandelsstatistik, BAZG. []

Bibliographie

Zitiervorschlag: Claudio Wegmüller ; Tobias Schmidiger (2022). Vielfältige Handelspartner für die Schweiz. Die Volkswirtschaft, 23. November.