{"id":100039,"date":"2021-03-02T13:09:05","date_gmt":"2021-03-02T13:09:05","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/03\/maintenant-plus-que-jamais\/"},"modified":"2023-08-23T22:51:04","modified_gmt":"2023-08-23T20:51:04","slug":"jetzt-erst-recht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/03\/jetzt-erst-recht\/","title":{"rendered":"Jetzt erst recht"},"content":{"rendered":"<p>Die Corona-Pandemie hat uns Fragilit\u00e4t und Abh\u00e4ngigkeiten in der internationalen Arbeitsteilung aufgezeigt. Gesundheitspolitische Massnahmen f\u00fchrten weltweit dazu, dass es entlang von wirtschaftlichen Wertsch\u00f6pfungsketten zu Lieferengp\u00e4ssen kam, wie der Bundesrat in seinem j\u00e4hrlichen Aussenwirtschaftspolitischen Bericht zuhanden des Parlaments festh\u00e4lt.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Aus Sicht des Bundesrates zeigte die Pandemie auf, wie wichtig offene M\u00e4rkte und das regelbasierte Handelssystem f\u00fcr die international vernetzte Schweizer Volkswirtschaft sind.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nNach dem angebots- und nachfrageinduzierten Handelsschock im Fr\u00fchling 2020 entsch\u00e4rfte sich die Situation rasch \u2013 und die globale Wertsch\u00f6pfungskette funktionierte im weiteren Verlauf der Pandemie grunds\u00e4tzlich wieder. Um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Krise abzufedern, waren laut dem Aussenwirtschaftsbericht die geografische Diversifizierung durch die Unternehmen, das diplomatische Kontaktnetz sowie etablierte Beziehungen der Schweiz zu ihren Handelspartnern in allen Regionen der Welt zentral. Zusammen mit den Leistungen der Landwirtschaft, der einheimischen Produktion und des funktionierenden Detailhandels trugen sie dazu bei, dass die Schweiz keine anhaltenden Versorgungsengp\u00e4sse erlitt.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nAllerdings d\u00fcrften sich die sich bereits in den vergangenen Jahren immer deutlicher abzeichnenden protektionistischen und industriepolitischen Tendenzen im internationalen Umfeld der Schweiz fortsetzen: W\u00e4hrend die USA ihr Augenmerk im vergangenen Jahr auf die R\u00fcckf\u00fchrung von Wertsch\u00f6pfungsketten (\u00abreshoring\u00bb) in den Bereichen Pharma, Medizinaltechnik und medizinisches Schutzmaterial legten, gibt es in der EU Anstrengungen, die strategische und technologische Unabh\u00e4ngigkeit voranzutreiben. Vorschl\u00e4ge aus der EU-Kommission umfassen eine Diversifizierung der Wertsch\u00f6pfungsketten, eine Lagerhaltung von bestimmten G\u00fctern und eine st\u00e4rkere Verpflichtung f\u00fcr das Festsetzen von internationalen Handelsregeln gem\u00e4ss den Werten und Regeln der EU.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Resilienz st\u00e4rken<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nDie Covid-19-Krise f\u00fchrte auch in der Schweiz zu Diskussionen \u00fcber die Versorgungssicherheit, wie zahlreiche parlamentarischen Vorst\u00f6sse \u2013 insbesondere zur Pharmaindustrie, zu Impfstoffen, medizinischer Schutzausr\u00fcstung und Ethanol \u2013 zeigen. Trotzdem scheint es dem Bundesrat nicht ratsam, solchen protektionistischen Tendenzen zu folgen: Offene M\u00e4rkte und internationale Vernetzung \u2013 gerade auch digital, wie die Krise verdeutlicht hat \u2013 sind, gemeinsam mit angemessenen und gezielten staatlichen Massnahmen im \u00f6ffentlichen Interesse, die Basis f\u00fcr eine nachhaltige Erholung und st\u00e4rken die Resilienz der schweizerischen Wirtschaft. F\u00fcr den Bundesrat bleibt daher das Ziel bestehen, die Schweiz als attraktiven Wirtschaftsstandort und zuverl\u00e4ssige Handelspartnerin zu positionieren und f\u00fcr entsprechende Rahmenbedingungen zu sorgen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nPrim\u00e4r liegt es im Interesse der Unternehmen, ihre Produktionsstrukturen krisenfest zu gestalten, und sie sind auch am besten in der Lage, allf\u00e4lliges Verbesserungspotenzial zu identifizieren und umzusetzen. Dabei k\u00f6nnen sich die M\u00f6glichkeiten zur Steigerung der Resilienz von Wertsch\u00f6pfungsketten je nach Branche und Produkten stark unterscheiden. So k\u00f6nnen beispielsweise eine geografische Diversifizierung, eine rasche Substituierbarkeit oder eine Verk\u00fcrzung von Wertsch\u00f6pfungsketten durch Zusammenlegung einzelner Wertsch\u00f6pfungsstufen die Resilienz erh\u00f6hen \u2013 soweit geeignete Anbieter f\u00fcr mehrere Produktionsschritte gefunden werden oder diese selbst durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Eine weitere M\u00f6glichkeit ist der Aufbau von Lagern.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nUmgekehrt w\u00e4re das Extrem einer autarken Produktion von Waren entlang der gesamten oder weiter Teile der Wertsch\u00f6pfungskette gerade im Hochpreis- und Hochlohnland Schweiz mit hohen volkswirtschaftlichen Kosten verbunden. Die so produzierten und exportierten G\u00fcter w\u00e4ren dar\u00fcber hinaus im internationalen Handel weit weniger wettbewerbsf\u00e4hig. Auch staatliche Massnahmen oder Anordnungen, wie sie teils gefordert werden, bergen die Gefahr, die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Unternehmen zu gef\u00e4hrden oder gar kontraproduktiv zu wirken.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nF\u00fcr den Bundesrat verlangt eine globale Krise nach multilateralen L\u00f6sungsans\u00e4tzen. Ein regelbasiertes internationales Handelssystem mit dem WTO-Vertragswerk im Zentrum und erg\u00e4nzt durch Freihandelsabkommen dient den Interessen der Schweiz am besten. So gilt es die bi- sowie plurilateralen Freihandelsabkommen weiter voranzutreiben. Der Ausweg aus der Covid-19-Krise liegt in mehr Offenheit, mehr Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten, mehr Diversifizierung und mehr Vernetzung \u2013 gerade auch digital. Kurz, mehr Globalisierung, nicht weniger, schafft Resilienz, jetzt erst recht.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Bundesrat (2021). <a href=\"https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Publikationen_Dienstleistungen\/Publikationen_und_Formulare\/Aussenwirtschafts\/Berichte_zur_Aussenwirtschaftspolitik\/awb_2020.html\">Bericht zur Aussenwirtschaftspolitik 2020, Januar<\/a>. Dieser Beitrag bezieht sich vor allem auf das erste Kapitel des Berichts, welches sich mit den Auswirkungen der Covid-19-Krise befasst.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Corona-Pandemie hat uns Fragilit\u00e4t und Abh\u00e4ngigkeiten in der internationalen Arbeitsteilung aufgezeigt. 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