{"id":100084,"date":"2021-02-26T08:16:30","date_gmt":"2021-02-26T08:16:30","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/02\/les-entreprises-a-haute-intensite-de-savoir-profitent-des-frontaliers\/"},"modified":"2023-08-23T22:51:38","modified_gmt":"2023-08-23T20:51:38","slug":"grenzgaenger-wissensintensive-unternehmen-profitieren-am-meisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/02\/grenzgaenger-wissensintensive-unternehmen-profitieren-am-meisten\/","title":{"rendered":"Grenzg\u00e4nger: Wissensintensive Unternehmen profitieren am meisten"},"content":{"rendered":"<p>Zur wirtschaftlichen Bedeutung von Grenzg\u00e4ngern gibt es unterschiedliche Ansichten: In einer Umfrage von BAK Economics im Jahr 2013 gaben \u00fcber 70 Prozent aller befragten Firmen an, europ\u00e4ische Fachkr\u00e4fte seien f\u00fcr den wirtschaftlichen Erfolg der Firma wichtig oder gar \u00abunersetzlich\u00bb.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Umgekehrt wurde von verschiedenen Seiten auf die Gefahr hingewiesen, dass die gestiegene Besch\u00e4ftigung von Grenzg\u00e4ngern zu betr\u00e4chtlichen Verdr\u00e4ngungseffekten und zu Lohndruck f\u00fcr einheimische Arbeitskr\u00e4fte gef\u00fchrt haben k\u00f6nnte.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Was l\u00e4sst sich aus wissenschaftlicher Perspektive zur Bedeutung der Grenzg\u00e4nger f\u00fcr die Schweizer Volkswirtschaft sagen?&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nAuf den ersten Blick spielen die Grenzg\u00e4nger eine relativ kleine Rolle auf dem Arbeitsmarkt. Ende 2019 z\u00e4hlte das Bundesamt f\u00fcr Statistik 339\u2019000 Grenzg\u00e4nger, was weniger als 7 Prozent der Gesamtbesch\u00e4ftigung ausmacht.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Wenn man die wirtschaftliche Bedeutung der Grenzg\u00e4nger erfassen m\u00f6chte, ist es jedoch zentral, die zeitliche Entwicklung und die r\u00e4umliche Konzentration der Grenzg\u00e4nger zu ber\u00fccksichtigen. Erstens ist die Zahl der Grenzg\u00e4nger seit 1999 um fast 150 Prozent gewachsen, w\u00e4hrend die Gesamtbesch\u00e4ftigung \u00abnur\u00bb um 30 Prozent zunahm. Der Besch\u00e4ftigungsanteil der Grenzg\u00e4nger hat sich dadurch in 20 Jahren fast verdoppelt. Zweitens arbeiten Grenzg\u00e4nger naturgem\u00e4ss vor allem in grenznahen Gebieten.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nIn einer aktuellen Studie zu den Effekten der Personenfreiz\u00fcgigkeit auf die Einwanderung, auf den Arbeitsmarkt und auf die Firmen in der Schweiz<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> zeigen wir, wie ausgepr\u00e4gt die r\u00e4umliche Konzentration der Grenzg\u00e4nger ist. In Betrieben, die innerhalb von zehn Autominuten vom n\u00e4chsten Grenz\u00fcbergang entfernt liegen, waren 2010 nicht weniger als drei von zehn Besch\u00e4ftigten Grenzg\u00e4nger (siehe <em>Abbildung<\/em>). In Betrieben, die mehr als eine halbe Stunde von der Grenze entfernt sind, lag der Grenzg\u00e4ngeranteil hingegen praktisch bei null.&#013;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Anteil Grenzg\u00e4nger nach Distanz zur Grenze (1994\u20132010)<\/strong><\/h3>\n<p>&#013;<br \/>\n<div class=\"legacy_chart_custom\"><div class=\"chart chart--normal\" id=\"BEERLI-SIEGENTHALER_3-2021_DE\"><\/div>\n<script>\n\n\n\n$(function () {\n    $('#BEERLI-SIEGENTHALER_3-2021_DE').highcharts({     \n\n chart: {\n        type: 'line'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    subtitle: {\n        text: ''\n    },\n    xAxis: {\n    \n    title: {\n                text: 'Autominuten bis zur Grenze'\n            },\n        categories: [\n        \n'\t0\t'\t,\n'\t5\t'\t,\n'\t10\t'\t,\n'\t15\t'\t,\n'\t20\t'\t,\n'\t25\t'\t,\n'\t30\t'\t,\n'\t35\t'\t,\n'\t40\t'\t,\n'\t45\t'\t,\n'\t50\t'\t\n\n],\n\n    },\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: 'Anteil Grenzg\u00e4nger im Verh\u00e4ltnis zur Besch\u00e4ftigung 1998'\n        },\n        labels: {\n                format: '{value}%'\n            },\n       \n    },\n     tooltip: {\n     headerFormat: '<b>{point.x} Minuten<\/b><br>',\n     valueSuffix: '%'\n   \n   \n        },\n    plotOptions: {\n        line: {\n    \n\n            dataLabels: {\n                enabled: false\n            },\n            enableMouseTracking: true\n        },\n        series: {\nmarker: {\nenabled: false\n}\n}\n    },\n    series: [{\n        name: '1994',\n        data: [\n       21.5\t,\n20\t,\n14.1\t,\n3.7\t,\n2.1\t,\n0.6\t,\n0.9\t,\n2\t,\n1.4\t,\n0.9\t,\n0\t\n\n\n],\n    }, {\n        name: '1998',\n        data: [\n        20.8,\n16.9\t,\n13.5\t,\n3.6\t,\n1.8\t,\n0.7\t,\n1\t,\n1.6\t,\n1\t,\n0.7\t,\n1.1\t\n\n]\n       \n           },  \n           {\n        name: '2004',\n        data: [\n        22\t,\n21.6\t,\n13.3\t,\n4\t,\n2.6\t,\n1\t,\n1.3\t,\n1.1\t,\n1.6\t,\n0.5\t,\n0.5\t\n\n\n]\n       \n           },\n           {\n        name: '2010',\n        data: [\n        29.8\t,\n30.8\t,\n17.5\t,\n5.8\t,\n3.8\t,\n2.1\t,\n2.3\t,\n1.9\t,\n1.4\t,\n1.7\t,\n0.8\t\n\n\n]\n       \n           }\n           \n           \n           \n           ]\n});\n\n\n\n});\n\n<\/script>\n<\/div>&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Dargestellt ist die\u00a0Zahl\u00a0der Grenzg\u00e4nger im jeweiligen Jahr relativ zur Besch\u00e4ftigung im Jahr 1998 in Schweizer Grenzregionen. Die Analysen beruhen auf den Daten der Lohnstrukturerhebung auf Gemeindeebene des Bundesamts f\u00fcr Statistik (BFS). F\u00fcr neuere Jahre sind keine Daten auf Gemeindeebene verf\u00fcgbar.<\/span>&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Beerli et al. (2020) \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#013;<\/p>\n<h2><strong>Schrittweise Einf\u00fchrung <\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nR\u00fcckschl\u00fcsse auf die volkswirtschaftliche Bedeutung der Grenzg\u00e4nger lassen sich gewinnen, wenn man untersucht, welche Folgen die Zunahme der Grenzg\u00e4nger infolge der Personenfreiz\u00fcgigkeit hatte. Aufgrund der ab 2002 eingef\u00fchrten Personenfreiz\u00fcgigkeit mit EU-L\u00e4ndern wurde der Schweizer Arbeitsmarkt f\u00fcr Grenzg\u00e4nger schrittweise vollst\u00e4ndig ge\u00f6ffnet \u2013 in den Grenzregionen bereits 2004.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nAls Folge davon stieg der Besch\u00e4ftigungsanteil der Grenzg\u00e4nger in Grenzn\u00e4he betr\u00e4chtlich. In grenzfernen Regionen hingegen blieben Grenzg\u00e4nger auch nach 2004 die Ausnahme, obwohl sie ab 2007 prinzipiell in der ganzen Schweiz besch\u00e4ftigt werden durften. Damit betrafen die Liberalisierungen grenznahe Arbeitsm\u00e4rkte fr\u00fcher und ausgepr\u00e4gter. In unserer Studie machten wir uns diesen Umstand zunutze. Wir betrachten, wie sich die L\u00f6hne und die Besch\u00e4ftigung von Einheimischen und die Situation von Betrieben in Grenzregionen im Vergleich zum Rest der Schweiz entwickelten \u2013 vor und nach der \u00d6ffnung des Arbeitsmarktes. Die Personenfreiz\u00fcgigkeit schuf damit eine fast ideale Situation f\u00fcr einen sauberen wissenschaftlichen Vergleich: Wir konnten die Entwicklungen in der stark betroffenen Grenzregion mit den Entwicklungen in der wenig betroffenen \u00abVergleichsregion\u00bb im Innern der Schweiz kontrastieren.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Kaum Lohndruck<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nDie Arbeitsmarkt\u00f6ffnung f\u00fchrte dazu, dass die Firmen in der Schweiz mehr Grenzg\u00e4nger besch\u00e4ftigten. Sie stellten auch insgesamt mehr Ausl\u00e4nder ein \u2013 die Grenzg\u00e4nger verdr\u00e4ngten andere in der Schweiz lebende Ausl\u00e4nder also nicht. Die Grenzg\u00e4nger, die wegen der Personenfreiz\u00fcgigkeit neu in die Schweiz kamen, arbeiteten vor allem in hoch qualifizierten Berufsfeldern, und zwei Drittel von ihnen wiesen einen Universit\u00e4ts- oder einen Fachhochschulabschluss auf.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nWie wirkte sich die Zunahme der Grenzg\u00e4ngerbesch\u00e4ftigung auf die L\u00f6hne und die Besch\u00e4ftigung einheimischer Arbeitskr\u00e4fte aus? Deskriptive Analysen mit umfassenden Lohndaten des Bundesamtes f\u00fcr Statistik zeigten zun\u00e4chst, dass Grenzg\u00e4nger nur leicht tiefere L\u00f6hne erzielen als Einheimische mit demselben Beruf, demselben Bildungsabschluss und derselben Betriebszugeh\u00f6rigkeit und -erfahrung. Die unerkl\u00e4rte Lohndifferenz von \u20131,5 Prozent ist deutlich geringer als der unerkl\u00e4rte Lohnunterschied zwischen Frauen und M\u00e4nnern in der Schweiz, der ungef\u00e4hr 8 Prozent betr\u00e4gt.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Dies spricht a priori gegen einen starken Lohndruck durch Grenzg\u00e4nger.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDer Vergleich der Arbeitsmarktentwicklung von Einheimischen in grenznahen und -fernen Regionen f\u00f6rderte denn auch keine Evidenz f\u00fcr systematische Verdr\u00e4ngungseffekte zutage. So haben sich die L\u00f6hne und die Besch\u00e4ftigung der Einheimischen in beiden Regionen \u00e4hnlich entwickelt. Bei den Niedrigqualifizierten k\u00f6nnen leichte Verdr\u00e4ngungseffekte zwar nicht ausgeschlossen werden, insbesondere in traditionellen Dienstleistungsbranchen wie dem Gastgewerbe. Die Evidenz daf\u00fcr ist allerdings statistisch nicht robust. Demgegen\u00fcber stiegen die L\u00f6hne von hoch qualifizierten Einheimischen in Grenzn\u00e4he sogar st\u00e4rker als weiter weg. Dieses Resultat widerspricht der Lehrbucherwartung: Weil die zugewanderten Grenzg\u00e4nger auch hoch qualifiziert waren, w\u00fcrde man f\u00fcr diese Gruppe eigentlich den gr\u00f6ssten Lohndruck erwarten.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nZahlreiche Tests erh\u00e4rteten die Robustheit dieser Resultate und zeigten, dass diese weder durch einzelne Grenzst\u00e4dte noch durch einzelne, dominante Branchen wie die Pharmaindustrie getrieben sind.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Neue Stellen geschaffen<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nWie l\u00e4sst sich erkl\u00e4ren, dass die L\u00f6hne und die Besch\u00e4ftigung der Einheimischen trotz einer gestiegenen Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt nicht unter Druck kamen? Die kurze Antwort: weil die Firmen wuchsen und damit mehr Stellen schufen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nUm dies besser zu verstehen, braucht es eine R\u00fcckblende in die Zeit vor der Personenfreiz\u00fcgigkeit gegen Ende der Neunzigerjahre. Damals war der Schweizer Arbeitsmarkt ausgetrocknet. Die Arbeitslosenrate lag unter 2 Prozent, und mehr als ein Drittel aller Firmen beklagte sich, der Fachkr\u00e4ftemangel hemme ihr Wachstum.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDie \u00d6ffnung des Arbeitsmarkts f\u00fchrte dazu, dass Firmen weniger Probleme bekundeten, geeignetes Personal zu rekrutieren. Entsprechend zeigen unsere empirischen Auswertungen, dass die Personenfreiz\u00fcgigkeit zu Besch\u00e4ftigungswachstum f\u00fchrte. Besonders stark wuchsen grenznahe Firmen in der Hightechindustrie \u2013 etwa in den Sparten Maschinen, Elektronik und Biotech \u2013 und in wissensintensiven Dienstleistungsbranchen wie Finanzdienstleistungen und Beratung. Auch diejenigen Unternehmen, die in den Neunzigerjahren in Umfragen besonders \u00fcber Fachkr\u00e4ftemangel klagten, legten zu. Zudem finden wir, dass die Arbeitsmarkt\u00f6ffnung in Grenzn\u00e4he \u2013 vielleicht wegen eines besseren Zugangs zu Fachkr\u00e4ften \u2013 zu einem st\u00e4rkeren Anstieg von Firmengr\u00fcndungen f\u00fchrte. Auch die Firmenneugr\u00fcndungen waren in der Hightechindustrie und in wissensintensiven Dienstleistungen besonders ausgepr\u00e4gt.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Austausch von Wissen<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nDer einfachere R\u00fcckgriff auf Grenzg\u00e4nger machte Firmen zudem nicht nur gr\u00f6sser und zahlreicher, sondern zumindest teilweise auch produktiver und innovativer. So erh\u00f6hten der bessere Zugang zu ausl\u00e4ndischen Forschern und der geringere Fachkr\u00e4ftemangel die Innovationsleistungen der grenznahen Firmen. Die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen und die Zahl der Patentanmeldungen wuchsen in Grenzn\u00e4he nach 2002 deutlich st\u00e4rker als im grenzfernen Inland. Gem\u00e4ss einer aktuellen Studie war der Anstieg von Patenten ausschliesslich auf Forschungsgruppen zur\u00fcckzuf\u00fchren, bei denen Einheimische mit Grenzg\u00e4ngern kooperierten.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> Dies weist darauf hin, dass Grenzg\u00e4nger zus\u00e4tzliches Know-how einbrachten, welches jenes der Einheimischen erg\u00e4nzte.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDer verbesserte Zugang zu hoch qualifizierten Grenzg\u00e4ngern befl\u00fcgelte auch den Export, wie eine weitere Folgestudie<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a> zeigt: Fast zehn Prozent des Schweizer Exportzuwachses von 1996 bis 2010 war auf Firmen in Grenzn\u00e4he zur\u00fcckzuf\u00fchren. Diese Firmen konnten die Qualit\u00e4t ihrer Exporte verbessern, was vor allem auf die effizientere Nutzung von qualitativ besseren Vorprodukten aus den Nachbarl\u00e4ndern zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Wom\u00f6glich brachten Grenzg\u00e4nger Wissen \u00fcber Zulieferer in ihren Herkunftsl\u00e4ndern ein, welches es den Exportunternehmen erlaubte, die Wertsch\u00f6pfungsketten zu optimieren.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDie gesammelte Evidenz zum Effekt der Personenfreiz\u00fcgigkeit suggeriert also, dass Grenzg\u00e4nger zur Steigerung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit von grenznahen Schweizer Firmen beigetragen haben. Zudem findet sich \u2013 zumindest f\u00fcr die ersten zehn Jahre nach Einf\u00fchrung der Personenfreiz\u00fcgigkeit und f\u00fcr die Schweiz als Ganzes \u2013 keine Evidenz f\u00fcr systematische Verdr\u00e4ngungseffekte auf dem Arbeitsmarkt.&#013;<\/p>\n<h2><strong>Blick auf die andere Seite<\/strong><\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nWie wirkten sich die Grenzg\u00e4nger-Liberalisierungen aber auf Firmen und L\u00f6hne im grenznahen Ausland aus? Erste Resultate einer Studie<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a> zu dieser Frage legen nahe, dass wegen der Grenz\u00f6ffnung nicht nur die Einkommen von franz\u00f6sischen Grenzg\u00e4ngern wuchsen, sondern auch die L\u00f6hne von niedrig qualifizierten Erwerbst\u00e4tigen, die im angrenzenden franz\u00f6sischen Grenzgebiet besch\u00e4ftigt blieben. Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung ist, dass sich der Lohnwettbewerb zwischen franz\u00f6sischen und Schweizer Firmen versch\u00e4rfte.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nF\u00fcr das italienische Grenzgebiet zeigt eine weitere Studie<a href=\"#footnote_9\" id=\"footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor\">[9]<\/a>, dass der Verlust von hoch qualifizierten Grenzg\u00e4ngern zu einem R\u00fcckgang der Produktivit\u00e4t und der Durchschnittsl\u00f6hne von Firmen f\u00fchrte, die in Italien angesiedelt sind. Besonders gross ist der Effekt bei wissensintensiven Firmen. M\u00f6glicherweise ging die gesteigerte Wettbewerbsf\u00e4higkeit in der Schweiz also teilweise auf Kosten der Wettbewerbsf\u00e4higkeit von Firmen im grenznahen Ausland.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">BAK Economics (2013).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Blick (2018).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Um Effekte der Corona-Pandemie auszuschliessen, wurden explizit nur Zahlen bis Ende 2019 ber\u00fccksichtigt.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Beerli et al. (2020). Siehe auch Youtube-Zusammenfassung der Studie durch die Autoren <a href=\"https:\/\/youtu.be\/miSRqRCW6PY\">\u00abDie Personenfreiz\u00fcgigkeit und der Schweizer Arbeitsmarkt\u00bb<\/a>.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">BFS (2019).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Cristelli und Lissoni (2020). Siehe auch <a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch?p=99853\">Beitrag<\/a> von Matthias Niggli, Christian Rutzer und Rolf Weder in diesem Schwerpunkt.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Ariu (2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">Hafner (2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_9\" class=\"footnote--item\">Dicarlo (2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur wirtschaftlichen Bedeutung von Grenzg\u00e4ngern gibt es unterschiedliche Ansichten: In einer Umfrage von BAK Economics im Jahr 2013 gaben \u00fcber 70 Prozent aller befragten Firmen an, europ\u00e4ische Fachkr\u00e4fte seien f\u00fcr den wirtschaftlichen Erfolg der Firma wichtig oder gar \u00abunersetzlich\u00bb. 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November<\/li>&#13;\n \t<li>BAK Economics (2013). <a href=\"https:\/\/www.bak-economics.com\/fileadmin\/documents\/reports\/bakbasel_bedeutung_fza_umfrageergebnisse.pdf\">Bedeutung der Personenfreiz\u00fcgigkeit aus Branchensicht: Ergebnisse einer Unternehmensbefragung<\/a>, Dezember.<\/li>&#13;\n \t<li>Beerli, Andreas, Ruffner, Jan, Siegenthaler, Michael und Peri, Giovanni (2020). <a href=\"https:\/\/www.research-collection.ethz.ch\/handle\/20.500.11850\/432769\">The Abolition of Immigration Restrictions and the Performance of Firms and Workers: Evidence from Switzerland.<\/a> August. Der Beitrag erscheint bald auch in \u00ab<a href=\"https:\/\/www.aeaweb.org\/articles?id=10.1257\/aer.20181779\">American Economic Review<\/a>\u00bb.<\/li>&#13;\n \t<li>BFS (2019). <a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/arbeit-erwerb\/loehne-erwerbseinkommen-arbeitskosten\/lohnniveau-schweiz\/lohnunterschied.html\">Lohnunterschiede zwischen Frauen und M\u00e4nnern: Evaluation alternativer statistischer Methoden und der Integration weiterer Faktoren aus administrativen Registern der Schweiz<\/a>.<\/li>&#13;\n \t<li>Blick (2018). <a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/wirtschaft\/seco-studie-zur-personenfreizuegigkeit-grenzgaenger-gefaehrden-schweizer-jobs-und-loehne-id3897382.html\">Seco-Studie zur Personenfreiz\u00fcgigkeit: Grenzg\u00e4nger gef\u00e4hrden Schweizer L\u00f6hne<\/a>, 5. Oktober.<\/li>&#13;\n \t<li>Cristelli, Gabriele, und Lissoni, Francesco (2020). <a href=\"https:\/\/mpra.ub.uni-muenchen.de\/104120\/\">Free Movement of Inventors: Open-border Policy and Innovation in Switzerland.<\/a> MPRA Paper No. 104120.<\/li>&#13;\n \t<li>Dicarlo, Emanuele (2020). <a href=\"https:\/\/emanueledicarlo.github.io\">How do Firms Adjust to Negative Labor Supply Shocks? Evidence from Migration Outflows<\/a>. Mimeo.<\/li>&#13;\n \t<li>Hafner, Flavio (2020). <a href=\"http:\/\/papers.flaviohafner.com\/cwm.pdf\">Labor Market Competition, Wages and Worker Mobility<\/a>. Mimeo.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":100087,"main_focus":[155911,156742],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":100091,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"101125","post_abstract":"Die Personenfreiz\u00fcgigkeit hat die Besch\u00e4ftigung von Grenzg\u00e4ngern in Grenzn\u00e4he deutlich erh\u00f6ht. In grenzfernen Regionen blieben Grenzg\u00e4nger auch nach 2002 die Ausnahme. Wenn man Firmen und Arbeitskr\u00e4fte in grenznahen mit jenen in grenzfernen Regionen vergleicht, lernt man daher etwas \u00fcber die Bedeutung der Grenzg\u00e4nger f\u00fcr die Schweizer Volkswirtschaft. Es zeigt sich: Vom verbesserten Zugang zu mehrheitlich hoch qualifizierten Grenzg\u00e4ngern, zu welchem die Personenfreiz\u00fcgigkeit f\u00fchrte, konnten ans\u00e4ssige Firmen, die auf Fachkr\u00e4fte angewiesen sind, am meisten profitieren. Einige Unternehmen konnten ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivit\u00e4ten ausbauen, wurden innovativer und produktiver und exportierten mehr und bessere Produkte. 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