{"id":100099,"date":"2021-02-25T07:37:28","date_gmt":"2021-02-25T07:37:28","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/02\/les-travailleurs-frontaliers-sont-indispensables-pour-la-suisse\/"},"modified":"2024-10-07T17:26:31","modified_gmt":"2024-10-07T15:26:31","slug":"grenzgaenger-sind-fuer-die-schweiz-unverzichtbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/02\/grenzgaenger-sind-fuer-die-schweiz-unverzichtbar\/","title":{"rendered":"\u00abGrenzg\u00e4nger sind f\u00fcr die Schweiz unverzichtbar\u00bb"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Herr Crevoisier, Sie sind Professor an der Universit\u00e4t Neuenburg. Wie l\u00e4uft es dort derzeit mit dem Unterricht?<\/strong><\/h3>\n<p>Die Situation ist schwierig. Das andauernde Sitzen am Computer erm\u00fcdet viele. Den Studierenden fehlt zudem die M\u00f6glichkeit, Kontakte zu kn\u00fcpfen. Diese soziale Dimension der Lehre und des Studiums darf man nicht untersch\u00e4tzen. Manche Studierenden klinken sich aus den Onlinekursen aus, was mich ziemlich beunruhigt. Vielleicht verfolgen sie die Unterrichtseinheiten aber auch einfach zeitversetzt. Klar ist: Die Stundenpl\u00e4ne und die Begegnungsorte haben einiges von ihrer strukturgebenden Funktion eingeb\u00fcsst.<\/p>\n<h3><strong>Finden sich unter Ihren Studierenden auch Grenzg\u00e4nger?<\/strong><\/h3>\n<p>In den vielen Jahren meiner T\u00e4tigkeit an der Universit\u00e4t Neuenburg habe ich in der Region keine Studierenden mit Grenzg\u00e4ngerstatus kennen gelernt. In Genf oder Basel ist ihre Zahl wahrscheinlich h\u00f6her, weil es in diesen Agglomerationen eine entsprechende Tradition gibt.<\/p>\n<h3><strong>Die Zahl der Grenzg\u00e4ngerbesch\u00e4ftigten in der Schweiz steigt seit 1999 stetig. Heute z\u00e4hlt die Schweiz rund 340\u2019000 Grenzg\u00e4nger. Was sind die Gr\u00fcnde daf\u00fcr?<\/strong><\/h3>\n<p>Erstens schafft die Schweizer Wirtschaft nach wie vor Arbeitspl\u00e4tze. Zweitens hat der Franken seit Ende der 1970er-Jahre kontinuierlich an Wert gewonnen. Dadurch steigen insgesamt auch die L\u00f6hne im internationalen Vergleich, woraus die Kaufkraftunterschiede zwischen der Schweiz und ihren Nachbarl\u00e4ndern resultieren. Ausserdem ist die Arbeitslosigkeit in der Schweiz im Vergleich zum benachbarten Ausland relativ niedrig, wobei die Grenzregionen in dieser Hinsicht anf\u00e4lliger sind.<\/p>\n<h3><strong>Die grenz\u00fcberschreitende Besch\u00e4ftigung reagiert tendenziell immer weniger auf die Konjunkturentwicklung, wie eine von der Universit\u00e4t Neuenburg durchgef\u00fchrte Analyse zeigt. Wie l\u00e4sst sich das erkl\u00e4ren?<\/strong><\/h3>\n<p>Vor 25 bis 30 Jahren arbeiteten Grenzg\u00e4nger haupts\u00e4chlich in der Exportindustrie, wobei die einheimischen Arbeitskr\u00e4fte priorit\u00e4r behandelt wurden. Seitdem ist eine starke Diversifizierung des Grenzg\u00e4ngerprofils zu beobachten. Mittlerweile sind in zahlreichen Sektoren immer mehr Frauen und qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte t\u00e4tig. Die Grenzg\u00e4nger sind somit nicht mehr nur in einem bestimmten Arbeitsmarktsegment aktiv, sondern werden zunehmend wie einheimische Arbeitskr\u00e4fte eingesetzt. Deswegen sind sie nicht mehr so anf\u00e4llig f\u00fcr konjunkturelle Schwankungen.<\/p>\n<blockquote><p>Grenzg\u00e4nger werden zunehmend wie einheimische Arbeitskr\u00e4fte eingesetzt<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Kritiker <\/strong><strong>sagen, Grenzg\u00e4nger n\u00e4hmen den Einheimischen die Arbeitspl\u00e4tze weg oder \u00fcbten\u00a0 Druck auf die L\u00f6hne aus. Stimmt das?<\/strong><\/h3>\n<p>Zur Grenzg\u00e4ngerbesch\u00e4ftigung gibt es zwei Thesen. Laut der ersten These erg\u00e4nzen sich die einheimischen Arbeitskr\u00e4fte und die Grenzg\u00e4nger. Letztere sind demnach eher in konjunkturabh\u00e4ngigen Sektoren oder in Berufen t\u00e4tig, die Schweizer nicht aus\u00fcben wollen. In der Vergangenheit traf diese Sichtweise zu. Es gab eine unterschiedliche rechtliche Behandlung sowie eine Konzentration von Grenzg\u00e4ngern in bestimmten T\u00e4tigkeitsbereichen. Auch heute w\u00fcrden manche Firmen im Tessin oder im Jurabogen ohne die Grenzg\u00e4nger nicht \u00fcberleben \u2013 beispielsweise im Textilbereich.<\/p>\n<h3><strong>Und die andere These?<\/strong><\/h3>\n<p>Sie besagt, dass sich Grenzg\u00e4nger und einheimische Arbeitskr\u00e4fte immer st\u00e4rker \u00e4hneln und somit in Konkurrenz zueinanderstehen. Die Unterscheidung zwischen Grenzg\u00e4ngern und einheimischen Arbeitskr\u00e4ften verblasst laut dieser These zunehmend. Die Pr\u00e4senz der Grenzg\u00e4nger bringt im \u00dcbrigen einige Vorteile mit sich \u2013 allen voran ein Wachstum, das ohne Grenzg\u00e4ngerbesch\u00e4ftigung nicht m\u00f6glich w\u00e4re. Es gibt also f\u00fcr die einheimische Bev\u00f6lkerung indirekt auch positive Auswirkungen.<\/p>\n<h3><strong>Sind die Sorgen also unbegr\u00fcndet?<\/strong><\/h3>\n<p>Die Grenzg\u00e4nger sind j\u00fcnger, mobiler und immer besser ausgebildet und stehen daher tats\u00e4chlich zunehmend mit den einheimischen Arbeitskr\u00e4ften im Wettbewerb. Einige Faktoren f\u00fchren aber nach wie vor zur Diskriminierung von Grenzg\u00e4ngern auf dem Arbeitsmarkt. In Umfragen sagen Grenzg\u00e4nger, ihre Arbeitspl\u00e4tze seien weniger stabil und man setze sie als Erg\u00e4nzungskr\u00e4fte ein. Meines Wissens gibt es aber keine Untersuchungen, die diese Sonderstellung belegen.<\/p>\n<h3><strong>Was hat sich f\u00fcr die Grenzg\u00e4nger seit Einf\u00fchrung der Personenfreiz\u00fcgigkeit im Jahr 2002 ver\u00e4ndert?<\/strong><\/h3>\n<p>Diese institutionelle Entscheidung ist Teil eines globalen Ph\u00e4nomens: In den Neunziger- und Nullerjahren nahm die Mobilit\u00e4t der Arbeitnehmenden grunds\u00e4tzlich zu. Die Personenfreiz\u00fcgigkeit er\u00f6ffnete den Grenzg\u00e4ngern nun zus\u00e4tzliche Wege, um am Arbeitsmarkt zu partizipieren. Der Marktzugang wurde einfacher, und Grenzg\u00e4nger konnten jetzt auch als Selbstst\u00e4ndigerwerbende oder \u00fcber Arbeitsvermittlungen in der Schweiz arbeiten. Dar\u00fcber hinaus brachte die Freiz\u00fcgigkeit Verbesserungen insbesondere bei der Anerkennung ihrer Rechte im Bereich der Sozialversicherungen mit sich.<\/p>\n<h3><strong>Welche Vorteile gab es im Sozialversicherungsbereich?<\/strong><\/h3>\n<p>Grenzg\u00e4nger profitieren beispielsweise von den Bestimmungen zur Kurzarbeit. Das hat sich gerade w\u00e4hrend der Corona-Krise als wichtig erwiesen. Ausserdem k\u00f6nnen sie sich bei einem regionalen Arbeitsvermittlungszentrum melden.<\/p>\n<h3><strong>Wie haben sich diese \u00c4nderungen in den Grenzregionen ausgewirkt?<\/strong><\/h3>\n<p>Es ist zu einer Diversifikation gekommen: Die Zahl der Grenzg\u00e4nger hat vor allem in Dienstleistungsbranchen wie dem Gesundheitswesen, dem Handel und der Gastronomie zugenommen. Vor 25 Jahren war die H\u00e4lfte der Grenzg\u00e4nger noch in der Exportindustrie t\u00e4tig. Heute ist es nur noch ein Drittel \u2013 bei insgesamt viel h\u00f6heren Zahlen. Diese gleichm\u00e4ssigere Durchdringung des Arbeitsmarkts in Regionen wie Genf und dem Tessin hat der Wirtschaft zu allgemeinem Wachstum verholfen.<\/p>\n<h3><strong>Im Tessin machen Grenzg\u00e4nger fast ein Drittel aller Erwerbspersonen aus und im Kanton Genf ein Viertel. Sind Grenzg\u00e4nger f\u00fcr die Schweiz unverzichtbar?<\/strong><\/h3>\n<p>Grenzg\u00e4nger sind tats\u00e4chlich f\u00fcr die Schweiz unverzichtbar. Im Zuge der Grenz\u00f6ffnung, der Integration der Schweiz in Europa und einer allgemeinen Zunahme der Mobilit\u00e4t von Arbeitskr\u00e4ften hat sich der Schweizer Arbeitsmarkt erweitert. Er reicht mittlerweile \u00fcber die Landesgrenzen hinaus und umfasst auch die grenznahen Gebiete im Ausland.<\/p>\n<blockquote><p>Der Schweizer Arbeitsmarkt reicht \u00fcber die Landesgrenzen hinaus<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Welche Regionen h\u00e4ngen wirtschaftlich besonders stark von den Grenzg\u00e4ngern ab?<\/strong><\/h3>\n<p>Besonders stark betroffen sind die Westschweiz und das Tessin. In der Deutschschweiz ist das Ph\u00e4nomen \u2013 mit Ausnahme von Basel \u2013 schw\u00e4cher ausgepr\u00e4gt. Einerseits ist dort der Anteil an grenzfernen Regionen gr\u00f6sser, andererseits sind die Einkommensunterschiede zwischen S\u00fcddeutschland und der Schweiz geringer, weshalb der Zustrom auf den Arbeitsmarkt kleiner ausf\u00e4llt.<\/p>\n<h3><strong>Welchen Herausforderungen m\u00fcssen sich die benachbarten schweizerischen und ausl\u00e4ndischen Grenzgebiete gemeinsam stellen?<\/strong><\/h3>\n<p>Die Koordination bleibt schwierig. Nur schon eine grenz\u00fcberschreitende \u00f6ffentliche Nahverkehrslinie zu betreiben, erweist sich als extrem kompliziert, wie das Beispiel der Bahnstrecke Genf\u2013Annemasse zeigt. Dort konnte man sich nicht auf ein und dasselbe Rollmaterial einigen. Daher verkehren auf der Strecke nun franz\u00f6sische und schweizerische Z\u00fcge, was die Betriebskosten erh\u00f6ht.<\/p>\n<h3><strong>Woher r\u00fchren diese Probleme?<\/strong><\/h3>\n<p>Werden Vereinbarungen geschlossen, k\u00f6nnen in einem der beiden L\u00e4nder \u00c4nderungen eintreten, welche die getroffenen Regelungen infrage stellen. Nehmen wir den Flughafen Basel als Beispiel: Obwohl schon alles geregelt schien, wollte die franz\u00f6sische Regierung die Vereinbarungen ab\u00e4ndern. Ausserdem f\u00fchrt die Wechselkursentwicklung regelm\u00e4ssig dazu, dass wirtschaftliche Berechnungen und geplante politische Massnahmen revidiert werden m\u00fcssen.<\/p>\n<h3><strong>Heisst das, dass die Grenzregionen auf die Grenzg\u00e4ngerstr\u00f6me kaum einen Einfluss haben?<\/strong><\/h3>\n<p>Genau. Einen grossen Einfluss haben strukturelle Faktoren, welche sich der Kontrolle der lokalen Akteure entziehen. Trotzdem wirken sie sich lokal stark aus. So bekommen die Grenzregionen beispielsweise eine Frankenaufwertung oder eine allgemeine Attraktivit\u00e4t des Schweizer Arbeitsmarktes geballt zu sp\u00fcren.<\/p>\n<h3><strong>Gibt es auch Grenzg\u00e4nger aus der Schweiz, die im Ausland arbeiten?<\/strong><\/h3>\n<p>Ja, ungef\u00e4hr 30\u2019000 Personen \u2013 das entspricht weniger als einem Zehntel der Grenzg\u00e4nger, die zur Arbeit in die Schweiz pendeln. Schweizer Pendler werden dabei gleich zweifach bestraft \u2013 erstens durch das Lohnniveau und zweitens durch die Lebenshaltungskosten. Ohne hierzu \u00fcber genauere Informationen zu verf\u00fcgen, habe ich aber den Eindruck, dass die meisten dieser Personen gr\u00f6ssere Distanzen zur\u00fccklegen. Dass es sich also zum Beispiel um Besch\u00e4ftigte handelt, die in Paris arbeiten, offiziell aber im Einklang mit dem Personenfreiz\u00fcgigkeitsabkommen an ihrem Schweizer Wohnsitz festhalten.<\/p>\n<h3><strong>Im grenznahen Ausland sind Immobilien tendenziell g\u00fcnstiger. Gibt es viele Schweizer, die von dort aus in die Schweiz arbeiten kommen?<\/strong><\/h3>\n<p>Da gibt es grosse regionale Unterschiede. Im Grossraum Genf etwa lassen sich aus der Schweiz stammende Besch\u00e4ftigte schon seit Langem in franz\u00f6sischen Grenzgebiet nieder. Ein Grund sind sicher die tieferen Lebenshaltungskosten und die gr\u00f6ssere Verf\u00fcgbarkeit von Immobilien. Eine Rolle spielt aber auch die urbane Kontinuit\u00e4t Genfs, die \u00fcber die Grenze hinausgeht. Im Jurabogen ist die Situation anders. In einer Untersuchung haben wir herausgefunden, dass sich dort nur wenige Personen in Frankreich niederlassen und dort Immobilienbesitz erwerben. Meist besitzt zudem mindestens ein Haushaltsmitglied den franz\u00f6sischen Pass.<\/p>\n<h3><strong>Grenzg\u00e4nger, die in der Schweiz arbeiten, haben dank der guten L\u00f6hne und des niedrigeren Preisniveaus in den Nachbarl\u00e4ndern eine hohe Kaufkraft. Gibt es auch eine Kehrseite der Medaille?<\/strong><\/h3>\n<p>Als Grenzg\u00e4nger im Ausland zu arbeiten, ist schwierig. Die mit der Mobilit\u00e4t verbundene Belastung wird regelm\u00e4ssig untersch\u00e4tzt. Langfristig erzeugt sie monet\u00e4re, psychologische und physische Kosten. Die Grenzg\u00e4nger leiden \u2013 zusammen mit der lokalen Bev\u00f6lkerung \u2013 am meisten unter den verstopften Strassen. Ausserdem findet eine doppelte Stigmatisierung statt: Diesseits der Grenze wirft man ihnen vor, den Inl\u00e4ndern die Arbeit wegzunehmen und keinen Beitrag zur schweizerischen Gesellschaft zu leisten. Und jenseits der Grenze heisst es, sie trieben die Preise im Immobiliensektor und im Einzelhandel in die H\u00f6he und beteiligten sich aus Zeitmangel nicht am lokalen Leben.<\/p>\n<blockquote><p>Die mit der Mobilit\u00e4t verbundene Belastung wird regelm\u00e4ssig untersch\u00e4tzt<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Sie haben den Immobilienmarkt im franz\u00f6sisch-schweizerischen Jurabogen untersucht. Wie lauten Ihre Schlussfolgerungen?<\/strong><\/h3>\n<p>Entlang der Grenze \u2013 teilweise auf 1000\u00a0Metern \u00fcber Meer \u2013 hat sich ein urbanisierter Landstrich mit imposanten Wohn- und Gewerbegebieten entwickelt. So ist das Gesch\u00e4ftsquartier der franz\u00f6sischen Stadt Pontarlier, die lediglich 17\u2019000 Einwohner z\u00e4hlt, auf eine Agglomeration von 120\u2019000 Einwohnern ausgelegt. Im Immobiliensektor ist Wohneigentum auf der franz\u00f6sischen Seite der Grenze nach wie vor verf\u00fcgbar, w\u00e4hrend die H\u00f6he der Mieten mit jener in der Schweiz vergleichbar ist. Der Mietmarkt ist relativ angespannt. Das kommt daher, dass Menschen aus weiter entfernten Regionen Frankreichs zun\u00e4chst eine Wohnung in der N\u00e4he zur Schweiz mieten, bevor sie sich in der Schweiz niederlassen oder im franz\u00f6sischen Grenzgebiet Wohneigentum erwerben.<\/p>\n<h3><strong>Welche Rolle spielen Anti-Grenzg\u00e4nger-Kampagnen, wie sie beispielsweise vom Mouvement Citoyens Genevois gef\u00fchrt werden?<\/strong><\/h3>\n<p>Diese Bewegungen erh\u00f6hen die Spannungen. Sie weisen aber auf bestehende, nicht zu leugnende Probleme wie Staus oder den zunehmenden Wettbewerb am Arbeitsmarkt hin. An diesen Bewegungen st\u00f6rt mich jedoch, dass sie h\u00e4ufig die Pr\u00e4senz der Grenzg\u00e4nger insgesamt anprangern. Sie lasten die Probleme dieser nicht wahlberechtigten Gruppe an, statt die Probleme anzugehen. Dabei kann man sehr wohl nach L\u00f6sungen suchen, ohne die Grenzg\u00e4nger zu stigmatisieren. Es gibt Instrumente, um die Spannungen abzubauen. Doch diese werden zu selten eingesetzt.<\/p>\n<h3><strong>Welche Instrumente meinen Sie?<\/strong><\/h3>\n<p>Ich meine damit Gesamtarbeitsvertr\u00e4ge, die nicht f\u00fcr alle Unternehmen bindend sind. In Genf werden sie zwar gr\u00f6sstenteils respektiert, in Neuenburg aber bereits weniger. Und im Jura wendet nur eine Minderheit der Firmen einen Gesamtarbeitsvertrag an. Nat\u00fcrlich ist das eine politische Ermessenssache.<\/p>\n<h3><strong>Heisst das, dass die Politik nicht ausreichend reagiert?<\/strong><\/h3>\n<p>Diese strukturellen Probleme sind nicht leicht zu l\u00f6sen. So kann man zum Beispiel den Strassenverkehr nicht einfach durch den \u00f6ffentlichen Personenverkehr ersetzen, um die Stauproblematik zu beheben. Denn die Region jenseits der Grenze ist gr\u00f6sstenteils nur sp\u00e4rlich besiedelt. Ausserdem w\u00fcrde der Bau einer Eisenbahnlinie Jahrzehnte dauern. Wir m\u00fcssen also Mischl\u00f6sungen finden. Die Grenzg\u00e4ngerproblematik existiert seit rund 40 Jahren. Die Probleme zu l\u00f6sen, braucht daher Zeit.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Crevoisier, Sie sind Professor an der Universit\u00e4t Neuenburg. Wie l\u00e4uft es dort derzeit mit dem Unterricht? Die Situation ist schwierig. Das andauernde Sitzen am Computer erm\u00fcdet viele. Den Studierenden fehlt zudem die M\u00f6glichkeit, Kontakte zu kn\u00fcpfen. Diese soziale Dimension der Lehre und des Studiums darf man nicht untersch\u00e4tzen. 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