{"id":100129,"date":"2021-02-23T11:35:46","date_gmt":"2021-02-23T11:35:46","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2021\/02\/la-crise-precarise-la-situation-des-aides-familiales-residentes\/"},"modified":"2023-08-23T22:51:10","modified_gmt":"2023-08-23T20:51:10","slug":"live-in-betreuerinnen-in-der-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2021\/02\/live-in-betreuerinnen-in-der-krise\/","title":{"rendered":"Live-in-Betreuerinnen in der Krise"},"content":{"rendered":"<p>Seit der Ausweitung der Personenfreiz\u00fcgigkeit auf die zentral- und osteurop\u00e4ischen EU-Staaten im Jahr 2011 haben sich in der Schweiz sogenannte Live-in-Betreuungsunternehmen etabliert. Sie rekrutieren Arbeitskr\u00e4fte \u2013 fast ausschliesslich Frauen \u2013 in den neuen EU-L\u00e4ndern und vermitteln oder verleihen diese als Altenbetreuerinnen in Schweizer Privathaushalte. \u00dcblicherweise wechseln sich mindestens zwei Betreuerinnen in einem Haushalt ab. Sie stehen jeweils zwei bis zw\u00f6lf Wochen am St\u00fcck in der Schweiz im Einsatz, bevor sie wieder in ihren Heimatstaat zur\u00fcckkehren und von einer Kollegin abgel\u00f6st werden. W\u00e4hrend ihrer Eins\u00e4tze wohnen die Betreuerinnen im Haushalt der betreuungsbed\u00fcrftigen Person, weshalb man von Live-in-Betreuung spricht. Sie unterst\u00fctzen diese Personen bei T\u00e4tigkeiten wie dem Ankleiden und der K\u00f6rperpflege, begleiten sie im Alltag und f\u00fchren den Haushalt. Nach Abzug von Kost und Logis und umgerechnet auf zw\u00f6lf Monate erhalten sie f\u00fcr diese Arbeit netto durchschnittlich 1500 Schweizer Franken pro Monat.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#013;<\/p>\n<h2>Konsolidierter Markt<\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nDie genaue Zahl der in der Schweiz t\u00e4tigen Betreuungsunternehmen sowie der Live-in-Betreuerinnen ist nicht bekannt. Unsere Forschungsgruppe an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich hat \u00fcber die letzten neun Jahre hinweg mittels Internetrecherchen die in der deutschsprachigen Schweiz operierenden Anbieter mit Sitz in der Schweiz dokumentiert.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> In der lateinischen Schweiz sind Betreuungsunternehmen weniger etabliert. In diesem Zeitraum ist die Zahl der Unternehmen von 35 auf 62 angewachsen (siehe <em>Abbildung<\/em>). 54 davon sind im Verzeichnis der bewilligten, privaten Arbeitsvermittlungs- und Personalverleihbetriebe (VZAVG) aufgef\u00fchrt.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDer Markt erneuert sich schnell: In jeder Dreijahresperiode &#8211; 2012, 2015 und 2018 &#8211; kommen rund 20 bis 30 neue Unternehmen hinzu. Jeweils ein knappes Drittel bis gut die H\u00e4lfte der neu erfassten Unternehmen ist beim n\u00e4chsten Erhebungszeitpunkt drei Jahre sp\u00e4ter bereits nicht mehr in der Live-in-Betreuung aktiv.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Demgegen\u00fcber zeigen sich bei den bereits l\u00e4nger existierenden Unternehmen kaum mehr Abg\u00e4nge. Diese insgesamt vergleichsweise tiefen Zahlen relativieren den teils in der \u00d6ffentlichkeit wahrgenommenen Boom der Live-in-Betreuungsunternehmen.&#013;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\">Anzahl Live-in-Betreuungsunternehmen in der Schweiz (2012\u20132021)<\/h3>\n<p>&#013;<br \/>\n<div class=\"legacy_chart_custom\"><div class='chart chart--normal' id='03_2021_Schwiter_Villalba_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#03_2021_Schwiter_Villalba_de').highcharts({\nchart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    xAxis: {\n        categories: ['01.01.2012', '01.01.2015', '01.01.2018', '01.01.2021']\n    },\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        stackLabels: {\n            enabled: true,\n            \n        }\n    },\n   \n    tooltip: {\n        headerFormat: '<b>{point.x}<\/b><br\/>',\n        pointFormat: '{series.name}: {point.y}<br\/>Total: {point.stackTotal}'\n    },\n    plotOptions: {\n        column: {\n            stacking: 'normal',\n            dataLabels: {\n                enabled: false\n            }\n        }\n    },\nlegend: {\nreversed: true\n},\n    series: [{\n        name: '2021',\n        data: [null,null,null,25]\n            }, {\n            name: '2018',\n        data: [null,null,31,18]\n    }, {\n        name: '2015',\n        data: [null,22,10,7]\n    },{\n        name: '2012',\n        data: [35,24,12,12]\n    }]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n<\/div>&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\n<span class=\"text__legend\">Anmerkung: Die Farben geben an, in welchem Jahr die Agenturen erstmals dokumentiert wurden.<\/span>&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Eigene Darstellung der Autorinnen \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nIn dieser Erhebung nicht ber\u00fccksichtigt sind Unternehmen mit Sitz im Ausland, die Personal in die Schweiz vermitteln oder entsenden. Dies ist zwar nicht zul\u00e4ssig, wird aber teilweise trotzdem praktiziert. Einen weiteren blinden Fleck bilden Privathaushalte, welche die Betreuerinnen informell rekrutieren und direkt anstellen. Zu solchen Direktanstellungen existieren keine verl\u00e4sslichen Zahlen. W\u00e4hrend die in der Schweiz ans\u00e4ssigen Vermittlungs- und Verleihunternehmen inzwischen verst\u00e4rkt kontrolliert werden, besteht bei den Privathaushalten grosser Handlungsbedarf. Denn diese setzen sich h\u00e4ufig \u00fcber Arbeitsschutzrechte, Mindestl\u00f6hne und Sozialversicherungspflichten hinweg.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>&#013;<\/p>\n<h2>Mehrbelastung f\u00fcr Unternehmen<\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nIm M\u00e4rz 2020 verh\u00e4ngte der Bundesrat strikte Massnahmen zur Eind\u00e4mmung des Coronavirus. Diese brachten die transnationale Mobilit\u00e4t der Live-in-Betreuerinnen zeitweilig fast vollst\u00e4ndig zum Erliegen. Einzelne Unternehmen reagierten darauf mit einer sofortigen Einstellung der Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit. Andere sp\u00fcrten eine reduzierte Nachfrage, weil die potenzielle Kundschaft verunsichert war. Doch auch das Gegenteil kam vor. Einige Unternehmen sprechen von einem Nachfrageboom, den sie den eingeschr\u00e4nkten Besuchsrechten und den Infektionsrisiken in Pflegeheimen zuschreiben. Das zeigen Interviews, die wir in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2020 mit Verantwortlichen von zw\u00f6lf Betreuungsunternehmen gef\u00fchrt haben, um ihren Umgang mit den Covid-19-bedingten Herausforderungen zu eruieren.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a>&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\n\u00dcbereinstimmend betonen fast alle Befragten, dass ihre Arbeitsbelastung durch die Pandemie massiv gestiegen sei. Einige Firmen erstellten Schutzkonzepte und verteilten ihren Betreuerinnen sofort Masken, Handschuhe, Desinfektionsmittel und Verhaltensmerkbl\u00e4tter. Andere beschreiben ihren grossen Zeitaufwand, um die sich st\u00e4ndig ver\u00e4ndernden und teilweise auch kantonal unterschiedlichen Bestimmungen zu recherchieren: Reisem\u00f6glichkeiten, Einreisebewilligungen, Quarant\u00e4nepflichten und m\u00f6gliche Ausnahmen f\u00fcr die verschiedenen Herkunftsl\u00e4nder ihrer Betreuerinnen. Viele erz\u00e4hlen, sie st\u00fcnden in intensivem Kontakt mit den Betreuerinnen, den Betreuten und deren Angeh\u00f6rigen, um Fragen und Sorgen aufzunehmen und zu informieren. Einzelne berichten von grossem Organisationsaufwand f\u00fcr Einsatzverl\u00e4ngerungen, ausserordentliche Betreuungsabl\u00f6sungen, Corona-Tests und Anreisen der Betreuerinnen \u00fcber Grenzen hinweg. Eine Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin wirft stellvertretend f\u00fcr die meisten Interviewten deshalb die Frage auf: \u00abK\u00f6nnen wir \u00fcberhaupt so weiterarbeiten? Ist das machbar personell, von Aufwand und Ertrag?\u00bb&#013;<\/p>\n<h2>Mehrbelastung f\u00fcr Betreuerinnen<\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nUm die Betreuung angesichts von Infektionsrisiken, erschwerten Grenz\u00fcbertritten und Quarant\u00e4nepflichten sicherzustellen, verl\u00e4ngern in einem ersten Schritt praktisch alle Unternehmen w\u00e4hrend des Lockdowns im Fr\u00fchjahr 2020 die Eins\u00e4tze ihrer bereits vor Ort befindlichen Betreuerinnen. Zudem fordern sie diese h\u00e4ufig auf, auf Aussenkontakte zu verzichten. Einzelne Unternehmen argumentieren, f\u00fcr die Betreuerinnen habe sich dadurch nicht viel ge\u00e4ndert. Sie seien ja sowieso an sieben Tagen rund um die Uhr dort.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nDoch die meisten Befragten erw\u00e4hnen die Zusatzbelastung der Betreuerinnen. Denn diese k\u00f6nnen ihren Haushalt kaum mehr verlassen, und Abl\u00f6sungen durch Verwandtenbesuche fallen in vielen F\u00e4llen weg. Deshalb betreuen sie die \u00e4lteren Personen, die oftmals an Demenz erkrankt sind, \u00fcber Wochen fast pausenlos. Die Befragten konstatieren zum Beispiel, dass ihre Angestellten nach acht Wochen \u00abwirklich fertig\u00bb waren, da die Situation noch belastender als sonst sei. Nur zwei der befragten Unternehmen geben an, diese geleisteten Mehrstunden als \u00dcberstunden auszuzahlen, eine weitere Firma kompensierte sie mit einem \u00abBonus\u00bb von 200 Franken.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nW\u00e4hrend einige Betreuerinnen im Lockdown ihre Eins\u00e4tze verl\u00e4ngern, fallen die Eins\u00e4tze ihrer geplanten Abl\u00f6sungen und weitere vorgesehene Betreuungseins\u00e4tze wegen abgesprungener Kundschaft aus. Diese Betreuerinnen werden nicht kompensiert f\u00fcr diesen Lohnausfall. Nur eines der befragten Unternehmen versucht Kurzarbeitsentsch\u00e4digungen zu beantragen. Dies gelingt ihm jedoch nur f\u00fcr wenige Einzelf\u00e4lle, in denen l\u00e4ngere Arbeitsvertr\u00e4ge vorliegen. Die in der Live-in-Betreuung \u00fcblichen kurzen Einsatzvertr\u00e4ge f\u00fcr jeweils wenige Wochen f\u00fchren dazu, dass Betreuerinnen durch die Maschen der Kurzarbeitsentsch\u00e4digung fallen. Dies gilt ebenso f\u00fcr Betreuerinnen, die bei Privathaushalten direkt angestellt sind. Antr\u00e4ge auf Kurzarbeitsentsch\u00e4digung sind den Unternehmen vorbehalten. In einigen F\u00e4llen k\u00f6nnen die Betreuerinnen ihre Eins\u00e4tze zu sp\u00e4teren Zeitpunkten nachholen. Wo dies nicht m\u00f6glich ist, f\u00e4llt das Einkommen der Betroffenen vollst\u00e4ndig weg.&#013;<\/p>\n<h2>Beschwerliche Reisen<\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nIn einem zweiten Schritt versuchen die Unternehmen so schnell wie m\u00f6glich, die Abl\u00f6sungen ihrer Betreuerinnen wieder zu erm\u00f6glichen. Da weiterhin Fl\u00fcge, Z\u00fcge und Busse ausfallen und Grenz\u00fcbertritte eingeschr\u00e4nkt sind, erweist sich dies als aufwendig in der Organisation sowie risikoreich und anstrengend f\u00fcr die Reisenden. W\u00e4hrend des Lockdowns im Fr\u00fchjahr 2020 fahren mehrere Befragte die Betreuerinnen pers\u00f6nlich bis zur Grenze. W\u00e4hrend einige diese Reisen als unproblematisch darstellen, erz\u00e4hlen andere von Grenz\u00fcbertritten mit kilometerlangen Fussm\u00e4rschen, umst\u00e4ndlichen Reisen mit Regionalz\u00fcgen, bis zu zweit\u00e4gigen Wartezeiten an Grenz\u00fcbertritten und irregul\u00e4ren Grenz\u00fcberschreitungen. Hinzu kommen die mit den Reisen verbundenen Infektionsrisiken, denen sich die Betreuerinnen aussetzen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nGrosse Unterschiede zeigen sich auch im Umgang mit Quarant\u00e4nevorschriften. Einige Befragte berichten von Betreuerinnen, die unmittelbar nach ihrer R\u00fcckkehr ins Herkunftsland f\u00fcr bis zu zwei Wochen in Quarant\u00e4ne mussten. Bei der Einreise in die Schweiz setzen allerdings nur zwei Unternehmen und nur f\u00fcr kurze Zeit Quarant\u00e4nemassnahmen um. Sie stellen den Betreuerinnen w\u00e4hrend zehn Tagen vor ihren Eins\u00e4tzen in der Schweiz Zimmer und Verpflegung zur Verf\u00fcgung. Alle anderen Unternehmen verzichten auf diese Massnahme. Einige argumentieren, dass die Betreuerinnen als systemrelevantes Gesundheitspersonal von der Quarant\u00e4nepflicht ausgenommen seien. Andere finden, die Betreuerinnen w\u00fcrden sich zusammen mit der betreuungsbed\u00fcrftigen Person direkt im Haushalt quasi beim Arbeiten in Quarant\u00e4ne begeben. F\u00fcr die Tage in Quarant\u00e4ne werden die Betreuerinnen nicht entsch\u00e4digt. Einzig ein befragtes Unternehmen bezahlt ihren Betreuerinnen f\u00fcr die Quarant\u00e4netage in einer separaten Unterkunft in der Schweiz einen Bonus, der rund einem Drittel der \u00fcblichen Entl\u00f6hnung entspricht.&#013;<\/p>\n<h2>Betreuungsarbeit besser sch\u00fctzen<\/h2>\n<p>&#013;<br \/>\nUnsere Erkenntnisse zur Live-in-Betreuung w\u00e4hrend der Covid-19-Pandemie widerspiegeln die \u00dcberlastung, die Unterbezahlung und den mangelnden Arbeitskr\u00e4fteschutz, welche derzeit auch in vielen anderen Bereichen des Gesundheitswesens sichtbar werden. Einerseits haben sich diese Probleme durch die Pandemie noch versch\u00e4rft. Andererseits werden sie von der \u00d6ffentlichkeit nun vermehrt wahrgenommen. Im Falle der transnational rekrutierten Betreuerinnen kommen zus\u00e4tzliche Herausforderungen hinzu: Erstens hat das Zusammenleben von Betreuerin und Betreuten in einem Haushalt zur Folge, dass Erholung kaum m\u00f6glich ist und geleistete Mehrstunden aufgrund von wegfallenden Abl\u00f6sungen, beispielsweise an Wochenenden, nicht sichtbar und auch nicht entsch\u00e4digt werden.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nZweitens f\u00fchren die \u00fcblichen kurzen Einsatzvertr\u00e4ge von jeweils nur wenigen Wochen dazu, dass die Unternehmen keinen Zugang zu Kurzarbeitsentsch\u00e4digungen haben und die Betreuerinnen bei ausgefallenen Eins\u00e4tzen ganz ohne Lohn dastehen. Hier zeigen sich problematische L\u00fccken in der Gesetzgebung und in den staatlichen Unterst\u00fctzungsmassnahmen. Personen in prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen sind davon in besonderem Masse betroffen.&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nUnd drittens f\u00fchren die erschwerten Reisen und Grenz\u00fcbertritte in Pandemiezeiten vor Augen, wie fragil ein Betreuungsmodell ist, das aufgrund der belastenden Arbeitssituation in einem Live-in-Verh\u00e4ltnis und der tiefen Bezahlung die Arbeitskr\u00e4fte alle paar Wochen auswechseln und \u00fcber mehrere Landesgrenzen hinweg rekrutieren muss. Einige Befragte veranlasst dies auch, das Modell grunds\u00e4tzlich zu hinterfragen. So sagt ein Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer: \u00abWenn die Betreuerinnen zwei Wochen da sind und dann zwei Wochen in Quarant\u00e4ne m\u00fcssen, dann geht das Konzept nicht mehr auf.\u00bb&#013;<br \/>\n&#013;<br \/>\nGleichzeitig hat das Pandemiejahr auch dazu beigetragen, die in Schweizer Privathaushalten geleistete Betreuungsarbeit sichtbar zu machen. Nun gilt es, sie auch in der Arbeitsgesetzgebung als vollwertige Arbeit anzuerkennen und den Betreuerinnen dieselben Arbeitsschutzrechte zu gew\u00e4hren. Im Fokus stehen dabei nicht prim\u00e4r die Betreuungsunternehmen, sondern insbesondere die Privathaushalte in ihrer Rolle als Arbeitgebende. Bis heute stellen sie in Gesetzgebung und Aufsicht einen blinden Fleck dar.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a><\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Truong et al. (2012), S. 18.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Diese Forschung ist Teil des Projekts \u00abDecent Care Work\u00bb in Kooperation mit Jennifer Steiner von der Universit\u00e4t Z\u00fcrich; Aranka Benazha, Amanda Glanert, Helma Lutz, Iga Obrocka und Ewa Palenga von der Universita\u0308t Frankfurt am Main; sowie Brigitte Aulenbacher, Michael Leiblfinger und Veronika Prieler von der Universita\u0308t Linz.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Entspricht etwa der durchschnittlichen \u00dcberlebensrate von neu gegr\u00fcndeten Unternehmen im Schweizer Gesundheits- und Sozialwesen, die nach drei Jahren 72 Prozent betr\u00e4gt (BFS, 2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">ILO (2013).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">F\u00fcr die Perspektive der Betreuerinnen siehe z. B. Leiblfinger et al. (2020); Odehnal (2020); Schilliger et al. (2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Wir danken unseren Befragten, unserem Forschungsteam im \u00abDecent Care Work\u00bb-Projekt sowie Huey Shy Chau, Boz\u0307ena Doman\u0301ska, Sarah Schilliger, Sarah Steinegger und Jasmine Truong f\u00fcr ihre wertvollen Beitr\u00e4ge.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit der Ausweitung der Personenfreiz\u00fcgigkeit auf die zentral- und osteurop\u00e4ischen EU-Staaten im Jahr 2011 haben sich in der Schweiz sogenannte Live-in-Betreuungsunternehmen etabliert. 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Z\u00fcrich: Schulthess.<\/li>&#13;\n \t<li>Odehnal, Bernhard (2020). Mit der Schweiz bin ich fertig. Tages-Anzeiger vom 17. Oktober 2020, S. 37\u201338.<\/li>&#13;\n \t<li>Schilliger, Sarah (2014). Pflegen ohne Grenzen? Polnische Pendelmigrantinnen in der 24h-Betreuung. Dissertation an der Universit\u00e4t Basel.<\/li>&#13;\n \t<li>Schilliger, Sarah et al. (2020). Grenzerfahrungen in der Betreuung von Betagten. Wochenzeitung WOZ vom 07. Mai 2020.<\/li>&#13;\n \t<li>Truong, Jasmine et al. (2012). Ein transnationaler Markt im Privathaushalt: Analyse des Pflege- und Betreuungsmarkts in der Stadt Z\u00fcrich. Geographisches Institut der Universit\u00e4t Z\u00fcrich im Auftrag der Fachstelle f\u00fcr Gleichstellung der Stadt Z\u00fcrich.<\/li>&#13;\n \t<li>van Holten, Karin et al. (2013). Care-Migration \u2013 transnationale Sorgearrangements im Privathaushalt. Obsan Bericht 57: Neuenburg.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":100132,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":100136,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"101004","post_abstract":"Live-in-Betreuungsunternehmen verleihen oder vermitteln Arbeitskr\u00e4fte, die alle paar Wochen aus ihren zentral- und osteurop\u00e4ischen Herkunftsl\u00e4ndern in die Schweiz reisen, um in Privathaushalten \u00e4ltere Menschen zu betreuen. Die Covid-19-Pandemie bringt die Branche ins Scheinwerferlicht und zeigt Handlungsbedarf auf. So fallen die Unternehmen und Haushalte als Arbeitgebende durch die Maschen der Kurzarbeitsentsch\u00e4digungen. Betreuerinnen stehen f\u00fcr geleistete Mehrstunden oder bei ausgefallenen Eins\u00e4tzen meist ohne Entsch\u00e4digung da. 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