{"id":100322,"date":"2020-12-23T07:45:45","date_gmt":"2020-12-23T07:45:45","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2020\/12\/cest-en-dirigeant-quon-devient-directeur\/"},"modified":"2023-08-23T22:51:17","modified_gmt":"2023-08-23T20:51:17","slug":"uebung-macht-den-ceo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2020\/12\/uebung-macht-den-ceo\/","title":{"rendered":"\u00dcbung macht den CEO"},"content":{"rendered":"<p>Wie wird man in der Schweiz Unternehmer oder Unternehmerin? Auf diese Frage gibt es viele verschiedene Antworten. Etwas, was aber bestimmt nicht fehlen darf \u2013 darin sind sich wahrscheinlich alle einig \u2013, ist Mut. Es geh\u00f6rt eine grosse Portion Entschlossenheit dazu, sich selbstst\u00e4ndig zu machen, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen und Risiken einzugehen. Doch l\u00e4sst sich Mut f\u00f6rdern? Und kann man Unternehmertum \u00fcberhaupt lernen? Was w\u00e4re, wenn wir der n\u00e4chsten Generation eine Portion Mut auf den Weg geben k\u00f6nnten, sodass ein eigenes Unternehmen zu gr\u00fcnden f\u00fcr sie ebenso realistisch ist, wie in einem angestellt zu sein?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWenn wir uns \u00fcberlegen, wie wir Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern Mut zum Unternehmertum mit auf den Weg geben k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir uns zuerst fragen, wie Mut gest\u00e4rkt werden kann. Einerseits ist es dazu sicher hilfreich, wenn man in einem Thema \u00fcber mehr Wissen verf\u00fcgt. Andererseits ist uns allen klar, dass Wissen allein nicht ausreicht. Auch Erfahrungen und Erlebnisse sind \u00e4usserst wichtig: Was ich bereits einmal gemacht habe, verstehe ich besser und kann es besser anwenden. Wichtig ist zudem, dass man seine Kompetenzen und F\u00e4higkeiten gut kennt und sie einsch\u00e4tzen und einsetzen kann.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDiese drei Punkte \u2013 Wissen, Erfahrung und F\u00e4higkeiten \u2013 zum Thema Unternehmertum zu vermitteln, hat sich die Non-Profit-Organisation Young Enterprise Switzerland (YES) zum Ziel gesetzt. Wir bieten ein praxisorientiertes Bildungsprogramm namens \u00abCompany Programme\u00bb an, in welchem Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ein eigenes, reales Miniunternehmen gr\u00fcnden, Produkte oder Dienstleistungen anbieten und diese Firma \u00fcber ein Jahr lang f\u00fchren (siehe <em>Kasten<\/em>).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKeine Simulation, sondern echte Kunden, echte Produkte, echtes Geld: ganz nach dem Motto \u00abLearning by Doing\u00bb. Was die Jugendlichen anbieten m\u00f6chten, entscheiden sie selbst: Von Taschen aus den \u00dcberresten der Sonnenstorenproduktion \u00fcber einen gen\u00fcsslichen Powerriegel aus Insekten bis hin zu professionellen Visualisierungen von Immobilien ist alles dabei. Das Programm begleitet die Teilnehmenden von der Gr\u00fcndung bis zur Liquidation des Unternehmens, welche nach dem Programmjahr erfolgt. Selbstverst\u00e4ndlich d\u00fcrfen die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler das Unternehmen auch weiterf\u00fchren, jedoch ist das neben den anstehenden Maturapr\u00fcfungen oft zeitlich eine Herausforderung. Nichtsdestotrotz werden rund vier Unternehmen pro Jahr erfolgreich weitergef\u00fchrt und teils sogar in eine GmbH umgewandelt.&#13;<\/p>\n<h2>Unternehmertum live erleben<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nKonkretes und praxisnahes Wissen erlangen die Teilnehmenden beispielsweise im Workshop \u00abUnternehmerische Grundlagen\u00bb, wo sie Basiswissen \u00fcber Finanzen, Marketing und Verkauf mit auf den Weg bekommen. Das Wissen wird interaktiv durch verschiedene Rollenspiele, Beispiele von ehemaligen Miniunternehmen und durch Fallstudien aufgearbeitet. Der Workshop wird von ehemaligen Teilnehmenden, sogenannten YES-Alumni, geleitet, welche durch YES geschult wurden. Ausserdem werden Experten unserer Partnerunternehmen bei gewissen Modulen zu Hilfe gezogen. Die Jugendlichen lernen so, wie ein Businessplan, ein Gesch\u00e4ftsbericht oder ein Messekonzept aufgebaut sein sollten und wann man diese Dokumente ben\u00f6tigt. Dieses Wissen bietet den Jugendlichen einen guten Grundstein.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDoch wie so oft ist der Schritt von der Theorie zur Praxis gr\u00f6sser, als man denkt. Genau deswegen ist es unentbehrlich, dass die angehenden Unternehmer diese Erfahrungen selbst machen und erleben k\u00f6nnen. Von einer cleveren Produktidee zu sprechen, ist etwas anderes, als tats\u00e4chlich Prototypen zu kreieren, Produzenten zu suchen und das Produkt auf den Markt zu bringen. Einen Messestand zu planen, ist etwas anderes, als mit dem ganzen Team alles zu organisieren, Verkaufsmengen zu planen, den Transport zu koordinieren und den ganzen Tag an einem Stand zu stehen und fremde Leute anzusprechen und zu \u00fcberzeugen. Den Aufbau eines Gesch\u00e4ftsberichtes zu besprechen, ist etwas anderes, als diesen tats\u00e4chlich zu verfassen, die sorgf\u00e4ltig gef\u00fchrte Buchhaltung aufzuzeigen und auf Erfolge und Misserfolge zur\u00fcckblicken zu k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDiese Beispiele sind Teil des \u00abCompany Programme\u00bb und tragen mit dem \u00abLearning by Doing\u00bb-Prinzip dazu bei, dass die Jugendlichen ihre eigenen Erfahrungen sammeln k\u00f6nnen. Dies unterstreicht auch der 17-j\u00e4hrige Teilnehmer Illya Kern, der mit seinem Unternehmen Bambstraw nachhaltige und wiederverwendbare Strohhalme aus Bambus vermarktete: \u00abEs war eine wichtige pers\u00f6nliche Erfahrung, die ich machen durfte. Nicht nur lernte ich, wie wichtig das Zusammenspiel der verschiedenen Unternehmensbereiche ist, sondern ich hatte als Chief Marketing Officer auch den Auftrag, unser Produkt mit gen\u00fcgend Wortgewandtheit, Stil und Attraktivit\u00e4t auf dem Markt zu verkaufen.\u00bb&#13;<\/p>\n<h2>Verantwortung \u00fcbernehmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine solide Wissensgrundlage, erg\u00e4nzt durch Erfahrungen, leistet also einen wichtigen Beitrag, bei Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern den Mut zum Unternehmertum zu f\u00f6rdern, wirtschaftliche Zusammenh\u00e4nge zu vermitteln und sie f\u00fcr Innovation zu begeistern. Letztlich ist es wichtig, dass sich die jungen Menschen bef\u00e4higt f\u00fchlen, dies in ihre sp\u00e4tere Berufswelt zu transferieren \u2013 und tats\u00e4chlich unternehmerisch zu sein. Hier setzt unser \u00abCompany Programme\u00bb an und hebt sich gleichzeitig von \u00e4hnlichen Bildungsangeboten ab \u2013 denn die Sch\u00fclerfirmen sind echt und weder ein Simulationsspiel noch eine \u00dcbungsfirma. So \u00fcbernehmen die Jugendlichen echte Verantwortung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Teilnehmenden f\u00fchren ihr eigenes Unternehmen und tragen Verantwortung gegen\u00fcber ihren Kunden, der Gesellschaft sowie der Umwelt, den Kapitalgebern und sich selbst. In ihrem Handeln eignen sie sich praktische F\u00e4higkeiten an, lernen, sich selbst und ihr Unternehmen zu pr\u00e4sentieren, vor Publikum aufzutreten und im Team mit verschiedenen Rollen zu arbeiten. So lernen die Jugendlichen, ihre St\u00e4rken gekonnt einzusetzen und gemeinsam Schw\u00e4chen auszugleichen. Aus Erfahrung l\u00e4sst sich sagen, dass viele der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler hinsichtlich ihres Selbstbewusstseins, ihrer Selbstreflexion und im Teamwork wachsen. \u00abVor einem Jahr h\u00e4tte ich mich niemals getraut, so etwas anzupacken. Doch inzwischen habe ich gelernt, dass auch ein \u2039einfacher Schu\u0308ler\u203a wie ich ein CEO sein kann\u00bb, so Beat Bannwart, ein ehemaliger Miniunternehmer im Programm.&#13;<\/p>\n<h2>Erfolgreiche Unternehmen entstehen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin praxis- und erlebnisorientiertes Schulprogramm kann also Unternehmertum vermitteln und den Mut der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler st\u00e4rken, unternehmerisch zu denken und zu handeln. Oder zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt gar erneut zu gr\u00fcnden. Ein Beispiel daf\u00fcr ist Nicholas H\u00e4nny, CEO von Nikin, einem aufstrebenden Schweizer Modelabel und erfolgreichen Jungunternehmen: \u00abIn der Schweiz sind wir eher vorsichtig und gehen nicht gerne Risiken ein. Deswegen war es gut, dass wir dies im Gymnasium in einem gesch\u00fctzten Rahmen lernen konnten.\u00bb Ein weiteres erfolgreiches Unternehmen, welches von einem ehemaligen Teilnehmenden gegr\u00fcndet wurde, ist die bekannte Lieferservice-Plattform Eat.ch. Der Mitgr\u00fcnder Reto Graf nahm im Jahr 2000 an dem Programm teil und kann best\u00e4tigen: \u00abDie Teilnahme am \u2039Company Programme\u203a hat auf jeden Fall grossen Einfluss gehabt. Es hat mir aufgezeigt, dass die Theorie nicht immer eins zu eins in die Praxis umgesetzt werden kann und dass das F\u00fchren einer richtigen Buchhaltung um einiges komplexer \u2013 und auch spannender \u2013 ist.\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNichtsdestotrotz: Das \u00abCompany Programme\u00bb fordert die Jugendlichen in vielerlei Hinsicht stark. \u00dcber das Jahr werden unz\u00e4hlige Stunden \u2013 davon auch viel Freizeit \u2013 f\u00fcr das eigene Unternehmen aufgewendet. Doch der Einsatz zahlt sich aus. Eine Studie<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>, welche die Wirkung des Programms untersucht hat, zeigte auf, dass sich bei Teilnehmenden, die mehr als 100 Arbeitsstunden in das \u00abCompany Programme\u00bb investiert haben, die allgemeinen Lernergebnisse, die Schulanwesenheit sowie die Motivation nachweislich verbessert haben.&#13;<\/p>\n<h2>Wachstumsambitionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDa YES der Dachorganisation Junior Achievement (JA) Worldwide angeh\u00f6rt, ist auch das \u00abCompany Programme\u00bb Teil eines globalen Netzwerks. In der Schweiz ist es \u00e4usserst erfolgreich. Es ist in 19 Kantonen und drei Sprachregionen etabliert \u2013 und hat weitere Wachstumsambitionen. Die Vision von YES ist es, dass das \u00abCompany Programme\u00bb in Zukunft allen Schweizer Jugendlichen auf der Sekundarstufe II, unabh\u00e4ngig davon, welche Schule sie besuchen, als m\u00f6gliches Angebot bereitsteht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNach mehr als 20 Jahren \u00abCompany Programme\u00bb in der Schweiz ist klar: Unternehmertum kann man nicht aus dem Buch lernen, aber man kann es \u00fcben, Erfahrungen sammeln, sich F\u00e4higkeiten aneignen. So gewinnt man nach und nach den Mut, den es braucht, um den grossen Schritt in das Unternehmertum zu wagen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Innovation Cluster for Entrepreneurship Education [ICEE] (2017). A Summary of the Key Findings From the ICEE Research Project on the Impact of Entrepreneurship Education.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie wird man in der Schweiz Unternehmer oder Unternehmerin? Auf diese Frage gibt es viele verschiedene Antworten. Etwas, was aber bestimmt nicht fehlen darf \u2013 darin sind sich wahrscheinlich alle einig \u2013, ist Mut. Es geh\u00f6rt eine grosse Portion Entschlossenheit dazu, sich selbstst\u00e4ndig zu machen, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen und Risiken einzugehen. 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Ziel des Programms ist es, den Jugendlichen die M\u00f6glichkeit zu geben, Unternehmertum live zu erleben, eigene Erfahrungen zu sammeln und sich selbst f\u00fcr die pers\u00f6nliche und berufliche Zukunft weiterzuentwickeln."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":100325,"main_focus":[155925,156752],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":100329,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"100096","post_abstract":"Ein eigenes Unternehmen zu gr\u00fcnden, erfordert Mut. Gibt es eine M\u00f6glichkeit, den Grundstein f\u00fcr unternehmerisches Denken und Handeln bereits in der Bildung zu legen? 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