{"id":100397,"date":"2020-12-21T12:48:55","date_gmt":"2020-12-21T12:48:55","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2020\/12\/economie-des-plateformes-une-perspective-internationale\/"},"modified":"2026-01-08T17:30:10","modified_gmt":"2026-01-08T16:30:10","slug":"plattformoekonomie-im-laendervergleich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2020\/12\/plattformoekonomie-im-laendervergleich\/","title":{"rendered":"Plattform\u00f6konomie im L\u00e4ndervergleich"},"content":{"rendered":"<p>Digitale Plattformen haben zu neuen Besch\u00e4ftigungsformen gef\u00fchrt. Das Gesch\u00e4ftsmodell von Plattformen ist einfach: Sie vermitteln zwischen Anbietenden und Nachfragenden \u2013 meist \u00fcber eine App oder eine Website. Das Aufkommen der Plattform\u00f6konomie in den letzten Jahren l\u00e4sst sich auf drei Faktoren zur\u00fcckf\u00fchren: erstens ver\u00e4nderte Pr\u00e4ferenzen, zweitens innovative Gesch\u00e4ftsmodelle und Arbeitsorganisation sowie drittens technologische Entwicklungen. Plattformen bieten den Arbeitskr\u00e4ften mehr Freiheiten \u2013 namentlich beim Entscheid, wo, wann und wie sie arbeiten m\u00f6chten. Dies kann zu einer besseren Work-Life-Balance beitragen und den Arbeitsmarkt f\u00fcr Personengruppen \u00f6ffnen, die bislang auf dem Arbeitsmarkt untervertreten waren.<\/p>\n<p>Die digitale Arbeit auf Abruf \u2013 das heisst vollst\u00e4ndig online durchgef\u00fchrte Aufgaben \u2013 hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Sie stieg gem\u00e4ss Oxford Internet Institute von Mai 2016 bis Februar 2019 um etwa ein Drittel (siehe <em>Abbildung 1<\/em>). Trotzdem ist die Plattform\u00f6konomie gesamtwirtschaftlich noch ein eher begrenztes Ph\u00e4nomen. Die meisten internationalen Studien sch\u00e4tzen den Anteil der Plattform-Arbeitskr\u00e4fte auf 0,5 bis 3\u00a0Prozent der gesamten Erwerbsbev\u00f6lkerung.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Allerdings sind meist nur wenige und ungenaue Daten verf\u00fcgbar \u2013 vor allem, weil die standardm\u00e4ssigen Arbeitskr\u00e4fteerhebungen die Plattform\u00f6konomie nicht ausreichend abdecken. F\u00fcr die Schweiz ging das Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) im Jahr 2019 von einem Anteil von 0,4\u00a0Prozent an der Erwerbsbev\u00f6lkerung aus.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 1. Zunahme der Onlinearbeit in den OECD-L\u00e4ndern (Mai\u00a02016\u2013Februar\u00a02019)<\/strong><\/h3>\n<div class='chart chart--normal' id='1-2_2021_Broecke_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#1-2_2021_Broecke_de').highcharts({  \n\nchart: {\n        type: 'line'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    subtitle: {\n        text: ''\n    },\n    xAxis: {\n        categories: [\n'\t5\u20132016\t'\t,\n'\t6\u20132016\t'\t,\n'\t7\u20132016\t'\t,\n'\t8\u20132016\t'\t,\n'\t9\u20132016\t'\t,\n'\t10\u20132016\t'\t,\n'\t11\u20132016\t'\t,\n'\t12\u20132016\t'\t,\n'\t1\u20132017\t'\t,\n'\t2\u20132017\t'\t,\n'\t3\u20132017\t'\t,\n'\t4\u20132017\t'\t,\n'\t5\u20132017\t'\t,\n'\t6\u20132017\t'\t,\n'\t7\u20132017\t'\t,\n'\t8\u20132017\t'\t,\n'\t9\u20132017\t'\t,\n'\t10\u20132017\t'\t,\n'\t11\u20132017\t'\t,\n'\t12\u20132017\t'\t,\n'\t1\u20132018\t'\t,\n'\t2\u20132018\t'\t,\n'\t3\u20132018\t'\t,\n'\t4\u20132018\t'\t,\n'\t5\u20132018\t'\t,\n'\t6\u20132018\t'\t,\n'\t7\u20132018\t'\t,\n'\t8\u20132018\t'\t,\n'\t9\u20132018\t'\t,\n'\t10\u20132018\t'\t,\n'\t11\u20132018\t'\t,\n'\t12\u20132018\t'\t,\n'\t1\u20132019\t'\t,\n'\t2\u20132019\t']\n    },\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: 'Index (5\u20132016 = 100; Monatsdurchschnitt)'\n        }\n    },\n    plotOptions: {\n    series: {\nmarker: {\nenabled: false\n}\n},\n        line: {\n            dataLabels: {\n                enabled: false\n            },\n            enableMouseTracking: true\n        },\n        \n    },\n    \n    legend: {\n        enabled: false\n    },\n    series: [{\n        name: 'Online-Arbeit-Index ',\n        data: [100\t,\n103\t,\n100\t,\n108\t,\n109\t,\n103\t,\n105\t,\n100\t,\n104\t,\n108\t,\n111\t,\n128\t,\n136\t,\n123\t,\n115\t,\n111\t,\n127\t,\n133\t,\n131\t,\n114\t,\n132\t,\n138\t,\n138\t,\n134\t,\n133\t,\n125\t,\n129\t,\n126\t,\n121\t,\n132\t,\n124\t,\n113\t,\n125\t,\n132\t,]\n  \n    }]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n<p><span class=\"text__legend\">Anmerkung: Dargestellt sind die offenen Stellen, die auf den f\u00fcnf bedeutendsten englischsprachigen Onlinearbeitsplattformen (Freelancer, Guru, Mturk, Peopleperhour, Upwork) neu ausgeschrieben wurden.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: OECD (2019) \/ Die Volkswirtschaft<\/span><\/p>\n<p>Das schnelle Wachstum der Plattformarbeit, die ihrerseits teils mit schlechten Arbeitsbedingungen assoziiert wird, hat in vielen L\u00e4ndern die Politik auf den Plan gerufen. Eine Herausforderung aus politischer Sicht sind die grossen Unterschiede zwischen den Plattformen. W\u00e4hrend einige Plattform-Arbeitskr\u00e4fte erfolgreiche Unternehmer sind, sehen sich andere mit einem geringen Einkommen, langen Arbeitstagen sowie nachteiligen Bedingungen f\u00fcr die Gesundheit und die Arbeitssicherheit konfrontiert. Viele Plattform-Arbeitskr\u00e4fte haben keine gen\u00fcgende soziale Absicherung oder keinen ausreichenden Zugang dazu. Sie geniessen praktisch keinen Besch\u00e4ftigungsschutz und haben nur in Ausnahmef\u00e4llen das Recht auf den Abschluss eines Gesamtarbeitsvertrags. Die Covid-19-Krise f\u00fchrte vor Augen, wie benachteiligt manche Plattform-Arbeitskr\u00e4fte in einzelnen L\u00e4ndern sein k\u00f6nnen: Einzelne haben ihr Einkommen verloren oder sind einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt. Deshalb haben einige Plattformen von sich aus gehandelt.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Wann ist eine politische Intervention notwendig? Und auf welche Weise? Schon vor der Corona-Krise diskutierten die Mitgliedsstaaten der Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) diese Fragen intensiv. Klar ist: Es gibt keine Standardl\u00f6sungen. Je nach Land fallen die Antworten und Massnahmen verschieden aus. Die Herausforderungen, die es zu bew\u00e4ltigen gibt, sowie das zugrunde liegende Problem unterscheiden sich im Einzelfall.<\/p>\n<h2><strong>Falsche Einstufung<\/strong><\/h2>\n<p>In Bezug auf eine besondere Schutzbed\u00fcrftigkeit von Plattform-Arbeitskr\u00e4ften gibt es drei potenzielle Ursachen, die eine Intervention rechtfertigen k\u00f6nnen. Die erste ist die sogenannte Scheinselbstst\u00e4ndigkeit \u2013 also eine falsche Klassifizierung der betreffenden Arbeitskr\u00e4fte. In diesem Fall werden die Plattform-Arbeitskr\u00e4fte f\u00e4lschlicherweise als Selbstst\u00e4ndigerwerbende eingestuft, obwohl sie de facto als Angestellte arbeiten. Um Scheinselbstst\u00e4ndigkeit wirksam zu bek\u00e4mpfen, m\u00fcssen Unternehmen und Plattform-Arbeitskr\u00e4fte die rechtlichen Bestimmungen zur Klassifizierung genau kennen.<\/p>\n<p>Die meisten L\u00e4nder haben Kriterien festgelegt, die bei dieser Einstufung helfen. Australien hat beispielsweise ein \u00ab<a href=\"https:\/\/www.ato.gov.au\/calculators-and-tools\/employee-or-contractor\/\">Independent Contractors Decision Tool<\/a>\u00bb eingef\u00fchrt. Mit diesem Tool k\u00f6nnen die Unternehmen anhand von Fragen eruieren, ob ihre Arbeitskr\u00e4fte als Selbstst\u00e4ndigerwerbende oder Angestellte einzustufen sind.<\/p>\n<p>Weitere Ans\u00e4tze sind die Verlagerung der Beweislast vom Arbeitnehmer auf den Arbeitgeber, die Senkung der Gerichtskosten, die Vereinfachung der Verfahren, die Verringerung der Risiken f\u00fcr die Arbeitskr\u00e4fte oder der Schutz der Erwerbst\u00e4tigen vor allf\u00e4lligen Repressalien. Diese beh\u00f6rdlichen Massnahmen erm\u00f6glichen den betroffenen Arbeitskr\u00e4ften, ihren Besch\u00e4ftigungsstatus einfacher oder zu geringeren Kosten anzufechten. In Belgien beispielsweise wird in Bezug auf einige als \u00abrisikobehaftet\u00bb eingestufte Branchen wie Unterhalt und Sicherheit, Bau, Transport, Geb\u00e4udereinigung, Landwirtschaft und Gartenbau davon ausgegangen, dass hier ein Arbeitsvertrag besteht. Solche Anstrengungen k\u00f6nnten mit h\u00e4rteren Sanktionen gegen Arbeitgeber verkn\u00fcpft werden, die gegen das Gesetz verstossen.<\/p>\n<p>Weiter gilt es Fehlanreize zu beseitigen, die dazu f\u00fchren, dass Arbeitskr\u00e4fte falsch klassifiziert werden. So m\u00fcssen Arbeitgeber f\u00fcr Angestellte vielerorts deutlich h\u00f6here Abgaben und Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge entrichten als f\u00fcr Selbstst\u00e4ndigerwerbende: Wenn die Beitragsunterschiede zwischen Angestellten und Selbstst\u00e4ndigerwerbenden sehr gross sind, wie beispielsweise in Grossbritannien oder in den Niederlanden, nimmt die Zahl der Selbstst\u00e4ndigerwerbenden deutlich zu.<\/p>\n<h2><strong>In der Grauzone<\/strong><\/h2>\n<p>Auch wenn man die Fehlanreize f\u00fcr falsche Einstufungen beseitigt, wird es immer unklare F\u00e4lle geben. Zum Besch\u00e4ftigungsstatus von Plattform-Arbeitskr\u00e4ften wurden schon zahlreiche Urteile gef\u00e4llt, die in verschiedenen L\u00e4ndern nicht immer koh\u00e4rent ausgefallen sind. Gewisse Besch\u00e4ftigte auf Plattformen lassen sich in der Tat nur schwer kategorisieren: H\u00e4ufig gelten Plattform-Arbeitskr\u00e4fte als Selbstst\u00e4ndigerwerbende \u2013 obwohl sie auch Merkmale (und entsprechend auch die Schutzbed\u00fcrftigkeit) von Angestellten aufweisen. Somit geniessen sie nicht dieselben Arbeitsrechte und den gleichen Arbeitsschutz wie Angestellte.<\/p>\n<p>Die zweite Ursache, die eine Intervention rechtfertig, liegt somit in dieser rechtlichen Grauzone. Die OECD hat sich daf\u00fcr ausgesprochen, die Rechte und die soziale Absicherung von Arbeitskr\u00e4ften in dieser Grauzone in einzelnen L\u00e4ndern auszuweiten. Zu diesem Zweck m\u00fcssen die zu sch\u00fctzenden Arbeitskr\u00e4fte eruiert werden, und es muss entschieden werden, welche Rechte und sozialen Absicherungen ausgeweitet werden sollen. In einigen F\u00e4llen muss auch der Arbeitgeber bestimmt werden.<\/p>\n<p>Um die Grauzone zu durchleuchten, verfolgen die OECD-L\u00e4nder unterschiedliche Ans\u00e4tze. Einige haben spezifische T\u00e4tigkeiten ausgemacht, auf die sie bestimmte Rechte und Pflichten zum Besch\u00e4ftigungsschutz ausdehnen. So geht Frankreich etwa bei darstellenden Kunstschaffenden, Models, Journalisten, Aussendienstmitarbeitenden und \u00abReisenden\u00bb unter bestimmten Bedingungen davon aus, dass ein Arbeitsverh\u00e4ltnis besteht. Andere Staaten richten ihren politischen Fokus auf wirtschaftlich abh\u00e4ngige Selbstst\u00e4ndigerwerbende, bei denen ein wesentlicher Teil ihres Einkommens von einem einzigen Kunden abh\u00e4ngt. In Spanien spricht man von \u00abwirtschaftlich abh\u00e4ngigen Selbstst\u00e4ndigerwerbenden\u00bb <a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> und in Deutschland von \u00abarbeitnehmer\u00e4hnlichen Personen\u00bb.<\/p>\n<p>Sch\u00e4tzungen zufolge sind in Europa durchschnittlich 16\u00a0Prozent der Selbstst\u00e4ndigerwerbenden \u2013 einschliesslich der Plattform-Arbeitskr\u00e4fte \u2013 finanziell von einem einzigen Kunden abh\u00e4ngig (siehe <em>Abbildung\u00a02<\/em>). In der Schweiz liegt dieser Anteil bei 8,3\u00a0Prozent.<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Abb. 2. Anteil der Selbstst\u00e4ndigerwerbenden mit einem dominierenden Kunden (einschliesslich Plattform-Arbeitskr\u00e4fte; 2017)<\/strong><\/h3>\n<div class='chart chart--normal' id='1-2_2021_Broecke_Abb2_de'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#1-2_2021_Broecke_Abb2_de').highcharts({  \n\n chart: {\n        type: 'column'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    subtitle: {\n        text: ''\n    },\n    xAxis: {\n   \n        categories: [\n          \n'\tD\u00e4nemark\t'\t,\n'\t<b>Schweiz<\/b>\t'\t,\n'\tPortugal\t'\t,\n'       Spanien',\n'       Deutschland',\n'       Belgien',\n'\tFrankreich\t'\t,\n'\t\u00d6sterreich\t'\t,\n'\tItalien\t'\t,\n'\tOECD'\t,\n'\tLuxemburg\t'\t,\n'\tSchweden'\t,\n'\tGrossbritannien\t'\t,\n'\tNorwegen\t'\t,\n'\tSlowakei\t'\t,\n        ],\n        crosshair: true\n    },\n    yAxis: {\n        min: 0,\n        title: {\n            text: ''\n        },\n        labels: {\n        format: '{value}%',\n         }\n    },\n    tooltip: {\n        \n        pointFormat: '<tr><td style=\"color:{series.color};padding:0\">{series.name}: <\/td>' +\n            '<td style=\"padding:0\"><b>{point.y:.1f} %<\/b><\/td><\/tr>',\n        footerFormat: '<\/table>',\n        shared: true,\n        useHTML: true\n    },\n    plotOptions: {\n    series: {\n                colorByPoint: false\n                \n            },\n        column: {\n            pointPadding: 0.2,\n            borderWidth: 0\n        }\n    },\n    \n    legend: {\n        enabled: false\n    },\n    \n    series: [{\n        name: 'Indice',\n         colorByPoint: true,        \n          \n        colors:[\n                '#7cb8ec', '#f45b5b', '#7cb8ec', '#7cb8ec', '#7cb8ec', '#7cb8ec', '#7cb8ec', '#7cb8ec', '#7cb8ec', '#7cb8ec',  '#7cb8ec',  '#7cb8ec',  '#7cb8ec',  '#7cb8ec',  '#7cb8ec',\n            ],\n        data: [\n6.4\t,\n8.3\t,\n9.7\t,\n10.1,\n10.7,\n11.9,\n12.7\t,\n14.1\t,\n15.2\t,\n15.9\t,\n16.3\t,\n21.8\t,\n22.1\t,\n23.9\t,\n28.7\t,]\n\n   \n\n    }]\n});\n});\n\n\n\n<\/script>\n<p><span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: OECD (2019) \/ Die Volkswirtschaft<\/span><\/p>\n<p>Schliesslich greifen einige L\u00e4nder auf eine weniger klare Definition einer Zwischenkategorie zur\u00fcck, wie beispielsweise \u00abWorker\u00bb in Grossbritannien. Auch das in Frankreich entwickelte Konzept der freiwilligen Charta f\u00fcr Plattform-Arbeitskr\u00e4fte ist in gewisser Weise mit dieser Zwischenkategorie vergleichbar, da Plattform-Arbeitskr\u00e4fte als separate Kategorie zwischen Angestellten und Selbstst\u00e4ndigerwerbenden betrachtet werden.<\/p>\n<p>Die Ans\u00e4tze unterscheiden sich auch in Bezug auf die Rechte und die soziale Absicherung, die auf die betroffenen Plattform-Arbeitskr\u00e4fte ausgeweitet werden. Portugal gew\u00e4hrleistet ihnen den Zugang zur sozialen Absicherung, und in Deutschland besteht f\u00fcr Arbeitskr\u00e4fte, die Angestellten gleichgesetzt werden, Vereinigungsfreiheit. Ausserdem sind sie in Deutschland zum Abschluss eines Gesamtarbeitsvertrags berechtigt und haben einen Anspruch auf mindestens vier Wochen Ferien.<\/p>\n<p>In Kanada und Schweden wiederum haben auch \u00ababh\u00e4ngige Unternehmer\u00bb das Recht auf den Abschluss eines Gesamtarbeitsvertrags, und bei der Beendigung der Gesch\u00e4ftsbeziehung muss eine angemessene K\u00fcndigungsfrist eingehalten werden. In Spanien bestehen f\u00fcr wirtschaftlich abh\u00e4ngige Selbstst\u00e4ndigerwerbende zahlreiche Rechte und soziale Absicherungen \u2013 wie ein Mindesteinkommen, eine Mindestanzahl von Ferienwochen pro Jahr, Rechte bei missbr\u00e4uchlicher K\u00fcndigung, Ferien aus famili\u00e4ren oder gesundheitlichen Gr\u00fcnden oder das Recht auf den Abschluss eines Gesamtarbeitsvertrags.<\/p>\n<p>Schliesslich sollte allenfalls gekl\u00e4rt werden, wer die Verantwortung des Arbeitgebers tr\u00e4gt, da die Plattformarbeit h\u00e4ufig in einer dreiseitigen Beziehung zwischen Arbeitskr\u00e4ften, Kunden und der Plattform besteht. Wenn Plattform-Arbeitskr\u00e4ften beispielsweise das Recht auf den Abschluss eines Gesamtarbeitsvertrags einzur\u00e4umen ist, muss entschieden werden, mit wem sie verhandeln: mit ihren individuellen Kunden oder mit der Plattform selbst?<\/p>\n<h2><strong>Das Monopson knacken<\/strong><\/h2>\n<p>Die dritte Ursache einer potenziellen Benachteiligung kann sich ergeben, wenn Arbeitskr\u00e4fte ausserhalb der Plattformen kaum Arbeit finden. In der \u00d6konomie spricht man in diesem Fall von einem sogenannten Monopson auf dem Arbeitsmarkt. Sprich: In vielen Situationen steht der Macht des Arbeitgebers keine ausreichend starke Verhandlungsposition auf der Seite der Arbeitskr\u00e4fte gegen\u00fcber, was zu einem R\u00fcckgang der Besch\u00e4ftigung und der L\u00f6hne sowie zu schlechteren Arbeitsbedingungen f\u00fchren kann. Dies ist insbesondere f\u00fcr Selbstst\u00e4ndigerwerbende eine Herausforderung, da sie h\u00e4ufig durch kartellrechtliche Vorschriften von Verhandlungen \u00fcber einen Gesamtarbeitsvertrag ausgeschlossen sind.<\/p>\n<p>Angesichts dieses Monopsons stellen sich aus wirtschaftspolitischer Sicht folgende Fragen: Wie ist mit den Ursachen des Monopsons und dem Machtmissbrauch umzugehen? Mit welcher Regulierung des Arbeitsmarkts kann den negativen Auswirkungen entgegengewirkt werden? Und: Wie k\u00f6nnen die Rechte zur Aushandlung von Gesamtarbeitsvertr\u00e4gen ausgebaut werden?<\/p>\n<p>Es ist erwiesen, dass teilweise auch in der Plattform\u00f6konomie wettbewerbswidrige Praktiken angewandt werden. Zum Beispiel kann die mit den Plattform-Arbeitskr\u00e4ften abgeschlossene Vereinbarung eine Klausel enthalten, die es ihnen untersagt, ausserhalb der Plattform mit Kunden in Kontakt zu treten und f\u00fcr diese t\u00e4tig zu werden. Dies verleiht der Plattform eine starke Position, vor allem wenn sich die betreffenden Arbeitskr\u00e4fte \u00fcber die Plattform einen soliden Kundenstamm aufbauen. In solchen F\u00e4llen ist es eher unwahrscheinlich, dass die Arbeitskr\u00e4fte die Plattform verlassen, selbst wenn diese die allgemeinen Arbeitsbedingungen verschlechtert.<\/p>\n<p>Viele Herausforderungen im Zusammenhang mit Plattform-Arbeitskr\u00e4ften sind keine neuen Ph\u00e4nomene, sondern treten bei anderen wirtschaftlichen Aktivit\u00e4ten schon seit Jahrzehnten auf. Nun geht es darum, diese Probleme zu l\u00f6sen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">F\u00fcr weitere Einzelheiten siehe OECD (2018).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">BFS (2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe OECD (2020).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Trabajador aut\u00f3nomo econ\u00f3micamente dependiente.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Digitale Plattformen haben zu neuen Besch\u00e4ftigungsformen gef\u00fchrt. 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