{"id":100427,"date":"2020-12-18T09:15:40","date_gmt":"2020-12-18T09:15:40","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2020\/12\/du-patron-au-directeur-general-portrait-de-lentrepreneur\/"},"modified":"2023-08-23T22:51:33","modified_gmt":"2023-08-23T20:51:33","slug":"vom-patron-zum-ceo-ein-portraet-des-unternehmers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2020\/12\/vom-patron-zum-ceo-ein-portraet-des-unternehmers\/","title":{"rendered":"Vom Patron zum CEO: Ein Portr\u00e4t des Unternehmers"},"content":{"rendered":"<p>Ein roter Faden zieht sich seit dem 16. Jahrhundert durch die Geschichte Z\u00fcrichs. Ein Seidenfaden, wohlbemerkt. Denn die Seidenindustrie ist unweigerlich verwoben mit dem Aufstieg Z\u00fcrichs zur Handelsstadt. An ihrem Anfang standen die Gebr\u00fcder David und Heinrich Werdm\u00fcller<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>, die als erste Z\u00fcrcher Verlagsherren die Seidenindustrie in Z\u00fcrich einf\u00fchrten. Das Wort \u00abVerlag\u00bb hatte damals noch nichts mit Medienprodukten zu tun, sondern meint das Verlagssystem, in dem die beiden Br\u00fcder ihre Waren in Heimarbeit herstellen liessen. Die pr\u00e4chtigen Seidenstoffe machten die Stadt zu einer Seidenmetropole mit internationaler Ausstrahlung. Ihr Unternehmertum war ein g\u00e4nzlich privates. Die Seidenh\u00f6fe dienten sowohl als Manufaktur wie auch als Wohngeb\u00e4ude, und die Eink\u00fcnfte mehrten direkt ihr Privatverm\u00f6gen, das mit \u00fcber 500\u2019000 Gulden alle damaligen Verh\u00e4ltnisse in der Stadt sprengte. Als typische Unternehmer der fr\u00fchen Neuzeit waren die Werdm\u00fcllers reine Kaufleute ohne spezielle technische Kenntnisse oder handwerkliche F\u00e4higkeiten, wohl aber mit fundiertem Wissen \u00fcber das Textilwesen.&#13;<\/p>\n<h2>Spinnen, weben und drucken<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus dem Verlagswesen heraus entstanden in der Zeit der Industrialisierung ab etwa 1800 die ersten Textilfabriken in der Schweiz. Beispielhaft zeigt sich der Wandel bei Bartholome Jenny-Becker, der als gelernter Handweber 1808 zusammen mit seinen Br\u00fcdern Kaspar und Fridolin den Handwebereibetrieb Barth. Jenny &amp; Cie. im glarnerischen Ennenda er\u00f6ffnete. Auch bei ihm diente das Haus gleichzeitig als Gesch\u00e4ft, wie es in einer Firmenfestschrift steht: \u00abIn den oberen Kammern wurden riesige Mengen von englischem Baumwollgarn in B\u00fcndeln aufbewahrt, im Unterzug die von den Handwebern eingehenden T\u00fccher aufgestapelt; in der grossen K\u00fcche wurde das Zettelgarn in Leimwasser gesotten, getrocknet, gehaspelt und zu \u2039Wirpfen\u203a aufgewunden.\u00bb Gewoben wurde das Garn aber noch im Verlagssystem von Handwebern zu Hause.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBald begannen die Gebr\u00fcder, ihre Produkte selber zu vermarkten, und errichteten dazu eine Filiale in Lugano, um von dort den Export nach Italien zu koordinieren. Durch Fusion kam eine Stoffdruckerei zum Familienbetrieb hinzu, und in der zweiten Generation baute Jakob Tr\u00fcmpy-Jenny eine mechanische Weberei und Spinnerei. Damit vollzog er den Schritt zum gr\u00f6ssten Vertikalunternehmen des Glarnerlandes: Das Spinnen, das Weben, das Drucken und das Verkaufen waren in einem Unternehmen zusammengefasst. Nachdem die erste Generation noch als Handwerker mit einem entsprechenden Betrieb ihr Unternehmertum begonnen hatte, entwickelte sich daraus innerhalb zweier Generationen eine Handelsfirma und schliesslich eine Fabrik. Als Daniel Jenny &amp; Co. konzentriert sich das Unternehmen heute auf die Herstellung von hochwertigen Heimtextilien wie Bettstoffen, Tischw\u00e4schestoffen und Baumwollmoltons sowie von Gewebe f\u00fcr Bekleidung, Hygieneartikel und technische Zwecke.&#13;<\/p>\n<h2>Fritz Ryff: Der liberale Patron<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit fortschreitender Industrialisierung \u00e4nderte sich das Bild des Unternehmers. Gegen Ende des 19.\u00a0Jahrhunderts wurden Industriebetriebe vermehrt als grosser Wurf gegr\u00fcndet. So baute Fritz Ryff zusammen mit seinem Compagnon Arnold Wiesmann 1890 und nur drei Jahre nach der Unternehmensgr\u00fcndung einen stattlichen Fabrikbau im Berner Marzili f\u00fcr rund 200 Arbeiterinnen. Auf den grossen Strickmaschinen wurde vornehmlich Unterw\u00e4sche f\u00fcr alle Welt produziert. Das Geb\u00e4ude an der Sandrainstrasse 3 nahe der Dampfzentrale steht noch heute und beherbergt das Kino Lichtspiel.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nRyff verk\u00f6rperte nicht den Unternehmer, der selber in der Fabrik Hand anlegte oder der Arbeiterschicht entstammte, wie es in der Fr\u00fchzeit der Industrialisierung h\u00e4ufig der Fall war. Was ihn aber mit zahlreichen Unternehmern vor und nach ihm verband, war seine Rolle als Patron. Das Fehlen staatlicher Vorsorgeeinrichtungen bewog viele Unternehmer, \u00fcber die Lohnzahlung hinaus f\u00fcr die Arbeiterschaft zu sorgen (das soll aber nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass damals in vielen Fabriken noch immer katastrophale Arbeitsbedingungen herrschten). Fritz Ryff hatte gar eine ausgepr\u00e4gte Verbindung zu seinen Arbeiterinnen. So bot er ihnen Badem\u00f6glichkeiten, unentgeltliche Arztvisiten und eine Kinderkrippe an. Firmenausfl\u00fcge f\u00fchrten die bis zu 400 Personen starke Belegschaft quer durch die Schweiz, und Weihnachten feierte der \u00abPrinzipal\u00bb ebenso mit den Arbeiterinnen wie seine eigene Hochzeit.&#13;<\/p>\n<h2>Die Schnorfs: Konservatives Familienunternehmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie bislang vorgestellten Unternehmer waren allesamt Pioniere in ihrem Gebiet. Sie mussten es auch sein. Denn sie bet\u00e4tigten sich in einem jungen Wirtschaftsbereich, erschlossen unbekannte M\u00e4rkte und f\u00fchrten neue Produktionstechniken ein. Mit dem Aufkommen von M\u00e4rkten und Produktionsabl\u00e4ufen traten dann aber vermehrt sogenannte Nichtpionier-Unternehmer auf. Sie sind nicht selber innovativ, sondern versuchen vorhandene Innovationen bestm\u00f6glich umzusetzen.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Am Beispiel der Chemischen Fabrik in Uetikon am Z\u00fcrichsee lassen sich diese beiden Unternehmerformen exemplarisch beobachten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSeit der Gr\u00fcndung 1818 bestand f\u00fcr \u00fcber 150 Jahre die Hauptt\u00e4tigkeit in der Herstellung chemischer Grundstoffe wie Schwefels\u00e4ure, Salzs\u00e4ure und Soda sowie D\u00fcnger, die zun\u00e4chst in der Textil- und allgemein in der chemischen Industrie Verwendung fanden. Die erste Generation Schnorf, die Seite an Seite mit den Arbeitern die anstrengenden und gef\u00e4hrlichen Arbeiten ausf\u00fchrte, war bestrebt, mit technischen Innovationen die Produktionsprozesse zu optimieren. So entwickelte sich die Fabrik der Schnorfs ab 1870 zu einer der technisch modernsten Chemiefirmen in ganz Europa.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts ging diese Innovationskraft ein St\u00fcck weit verloren, auch weil die ung\u00fcnstige Lage abseits von Verkehrswegen und Kraftwerken eine gr\u00f6ssere Mengenverarbeitung und neue Produktionsmethoden verunm\u00f6glichte. Die Chemische Fabrik Uetikon konzentrierte sich vermehrt auf das Ausschalten unliebsamer Konkurrenz, indem Firmen aufgekauft oder Kartellvertr\u00e4ge geschlossen wurden. Die der Familientradition verpflichteten Unternehmer sorgten einerseits daf\u00fcr, dass auch l\u00e4ngere Krisen durchgestanden werden konnten. Andererseits verz\u00f6gerte die f\u00fcr Familienfirmen typische Kontinuit\u00e4t in der F\u00fchrung den Schritt weg von der Grundchemie.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nErst ab den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts und nicht ohne R\u00fcckschl\u00e4ge konnten mit Silicagel, Molekularsieben und Deuteroprodukten neue Gebiete erschlossen und eine neue Innovationskraft gewonnen werden. Interessanterweise endete parallel dazu \u00abeine lange Periode sch\u00f6ner Familientraditionen mit patriarchalischem Gepr\u00e4ge\u00bb, wie es der Verwaltungsratspr\u00e4sident Paul Schnorf ausdr\u00fcckte. Die Familienmitglieder konzentrierten sich vermehrt auf den Verwaltungsrat, w\u00e4hrend in der Gesch\u00e4ftsleitung externe Fachkr\u00e4fte das Sagen hatten. Nun ist das Unternehmen,\u00a0das heute mit \u00abCPH Chemie + Papier Holding AG\u00bb firmiert, seit sieben Generationen in Familienbesitz, was h\u00f6chst selten ist; nur drei Prozent der Familienunternehmen schaffen den Wandel in die vierte Generation.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Ein Notar als Firmensanierer<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schnorfs widerspiegeln damit einen Trend im Unternehmertum. W\u00e4hrend die Industrialisierung aufgrund der Technisierung zun\u00e4chst den technischen Unternehmertyp f\u00f6rderte, konzentrierten sich Gesch\u00e4ftsm\u00e4nner im 20. Jahrhundert vermehrt wieder auf den kaufm\u00e4nnischen Aspekt. Dieser Wandel zeigte sich auch in der Geschichte des Berner Druckmaschinenbauers Wifag. Dessen Gr\u00fcnder Carl Winkler war ein technisch versierter Drucker, der vor der Wifag-Gr\u00fcndung 1904 unter anderem als Veloh\u00e4ndler t\u00e4tig war. Technisch waren auch die Produkte der Wifag tadellos. Bald kamen Eigenkonstruktionen auf den Markt, denen die ersten Schnellpressen und schliesslich Rotationsdruckmaschinen folgten. Doch in wirtschaftlicher Hinsicht verfehlte die Wifag oft die angestrebten Ziele.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNach mehreren Sanierungen \u2013 Winkler musste inzwischen aus der eigenen Firma austreten \u2013 \u00fcbernahm Notar Otto Wirz, Vizepr\u00e4sident der Spar- und Leihkasse Bern, zusammen mit dem Techniker Karl Bretscher die Firma. W\u00e4hrend Bretscher mit technischen Innovationen das Unternehmen auf Kurs hielt, sorgte Wirz f\u00fcr die Modernisierung des Maschinenparks, f\u00fcr Fabrikerweiterungen und f\u00fcr eine zeitgem\u00e4sse Personalvorsorgeeinrichtung. Nach jahrelangen Spannungen zwischen den beiden f\u00fchrenden K\u00f6pfen demissionierte Bretscher. Auf einen technisch versierten Nachfolger im Verwaltungsrat wurde verzichtet und daf\u00fcr ein leitender Direktor eingestellt. Der Kaufmann Otto Wirz dagegen war nun Mehrheitsbesitzer eines der gr\u00f6ssten Unternehmen der Stadt Bern. Ihm folgte nach seinem Tod Tochter Ursula, ebenfalls eine Juristin mit wenig Sinn f\u00fcr technische Details. Trotzdem gelangen unter ihrer F\u00fchrung unz\u00e4hlige technische Neuerungen, sodass die Wifag-Druckmaschinen als Rolls-Royce in der Branche galten. 2011 hat die Firma den Betrieb eingestellt.&#13;<\/p>\n<h2>Gewagt, gewogen, gewonnen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWenn in etablierten M\u00e4rkten vermehrt kaufm\u00e4nnische Unternehmer auftreten, so bleiben neue Wirtschaftsbereiche technisch versierten Unternehmern vorbehalten, die ihr technisches Genie mit unternehmerischen F\u00e4higkeiten zu kombinieren verm\u00f6gen. Ein herausragendes Beispiel daf\u00fcr ist Erhard Mettler. Nach einer Mechanikerlehre in Winterthur und einigen Jahren als Feinmechaniker beim optischen Instrumentenhersteller Wild Heerbrugg AG versp\u00fcrte er den Drang, selbstst\u00e4ndig zu werden. Er besuchte die Handelsschule, um auch den kaufm\u00e4nnischen Teil des Unternehmertums zu erlernen, und suchte sich dann ein T\u00e4tigkeitsgebiet. Sein Bruder riet ihm: \u00abMach etwas f\u00fcr die Chemie, die haben Geld.\u00bb Erhard Mettler befolgte den Rat und untersuchte Laborinstrumente auf Verbesserungspotenzial. Seine Wahl fiel auf Waagen, bei denen er am meisten Modernisierungspotenzial feststellte und die relativ einfach herzustellen waren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDamit nahm das Unternehmen Mettler im Sommer 1945 seinen Anfang, und nach den ersten harten Jahren begann die Wachstumskurve steil nach oben zu zeigen. Bald geh\u00f6rten die Mettler-Waagen im internationalen Vergleich zu den besten, und mit der Entwicklung der ersten elektronischen Waagen der h\u00f6chsten Genauigkeitsstufe erreichte Mettler in den Siebzigerjahren einen weiteren bahnbrechenden Erfolg. Aus der Werkstatt wurde bald eine Fabrik, und die Mitarbeiterzahl stieg weltweit auf \u00fcber 2000. Mettler blieb dabei der einfache Mann, den die Fabrikarbeiter auch mal mit einem Arbeitskollegen verwechselten. Nichts zeigt die unkomplizierte Art aber besser als der Vertrag, mit dem der kinderlose Mettler seine Firma 1980 an Ciba-Geigy verkaufte: Er umfasste eine A4-Seite! Mit der \u00dcbernahme des amerikanischen Industriewaagen-Herstellers ist das Unternehmen heute zu Mettler-Toledo geworden und besch\u00e4ftigt weltweit \u00fcber 16\u2019000 Mitarbeiter. Sein Umsatz betrug 2019 rund 3 Milliarden Dollar.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Konkurrenz durch Manager?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWaren die bisher portr\u00e4tierten Unternehmen in der chemischen, der Textil- oder der Maschinenindustrie t\u00e4tig, so erkl\u00e4rt sich das auch damit, dass diese Wirtschaftsbereiche zu den bedeutendsten in der Schweiz geh\u00f6rten. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten ge\u00e4ndert. Seit 1970 ist der gr\u00f6sste Anteil der Besch\u00e4ftigten im Dienstleistungssektor zu finden, was sich auch in den Unternehmensgr\u00fcndungen widerspiegelt. 2017 wagten etwa im Bereich Information und Kommunikation wesentlich mehr Menschen den Schritt ins Unternehmertum als im Bereich Industrie und Energie. Zusammen gab es im Dienstleistungssektor fast siebenmal mehr Unternehmensgr\u00fcndungen als im Industriesektor.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWenn wir die Entwicklung des Unternehmers betrachten, so darf auch jene Figur nicht unerw\u00e4hnt bleiben, die mit der \u00abErfindung\u00bb der juristischen Person ihren Auftritt erhielt: der Manager. Denn waren bis ins 19.\u00a0Jahrhundert s\u00e4mtliche wirtschaftlichen F\u00fchrungspersonen Unternehmer, so m\u00fcssen F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten von Aktiengesellschaften kein finanzielles Risiko \u00fcbernehmen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUnd doch: Die Schweiz ist ein Land von innovativen Unternehmern. Pro Kopf wurden hier 2019 europaweit am meisten Patente angemeldet, und auch die Zahl der Unternehmensgr\u00fcndungen ist mit \u00fcber 44\u2019000 vergleichsweise hoch, Tendenz steigend.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> Das l\u00e4sst vermuten, dass das Unternehmertum insgesamt nach wie vor eine grosse Attraktivit\u00e4t besitzt. Daf\u00fcr spricht auch, dass \u00fcber 95 Prozent aller Unternehmen weniger als zehn Personen besch\u00e4ftigen und 14 der 25 gr\u00f6ssten Firmen der Schweiz nicht b\u00f6rsenkotiert sind, also Familiengesellschaften, Genossenschaften oder Partner- und Privatunternehmen sind.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Wo sind die Frauen?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAlle hier portr\u00e4tierten Unternehmer waren, mit der Ausnahme von Ursula Wirz, M\u00e4nner. Das ist kein Zufall. Frauen wurden bis ins 20. Jahrhundert durch die M\u00e4nner bevormundet, die rechtliche Gleichberechtigung der Eheleute trat als Grundsatz bekanntlich erst 1988 in Kraft. Frauen konnten also lange Zeit gar kein Unternehmen gr\u00fcnden. Zudem waren sie auch in Sachen Bildung benachteiligt, was selbstredend Auswirkungen auf die Pionier- und Unternehmenst\u00e4tigkeit hat. Trotzdem gab es sie, die Pionierinnen und Unternehmerinnen. Am h\u00e4ufigsten kamen sie durch Erbe in den Besitz einer Firma, so wie die erw\u00e4hnte Ursula Wirz nach dem Tod ihres Vaters Otto; oder Emma St\u00e4mpfli-Studer, die nach dem Tod ihres Mannes ab 1894 f\u00fcr 30 Jahre die Buchdruckerei St\u00e4mpfli in Bern f\u00fchrte. Pionierrollen konnten Frauen dar\u00fcber hinaus nur dort wahrnehmen, wo die Gesellschaft ihnen den Platz zuwies: im sozialen Bereich. Dass dabei aber auch eindr\u00fcckliche unternehmerische Leistungen erbracht wurden, zeigt das Beispiel von Else Z\u00fcblin-Spiller, die in den Jahren des Ersten Weltkriegs Soldatenstuben betrieb und daraus die heute noch erfolgreich t\u00e4tige SV Group formte, die Hotels, Restaurants und Kantinen betreibt.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Die Grundlage f\u00fcr diesen Artikel bilden die B\u00e4nde der Reihe \u00abSchweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik\u00bb (siehe <em>Kasten<\/em>).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon: Definition Unternehmer, 4. November 2020.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Vgl. Claudia Astrachan Binz und Tom A. R\u00fcsen, \u00ab<a href=\"https:\/\/schweizermonat.ch\/wir-sind-die-88-prozent\/#\">Wir sind die 88 Prozent<\/a>\u00bb, in: \u00abSchweizer Monat\u00bb, Nr. 1013, Februar 2014, S. 64\u201369.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Vgl. Mettler-Toledo, Annual Report 2019, 21.02.2020.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Vgl. Bundesamt f\u00fcr Statistik, Unternehmensdemographie: Neu gegr\u00fcndete Unternehmen 2017, 28. November 2019.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Vgl. Europ\u00e4isches Patentamt: Statistiken zu Patenten, 31. Dezember 2019; Merkel-Gyger, Karen: \u00abFast 45\u2019000 neue Firmen in der Schweiz\u00bb, in: \u00abHandelszeitung\u00bb, 1. Januar 2020.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Vgl. P\u00f6hner, Ralph: \u00ab<a href=\"https:\/\/www.handelszeitung.ch\/unternehmen\/fast-45000-neue-firmen-der-schweiz\">Top 100: Die gr\u00f6ssten Konzerne der Schweiz<\/a>\u00bb, in: \u00abHandelszeitung\u00bb, 27. Juni 2019.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein roter Faden zieht sich seit dem 16. Jahrhundert durch die Geschichte Z\u00fcrichs. Ein Seidenfaden, wohlbemerkt. 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Schweizer Erfolgsgeschichten, Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik, Bd. 100, hrsg. vom Verein f\u00fcr wirtschaftshistorische Studien, Z\u00fcrich.<\/li>&#13;\n \t<li>Kaufmann, Andr\u00e9a (2014). Spinnen \u2013 Weben \u2013 Drucken, Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik, Bd. 99, hrsg. vom Verein f\u00fcr wirtschaftshistorische Studien, Z\u00fcrich.<\/li>&#13;\n \t<li>Kaufmann, Andr\u00e9a (2016). Emma St\u00e4mpfli-Studer (1848\u20131930). Tradition und Vision, in: Drucken, Backen, Forschen \u2013 Pionierinnen der modernen Schweiz, Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik, Bd. 106, hrsg. vom Verein f\u00fcr wirtschaftshistorische Studien, Z\u00fcrich.<\/li>&#13;\n \t<li>Rogger, Franziska (2019). Fritz Ryff, Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik, Bd. 113, hrsg. vom Verein f\u00fcr wirtschaftshistorische Studien, Z\u00fcrich.<\/li>&#13;\n \t<li>Ruetz, Bernhard (2014). Pionierin der Gemeinschaftsgastronomie. Die einzigartige Geschichte der SV Group, Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik, Bd. 101, hrsg. vom Verein f\u00fcr wirtschaftshistorische Studien, Z\u00fcrich.<\/li>&#13;\n \t<li>Schmid, Stefan G. (2001). David und Heinrich Werdm\u00fcller, Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik, Bd. 73, hrsg. vom Verein f\u00fcr wirtschaftshistorische Studien, Z\u00fcrich.<\/li>&#13;\n \t<li>Sch\u00fcpbach, Andrea (2017). F\u00fchrende K\u00f6pfe der Maschinenfabrik Wifag, Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik, Bd. 108, hrsg. vom Verein f\u00fcr wirtschaftshistorische Studien, Z\u00fcrich.<\/li>&#13;\n \t<li>Wiesmann, Matthias (2018). Familie Schnorf und die Schwefels\u00e4ure, Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik, Bd. 112, hrsg. vom Verein f\u00fcr wirtschaftshistorische Studien, Z\u00fcrich.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik","kasten_box":"Seit 1950 publiziert der Verein f\u00fcr wirtschaftshistorische Studien die Reihe \u00abSchweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik\u00bb, auf der auch die Beispiele im Artikel basieren. In der Reihe finden sich die Biografien pr\u00e4gender Schweizer Unternehmer wie Caspar Honegger (1804\u20131883), Philippe Suchard (1797\u20131884) oder der Gebr\u00fcder Johann Jakob (1806\u20131883) und Salomon (1809\u20131869) Sulzer, aber auch weniger bekannter Pers\u00f6nlichkeiten. Die bislang 117 erschienenen B\u00e4nde bieten gleichsam eine \u00abTour d\u2019Horizon\u00bb der Schweizer Wirtschaftsgeschichte. Pro Jahr erscheinen rund drei neue Publikationen, die im Buchhandel und beim eigenen Verlag erh\u00e4ltlich sind. Die Mitglieder des Vereins erhalten s\u00e4mtliche Neuerscheinungen kostenlos und profitieren von attraktiven Buchvernissagen mit namhaften Referenten aus der Schweizer Wirtschaft. Weitere Infos unter <a href=\"http:\/\/www.pioniere.ch\">www.pioniere.ch<\/a>."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":100430,"main_focus":[155925,156752],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":100434,"artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"99887","post_abstract":"Ein Blick zur\u00fcck zeigt, dass die Schweiz seit langer Zeit ein fruchtbarer Boden f\u00fcr Unternehmer ist. Doch das Wesen von Unternehmern \u00e4nderte sich im Lauf der Geschichte mehrfach: Verlagsherren wie die Z\u00fcrcher Textilproduzenten Werdm\u00fcller bauten Unternehmensimperien auf, bevor Handwerker und Ingenieure zu Fabrikbesitzern und Unternehmern emporstiegen, wie im Fall von Erhard Mettler. Schliesslich \u00fcbernahmen \u00d6konomen und Juristen die Rolle von Unternehmern, wie das Beispiel von Vater und Tochter Wirz bei der Berner Druckmaschinenherstellerin Wifag zeigt. Bedeuten die CEOs das Ende des Unternehmers? 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