{"id":100460,"date":"2020-11-19T13:29:55","date_gmt":"2020-11-19T13:29:55","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2020\/11\/la-mode-et-la-restauration-victimes-de-la-crise-du-coronavirus\/"},"modified":"2023-08-23T22:51:33","modified_gmt":"2023-08-23T20:51:33","slug":"mode-und-gastronomie-opfer-der-corona-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2020\/11\/mode-und-gastronomie-opfer-der-corona-krise\/","title":{"rendered":"Mode und Gastronomie: Opfer der Corona-Krise"},"content":{"rendered":"<p>Seit drei Jahren finden sich im <a href=\"https:\/\/retailatlas.ch\/\">\u00abRetail Atlas Schweiz\u00bb<\/a> Daten zu Tausenden von Detailh\u00e4ndlern, Gastronomen und Dienstleistungsunternehmen. In diesem Analysetool f\u00fcr den Schweizer Immobilienmarkt erfassen wir beispielsweise die genauen Firmenstandorte und sch\u00e4tzen die Gr\u00f6sse der beanspruchten Laden- und B\u00fcrofl\u00e4chen. Zusammen mit einer Berechnung der Ums\u00e4tze pro Branche erm\u00f6glichen diese Daten detaillierte Analysen zu Entwicklungen des Verkaufsfl\u00e4chenmarktes. Grunds\u00e4tzlich gilt: Die Entwicklung der Anzahl Filialen folgt der Umsatzentwicklung mit einer Verz\u00f6gerung von rund zwei Jahren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGut sichtbar wird diese Dynamik, wenn man die Entwicklung der Branchen des periodischen und des aperiodischen Bedarfs vergleicht. Mit periodischem Bedarf sind die G\u00fcter des t\u00e4glichen Bedarfs wie Lebensmittel oder Haushaltsartikel gemeint. Unter aperiodischem Bedarf versteht man G\u00fcter wie Kleider, Schuhe und B\u00fccher, die unregelm\u00e4ssig gekauft werden. Als Folge des Onlineshoppings und des Einkaufstourismus im Ausland gingen die Ums\u00e4tze in den aperiodischen Branchen in den Jahren 2016 und 2017 stark zur\u00fcck \u2013 zwei Jahre sp\u00e4ter folgte die Schliessungswelle (siehe <em>Abbildung<\/em>). Am h\u00e4rtesten traf es die Bekleidungsbranche, gefolgt von der Schuh- und der Elektronikbranche. Demgegen\u00fcber war der Umsatzr\u00fcckgang beim periodischen Bedarf in den Jahren 2016 und 2017 viel geringer, und 2019 stieg er gar wieder ins Positive. Entsprechend zeigte sich dort auch kaum ein R\u00fcckgang bei der Anzahl der Filialen.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Detailhandel: Umsatz und Anzahl nach Branchentyp&#13;<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class='chart chart--normal' id='Thurnheer_Van_Dijk_de_1'>\n\n<\/div>\n\n<script>\n$(function () {\n    $('#Thurnheer_Van_Dijk_de_1').highcharts({\n        chart: {\n        type: 'line'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n   \n    xAxis: {\n        categories: ['Januar 2015', 'Januar 2016', ' Januar 2017', ' Januar 2018', ' Januar 2019', ' Januar 2020']\n    },\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: 'Index'\n        },\n        \n    },\n    plotOptions: {\n       \n    },\n    tooltip: {valueDecimals:1 },\n            \n    series: [\n    {\n        name: 'Anzahl Filialen (Jan. 2017 = 100)<br>Periodischer Bedarf',\n        data: [null,null,100.00,99.70,99.70,99.70],\n        color: ' #37a932',\n         marker: {\n            enabled: false\n        }\n        \n    }, {\n        name: 'Anzahl Filialen (Jan. 2017 = 100)<br>Aperiodischer Bedarf',\n        data: [null,null,100.00,99.10,94.10,93.30],\n        color:'#23318a',\n         marker: {\n            enabled: false\n        }\n    },{\n        name: 'Umsatzentwicklung (Jan. 2015 = 100)<br>Periodischer Bedarf',\n        data: [100.00,98.62,98.82,98.72,100.20,100.49],\n                color:'#37a932',\ndashStyle: 'dash',\n                 marker: {\n            enabled: false\n        }\n\n\n    }, {\n        name: 'Umsatzentwicklung (Jan. 2015 = 100)<br>Aperiodischer Bedarf',\n        data: [100.00,96.71,93.52,92.46,91.20,91.68],\n                        color:'#23318a',\ndashStyle: 'dash',\n                         marker: {\n            enabled: false\n        }\n    },\n   ]\n});\n\n});\n\n\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: Anzahl Filialen: Retail Atlas Schweiz; Umsatz: Haushaltsbudgeterhebung BFS, Umsatzzahlen von Detailh\u00e4ndlern und Branchenverb\u00e4nden \/ Die Volkswirtschaft&#13;<br \/>\n<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJe nach Gemeindegr\u00f6sse verl\u00e4uft diese Entwicklung unterschiedlich: In mittelgrossen Gemeinden mit 5000 bis 15\u2019000 Einwohnern haben in den letzten Jahren prozentual am meisten Filialen geschlossen. Diese Gemeinden weisen einen relativ hohen Anteil an Modegesch\u00e4ften auf \u2013 gleichzeitig geh\u00f6ren sie nicht zu den Zieldestinationen von expandierenden Ketten oder neu gegr\u00fcndeten Gesch\u00e4ften. Viele mittelgrosse Gemeinden geraten so in eine Abw\u00e4rtsspirale: Mit weniger Gesch\u00e4ften sinkt auch die Kundenfrequenz f\u00fcr die verbleibenden Gesch\u00e4fte. In den kleinen Gemeinden hingegen finden sich fast nur L\u00e4den mit periodischen G\u00fctern, sie sind deshalb vom strukturellen Wandel kaum betroffen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas gleiche Muster l\u00e4sst sich bei den Einkaufszentren beobachten: Kleine Einkaufszentren haben einen hohen Anteil an L\u00e4den mit periodischen G\u00fctern und somit weniger geschlossene L\u00e4den. Mittelgrosse Einkaufszentren wiederum weisen viele Anbieter von aperiodischen G\u00fctern auf und m\u00fcssen entsprechend viele Filialschliessungen in Kauf nehmen. In Shoppingmalls und grossen Einkaufszentren tritt dieser Trend zwar auch auf, sie k\u00f6nnen aber besser mit dem Wandel umgehen, indem sie frei gewordene Ladenfl\u00e4chen rasch mit neuen Trendformaten f\u00fcllen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Vom Aufschwung in die Krise<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nW\u00e4hrend die periodischen Branchen schon seit L\u00e4ngerem ihre Ums\u00e4tze steigern konnten, schien es Anfang 2020 so, als w\u00fcrden sich auch die Filialschliessungen der aperiodischen Branchen stabilisieren. Damit schien sich im Verkaufsfl\u00e4chenmarkt ein neues Gleichgewicht eingestellt zu haben. Die Covid-19-Krise k\u00f6nnte dieses Gleichgewicht jedoch gleich wieder aus den Angeln heben. Um einzusch\u00e4tzen, ob die Pandemie wirklich zu einer Schliessungswelle f\u00fchren wird, muss die Umsatzentwicklung sowohl w\u00e4hrend als auch nach dem Lockdown im Fr\u00fchling 2020 einbezogen werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nLaut unseren Sch\u00e4tzungen resultierte w\u00e4hrend des Lockdowns der ersten Pandemiewelle im Verkaufsfl\u00e4chenmarkt ein Umsatzverlust von insgesamt 8,5 Milliarden Franken. Dies entspricht 8,1 Prozent des gesamten Jahresumsatzes. Allerdings finden sich je nach Branche klare Gewinner und Verlierer. Zum einen war der Umsatz davon abh\u00e4ngig, ob und allenfalls f\u00fcr wie lange die Filialen schliessen mussten. Einen weiteren Einfluss hatte, ob die Filialen die station\u00e4ren Verk\u00e4ufe durch Onlineverk\u00e4ufe ersetzen konnten. Schliesslich spielt es eine Rolle, wie wichtig die Fr\u00fchlingsperiode f\u00fcr den gesamten Jahresverkauf ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNach dem Ende des Lockdowns erholte sich der Verkaufsfl\u00e4chenmarkt rasch \u2013 je nach Branche kam es zudem zu Nachholeffekten. Damit sind K\u00e4ufe gemeint, die die Konsumenten aufgeschoben hatten und nun nachholten. Prominente Beispiele sind der Gartenbedarf oder Elektroger\u00e4te. Nicht profitieren von Nachholeffekten konnten hingegen Restaurants und Dienstleister im Bereich K\u00f6rperpflege, Fitness und Kultur.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSchweizer Konsumenten haben dieses Jahr zudem deutlich mehr Geld im Inland ausgegeben \u2013 einerseits, weil sie seltener f\u00fcr Eink\u00e4ufe ins grenznahe Ausland fuhren, und andererseits, weil sie die Ferien h\u00e4ufiger in der Schweiz verbrachten. Davon profitieren vor allem Tourismusdestinationen, die auf Schweizer G\u00e4ste spezialisiert sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEinen negativen Effekt auf die Umsatzzahlen haben hingegen die Corona-Regeln des Bundesrates: Beispielsweise k\u00f6nnen manche Restaurants und Bars heute aufgrund der Abstandsregeln weniger G\u00e4ste bedienen als vor Corona. Andere erleiden Umsatzeinbussen, da dieses Jahr viele Grossanl\u00e4sse und Veranstaltungen ausfallen.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Noch kein Ladensterben<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGemessen am gesamten Fl\u00e4chenangebot rechnen wir bei rund einem F\u00fcnftel der Schweizer Verkaufsfl\u00e4chen f\u00fcr das Gesamtjahr 2020 mit einer Umsatzsteige&shy;rung. Zu dieser Gewinnergruppe z\u00e4hlen haupts\u00e4chlich die Superm\u00e4rkte. Bei weiteren 15 Prozent der Fl\u00e4chen betr\u00e4gt der Umsatzverlust weniger als 10 Prozent des Jahresumsatzes. Hier finden sich Gastro&shy;nomen und Detailh\u00e4ndler, die zwar w\u00e4hrend des Lockdowns offen bleiben konnten, aber weniger Umsatz machten. Aber auch Restaurants und Detailh\u00e4ndler, die w\u00e4hrend des Lockdowns durch kreative Konzepte wie Onlineverk\u00e4ufe, Take-away oder Gutscheinkampagnen dennoch etwas Umsatz generieren konnten, z\u00e4hlen zu dieser Gruppe.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei beinahe der H\u00e4lfte der Schweizer Verkaufsfl\u00e4chen liegt der Umsatzverlust im Jahr 2020 zwischen 10 und 15 Prozent. Hier handelt es sich um Unternehmen, die w\u00e4hrend des Lockdowns keinen nennenswerten Umsatz generieren konnten. Bei einem F\u00fcnftel der Verkaufsfl\u00e4chen ist der Umsatzverlust gr\u00f6sser als 15 Prozent des Jahresumsatzes. Betroffen sind in erster Linie Gastro&shy;nomen und Detailh\u00e4ndler, die vom internationalen Tourismus abh\u00e4ngig sind, wie zum Beispiel Reiseb\u00fcros, Souvenirl\u00e4den und Restaurants.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Restaurants unter Druck<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls besonders bitter erscheint, dass die Covid-19-Krise die bereits unter Druck stehenden Branchen des aperiodischen Bedarfs am st\u00e4rksten trifft. Hingegen wird die Lebensmittelbranche, welche in den letzten Jahren eine Um&shy;satzsteigerung realisieren konnte und deren Filialzahl sich stabil entwickelte, im Jahr 2020 deutlich besser abschneiden als im Vorjahr. Ein hohes Insolvenzrisiko besteht vor allem in der Gastronomie, wo die Umsatzverluste aufgrund der anhaltenden Corona-Massnahmen weiter zunehmen. Ebenfalls stark betroffen ist die Modebranche, wo die aktuellen Umsatzeinbr\u00fcche auf eine lange Periode von Umsatzr\u00fcckg\u00e4ngen folgen. In der Modebranche h\u00e4ngt die weitere Entwicklung stark davon ab, ob die Branche die schwache Fr\u00fchlingssaison in der zweiten Jahresh\u00e4lfte kompensieren kann.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nL\u00e4uft man derzeit durch eine Einkaufsstrasse in einer durchschnittlichen Schweizer Stadt, so haben sich die Ladenschilder gegen\u00fcber dem Vorjahr kaum ver\u00e4ndert. Das Ladensterben liegt im Jahr 2020 sogar auf einem tieferen Niveau als im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019, wie die Septemberdaten des \u00abRetail Atlas\u00bb zeigen. In vielen F\u00e4llen hat das Massnahmenpaket des Bundes einen Teil der Umsatzverluste kompensieren k\u00f6nnen. Ob das ausreicht, muss sich erst zeigen. Unausweichlich wird es aber in den aperiodischen Branchen zu Schliessungen kommen. Gem\u00e4ss der oben beschriebenen Faustregel werden die Schliessungen jedoch erst mit einer Verz\u00f6gerung von zwei Jahren eintreten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit drei Jahren finden sich im \u00abRetail Atlas Schweiz\u00bb Daten zu Tausenden von Detailh\u00e4ndlern, Gastronomen und Dienstleistungsunternehmen. In diesem Analysetool f\u00fcr den Schweizer Immobilienmarkt erfassen wir beispielsweise die genauen Firmenstandorte und sch\u00e4tzen die Gr\u00f6sse der beanspruchten Laden- und B\u00fcrofl\u00e4chen. 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Die Corona-Krise f\u00fchrte bei Letzteren jedoch zu einem Umsatzeinbruch. Derzeit l\u00e4sst sich zwar noch kein Ladensterben beobachten, wie die Daten des \u00abRetail Atlas Schweiz\u00bb zeigen. Allerdings tritt dieses jeweils zeitlich verz\u00f6gert auf. 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