{"id":100504,"date":"2020-11-19T13:29:54","date_gmt":"2020-11-19T13:29:54","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2020\/11\/le-tourisme-dachat-stoppe-net-par-le-semi-confinement\/"},"modified":"2023-08-23T22:51:43","modified_gmt":"2023-08-23T20:51:43","slug":"lockdown-stoppt-einkaufstourismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2020\/11\/lockdown-stoppt-einkaufstourismus\/","title":{"rendered":"Lockdown stoppt Einkaufstourismus"},"content":{"rendered":"<p>Die geschlossenen Grenzen als Folge der Corona-Krise haben den Einkaufstourismus im ersten Halbjahr 2020 f\u00fcr fast 13 Wochen zum Erliegen gebracht. Davon profitierten Schweizer Superm\u00e4rkte und andere L\u00e4den, die Lebensmittel oder Near-Food-Produkte weiterhin verkaufen konnten. Unter Near-Food versteht man G\u00fcter wie Wasch- und Reinigungsmittel, K\u00f6rperpflege-, Papier- und Hygieneprodukte, die oft in Superm\u00e4rkten verkauft werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAm st\u00e4rksten profitiert haben Anbieter auf dem Land, wie Auswertungen von Debitkartenzahlungen zwischen Mitte M\u00e4rz und Mitte Juni 2020 zeigen. Demgegen\u00fcber fiel das Wachstum in st\u00e4dtischen Gebieten deutlich geringer aus. Dies hat verschiedene Gr\u00fcnde. Einerseits konkurrierten in St\u00e4dten mehr Lieferdienste und Take-aways um Anteile mit traditionellen Lebensmittelgesch\u00e4ften. Andererseits blieb in st\u00e4dtischen Gebieten ein Grossteil des Pendlerverkehrs aus. Letzterer ist im Hinblick auf Gelegenheits- und Convenience-Eink\u00e4ufe an Bahnh\u00f6fen und wichtigen Verkehrsachsen von Bedeutung. Die Verbreitung von Homeoffice vor allem in der Dienstleistungsbranche hat hingegen das lokale Einkaufen in der Nachbarschaft gest\u00e4rkt und die Lebensmittelgesch\u00e4fte in l\u00e4ndlichen Gebieten unterst\u00fctzt.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Hinweise dank Debitkarten<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine genaue Quantifizierung des Einkaufstourismus ist schwierig. Anhand von Daten zu Debitkartentransaktionen im Ausland sch\u00e4tzen Forschende im Projekt \u00abMonitoring Consumption Switzerland\u00bb, wie viel \u00fcber Debitkarten finanzierter Einkaufstourismus unseren Nachbarl\u00e4ndern infolge der geschlossenen Grenzen entging.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Da mit Schweizer Debitkarten im Ausland jedoch nicht nur Eink\u00e4ufe bezahlt werden, sondern auch Dienstleistungen wie Hotel\u00fcbernachtungen, Restaurantbesuche oder Transportkosten, werden die Daten einer Branchenkategorie zugeteilt. Um eine m\u00f6glichst genaue Sch\u00e4tzung zu erhalten, wird der Einkaufstourismus \u00fcber die Kategorien \u00abFood und Superm\u00e4rkte\u00bb sowie \u00abweiterer Detailhandel\u00bb approximiert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss diesen Daten haben Inhaber von Schweizer Debitkarten w\u00e4hrend jeder Woche, in der die Grenzen geschlossen waren, f\u00fcr insgesamt 30 Millionen Franken weniger in den Nachbarl\u00e4ndern eingekauft als im Vorjahr. Die st\u00e4rkste Einbusse durch das Ausbleiben Schweizer Einkaufstouristen erlitten die deutschen Anbieter. Ihnen entgingen durch die Grenzschliessung pro Woche 14 Millionen Franken von Schweizer Kunden. In Frankreich betrugen die Mindereinnahmen 8 Millionen Franken, in Italien 6 Millionen Franken und in \u00d6sterreich 2 Millionen Franken. Insgesamt d\u00fcrfte der 13-w\u00f6chige Lockdown also 390 Millionen Franken an mit Debitkarten finanziertem Einkaufstourismus unterbunden haben.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Wichtige Kreditkarten<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm den Einkaufstourismus in seiner Gesamtheit zu quantifizieren, braucht es zus\u00e4tzliche Sch\u00e4tzungen zu den Eink\u00e4ufen in den Nachbarl\u00e4ndern, die mit Kreditkarten oder Bargeld bezahlt wurden. Daten der Schweizerischen Nationalbank (SNB) belegen, dass Kreditkarten im Ausland h\u00e4ufiger benutzt werden als Debitkarten. Im Jahr 2019 hatten Kreditkarten einen Anteil von 72 Prozent an allen mit Karten beglichenen Zahlungen im Ausland. Unter der vereinfachenden Annahme, dass dieser Anteil auch bei K\u00e4ufen von G\u00fctern des t\u00e4glichen Gebrauchs im Ausland und f\u00fcr das Jahr 2020 gilt, h\u00e4tten die Kreditkartenausgaben f\u00fcr den Einkaufstourismus in den Nachbarl\u00e4ndern w\u00e4hrend der 13 Wochen Lockdown theoretisch 1 Milliarde Franken betragen. Insgesamt errechnen wir also 1,4 Milliarden Franken an Ausgaben mit Zahlungskarten, die dem \u00abentgangenen Einkaufstourismus\u00bb in den Nachbarl\u00e4ndern zugeordnet werden k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWeiter haben die Umfrageresultate des \u00abSwiss Payment Monitor\u00bb gezeigt, dass die Konsumenten in der Schweiz im station\u00e4ren Einkauf ein Drittel ihrer Ausgaben mit Bargeld begleichen. Unter der Annahme, dass alternative Zahlungsmethoden wie Kundenkarten oder Mobile Payments im Ausland vernachl\u00e4ssigt werden k\u00f6nnen, ergibt sich ein Bargeldanteil von ungef\u00e4hr 35 Prozent jenseits der Landesgrenze.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch Daten der SNB zu Bez\u00fcgen an Geldautomaten in der Schweiz deuten auf einen Bargeldanteil in dieser Gr\u00f6ssenordnung hin. \u00dcbertr\u00e4gt man also diesen Anteil auf unsere Sch\u00e4tzung des Einkaufstourismus\u00a0 w\u00e4hrend des Lockdowns, ergeben sich weitere fast 750 Millionen Franken, die Kunden aus der Schweiz in den Nachbarl\u00e4ndern unter normalen Umst\u00e4nden f\u00fcr Food-, Near-Food und Non-Food-Eink\u00e4ufe ausgegeben h\u00e4tten. Insgesamt d\u00fcrfte der so errechnete entgangene Einkaufstourismus von Mitte M\u00e4rz bis Mitte Juni 2020 etwas \u00fcber 2 Milliarden Franken betragen haben.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Viele Unw\u00e4gbarkeiten<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDiese Sch\u00e4tzungen basieren auf mehreren vereinfachenden Annahmen. Gewisse Ungenauigkeiten r\u00fchren daher, dass nur f\u00fcr Debitkartentransaktionen die entsprechenden H\u00e4ndlerkategorien verf\u00fcgbar sind und dass der Gesamtbetrag der Kreditkarten- und Bargeldtransaktionen im Bereich Einkaufstourismus deshalb gesch\u00e4tzt werden muss. Zudem handelt es sich bei der Zuweisung der zwei Kategorien \u00abFood und Superm\u00e4rkte\u00bb und \u00abweiterer Detailhandel\u00bb zum Einkaufstourismus um eine Approximation, die auch Eink\u00e4ufe w\u00e4hrend Ferien, St\u00e4dtetrips oder Gesch\u00e4ftsreisen in den Nachbarl\u00e4ndern umfasst.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin Vergleich mit unserer Sch\u00e4tzung von 2012, als wir davon ausgingen, dass der Einkaufstourismus ungef\u00e4hr 5 bis 6 Milliarden Franken betrug, ist nur bedingt m\u00f6glich. Die Datengrundlage damals war eine andere. Basis waren Ausfuhrbescheinigungen f\u00fcr die R\u00fcckerstattung der Mehrwertsteuer, welche deutsche Z\u00f6llner an der Grenze zur Schweiz 2012 abstempelten. Diese Sch\u00e4tzung umfasste neben Eink\u00e4ufen von Lebensmitteln und Non-Food-Artikeln im grenznahen Ausland auch den grenz\u00fcberschreitenden Onlinehandel. Nicht erfasst wurden damals Eink\u00e4ufe auf Ferien- oder Gesch\u00e4ftsreisen. Diese sind nun Bestandteil der aktualisierten Sch\u00e4tzung f\u00fcr das Jahr 2020, die hingegen den grenz\u00fcberschreitenden Onlinehandel nicht mehr beinhaltet. Trotz der d\u00fcnnen Vergleichsbasis k\u00f6nnen wir davon ausgehen, dass sich der Einkaufstourismus in den letzten acht Jahren verst\u00e4rkt hat.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie nach wie vor bestehenden Preisdifferenzen sowie die relative St\u00e4rke des Schweizer Frankens gegen\u00fcber dem Euro haben Schweizer Konsumenten nach der \u00d6ffnung der Grenzen am 15. Juni 2020 wieder zum Einkauf jenseits der Landesgrenze animiert. Was die Schweizer Debitkartentransaktionen im Ausland anbelangt, so befinden sie sich bereits wieder auf dem Vorjahresniveau.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Wir gehen davon aus, dass der Einkaufstourismus \u00fcber das ganze Jahr 2020 ein Volumen von 6 Milliarden Franken erreichen wird.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe <a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch?p=100577\">Beitrag<\/a> von Martin Brown, Matthias Fengler, Rafael Lalive in diesem Schwerpunkt.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe Brown et al.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die geschlossenen Grenzen als Folge der Corona-Krise haben den Einkaufstourismus im ersten Halbjahr 2020 f\u00fcr fast 13 Wochen zum Erliegen gebracht. 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Die bis anhin sehr d\u00fcnne Datenlage hat sich nun w\u00e4hrend der Corona-Pandemie verbessert. Neu verf\u00fcgbare Daten zu Debitkartentransaktionen erlauben erstmals eine Sch\u00e4tzung des Einkaufstourismus auf Basis tats\u00e4chlich get\u00e4tigter Auslandzahlungen. W\u00e4hrend des Lockdowns, zwischen Mitte M\u00e4rz und Mitte Juni 2020, f\u00fchrten die geschlossenen Grenzen dazu, dass Schweizer Konsumenten rund 2 Milliarden Franken weniger in den Nachbarl\u00e4ndern ausgaben.","magazine_issue":"20201201","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":[4127,0],"korrektor":4139,"planned_publication_date":"20201120","original_files":null,"external_release_for_author":"20201108","external_release_for_author_time":"19:30:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/5f858ad2b028b"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/100504"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4932"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=100504"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/100504\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":125674,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/100504\/revisions\/125674"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4139"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4127"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4932"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156757"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/155932"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/100517"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=100504"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=100504"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=100504"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=100504"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=100504"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=100504"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}