{"id":100549,"date":"2020-11-19T13:29:54","date_gmt":"2020-11-19T13:29:54","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2020\/11\/le-commerce-en-ligne-en-plein-essor\/"},"modified":"2023-08-23T22:52:07","modified_gmt":"2023-08-23T20:52:07","slug":"onlinehandel-im-aufwind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2020\/11\/onlinehandel-im-aufwind\/","title":{"rendered":"Onlinehandel im Aufwind"},"content":{"rendered":"<p>Die Corona-Zeit mit all ihren Facetten hat dem Onlinehandel in der Schweiz kr\u00e4ftigen Schub verliehen. Zu Beginn des Lockdowns im M\u00e4rz wurde bald den meisten Onlineanbietern bewusst: Da kommt etwas auf uns zu, was uns bis zum Letzten fordern wird. Die Ums\u00e4tze im Internet-Detailhandel sind in der Gesamtbetrachtung \u00fcber die Monate M\u00e4rz bis Mai gegen\u00fcber der Vorjahresperiode um rund 50 Prozent gestiegen, im Monat April sogar um 70 Prozent.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNach der ersten Pandemiewelle hielt der Wachstumstrend auf tieferem Niveau an. F\u00fcr die ersten acht Monate weist der Onlinehandel gegen\u00fcber dem Vorjahr ein kumuliertes Plus von 33 Prozent aus (siehe <em>Abbildung<\/em>). Und das Jahr ist noch nicht zu Ende: Der Weihnachtsverkauf inklusive Black Friday ist normalerweise die wachstumsst\u00e4rkste Saison im Onlinehandel.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"text__graphic-title\"><strong>Ums\u00e4tze im Schweizer Onlinehandel (Januar bis August 2020)<\/strong><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<div class=\"chart chart--normal\" id=\"12_2020_Kessler_DE\"><\/div>\n<script>\n\n\n\n$(function () {\n    $('#12_2020_Kessler_DE').highcharts({     \nchart: {\n        type: 'line'\n    },\n    title: {\n        text: ''\n    },\n    subtitle: {\n        text: ''\n    },\n    xAxis: {\n        categories: ['Jan', 'Feb', 'Mar', 'Apr', 'May', 'Jun', 'Jul', 'Aug', 'Sep', 'Oct', 'Nov', 'Dec']\n    },\n    yAxis: {\n        title: {\n            text: 'Index (100 = jeweiliger Vorjahresmonat)'\n        }\n    },\n    plotOptions: {\n        line: {\n          marker: {\n                    enabled: false\n                },\n            dataLabels: {\n                enabled: false\n            },\n            enableMouseTracking: true\n        }\n    },\n    series: [{\n        name: 'Total',\n        data: [108.5,\t111.9,\t138.4,\t169.9,\t146.9,\t136,\t124,\t130.5, 127.6],\n          lineWidth: 5\n    }, {\n        name: 'Davon Mode',\n        data: [94.7,\t102,\t93.2,\t113.9,\t136.3,\t96.2,\t118.4,\t124.3, 112.8 ] },\n        {\n        name: 'Davon Heimelektronik',\n        data: [111.2,\t113.9,\t150.2,\t182.2,\t138.1,\t142.6,\t118.3,\t127.5, 124.6]\n    }]\n});\n});\n\n<\/script>\n&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span class=\"text__quelle--ground\">Quelle: <a href=\"https:\/\/distanzhandel.ch\/\">Distanzhandel.ch<\/a> \/ Die Volkswirtschaft<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Schluss liegt nahe: Online gewinnt, station\u00e4r verliert \u2013 aber ist dem wirklich so? Zum einen muss die Prozentzahl relativiert werden: Auf tieferer Basis hohe Wachstumsquoten zu realisieren, ist relativ einfach. Daher sind die absoluten Zahlen relevant. F\u00fcr 2020 rechnen wir im digitalen Detailhandel gegen\u00fcber dem Vorjahr mit einem Plus von knapp 3 Milliarden Franken, wobei der gr\u00f6sste Teil auf den Nichtlebensmittelhandel entf\u00e4llt.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Unterschiede nach Branchen<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuch f\u00fcr den station\u00e4ren Handel sah es bis im Herbst aus, als d\u00fcrfte das Jahr 2020 insgesamt glimpflich verlaufen.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Allerdings gibt es grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen. Stark zulegen konnte der Bereich Food. In der Nichtlebensmittelsparte waren Do-it-yourself-Produkte, Innenausrichtung, Heimelektronik und Sportausr\u00fcstungen besonders gefragt. All diese Bereiche wuchsen auch online kr\u00e4ftig. Hart getroffen hat die Krise hingegen Anbieter von Textilien und Luxusg\u00fctern wie Schmuck und Uhren \u2013 und zwar sowohl station\u00e4r als teilweise auch online. In der Gesamtbetrachtung d\u00fcrfte der Nichtlebensmittelhandel 2020 leicht unter Vorjahr abschliessen. Die Onlineanteile werden wohl in allen Sortimenten weiter steigen \u2013 auch in den schw\u00e4chelnden Bereichen Textil und Uhren\/Schmuck.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTrotz Lieferschwierigkeiten im Onlinehandel w\u00e4hrend des Lockdowns hat die Pandemie die seit Jahren zu beobachtende strukturelle Verschiebung zu mehr Onlineeink\u00e4ufen insgesamt verst\u00e4rkt. Aber auch nach der Wieder\u00f6ffnung im Sommer wurden fast 30 Prozent mehr Onlineeink\u00e4ufe get\u00e4tigt als in der Vorjahresperiode. Vermutlich tr\u00e4gt die Maskenpflicht im Detailhandel in einzelnen Kantonen zum einen oder anderen zus\u00e4tzlichen Prozent bei. Generell kann aber festgestellt werden, dass Konsumenten auch nach der Wieder\u00f6ffnung mehr online bestellen und die einzelnen Warenk\u00f6rbe mehr Produkte enthalten.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Online treibt station\u00e4r<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNeben den reinen Onlineh\u00e4ndlern d\u00fcrften dieses Jahr aber auch viele Omni-Channel-Anbieter zu den Gewinnern z\u00e4hlen. Diese H\u00e4ndler, die station\u00e4r und online pr\u00e4sent sind, konnten im Lockdown \u00fcberproportionale Onlineumsatzzuw\u00e4chse verzeichnen und vermochten so ihre station\u00e4ren Verluste etwas zu lindern. Die Webpr\u00e4senz zahlte sich auch nach dem Lockdown aus: Anbieter, die auch \u00fcber einen Onlineshop verf\u00fcgen, profitierten besonders von station\u00e4ren Nachholeffekten. Es macht den Eindruck, dass viele station\u00e4re Eink\u00e4ufe in der Lockdown-Endphase digital vorbereitet und danach station\u00e4r \u00abumgesetzt\u00bb wurden, sodass einige Nichtlebensmittelh\u00e4ndler nicht nur online, sondern auch station\u00e4r \u00fcber dem Vorjahr liegen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nInsofern k\u00f6nnen wir aus heutiger Sicht feststellen: Corona hat nicht nur den reinen Onlinehandel forciert; die Pandemie hat vielmehr auch das Kundenbed\u00fcrfnis nach Omni-Channel-Angeboten aufgezeigt. Der Effekt funktionierte dabei in beide Richtungen: Sparten wie Do-it-yourself, Garten, M\u00f6bel und Sportger\u00e4te, die online bisher ein stiefm\u00fctterliches Dasein gefristet hatten, erlebten wahre H\u00f6henfl\u00fcge \u2013 und die anf\u00e4ngliche Furcht vor Waren\u00fcberbest\u00e4nden hat sich schnell in eine Haltung \u00abWoher bekomme ich noch&#8230;?\u00bb gewendet.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Von Maslow und Masken<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGewisse Sortimente konnten hingegen selbst online nur wenig zulegen. Dazu z\u00e4hlen Textilien sowie Uhren und Schmuck. Einige spezialisierte Onlineh\u00e4ndler weisen in diesem Segment sogar Umsatzr\u00fcckg\u00e4nge gegen\u00fcber dem Vorjahr aus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWas sind die Gr\u00fcnde? Zum einen d\u00fcrfte die Nachfrage nach Luxusg\u00fctern abgenommen haben, da in der Krise Produkte gefragt waren, die Wohlbefinden und Sicherheit vermitteln. Wenn die maslowsche Theorie noch eines Beweises bedurft h\u00e4tte, die Corona-Krise hat ihn im Handel geliefert. Was aber den viel gr\u00f6sseren Effekt gehabt haben d\u00fcrfte und immer noch hat: Die neuen Bewegungsmuster, eingeschr\u00e4nkte Festivit\u00e4ten und eine ausgefallene Saison haben im Modehandel \u2013 auch online \u2013 Konsequenzen. Mehr Homeoffice heisst weniger Businesskleidung. Weniger Hochzeiten, Theater und Ausgang wiederum bedeuten weniger Anz\u00fcge, weniger Halsketten und \u00abfashionable Chic\u00bb. Mit anderen Worten: Das Modejahr 2020 ist ins Wasser gefallen. Dar\u00fcber hinaus macht Fashion-Shopping mit Maske vermutlich weniger Spass als fr\u00fcher, weshalb der Onlinehandel mit Mode trotzdem weiter zulegen d\u00fcrfte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZusammenfassend l\u00e4sst sich sagen: Auf heutigen Erkenntnissen aufbauend, wird der digitale Einkauf im Jahr 2020 so stark wachsen wie in den drei vorhergehenden Jahren kumuliert. F\u00fcr 2021 ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass der Onlinehandel die Corona-Krise mit gegenteiligen Effekten zu sp\u00fcren bekommt. Wenn sich das Leben normalisieren sollte, ist es durchaus denkbar, dass der Bereich Textilien und Branchen wie Reisen, Gastro und Events von einer \u00dcberkompensation profitieren. Entsprechend vorsichtig und kurzfristig d\u00fcrften Onlineh\u00e4ndler das Jahr 2021 planen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Beitrag von Sandra W\u00f6hlert (GFK) in dieser Ausgabe.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Corona-Zeit mit all ihren Facetten hat dem Onlinehandel in der Schweiz kr\u00e4ftigen Schub verliehen. Zu Beginn des Lockdowns im M\u00e4rz wurde bald den meisten Onlineanbietern bewusst: Da kommt etwas auf uns zu, was uns bis zum Letzten fordern wird. 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Aber ist das Wachstum auch nachhaltig, und tr\u00e4gt Corona zu einem anhaltenden neuen Kaufverhalten bei? Die aktuellen Entwicklungen bis in den Herbst lassen diesen Schluss zu. 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