{"id":100650,"date":"2020-11-16T07:42:57","date_gmt":"2020-11-16T07:42:57","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2020\/11\/passer-en-mode-gestion-de-crise\/"},"modified":"2023-08-23T22:51:39","modified_gmt":"2023-08-23T20:51:39","slug":"oekonomen-als-krisenmanager","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2020\/11\/oekonomen-als-krisenmanager\/","title":{"rendered":"\u00d6konomen als Krisenmanager"},"content":{"rendered":"<p>Es war am 22. Januar. In einem Werkstattseminar im Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) diskutierten wir, welche m\u00f6glichen Risiken die Konjunkturentwicklung besonders beeinflussen k\u00f6nnten. Ein Mitglied des Teams Konjunkturanalyse sagte, in einer chinesischen Provinz verbreite sich eine Lungenkrankheit. Sp\u00e4testens seit der Sars-Krise 2003 ist bekannt, dass eine Epidemie in einem weit entfernten Land den Gang der Weltwirtschaft beeinflussen kann. Wir erwarteten zu diesem Zeitpunkt aber nicht, dass die internationalen Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus wenige Wochen sp\u00e4ter alle westlichen Volkswirtschaften nahezu lahmlegen w\u00fcrden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Arbeit von uns Seco-\u00d6konomen \u00e4nderte sich damit schlagartig. Statt auf die g\u00e4ngige Konjunkturanalyse sowie unz\u00e4hlige laufende wirtschaftspolitische Projekte wie etwa den Aufbau einer staatlichen Investitionskontrolle zu setzen, war ab Februar Krisenmanagement angesagt. Um epidemiologische und \u00f6konomische Szenarien abzugleichen, etablierten wir den st\u00e4ndigen Austausch mit medizinischen Fachexperten. Gleichzeitig \u00fcberpr\u00fcfen wir die Einsch\u00e4tzungen der internationalen und der nationalen Wirtschaftsentwicklung laufend, passen sie bei Bedarf an und pr\u00fcfen wirksame Optionen einer St\u00fctzung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Die enorme Unsicherheit und die rasante epidemiologische Entwicklung im In- und Ausland tr\u00fcben dabei den Blick in die unmittelbare Zukunft. In der Folge steigt das Interesse an neuartigen m\u00f6glichst tages- und wochenaktuellen Wirtschaftsdaten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie von mir geleitete Taskforce \u00abCovid-19 und Wirtschaft\u00bb koordiniert bundesweit die Wirtschafts- und Finanzpolitik. So haben wir beispielsweise unter hohem Tempo eine makro\u00f6konomische Konjunkturst\u00fctzung in Milliardenh\u00f6he aufgegleist. Die Kooperation in der Bundesverwaltung funktionierte bisher hervorragend.&#13;<\/p>\n<h2><strong>Krisenerfahrungen von Vorteil<\/strong><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweizer Volkswirtschaft war mit der Bew\u00e4ltigung der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009, der Eurokrise 2011 sowie der starken Frankenaufwertung 2015 schon vor Ausbruch der Pandemie krisenerprobt. Diese Erfahrung lehrte denn auch: Die n\u00e4chste Krise kommt bestimmt \u2013 und wird andere \u00dcberraschungen mit sich bringen. Neu war mit der Corona-Krise, dass weite Teile ganzer Volkswirtschaften auf beh\u00f6rdliche Anordnung geschlossen wurden. Als besonders herausfordernd erwies sich in diesem Kontext die laufende G\u00fcterabw\u00e4gung zwischen hohem Schutz der \u00f6ffentlichen Gesundheit und den damit verbundenen volkswirtschaftlichen Kosten. Dass die Schweiz im internationalen Vergleich bisher glimpflich durch die Krise gekommen ist, haben wir nicht zuletzt dem gemeinsamen Verst\u00e4ndnis von \u00d6konomen einerseits und Expertinnen und Experten aus dem Bereich Public Health anderseits zu verdanken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSchliesslich hat die Bundesverwaltung in den vergangenen Monaten Erfahrungen mit Notrecht gesammelt: Bundesr\u00e4tliche Verordnungen werden im Wochentakt erarbeitet, \u00fcberarbeitet und zur neuerlichen Beschlussreife gebracht. Unweigerlich st\u00f6sst man dabei auf demokratiepolitisch heikles Terrain vor. Entsprechend gross ist die Verantwortung. Und dennoch: Das ausserordentliche Engagement von Bund und Kantonen findet \u00fcber Monate hinweg weitherum politische Unterst\u00fctzung. Der Grund ist einfach: Hierzulande geniesst das Vertrauen in die Institutionen einen hohen Stellenwert. Dieser Standortvorteil kann nicht \u00fcbersch\u00e4tzt werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war am 22. Januar. In einem Werkstattseminar im Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) diskutierten wir, welche m\u00f6glichen Risiken die Konjunkturentwicklung besonders beeinflussen k\u00f6nnten. Ein Mitglied des Teams Konjunkturanalyse sagte, in einer chinesischen Provinz verbreite sich eine Lungenkrankheit. 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