{"id":101151,"date":"2020-09-21T11:01:46","date_gmt":"2020-09-21T11:01:46","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2020\/09\/koller-10-2020fr\/"},"modified":"2023-08-23T22:52:21","modified_gmt":"2023-08-23T20:52:21","slug":"vom-eidgenoessischen-arbeitsamt-zur-direktion-fuer-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2020\/09\/vom-eidgenoessischen-arbeitsamt-zur-direktion-fuer-arbeit\/","title":{"rendered":"Vom Eidgen\u00f6ssischen Arbeitsamt zur Direktion f\u00fcr Arbeit"},"content":{"rendered":"<p>Die Geschichte der modernen Schweiz beginnt d\u00fcster: Kinderarbeit, lange Arbeitszeiten und kaum Schutz der Arbeiter bei Unf\u00e4llen und Krankheiten stehen am Anfang. Denn die Revolution von 1848, die das Ancien R\u00e9gime abl\u00f6ste, begr\u00fcndete einen liberalen \u00abNachtw\u00e4chterstaat\u00bb. Konkret heisst das: Der Bund besch\u00e4ftigt sich mit der rechtlichen Vereinheitlichung des politischen und wirtschaftlichen Territoriums der Schweiz, \u00fcberl\u00e4sst die Regelung der Arbeitsverh\u00e4ltnisse aber dem Markt. Aufgrund dieser Laisser-faire-Politik verschlechtern sich die sozialen Verh\u00e4ltnisse in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts zunehmend. Mit der fortschreitenden Industrialisierung stellen sich deshalb auch Fragen des Arbeitsschutzes.&#13;<\/p>\n<h2>Gesamtschweizerische Regeln ab 1874<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nErste Bem\u00fchungen, die Fabrikarbeit zu regeln, machen noch die Kantone. Das Glarner Fabrikgesetz etwa f\u00fchrt 1864 den 12-Stunden-Tag ein. Zuvor unterlag die Arbeitszeit allein dem Willen des Fabrikherrn. Erst mit der Revision der Bundesverfassung von 1874 wechseln Rechte und Schutz der Arbeit in die Kompetenz des Bundes. Das neue gesamtschweizerische Fabrikgesetz postuliert 1878 einen Arbeitstag von 11 Stunden und die Haftpflicht der Unter&shy;nehmer. Ab sofort \u00fcberwacht das Eidgen\u00f6ssische Fabrikinspektorat zusammen mit den Kantonen diese Bestimmungen, und Inspektoren kontrollieren die Fabriken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Bund subventioniert auch die Arbeits\u00e4mter, die Ende des 19. Jahrhunderts entstehen, und \u00fcbertr\u00e4gt ihnen die Arbeitslosenunterst\u00fctzung. Die ersten Arbeitsb\u00fcros entstehen zum Beispiel 1888 in Bern und 1895 in Genf. Sie dienen der Arbeitsvermittlung, dem Arbeitsnachweis, kontrollieren Arbeitslose und organisieren staatlich finanzierte Notstandsarbeiten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Hintergrund f\u00fcr weitere bundesstaatliche Interventionen in den liberalen Arbeitsmarkt ist der Erste Weltkrieg. In der Schweiz pr\u00e4gt der Landesstreik die politische Debatte. Die revolution\u00e4re Stimmung auf den Strassen und in den Fabriken wird von Polizei und Armee bek\u00e4mpft. Die Politik kommt den Forderungen der Arbeitenden entgegen: 1919 erl\u00e4sst der Bund das Bundesgesetz zur Ordnung der Arbeitsverh\u00e4ltnisse. Ein Eidgen\u00f6ssisches Arbeitsamt soll befugt werden, \u00abGesamtarbeitsvertr\u00e4ge verbindlich zu erkl\u00e4ren und Normalarbeitsvertr\u00e4ge aufzu&shy;stellen\u00bb.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Dieses Gesetz wird aber 1920 in einer Volksabstimmung abgelehnt. Die Revision des Fabrikgesetzes hingegen f\u00fchrt 1920 zu einer weiteren Reduktion der Arbeitszeit und zu Schutzbestimmungen f\u00fcr Arbeiterinnen.&#13;<\/p>\n<h2>Gr\u00fcndung im Zeichen des Friedens<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSchon 1919 beschloss der Bundesrat den Aufbau eines Amtes f\u00fcr Arbeitslosenf\u00fcrsorge. Dieses wird 1921 jedoch zugunsten des Eidgen\u00f6ssischen Arbeitsamtes aufgel\u00f6st, welches nun aufgrund eines Beschlusses vom 8. Oktober 1920 eingerichtet wird. Die Vorg\u00e4ngerbeh\u00f6rde der heutigen Direktion f\u00fcr Arbeit im Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft ist damit geboren. Das Amt soll sich um die Arbeitsverh\u00e4ltnisse k\u00fcmmern. Dazu geh\u00f6ren \u00abAufgaben, die aus der Zugeh\u00f6rigkeit zur Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) entstehen\u00bb. \u00abIm Interesse der Vermeidung von Arbeitskonflikten\u00bb soll es insbesondere auch die Arbeitsbedingungen, die Kosten der Lebenshaltung und den Arbeitsmarkt beobachten.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Begr\u00fcndung des Bundesrates f\u00fcr die Einrichtung eines solchen Amts, kurz nach der Abstimmungsniederlage von 1920, lohnt eine genaue Betrachtung: Seine Botschaft an das Parlament enth\u00e4lt einen Auszug aus dem Friedensvertrag von Versailles, der den Ersten Weltkrieg beendete: Demnach k\u00f6nne \u00abFriede nur auf dem Boden der sozialen Gerechtigkeit aufgebaut werden\u00bb, und dazu sei die Verbesserung der Arbeitsbedingungen \u00abdringlich erforderlich\u00bb.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Kurz: Der Bundesrat orientiert sich an den Beschl\u00fcssen der ILO, die 1919 in Genf gegr\u00fcndet wurde.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Eidgen\u00f6ssische Arbeitsamt beginnt klein: 1925 hat es neun Stellen, darunter einen Abteilungssekret\u00e4r, einen \u00abSekret\u00e4r 1. Klasse\u00bb, einen Sozialstatistiker, einen Hilfsstatistiker und drei Statistikgehilfinnen.&#13;<\/p>\n<h2>Bundesamt f\u00fcr Industrie, Gewerbe und Arbeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n1930 wird das Eidgen\u00f6ssische Arbeitsamt mit der Abteilung f\u00fcr Industrie und Gewerbe zusammengef\u00fchrt<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>, die schon seit 1888 bestand. Zu den Aufgaben der Abteilung geh\u00f6rten zun\u00e4chst der Arbeiter&shy;schutz mit dem Fabrikinspektorat sowie die Berufsbildung. Sp\u00e4ter kamen das Gewerbe (Werkst\u00e4tten) sowie die landwirtschaftliche und die berufliche Bildung der Frauen dazu. Die aus der Zusammenf\u00fchrung entstandene neue Beh\u00f6rde im Eidgen\u00f6ssischen Volkswirtschaftsdepartement (EVD), das Bundesamt f\u00fcr Industrie, Gewerbe und Arbeit (Biga), besteht aus dem Fabrikinspektorat, vier Kommissio&shy;nen f\u00fcr Fabriken, Werkst\u00e4tten, Sozialstatistik und Preisbildung, drei Gremien mit Experten f\u00fcr das gewerbliche, das industri&shy;el&shy;le und das kaufm\u00e4nnische Bildungswesen sowie einem Gremium mit \u00abExpertinnen f\u00fcr das hauswirt&shy;schaftliche Bildungswesen\u00bb. Zu den \u00abDirektionsadjunkten\u00bb, welche heutigen Stabsmitarbeitern entsprechen, geh\u00f6rt Dora Schmidt, die erste Frau in einer h\u00f6heren Position in der Bundesverwaltung. Als erstes Amt f\u00f6rdert das Biga gezielt Frauen in F\u00fchrungspositionen: Martha B\u00e4nninger etwa ist 1939 Sektionschefin.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Biga reorganisiert sich im 20. Jahrhundert immer wieder, um die Steuerung der Arbeitsverh\u00e4ltnisse, also die Verf\u00fcgbarkeit sowie den Schutz und die Gesundheit der Arbeitenden, an jeweils neue wirtschaftliche und gesellschaftliche Gegebenheiten anzupassen. Diese Ver\u00e4nderungen f\u00fchren im Verlauf der Jahre zu einem Arbeitsmarkt, der immer st\u00e4rker von Bund und Kantonen reguliert und kontrolliert wird.&#13;<\/p>\n<h2>Kriegswirtschaft und Konjunkturbeobachtung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine erste, einschneidende Anpassung ist in den Dreissigerjahren die Bek\u00e4mpfung der wirtschaftlichen Depression, insbesondere der Arbeitslosigkeit mit Arbeitsbeschaffungsmassnahmen. Pr\u00e4gend war auch die Vorbereitung auf die Kriegswirtschaft: Nach den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges, in dem die Schweiz mangelhaft vorbereitet war, erh\u00e4lt der Bundesrat 1938 weitreichende Kompetenzen f\u00fcr Beschlagnahmungen, Enteignungen und Kon&shy;trollen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas EVD gr\u00fcndet Kriegswirtschafts\u00e4mter parallel zur zivilen Verwaltung. Ab dem 4. September 1939 bewirtschaf&shy;tet das Kriegs-, Industrie- und Arbeitsamt Rohstoffe und den Einsatz von Arbeitskr\u00e4ften. Es gibt eine Arbeitsdienstpflicht. Das Kriegs-F\u00fcrsorge-Amt befasst sich mit Problemen der Sozialversicherun&shy;gen. Das Biga selber betreffen diese Aufgaben nicht. Es umfasst 1939 weiterhin das Fabrikinspektorat sowie die erw\u00e4hnten Kommissio&shy;nen. Neu ist die Kommission f\u00fcr Konjunkturbeobachtung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n1940 erl\u00e4sst der Bund ein Heimarbeitsgesetz. Es gibt dem Bundesrat die Kompetenz, Mindestl\u00f6hne festzusetzen, um so die Verh\u00e4ltnisse insbesondere im Textilgewerbe zu verbessern.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Die Vorkehrungen vermindern soziale Spannun&shy;gen. Die Schweiz kommt, gemessen am Ersten Weltkrieg, gut durch die Kriegsjahre.&#13;<\/p>\n<h2>Wirtschaftsboom ab 1950<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWeitere wichtige Anpassungen in der Steuerung des Arbeitsmarktes und der Arbeitsverh\u00e4ltnisse erfolgen aufgrund des Wirtschaftswachstums in den Sechzigerjahren, der Rezession in den Siebzigerjahren und der Integration in den europ\u00e4ischen Arbeitsmarkt in den Neunzigerjahren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNach 1950 steigt der Bedarf an Arbeitskr\u00e4ften rasch an. Die Rekru&shy;tierung von sogenannten Gast&shy;arbeitern im s\u00fcdlichen Europa erfolgt nach dem Rotationsprinzip: Die Bewilligungen werden nur befristet erteilt, sodass immer neue Arbeitskr\u00e4fte in die Schweiz reisen. Zwischen 1950 und 1970 werden unter grossem Aufwand der Verwaltung drei Millionen Bewilligungen f\u00fcr Saisonniers ausgestellt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn dieser Zeit boomt die parit\u00e4tische Sozialpolitik, die von staatlichen Stellen gef\u00f6rderten und moderierten Absprachen zwischen den Sozialpartnern \u2013 den Gewerkschaften und den Arbeitgeberverb\u00e4nden. Schon 1941 sah ein Beschluss und 1956 ein Gesetz die M\u00f6glichkeit vor, Gesamtarbeitsvertr\u00e4ge f\u00fcr allgemein verbindlich erkl\u00e4ren zu lassen.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> Das Biga sch\u00e4tzt 1950, dass circa 800\u2019000 Personen \u2013 rund drei F\u00fcnftel der Arbeitnehmenden \u2013 \u00a0einem solchen Vertrag unterstehen. Die neue Arbeitssituation wird im Arbeitsgesetz von 1964 geregelt.<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a> Es dehnt den Schutz der Angestellten von den Fabriken auf weitere \u00f6ffentliche und private Betriebe aus. Nun sind rund zwei Millionen Arbeitende dem Gesetz unterstellt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Biga besteht 1965 nach wie vor aus dem Fabrikinspektorat und den erw\u00e4hnten Expertengremien. Neu hinzugekommen ist ein arbeits\u00e4rztlicher Dienst in Z\u00fcrich, der Fragen der Gesundheit am Arbeitsplatz bearbeitet. Gem\u00e4ss dem Staatskalender geh\u00f6ren zu den Aufgaben des Biga Arbeitsmarktfragen und die Sozialstatistik. Die Kommissionen des Bundes f\u00fcr die Steuerung der Konjunktur und des Arbeitsmarktes \u00e4ndern in diesen Jahren immer wieder ihre administrative Zuordnung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWie schon in fr\u00fcheren Jahren besch\u00e4ftigt das Biga Spitzenbeamte und -beamtinnen, die vor- oder nachher Karrieren in der Privatwirtschaft oder in Wirtschaftsverb\u00e4nden machen. 1965 z\u00e4hlt das Biga insgesamt 109 Beamte. Gem\u00e4ss der Gosteli-Stiftung, dem Archiv zur Geschichte der schweizerischen Frauenbewegung, ist die promovierte Juristin Nelly Jaussi seit 1948 \u00ab2. Adjunkt\u00bb und damit \u00abdie h\u00f6chste Bundesbeamtin ihrer Zeit\u00bb.<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Arbeitslosigkeit in der \u00d6lpreiskrise<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den Siebzigerjahren geht die Wirtschaft aufgrund der \u00d6lpreiskrise durch eine einschneidende Rezession, die eine steigende Arbeitslosigkeit und insbesondere in der Uhrenindustrie Strukturanpassungen zur Folge hat. Zu Beginn dieser Dekade geht die Einwanderung schrittweise um nahezu 60 Prozent zur\u00fcck, danach kommt sie ganz zum Erliegen. \u00dcber 300\u2019000 Personen m\u00fcssen in ihre Heimatstaaten zur\u00fcckkehren, was der Schweiz den Vorwurf eintr\u00e4gt, ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte als Konjunkturpuffer zu missbrauchen. Die Arbeitslosenversicherung ist der Situation zun\u00e4chst nicht gewachsen. Vor der Krise in den Siebzigerjahren war nur rund ein Sechstel der Erwerbst\u00e4tigen versichert. Eine neue Konzeption der nun obligatorischen Arbeitslosen&shy;versicherung wird 1976 in einer Volksabstimmung angenommen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAls die Konjunktur in den Achtzigerjahren wieder anzieht, f\u00fchrt Jean-Pierre Bonny das Biga. Das Amt umfasst nun f\u00fcnf Abteilungen: eine f\u00fcr Arbeitnehmerschutz und Arbeitsrecht (inkl. Arbeitsinspektorat), eine f\u00fcr Arbeitskraft und Auswanderung sowie je eine Abteilung f\u00fcr Arbeitslosenversicherung, Berufsbildung und Sozialstatistik; und weiterhin den arbeits\u00e4rztlichen Dienst. Hinzu kommt neu ein Dienst f\u00fcr internationale Angelegenheiten.&#13;<\/p>\n<h2>Die Direktion f\u00fcr Arbeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n1994 verschickt der Bundesrat eine Botschaft zur Revision des Arbeitsgesetzes; sie betrifft die Flexi&shy;bilisierung der Arbeitszeit.<a href=\"#footnote_9\" id=\"footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor\">[9]<\/a> Die Revision scheitert zun\u00e4chst in einem Referendum. 1998 tritt das neue Arbeits&shy;gesetz nach Anpassungen bei den Schutzbestimmungen in Kraft.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn diesen Jahren wird die Wirtschaft nach liberalen Grunds\u00e4tzen neu ausgerichtet \u2013 Stichworte: \u00abFreiz\u00fcgigkeit\u00bb und \u00abIntegration in den europ\u00e4ischen Arbeitsmarkt\u00bb. Gleichzeitig besch\u00e4ftigt sich der Bund mit ausgedehnten Regierungs- und Verwaltungsreformen. Das Biga wird 1998 unter der Leitung von Jean-Luc Nordmann in das Bundesamt f\u00fcr Wirtschaft und Arbeit (BWA) \u00fcbergef\u00fchrt.<a href=\"#footnote_10\" id=\"footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor\">[10]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAm 14. Juni 1999 beschliesst der Bundesrat, das BWA und das Bundesamt f\u00fcr Aussenwirtschaft (Bawi) im Rahmen des Projekts Minerva zu einem neuen Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) zusammenzuf\u00fchren. Dieser Beschluss st\u00f6sst im EVD auf Kritik: Es hat im April 1999 die \u00abSchaffung eines Bundesamts f\u00fcr Arbeit\u00bb gefordert und diesen Antrag erst im Juni 1999 zugunsten einer Direktion f\u00fcr Arbeit im Seco zur\u00fcckgezogen. Den Ausschlag f\u00fcr diesen Entscheid gab die \u00dcberlegung, wonach die Arbeit ein wesentlicher Teil der Wirtschaftspolitik sei.<a href=\"#footnote_11\" id=\"footnote-anchor_11\" class=\"inline-footnote__anchor\">[11]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Unvereinbare Kulturen?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas EVD kritisierte anf\u00e4nglich, dass Bawi und BWA \u00abbedeutend weniger\u00bb Doppelspurigkeiten aufweisen, als urspr\u00fcnglich angenommen wurde. Entsprechend geringer fielen die Synergieeffekte aus. Von der Reorganisation sind 570 Stellen betroffen. Der von der Bundeskanzlei ver\u00f6ffentlichte Schlussbericht zur Regierungs- und Verwaltungsreform h\u00e4lt im Jahr 2000 fest, dass die unterschiedlichen Kulturen in diesen beiden \u00c4mtern \u00absich kaum je eliminieren\u00bb lassen. Sie seien \u00abnur insoweit aufeinander abzustimmen, dass sie die Zusammenarbeit nicht beeintr\u00e4chtigen\u00bb. Die Autoren des Berichts setzen auf sogenannte weiche Faktoren wie \u00abKooperation in Form von Projekten und flexiblen Taskforces\u00bb.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas EVD macht sich Sorgen \u00fcber die Gr\u00f6sse des Amtes; die Zusammenf\u00fcgung unterschiedlicher Kulturen gilt nicht als effizient. Das Departement hofft, dass \u00abeigenst\u00e4ndige F\u00fchrungsbereiche, die Verflachung der Hierarchie und eine flexible Organisation\u00bb die Nachteile kompensieren. Einzelne Stimmen bedauern auch, dass die Berufsbildung aus dem Bereich Wirtschaft und Arbeit herausgel\u00f6st wird. Diese Aufgaben werden ins neue Bundesamt f\u00fcr Berufsbildung und Technologie integriert. Auf Kritik st\u00f6sst \u00fcberdies der Transfer des Bereichs Arbeitskr\u00e4fte und Einwanderung vom EVD ins Eidgen\u00f6ssische Justiz- und Polizeidepartement. All dies f\u00fchrt zwar zu einer \u00abinsgesamt eher kritischen Beurteilung der Reformen im Bereich Wirtschaft und Arbeit\u00bb, wie der Bericht der Bundeskanzlei konstatiert, dennoch sei die Integration der Arbeit in die Wirtschaftspolitik sinnvoll.<a href=\"#footnote_12\" id=\"footnote-anchor_12\" class=\"inline-footnote__anchor\">[12]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Leitung des Seco \u00fcbernimmt 1999 David Syz. Er \u00fcbergibt 2004 an Jean-Daniel Gerber und dieser 2011 an Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch. Das Staatssekretariat verf\u00fcgt \u00fcber zehn Bereiche, darunter die Direktion f\u00fcr Arbeit.<a href=\"#footnote_13\" id=\"footnote-anchor_13\" class=\"inline-footnote__anchor\">[13]<\/a> Sie wird 1999 von Jean-Luc Nordmann geleitet und bearbeitet Fragen rund um die Arbeitsbedingungen mit dem Arbeitsinspektorat sowie den Arbeitsmarkt und die Arbeitslosenversicherung. Die inter&shy;nationalen Arbeitsfragen sind ebenfalls der Direktion zugeordnet. 2007 folgt Serge Gaillard, der die Leitung 2012 Boris Z\u00fcrcher \u00fcbergibt. Heute umfasst die Direktion 227 Vollzeitstellen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer R\u00fcckblick zeigt, dass die Direktion f\u00fcr Arbeit eine grosse Kontinuit\u00e4t in ihren Aufgaben aufweist. Ihr Ziel ist es, Menschen eine Arbeit f\u00fcr ein gesundes und w\u00fcrdevolles Leben zu erm\u00f6glichen. Die Beh\u00f6rde sorgt in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern und Kantonen seit 30 Jahren f\u00fcr klare Regeln beim Schutz der Arbeitenden, bei der Arbeitslosenversicherung und der \u00d6ffnung des Arbeitsmarktes nach der Einf\u00fchrung der Personenfreiz\u00fcgigkeit. Diese Kontinuit\u00e4t in der Steuerung der Arbeitsverh\u00e4ltnisse in einem liberal verfassten Arbeitsmarkt geht zur\u00fcck bis zum Eidgen\u00f6ssischen Arbeitsamt, das vor hundert Jahren gegr\u00fcndet wurde.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Bundesgesetz (BG) betreffend die Ordnung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses, 27. Juni 1919; Bundesblatt (BBl), 1919, 3, 26, S. 846\u2013853.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Bundesbeschluss (BB) \u00fcber die Errichtung des Eidgen\u00f6ssischen Arbeitsamtes, 8. Oktober 1920; BBl, 1920, 4, 42, S. 405ff.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">BB \u00fcber die Errichtung des Eidgen\u00f6ssischen Arbeitsamtes, 23. Juni 1920; BBl, 1920, 3, 26, Beilage 1, S. 651ff.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">BB \u00fcber die Vereinigung der Abteilung f\u00fcr Industrie und Gewerbe und des Eidgen\u00f6ssischen Arbeitsamtes vom 21. Juni 1929; BBl, 1929, 1, 26, 956f.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Der 1949 verabschiedete Beschluss zur F\u00f6rderung der Heimindustrie ist eine regionalpolitische Massnahme, findet Heimarbeit nun doch vor allem in l\u00e4ndlichen Gebieten statt; BB \u00fcber die F\u00f6rderung der Heimarbeit, 12. Februar 1949; BBl, 1949, 1, 7, S. 328\u2013330. Eine Neuregelung erfuhr die Heimarbeit in den 1980er-Jahren; vgl. BG \u00fcber die Heimarbeit, 20. M\u00e4rz 1981; BBl, 1981, 1, 12, S. 823\u2013828.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Mit der Allgemeinverbindlicherkl\u00e4rung wird der Geltungsbereich eines Gesamtarbeitsvertrags ausgedehnt auf alle Arbeitnehmer\/innen und Arbeitgeber der betreffenden Branche. <a href='https:\/\/www.seco.admin.ch\/seco\/de\/home\/Arbeit\/Personenfreizugigkeit_Arbeitsbeziehungen\/Gesamtarbeitsvertraege_Normalarbeitsvertraege\/Gesamtarbeitsvertraege_Bund.html' target=\"_blank\">Mehr Informationen<\/a> auf Seco.admin.ch.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">BG \u00fcber die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel, 18. M\u00e4rz 1964; BBl, 1964, I, S. 556\u2013582.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">Gosteli-Stiftung, Bestand 581, Nachlass Nelly Jaussi.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_9\" class=\"footnote--item\">Botschaft \u00fcber die \u00c4nderung des Bundesgesetzes \u00fcber die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel, 2. Februar 1994; BBl, 1994, 2, 13, S. 157\u2013218.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_10\" class=\"footnote--item\">Verordnung \u00fcber die Aufgaben der Departemente, Gruppen und \u00c4mter vom 9. Mai 1979; \u00c4nderung vom 19. Dezember 1997; Amtliche Sammlung des Bundesrechts (AS), 1998, 650.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_11\" class=\"footnote--item\">Schweizerisches Bundesarchiv (BAR), E7001D#2009\/55#1415*, \u00abMINERVA \u2013 Integration BAWI und BWA\u00bb, 1999\u20132001; weitere Unterlagen dazu finden sich in E7001D#2009\/55#1405*.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_11\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_12\" class=\"footnote--item\">Regierungs- und Verwaltungsreform, Schlussbericht, Bern 2000, S. 76\u201377, 109. Zu \u00abREODEC\u00bb, \u00abReorganisation des EVD im Rahmen der Regierungs- und Verwaltungsreform\u00bb, 2000, vgl. das Dossier E7001D#2009\/55#1411* im BAR.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_12\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_13\" class=\"footnote--item\">Organisationsverordnung f\u00fcr das EVD vom 14. Juni 1999; AS, 1999, 2179.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_13\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte der modernen Schweiz beginnt d\u00fcster: Kinderarbeit, lange Arbeitszeiten und kaum Schutz der Arbeiter bei Unf\u00e4llen und Krankheiten stehen am Anfang. Denn die Revolution von 1848, die das Ancien R\u00e9gime abl\u00f6ste, begr\u00fcndete einen liberalen \u00abNachtw\u00e4chterstaat\u00bb. 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